Zahl des Tages (30.06.09): -0,6%

OK, die Zahl wird nicht sonderlich geheim bleiben und hat an der Wall Street schon für eine spürbare Stimmungsbesserung gesorgt.

Der Case-Shiller-Index, der wichtigste, weil aussagekräftigste Indikator für die Preise von Immobilien in den USA, kam heute mit einem Minus von nur

0,6%.

Damit hat sich die Minus im April deutlich abgeschwächt und so langsam darf man sich Hoffnungen darauf machen, dass das Schlimmste am Immobilienmarkt vorüber ist. Klar, es wird nicht sofort wieder einen Aufwärtstrend geben. Klar, es kann (und wird) wohl noch weiter nach unten gehen. Aber allein der Rückgang der Fallgeschwindigkeit ist schon beruhigend genug.

Im April lagen schon 9 der untersuchten 20 Regionen im Monatsvergleich wieder im Plus. Auch der Jahresrückgang ist von 18,7% (März) auf 18,1% zurückgegangen und liegt damit jetzt schon sichtbar unter dem Verlaufstief vom Januar, als das Minus noch bei 19,0% lag.

Das kann man jetzt auch schon in der Grafik erkennen:




Für den gesamten Finanzsektor (und auch den "Rest" der Wirtschaft) in den USA ist es extrem wichtig, dass die Immobilienpreise nicht noch viel weiter sinken als sie es bisher schon getan haben. Sollten die Preise vom Hoch aus gesehen um 45 oder 50% sinken, kämen noch mehr Hausbesitzer "unter Wasser" (= Hypothek ist höher als der Immobilienwert), was über Zwangsversteigerungen wieder für neue Immobilien auf den Markt sorgen würde. Und natürlich werde mit jedem weiteren Prozent Preisverfall neue Abschreibungen bei den Banken fällig. Stabilität kann in diesen Sektor nur über eine Stabilisierung der Immobilienpreise kommen.

S&P: THE PACE OF HOME PRICE DECLINES MODERATE IN APRIL ACCORDING TO THE S&P/CASE-SHILLER HOME PRICE INDICES (PDF!)

Um etwas Skepsis in die Suppe zu rühren ... Der Immobilienmarkt wird durch verschiedenste Maßnahmen (teilweise künstlich und unter Umständen nur temporär) gestützt:
Die Zinsen sind niedrig,
es gibt Steuergutschriften,
mglw. kommen nicht alle zum Verkauf stehenden Immobilien auch wirklich auf den Markt,
etc. pp.

Aber zusammen mit den deutlich sinkenden Lagerbeständen (siehe die beiden Artikel unten) und der wieder deutlich steigenden Affordability (Hauspreise in Jahreseinkommen gerechnet sinken) kommt man nicht daran vorbei, über einen Boden am Immobilienmarkt nachzudenken.

Vielleicht etwas zu früh, aber ich bin ja berühmt dafür ;-) früh zu spekulieren .... Ich will nicht wie die Optimisten im nach 5 Jahren Aufschwung alle Warnzeichen ignorieren oder wie die Pessimisten nach 18 Monaten Abschwung alle Hoffnungszeichen wegdiskutieren. Die Entwicklung kann man nur richtig beurteilen, wenn man die Augen in beide Richtungen offen hält.

Zahl des Tages (31.05.09): 10,1

US-Immobilienverkäufe steigen leicht

Euro-Inflationrate: -0,1%

Sollten wir uns merken, kommt wahrscheinlich nicht so schnell wieder ...

Damit ist nach Spanien, Irland, Portugal, Luxemburg, Belgien und Frankreich nun auch die gesamte Eurozone in die Deflation gerutscht. Im Juni gab es aufgrund der ersten Schätzung (die aber ziemlich zuverlässig ist) ein Minus bei den Verbraucherpreisen von 0,1% im Vergleich zum Juni 2009.

