Zahl des Tages (16.12.09): 38.000.000.000

Die undefinierteste Zahl des Tages ever. Aber die Geschichte ist so krank, dass ich die einfach auf den Thron heben muss.

Wer sich gefragt hat, woher die Citigroup auf einmal das Geld hat, um die Rettungsgelder aus dem TARP-Topf zurückzuzahlen. OK, es soll eine Kapitalerhöhung geben. Aber ein Teil des Geldes kommt vom .... Trommelwirbel .... Staat! Ja richtig gehört! Die Citigroup zahlt mit Geld vom Staat das Geld vom Staat zurück. Der feine Unterschied: Das bisherige Geld war ein Kredit, das jetzige Geld ist schlicht ein Geschenk! Der Staat verzichtet nämlich durch eine Änderung einer bestimmten Steuervorschrift (ausschließlich für Banken mit staatlicher Beteiligung!) auf Steuerzahlungen in Höhe von

38.000.000.000 (38 Milliarden) Dollar.

Das ist natürlich alles ziemlich mysteriös und ich hatte gehofft, dass sich im Laufe des Abends noch etwas mehr klärt. Unter anderem wäre die genaue Summe interessant gewesen. The Big Picture spricht von den 38 Mrd. Dollar, aber die Washington Post als Quelle der Story hat die Zahl nicht, daher die Zahl nur unter Vorbehalt. Es ist auch unklar, ob sich das nur auf die Citigroup oder auf alle betroffenen Banken bezieht. Letzteres erscheint aber wahrscheinlicher.

The Big Picture: Citi TARP Repayment is a Tax Dodge

Die Beurteilung von Calculated Risk ist knapp:
"this doesn't seem to make sense ..."

Calculated Risk: Citigroup's "Massive" Tax Break

Und die Washington Post zitiert einen Steuerexperten mit den Worten:
"I’ve been doing taxes for almost 40 years, and I’ve never seen anything like this,"

Washington Post: U.S. gave up billions in tax money in deal for Citigroup's bailout repayment
De Spiegel hat die Story auch schon gebracht:

Spiegel: US-Regierung schenkt Citigroup Milliarden

Update (23:52)

Don Alphonso hat die Geschichte auch und verbindet sie (zu Recht) mit einer Breitseite auf Obama:

Rebellmarkt: Change! der Steuergeschenke

Kommentare :

  1. passt irgendwie trotzdem hierher:
    letzte Woche gabe es eine höchst verblüffende Meldung, Kuwait hätte mit seinem im Januar 2008 erworbenen Citigroup-Aktienpaket einen Gewinn von 1 Mrd USD oder 37% Rendite gemacht, trotz gezehntelten Kurses.
    Heute lese ich in meiner Tageszeitung, Abu Dhabi (zur Erinnerung: das sind die, die aktuell Dubai mit Milliarden aushelfen), die nur zwei Monate vorher im November 2007 sich bei der Citi eingekauft haben, fühlen sich von der Citi arglistig getäuscht und würden die Citi auf Schadensersatz in Milliardenhöhe verklagen.

    Kuwait mit Milliardengewinn
    www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/citigroup-aktien-kuwait-macht-kasse_aid_460843.html

    Abu Dhabi mit Milliardenverlust
    http://boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_402046

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  2. Eines ist mir mittlerweile klar:
    Ohne massiven Betrug und
    Täuschungen aller beteiligten
    Akteure wäre dieses korrupte
    Finanzsystem schon Geschichte!
    Dank Internet kommen immer mehr
    Details ans Licht, die Dinge lassen
    sich nicht mehr verschleiern.
    Der Kaiser ist nackt und jeder kann
    es sehen...

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  3. @Matsch:

    Es waren im Fall von Kuwait Vorzugsaktien (was in Deutschland Wandelanleihe heissen würde). Auch wenn ich die Details dazu nicht habe. Hab mal einen fragenden Artikel daraus gemacht.

    Vielleicht hat Abu Dhabi ja die echten Aktien gekauft und ist damit Baden gegangen ...

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