Zahl des Tages (17.12.09): 1,7%

Im Zusammenhang mit der Schuldenlast von Griechenland hatte ich überlegt, die Situation dort mit der deutschen zu vergleichen. Besonders beeindruckt hat mich die Zinslast der Griechen, die inzwischen 7% des BIPs ausmacht. Selbst wenn alle Einnahmen und Ausgaben (außer den Zinsen) ausgeglichen sind, produziert Griechenland also noch ein Minus, das mehr als doppelt so hoch ist wie die Maastricht-Grenzen es erlauben.

Nun, wie sieht es in Deutschland aus?

Deutschland zahlt 2010 gut 40 Mrd. Euro Zinsen. Das BIP 2010 wird bei etwa 2,4 Billionen Euro liegen. Daraus errechnet sich ein entsprechender Wert für Deutschland von knapp

1,7%.

Das ist nach Maastrichtkriterien nicht korrekt, weil noch Schulden für Länder und Gemeinden heraus gerechnet werden müssten. Aber den Hauptanteil machen die Schulden des Bundes aus, von daher ist diese Verkürzung nicht völlig neben der Spur.

Ich wollte die Zahlen nur mal ins Verhältnis stellen, weil mir zu viele am Rating von Deutschland zweifeln. Es gibt schon Gründe, warum Deutschland ein AAA hat und Griechenland ein BBB+ ...

Ich will aber auch nichts schön reden, denn der Spiegel zeigt ja sehr schön, was man mit dem Geld alles machen könnte. Aber den Point of no Return hat Deutschland ganz sicher noch nicht überschritten.

Spiegel: So schön lebt sich's schuldenfrei (Achtung fiese Klickstrecke)

Kommentare :

  1. In der Tat, NOCH ist der Point of no return nicht überschritten, dauert aber nicht mehr all zu lange, keine Sorge. ;-)

    Grüße,

    KP

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  2. naja, ich bin mir nicht einmal sicher, ob Griechenland den Punkt schon überschritten hat. Die USA und Großbritannien lagen nach dem 2. Weltkrieg bei deutlich über 200% Staatsverschuldung bezogen auf's BIP. Die haben sich auch wieder bekrabbelt.

    Klar, die Ausgangslage war eine andere. Man war Kriegsgewinner, die Ausgaben kamen aus einer einmaligen Sonderanstrengung und konnten schnell runtergefahren werden (der Staat ohne Kriegslasten war ziemlich schlank) ... In Griechenland ist das Defizit viel struktureller und daher wird es dort schwieriger. Aber noch ist es nicht unmöglich.

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  3. Also Dein Optimismus in allen Ehren, aber wie bitte sollen denn die Schulden jemals getilgt werden?

    Gibt ja eigentlich nur 3 Möglichkeiten.

    1. Das Wachstum geht durch die Decke und marginalisiert die bestehenden Schulden, höchst unwahrscheinlich in alternden Gesellschaften bei zunehmender weltweiter Konkurrenz.

    2. Die Schulden werden tatsächlich getilgt, hihi dann glaube ich lieber an den Weihnachtsmann.

    3. Per Währungsschnitt/Inflation werden die Schulden entwertet. Eigentlich die einzig denkbare Möglichkeit aber dies wurde ich als Insolvenz bezeichnen und ist in einer globalen Wirtschaft extrem schwierig umzusetzen ohne auf Dauer auf dem finanziellen Abstellgleis zu landen.

    Es geht ja nicht um den Staatsbankrott sondern um eine Möglichkeit überhaupt Schulden wieder loszuwerden und sei es nur tendenziell. Ich sehe da keine und somit haben wir den Point of no Return schon lange hinter uns.

    Grüße,

    KP

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  4. Ach ja, noch was...

    Es ist eigentlich Schwachsinn das BIP als Kenngröße zum Schuldenstand zu nehmen, weil nur weil so und so viel Geld im Land zirkuliert gehört es dem Staat ja nicht und er hat darauf auch keinen Zugriff.

    Viel entscheidender sind die entsprechenden Einnahmen des Staates, die müssten als Basis herangezogen werden, denn auf die hat eine Regierung wenigstens einen gewissen Einfluß.

    Denn mein Lieber, 1,7% (für D) hört sich ja harmlos an, der Schuldendienst ist aber der zweitgrößte Posten im Staatshaushalt.

    Grüße,

    KP

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  5. @KP:

    a) Der Staat hat auch Vermögensgegenstände auf der anderen Seite der Bilanz stehen.
    b) Staatsschulden werden nicht abgebaut. Die bleiben relativ stabil. Die relativieren sich über Wirtschaftswachstum und/oder Inflation. Bei 2% Inflation und 2% Zinslast steigt zum Beispiel die Verschuldung nicht. Kommen noch 2% Wachstum hinzu, sinkt die Verschuldungsquote sogar.
    c) Das BIP ist schon eine vernünftige Bezugsgröße, weil die Staaten ja relativ gleiche Möglichkeiten hat, Steuern zu erhöhen. Würde man es auf den Haushalt beziehen, könnte man Länder, bei denen viel über den Staat läuft (z.B. Skandinavien) nicht mit Ländern vergleichen, bei denen wenig über den Staat läuft (z.B. Schweiz). Steuererhöhungen gehen bis zu einer bestimmten Schwelle gut und ab dann führen höhere Einnahmen zu sinkenden Steuereinnahmen. Stichwort: Laffer-Kurve.
    Das ist übrigens das wirkliche Problem an den Staatsschulden: Schulden heute führen zu höheren Steuern morgen. Und die zahlt nachfolgende Generation. So wie wir das heute schon merken: Eine Rente, die genauso teuer ist wie vor 20 Jahren, aber nix mehr leistet. Und ein Gesundheitssystem, das mehr kostet als vor 20 Jahren und ebenfalls deutlich weniger leistet. Kurz: Die Bevölkerung muss den Gürtel enger schnallen, dann bekommt man die Zinslast aber wieder in den Griff.
    Ich habe ja nicht gesagt, dass das besonders schön wird, dass das ohne Einbußen stattfindet, ich habe nur gesagt, dass es *möglich* ist.