Ich würde es immer noch nicht überbewerten, denn es geht vor allem auf die Ölpreise von weit über 100 Dollar je Barrel im Vorjahr zurück. So wie im Vorjahr die Inflationsrate 1,5 oder 2 Prozentpunkte zu hoch war, ist die Inflationsrate jetzt 1,5% oder mehr zu niedrig. Im Spätherbst bekommen wir (aufgrund des Ölpreiseinbruchs des Vorjahres) wahrscheinlich aussagekräftigere Zahlen.

Spiegel: Euro-Inflation sinkt zum ersten Mal unter null Prozent

Oder von der Originalquelle:

Eurostat: Inflationsrate der Eurozone auf -0.1% geschätzt (PDF!)

Was ist das deutsche Industrieunternehmen mit dem besten Kredit-Rating?

Kleines Quiz zur Mittagszeit:

Was ist das deutsche Industrieunternehmen mit dem besten Rating?

Ich hätte auf Siemens getippt. Ist aber falsch. Auch wenn ich mich nicht schämen muss, denn bis Anfang dieses Monats war das Rating noch bei AA-, genau wie bei der jetzigen Nummer 1. Mein zweiter Tipp wäre BASF gewesen, aber auch die haben das AA- im Februar verloren. Aber eine Firma hat's noch.

Postet doch mal eure Idee in die Kommentare, bevor ihr nachschaut. (Wer den Namen Fehrenbach zuordnen kann, hat's natürlich einfach ...)

Auflösung hier:

Handelsblatt: Fehrenbach und sein „AA-“

Zahl des Tages (29.06.09): 150

Die Originalität der Zahl geht zwar gegen Null, aber da die ganze Geschichte hier (und natürlich auch woanders) intensiv verfolgt wurde, darf auch ruhig hier noch stehen, dass 50-Milliarden-Dollar-Betrüger "Bernie" Madoff zu

150

Jahren Haft verurteilt wurde.

Damit fiel das Urteil so hoch aus, wie von der Anklage gefordert und wesentlich höher als die 11 Jahre, die die Verteidigung gefordert hat.

Ich bin mir allerdings sicher, dass die Strafe außerhalb einer Finanzkrise milder ausgefallen wäre. In Krisen neigen die Richter dazu, (scheinbar) Verantwortliche zu richtig hohen Strafen zu verdonnern. In der letzten Krise hat es die Chefs von Enron (24 Jahre; Anklage 185 Jahre) und Worldcom (25 Jahre, Anklage 85 Jahre) erwischt, dieses Mal ist es Madoff, vielleicht Stanford und wahrscheinlich trifft es auch noch ein paar Leute aus der Hypotheken(verbriefungs)branche (z.B. von Countrywide). Wenn man sich die erstunken und erlogenen Börsenwerte von Worldcom und vor allem Enron anschaut, muss man die Strafen im Vergleich zu Madoff schon relativ mild nennen.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich will hier nichts relativieren, der Madoff gehört klar hinter Gitter. Und ob er 25 oder 150 Jahre bekommt, ist im Alter von 71 auch egal.

Handelsblatt: Madoff zu 150 Jahren Haft verurteilt

Update (30.06.09):

Und hier gibt's einen Blick in den Knast:

Esquire: Inside Bernie Madoff's New Home... for the Next 150 Years
(ältere Geschichte, habe ich glaube ich auch schon mal verlinkt)


Update 2 (30.06.09)

Interessante Einschätzung von Weissgarnix. Er meint, dass die Strafe das Vertrauen in das Finanzsystem stärkt, weil ja schließlich der Verantwortliche jetzt hinter Gittern ist und daher alles wieder gut ist. Obwohl dadurch ja nichts vom Schaden behoben ist ...

FAZ: Chaos as usual: Madoff schafft Vertrauen

Update 3 (30.06.09)

Und noch ein paar Stimmen von Betroffenen. Wie immer mit der Einschränkung, dass wer alles auf eine Karte setzt (also sein gesamtes Vermögen einem Fonds anvertraut) auch ein wenig selbst Schuld ist ...

