Zahl des Tages (14.12.09): -824.999.999

Für diesen wunderschönen Betrag hat die BayernLB den Klotz am Bein namens Hypo Group Alpe Adria an der österreichischen Staat verkauft. Dem Erlös von einem Euro steht ein Nachschuss von 825 Millionen Euro entgegen, so dass das Kapitel "gescheiterte Ostexpansion" mit einer letztmaligen Zahlung von (mindestens)

824.999.999 Euro

beendet wird.

Weitere 225 Millionen Euro kommen von den beiden anderen Eignern, dem Land Kärnten und der Grazer Wechselseitigen.

Darauf kommt - und deshalb steht oben ein "mindestens" vor der Zahl des Tages - noch eine Liquiditätspritze in Höhe von 3,4 Milliarden Euro, die ebenfalls von den ehemaligen Eignern stammt. Wie das abgewickelt wird, weiss ich aber nicht, weil die BayernLB betont, dass die Liquidität nur in begrenztem Umfang belastet würde. Sollte die Liquiditätsspritze aber in Cash geleistet werden, müsste die BayernLB mit 2,5 bis 3 Milliarden "dabei" sein und das würde ich nicht mehr als "begrenzt" bezeichnen. Wenn jemand die Info schon hat, bitte her damit, ich ergänze den Artikel. Die Liquiditätsspritze erfolgt über einen vorläufigen Verzicht der BayernLB auf Forderungen in Höhe von etwa 3 Mrd. Euro, die damit als Liquidität in der Hypo Alpe Adria weiterhin zur Verfügung steht.


Die BayernLB ist den Anteil an der Hypo Group Alpe Adria damit aber endlich los. Das ist das einzig Positive. Für die Österreicher ist natürlich positiv, dass die Pleite der HGAA vermieden wurde, die sonst das gesamte österreichische Bankensystem ins Wackeln gebracht hätte. Die Gesamtbelastung der BayernLB aus dem Hypo Group Alpe Adria Deaster schätzt das Handelsblatt auf etwa 8 Mrd. Euro. Die Sueddeutsche schätzt übrigens den Gesamtschaden mit 3,25 Mrd. vieeeel niedriger ein. Angesichts der Komplettabschreibung des Kaufpreises (3,2 Mrd. Euro) kann das aber einfach nicht stimmen. Es gab zwischendurch mehrere Kapitalerhöhungen und allein heute nochmal 825 Millionen on top.

Da wünschen wir dem österreichischen Staat viel Spaß mit der Hypo Group Alpe Adria. Wir freuen uns derweil weiter über unsere neueste Staatsanschaffung namens HypoRealEstate ...

Handelsblatt: BayernLB kauft sich von Hypo Group Alpe Adria frei
Sueddeutsche.de: Milliarden, wo seid ihr?

Zum Schluss noch eine kleine Randnotiz. Der "Too Big to Fail"-Wahn wird immer schlimmer. Während die klugen Köpfe die Zerschlagung zu großer und damit systemrelevanter Banken fordern, machen die Politiker das Gegenteil. Ich zitiere aus dem FTD-Berich zum HGAA-Verkauf:

Die Institute des Landes müssten durch Zusammenschlüsse wettbewerbsfit gemacht werden, sagte Hannes Androsch, Vizepräsident der Finanzmarktbeteiligung AG (Fimbag), am Wochenende. Als Vorbild verwies er auf den westlichen Nachbarn: "Österreich hat sechs systemrelevante Großbanken, die Schweiz nur zwei." Ähnlich äußerte sich Zentralbankchef Ewald Nowotny. Bislang sperren sich die Großbanken gegen Fusionen.

Die Lösung für Herrn Androsch ist also aus 6 systemrelevanten Banken weniger zu machen. Die dann so systemrelevant sind, dass bei einer Pleite direkt das ganze Land mitgerissen wird. Oder wie? Aber die Amerikaner haben es ja auch so gemacht ... (Bear Stearns an Bank of Amerika, Washington Mutual an JP Morgan Chase, ...) Und die Deutschen auch (Dresdner Bank an Commerzbank) ...