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  6. Zu a)
    Also zumindest Deutschland hat wohl nicht mehr sonderlich viel an Wert zu verhöckern. Infrastruktur mal ausgenommen, die will aber auch keiner haben wenn es wirtschaftlich im Lande nur noch südwärts geht.

    Zu b)
    Stabile Staatsschulden? Jetzt willste mich wohl auf den Arm nehmen... Denn Deine 2/2/2 Rechung geht nur auf wenn dies ein dauerhafter Zustand ist, leider gibt es aber immer wieder kleinere Zwischenfälle und dies leider auch regelmässig, da werden locker diverse gute Jahre überkompensiert und die Schulden sind keine Momentaufnahme, die bleiben erfahrungsgemäss "ewig" bestehen.

    Zu c)
    Genau die Laffer-Kurve, wir sollten mal davon ausgehen das wir uns schon heute recht nah am Optimum befinden, somit ist es mit signifikanten Besserungen an der Einnahmeseite eher Essig.

    Will sagen der Spielraum ist eng begrenzt und da spielt es keine Rolle wie der Staat genau organisiert ist, denn wir sind uns doch einig das die westlichen Staaten jeden (wohl hauptsächlich) sozialen Bereich irgendwie abdecken, was nicht staatlich ist, da hat der Staat auch nix zu melden, außer über Steuern versteht sich, siehe Laffer.

    Eben am sozialen Bereich zu sparen ist immer schwierig und das ist naturgemäß der größte Posten, sogar in den USA. Übrigens auch der Militäretat ist sozialer Natur, da in Friedenszeiten absolut sinnfrei, schafft aber sichere Arbeitsplätze, genauso wie der Posten Investitionen.

    Sägt der Staat dort die Ausgaben ab wird das BIP sinken und damit auch die Einnahmen, die Staaten müssen sich also verschulden um das Nötigste überhaupt bezahlen zu können.

    Also ist bei den Posten 1 und 3 auch nix wesentliches mehr zu holen, das disponible Einkommen von Staaten geht also gegen Null und Privatpersonen landen bei solchen Zahlen beim Zwegert.

    In Wahrheit befinden sich die Staaten in der Schuldenfalle aber wir werden ja sehen was passiert wenn die ersten Staaten bald pleite machen, ich hab da nämlich so ein Gefühl das es da nicht bei einem kleinen Lettland bleiben wird.

    O.K. Griechenland wird vielleicht noch durchgeschleppt aber von wem bitte? Von uns? Wir haben auch nix als Schulden und machen seit Jahrzehnten auch nur Miese.

    Grüße,

    KP

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  7. Der Point of no return ist in meinen Augen schon erreicht. Am einzelnen Menschen kann man doch sehen wie schnell es geht - vom gutverdienenden Mittelstand zu Hartz 4 ist es nur ein kleiner Schritt, wenn man Schulden hat.

    Das Problem ist, dass der ganze Prozess sich ja beschleunigt.
    Das ganze Wachstum der letzten Jahre hat uns fast nichts gebracht, weil wir Schulden haben. Jetzt wo zu den Schulden noch mehr Schulden kommen, wird sich der Verfall rasant beschleunigen.

    Und Inflation sehe ich nicht, wo soll die auch herkommen - alle haben weniger Geld.´

    Grüße, dm

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  8. @KP:

    "Wir haben auch nix als Schulden". Stimmt nicht. Deutschland (der Staat) finanziert sich komplett im Inland. Deutschland hat eine Vermögensposition gegenüber dem Ausland, die klar positiv ist. Deutsche halten mehr Staatsschulden im Ausland als Ausländer Staatsschulden von Deutschland halten.

    Ich sage nicht, dass das alles unkritisch ist. Auch Schulden bei Inländer sind nicht unkritisch. ABER es gab schon mal an anderen Ländern Staatsschulden, die höher waren (und die Länder haben es ohne Währungsschnitt o.ä. überlebt). Und es gibt Länder, die deutlich schlechter aussehen als Deutschland. Und die Auslandsverschldung Deutschland sieht VIEL besser aus als die der USA. Das muss man einfach berücksichtigen. Deutschland wird nicht das erste Land sein, das Pleite geht. Eher eins der letzten.

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  9. @anonym (dm)

    Die Notenbanken sorgen gerade dafür, dass wieder genug (zu viel?) Geld zur Verfügung steht. Dass das bei unsereins nicht ankommt, ist eine andere Nummer. Die Banken haben wieder genug davon und sorgen gerade auch wieder für die nächsten lustigen Spekulationsblases ..

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