Tagesschau: "Ich kann erst in Rente gehen, wenn er raus kommt"

Update 4 (30.06.09):

OK, die Haftbedingungen scheinen sich wohl doch gegenüber dem Stand von heute zu verschlechtern ...

Handelsblatt: Madoff kommt wohl zu den schweren Jungs

Der folgende Vergleich ist aber auf jeden Fall neben der Spur:

FTD: "Adolf Hitler der Finanzszene"

Zahl des Tages (28.06.09): 1.680.000

Investorenlegende Warren Buffet versteigert jedes Jahr ein Abendessen, bei dem der glückliche Gewinner mit Buffet speisen kann und ihm Löcher in den Bauch fragen darf.

Diese Jahr musste man für das Essen

1.680.000.000 (1,68 Millionen) Dollar

bezahlen. Auch nach der Finanzkrise scheint es noch Leute zu geben, denen ein einziges Abendessen so viel wert ist. Allerdings nicht mehr ganz so viel wie im Vorjahr. Da musste man noch 2,1 Millionen bezahlen. Ich weiss übrigens nicht, ob das Essen an sich im Preis schon inbegriffen ist. Das Geld geht übrigens an eine Wohltätigkeitsorganisation.

Yahoo: Buffett lunch auction nets $1.68M for charity

Nach einer relativ schwachen Phase 2008 sah sich Buffet auf der Hauptversammlung sogar zu Entschuldigungen und Rechtfertigungen zu einigen Investments gezwungen.
Creditwritedowns: Warren Buffett: Wells passes my own stress test
Die schlechte Performance kostet Buffets Holding Berkshire Heathyway sogar das Triple-AAA Rating (WAAArren Buffet is no more). 2009 lief aber schon ganz ordentlich an und die Investments im Finanzsektor (Goldman Sachs, Wells Fargo) haben sich seit Mitte März deutlich erholt.

Und nicht nur die Performance der letzten drei Monate kann Buffet stolz machen, auch der Preis ist OK: Im Film "Ein unmoralisches Angebot" sollte man eine ganze Nacht mit einer Frau für eine einzige schlappe Millionen kaufen können. Knapp 1,7 Millionen für einen Abend mit einem so alten Knacker sind im Vergleich doch eine ganz nette Summe ;-)

Der Film soll (wie alle(?) Demi Moore Filme) übrigens Schrott sein. Die Kritik "Ein klischeehaftes Pseudo-Drama, das die Macht des Geldes und seinen Einfluss auf jeden menschlichen Lebensbereich nur als Folie für eine letztlich verlogene Love-Story benutzt." wird in Wikipedia genannt.

Update (23:38)

Drei Nullen zuviel, weggestrichen ...

Update (01.07.09)

Die Ebay-Auktion kann man übrigens noch sehen:

Ebay: Abendessen mit Warren

Man darf übrigens noch 7 Freunde mitbringen. Das relativiert den Preis dann schon wieder etwas ...

Zahl des Tages (27.06.09): 67

Samstag. Dieses Wochenende direkt mit 5 Bankenpleiten in den USA, allerdings nur eine mit einer interessanten Größenordnung. Damit steht der Zähler für US-Bankenpleiten seit Ausbruch der Krise jetzt auf

67.

US-Bankenpleite Nr. 63:

Name: Community Bank of West Georgia,
Sitz: Villa Rica, Georgia,
Assets: 199 Millionen Dollar,
Käufer: keiner, Guthaben werden ausgezahlt,
Schaden für die FDIC: 85 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer. Platz 74 (rot).

FDIC Approves the Payout of Insured Deposits of Community Bank of West Georgia, Villa Rica, Georgia

US-Bankenpleite Nr. 64:

Name: Neighborhood Community Bank,
Sitz: Newnan, Georgia,
Assets: 221 Millionen Dollar,
Käufer: Charter Bank, West Point, Georgia,
Schaden für die FDIC: 67 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer. Platz 31 (rot).