FTD: Österreich-Debakel kostet BayernLB 2,3 Mrd. Euro

Wenn ich die Lösung richtig verstehe, stimmt die Überschrift des FTD Artikels (wie der in der Seuddeutschen) auch nicht. Denn zu den 2,3 Mrd. Abschreibungen kommen ja noch mindestens die 825 Millionen Euro Eigenkapitalzuschuss.

Update (16:56)

Mylli weist mich darauf hin, dass die BayernLB keine 100% an der Hypo Group Alpe Adria hatte, der Kaufpreis also nicht bei 3,2 Mrd. Euro lag. Das ist natürlich ein guter Hinweis, er macht die Berechnung aber auch nicht einfacher.
So viel weiss ich: Die BayernLB hat den Anteil damals für 1,7 Mrd. Euro gekauft. Heute hat die BayernLB etwas über 67% der Anteile verkauft. Ob es damals auch 1,7 Mrd. für 67% waren oder die 67% erst durch die mehrfachen Kapitalerhöhungen entstanden sind, weiss ich aber nicht. Es kann also doch sein, dass die 3,25 Mrd. Euro Verlust, die die Sueddeutsche bringt, richtig sind. Allerdings auch nur, wenn man nur den Kaufpreis, die zwischenzeitlichen Kapitalerhöhungen und den heutigen Nachschuss rechnet. Die Verluste, die in der Zwischenzeit aufgelaufen sind, kämen dann aber immer noch oben drauf ...

Kommentare :

  1. Die BayernLB hat ja 2007 nur knapp die absolute Mehrheit gekauft, hat also nicht die 3.2 Mrd des damals geschätzten Hypo Werts auf den Tisch gelegt, also passen die 1.6Mrd Kaufpreis schon.

    Im übrigen fühle ich mich so was von verarscht von dem ganzen System. Hunderte Leasing-Yachten in der Adria, die verschwunden sind oder nie existierten, eine Nationalbank und ein Hypovorstand, für die die Hypo noch vor ein paar Monaten nicht gestresst ist und bald wieder Gewinne schreiben wird, Politiker, die jede Scheiße als Erfolg feiern, weil anders wäre es ja noch schlimmer gekommen...

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  2. Danke für den Hinweis. Habe den Artikel nochmal aktualisiert.

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  3. Die Bayern haben 2007 50% und eine Aktie gekauft und dafür 1,625 Mrd € gezahlt:
    http://www.bayernlb.de/internet/ln/ar/sc/Internet/de/Downloads/0100_CorporateCenter/1323Presse_Politik/Pressemeldungen/2007/10Oktober/09102007Presseinfo_Closing.pdf


    Sehr interessant und unverständlich finde ich, wie Kärnten seinen Beitrag leistet:

    "50 Millionen Ergänzungskapital, das Kärnten in der Hypo hat, werden in Eigenkapital der Bank umgewandelt. Für den Rest muss das Land Zwischenfinanzierungen finden: rund 104 Mio. werden mit den zu erwartenden Haftungsprovisionen besichert. Derzeit haftet das Land noch für rund 18 Mrd. Euro. Diese Summe soll bis 2017 auf Null abgeschichtet sein. Bis 2014 machen die Provisionen laut Dörfler knapp 65 Mio. Euro aus. Bis 2017 sollen noch einmal rund 40 Mio. hereinkommen"

    http://derstandard.at/1259281869682/Finanzierungsplan-Wie-Kaernten-das-Geld-aufbringt

    Wie funktioniert diese Provisionsgeschichte, kann mir das wer erklären?

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  4. ob das heute noch interessiert? egal....:


    19 Mrd. EUR Haftungsgarantie
    15 Mrd. EUR Bruttoregionalprodukt Kärnten (2006)

    gefunden in den Kommentaren zum Artikel....
    So wie ich das sehe spielen die Kärntner gegen Bezahlung Russisches Roulette. Wenn entsprechende Haftungsfälle eintreten, naja....Die Gebühren werden dann wohl kaum mehr da sein. Ist Kärnten eigentlich nicht sowieso schon ziemlich klamm?

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  5. @Simon:
    Das zeigt wie irre die Garantien sind. Allerdings ist das woanders ähnlich. In Irland sogar noch viel schlimmer. Dort sind die Bankbilanzen mehr als doppelt so hoch wie das BIP. Und da es dort auch eine Garantie für alle Bankschulden gibt, sieh da das Verhältnis noch schlimmer aus.

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