CharterBank, West Point, Georgia Assumes All of the Deposits of Neighborhood Community Bank, Newnan, Georgia

US-Bankenpleite Nr. 65:

Name: Horizon Bank,
Sitz: Pine City, Minnesota,
Assets: 87 Millionen Dollar,
Käufer: Stearns Bank Bank, St. Cloud, Minnesota,
Schaden für die FDIC: 33 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer. Platz 41 (rot).

Stearns Bank, National Association, St. Cloud, Minnesota, Assumes All of the Deposits of Horizon Bank, Pine City, Minnesota


US-Bankenpleite Nr. 66:

Name: MetroPacific Bank,
Sitz: Irvine, California,
Assets: 80 Millionen Dollar,
Käufer: Sunwest Bank , Tustin, California,
Schaden für die FDIC: 29 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.

Sunwest Bank, Tustin, California, Assumes All of the Deposits of MetroPacific Bank, Irvine, California

US-Bankenpleite Nr. 67:

Name: Mirae Bank,
Sitz: Los Angeles, California,
Assets: 456 Millionen Dollar,
Käufer: Wilshire State Bank , Los Angeles, California,
Schaden für die FDIC: 50 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.

Wilshire State Bank, Los Angeles, California, Assumes All of the Deposits of Mirae Bank, Los Angeles

Zahl des Tages (26.06.09): -26%

Der Grill duftet schon und ich habe bisher keine wirklich spannende, aktuelle Zahl gefunden. Und nach dem Grillen mache ich den Computer nicht wieder an (oder schreibe zumindest nichts ... ist besser so :-)). Daher mal was aus der Retorte, das ich im Laufe der Woche für solche Tage "aufgespart" habe.

Ein paar erschreckende Zahlen über die wegbrechenden Steuereinnahmen in den USA sind in den vergangenen Wochen (auch hier) schon gekommen. Aber nicht nur Arnie und Barack leiden unter sinkenden Steuereinnahmen. Der Trend ist breiter. Und wenn man breiter wird, sinkt normalerweise das Ausmaß des Schreckens aufgrund der Durchschnittsbildung etwas. Dieses Mal aber nicht ...

In den ersten 4 Monaten 2009 ging das Steueraufkommen der amerikanischen Bundesstaaten im Durchschnitt um

26%

im Vergleich zum Vorjahr zurück.

Die Schere geht also immer weiter auseinander. Nicht nur die Ausgaben steigen, auch die Einnahmen gehen drastisch zurück.

Vielleicht sehen wir schon bald einen weiteren Bundesstaat neben Kalifornien, der Finanzierungsprobleme bekommt. Bei der Breite und der Tiefe des Einbruchs ist das zumindest nicht auszuschließen.

WSJ: State Income-Tax Revenues Sink

Creditwritedowns: State tax revenue down 26% in 2009

Ich bin kein Fan von Werbung, aber die ist gut!

Gut, wer ist schon Fan von Werbung ... Aber manche Ideen wie die Gewichts-Anzeige (Wortspielalarm) in Holland war schon geil (siehe Geile Werbeidee für ein Fitnessstudio).

Und jetzt gibt es eine wunderbare Werbeidee von Amnesty International, die in Hamburg umgesetzt wurde. In die Werbetafel an einer Haltestelle wurde eine Kamera eingebaut. Diese Kamera merkt, ob jemand auf die Anzeige schaut oder nicht. Und danach wird das Motiv ausgetauscht:



Copyranter: High-tech anti-domestic violence advertising

gefunden über Gizmodo: Anti-Abuse Bus Stop Ad Only Batters Women When Nobody's Looking

Geheimplan: In einem Jahr dürfen alle ins Disneyland

oder so ...

Blühende Landschaften ...
Allen wird es besser gehen ...

Sagt Austan Goolsbee, ein Wirtschaftsberater von Obama ...

Und Colbert fragt sich, wie der Sozialismus das schaffen soll ...

The Colbert ReportMon - Thurs 11:30pm / 10:30c
Austan Goolsbee
www.colbertnation.com
Colbert Report Full EpisodesPolitical HumorMark Sanford

Ambac und MBIA straucheln immer noch ...

... aber ich bin schon überrascht, wie lange die das schaffen ohne umzufallen.

Die beiden größten US-Kreditversicherer haben ein Geschäftsmodell, das meiner Meinung nach nicht funktionieren kann, bzw. nur in guten Zeiten. Wenn das Rating für die eigenen Schulden unter AAA sinkt, brechen Margen und Neugeschäft gleichzeitig in sich zusammen. Und das läuft gerade. Warren Buffets neu gegründeter Kreditversicherer (mit AAA Rating) überrollt den Markt und die beiden alten zeichnen kaum noch neues Geschäft.

Auch wenn MBIA und Ambac gebetsmühlenartig betonen, dass sie überlebensfähig seien und dass der innere Wert der Aktie ein Vielfaches über dem aktuellen Kurs liege, haben sie die Probleme insgeheim doch zugegeben. Denn ihre Lösung für das Problem ist einfach: Sie wollten einfach einen neuen Kreditversicherer gründen. Also Kapitalerhöhung durchziehen und dann das Geld in die neue Firma stecken. Für die alte Firma heisst das dann wohl: Daumen drücken und zwar feste und Toi! Toi! Toi! ...

Dass die alten Firmen Probleme haben (die ich für so gravierend halte, dass die ohne staatliche Hilfe nicht überleben dürften), zeigt aktuell auch die erneute Herabstufung der Kreditqualität, dieses Mal bei Ambac. Nicht nur die Ratings der Firma selber wurden herabgestuft, sondern logischerweise auch die Ratings der von Ambac versicherten Anleihen. Letztere sind jetzt nur noch mit BBB bewertet, was nur zwei Stufen von Junk entfernt ist. Wer soll jetzt bei Ambac noch eine Versicherung kaufen, wenn die Anleihe nachher immer noch nur minimal vom Schrottstatus entfernt ist?

Marketwatch: Ambac shares fall again after S&P warning

Aber noch schlimmer für beide: Die Gründung der neuen Anleiheversicherer läuft alles andere als glatt.

Ambac hat die Gründung des neuen Anleiheversicherers Everspan (um keine schlechte Erinnerungen zu wecken nennt man das besser nicht Ambac ...) erstmal verschoben. Ambac hat selber nicht genug Geld, um die nötige Kapitalzufuhr zu schaffen und die Geldgeber von außen hatten kein Interesse. Was ich sehr gut nachvollziehen kann ... Die Ratingagentur hat versichert, dass es mit der Menge Geld, die Ambac noch hat, kein gutes Rating geben wird. Dann hat man erst einmal auf die Pausentaste gedrückt. Nebenbei hat der designierte Chef von Everspan seinen Rücktritt zum Jahresende erklärt.

Marketwatch: Ambac postpones plan for new muni bond insurer

Und beim Konkurrenten MBIA sieht es nicht viel besser aus. MBIA hat die Ausgründung des guten Teils der Anleihenversicherung (die öffentlichen Anleihen) zwar schon geschafft, aber das Rating der neuen Tochter National Public Finance Guarantee Corporation ist nicht sonderlich gut, sondern nur Baa1. Und das Rating der Mutter sinkt weiter und inzwischen tief im Junk.

Gegen die neue Tochter liegen jetzt Klagen vor und zwar von Kunden, die bei der alten Versicherungstochter geblieben sind. Diese sind natürlich wenig begeistert davon, dass sie für eine Versicherung bezahlt haben (und zahlen), die die profitablen Versicherungen an eine neue Firma übergibt und die alte Versicherung ausbluten lässt. Ich habe ja schon vorher das Überleben der Anleihenversicherer kritisch gesehen, aber wenn man das gute Geschäft in eine neue Firma auslagert und das schlechte (=risikoreiche) in der alten lässt, hat die alte Firma (=der Rest) erst recht keine Überlebenschance.

Marketwatch: MBIA's revival effort hampered by litigation

Die ganze Geschichte der "angekündigsten Pleiten des Jahres" in diesem Blog: Suche nach MBIA

Zahl des Tages (25.06.09): 283.000.000.000

Mal wieder eine Schadenschätzung, die sich am Ende als gar nicht so schlimm herausstellt, wie sie am Anfang klingt.

Noch

283.000.000.000
(283 Mrd.) Dollar

Verluste müssen die Banken in Euro-Land bis 2011 verkraften. Das schätzt die EZB.

Der IWF hat die Summe noch auf 750 Mrd. Dollar geschätzt, allerdings sind davon bereits 210 Mrd. "verarbeitet" worden. Daraus ergibt sich, dass noch 540 Mrd. Dollar Verluste bei den Banken noch vor uns liegen.

Die EZB ist also wesentlich optimistischer als der IWF und hält folgerichtig die Banken im Euroraum auch für ausreichend kapitalisiert.

Da wollen wir dann mal hoffen, dass die EZB recht behält.

FT: ECB says eurozone banks face $283bn more losses before 2011
FT Alphaville: Eurozone banks face $283bn in losses

Fiat Money - Jetzt auch im Handelsblatt

Fiat hat an dieser Stelle nichts mit dem Automobilhersteller zu tun, sondern in der lateinischen Bedeutung: Es werde. (Daraus wurden auch schon böse Witze über die Autos von Fiat gebastelt ...).

In der Ecke der Gold Bugs werden die aktuellen Papiergeldwährungen, die seit Bretton Woods durch nichts mehr gedeckt sind, schon lange als Fiat Money bezeichnet. Geld, das die Notenbank im Zweifelsfall in beliebigen Mengen produzieren kann. Man lässt die Notenpresse schneller laufen, kauft den Banken wertlose Schrottpapiere gegen Bargeld ab, etc. pp. Das geht in quasi beliebiger Menge. Milliarden. Billionen. Wie du willst.

Das ist IMHO eine der Gründe dafür, warum wir immer wieder Blasen sehen. Die letzte Blase (Internet/Medien/Hightech 1999/2000) wurde mit niedrigen Zinsen und lockeren Finanzierungsmöglichkeiten bekämpft, was eine noch größere Blase (Immobilien/Rohstoffe) erzeugte, die jetzt wieder mit noch niedrigeren Zinsen und noch aggressiverer Gelddruckpolitik bekämpft werden soll.

Wenn die Notenbanken nicht aufpassen und bei einer zu starken Erhöhung der Geldmenge den Überschuss wieder einsammeln, führt das zwangsläufig zu Inflation. Auf welchem Gebiet ist unklar. Bisher hatten wir keine Inflation im großen Stile, da sich die Preisanstiege auf Märkte beschränkten, in denen Inflation (=steigende Preise) begrüßt werden: 1999 in den Aktienmärkten, 2002-2006 auf dem Immobilienmarkt. Aber auch wenn alle Besitzer von Aktien und Immobilien sich über die steigenden Preise freuen, ist es für alle "Nichtbesitzer" doch nichts anderes als Inflation. Es braucht nicht mehr 3 Jahreseinkommen, um ein Haus zu kaufen, sondern 5. Was ist das anderes als Preissteigerung, sprich Inflation?

Aber genug der Abschweifung. Ich wollte eigentlich nur auf einen sehr schönen und langen Artikel im Handelsblatt hinweisen, der sich um Fiat Money dreht. Gold Bugs wird nichts davon neu sein, auch Leser des (IMHO einzig lesenswerten) Börsenmagazins Smart Investor werden gähnen, aber trotzdem schön, dass das Thema mal breiter diskutiert wird.

Handelsblatt: Es werde Geld – es werde Krise

Ich glaube übrigens, dass die Notenbanken auch dieses Mal das Geld nicht rechtzeitig einsammeln werden. Niemand hat die Krise früh genug gesehen. Genauso wird niemand den selbsttragenden Aufschwung rechtzeitig genug sehen. Daher werden die Notenbanken zu lange auf dem Gaspedal bleiben und die nächste Blase befeuern, wo auch immer diese entstehen mag. Wir kommen aus diesen ewigen Schwankungen nur raus, wenn die Geldmenge mehr oder weniger fix ist, z.B. über eine Goldbindung.

Der Artikel im Handelsblatt beschäftigt sich aber nicht mit dem zentralen Punkt, den ich oben diskutiert habe (der Geldschaffung der Notenbanken), sondern mit der Geldschaffung durch die Geschäftsbanken. Diese verleihen ihre Kundeneinlagen mehrfach wieder, was am Ende den berühmten Hebel ergibt: Für jeden Euro Eigenkapital bzw. Kundeneinlagen werden x Euro Kredite vergeben. Der aktuelle mögliche Hebel liegt bei 50. Das ist natürlich viel zu hoch und führt dazu, dass die Banken extrem wacklig sind, weil bereits niedrige Kreditausfälle den Risikopuffer auffressen und die Banken dann die Kreditvergabe kürzen müssen.

Norbert Häring vom Handelsblatt fordert folgerichtig auch eine massive Senkung der Hebels und schlägt dafür einen Mechanismus vor, den die Notenbanken abgeschafft haben: Die Mindestreserve. Das ist die Menge des Geldes, die die Banken pro Euro Kundeneinlage bei der Notenbank hinterlegen mussten. Darüber hatten die Notenbanken früher eine viel direktere Einflussmöglichkeit auf die Geldmenge. Erhöht die Notenbank die Mindestreserve, sinkt die Geldmenge, senkt die Notenbank die Mindestreserve, kann die Geldmenge steigen. Die Mindestreserve ist aber quasi überall als geldplitische Maßnahme abgeschafft worden (unmodisch?), die einzige Ausnahme die ich kenne, sind die Chinesen.

Das ganze Geld- und Bankensystem ist auf Hebel, Hebel, Hebel gebaut. Damit wurden die Banken immer größer, konnten immer mehr Geld verleihen und ihre Gewinne steigern. Am Ende wurden aber die Risikopuffer so klein, dass (fast) alle Banken wacklig wurden und teilweise mit Steuergeldern gerettet werden mussten. Das sollte nie wieder passieren. Und dafür müssen die Risikopuffer wieder größer werden. Durch die Mindestreserve (senkt den Hebel auf die Kundeneinlagen) und durch höhere Eigenkapitalanforderungen für die Banken (senkt den Hebel auf das Eigenkapital). Dann bekommen wir wieder ein Bankensystem wie früher, das auch mal eine Krise aushalten kann. Und nicht zu einem weltweiten Dominospiel mutiert ...

Update (16.26)

"als geldpolitische Maßnahme" ergänzt, um klar zu machen, dass es zwar noch eine Mindestreserve gibt (2%-->Hebel von 50), aber an der Höhe nicht mehr aus geldpolitischen Gründen gedreht wird.

Zahl des Tages (24.06.09): 442.241.000.000

Manchmal kann man eine Zahl ja schon fest als Zahl des Tages einplanen. Im Fall von heute hatte ich sogar vor, schon vorher etwas darüber zu schreiben, bin aber nicht dazu gekommen. Aber zur Zahl des Tages wird die Zahl dann doch ...

In der aktuell (OK, in den letzten Tagen nicht mehr ganz so) positiven Stimmung tauchen in der Diskussion eine Reihe der Punkte nicht mehr auf, die vor ein paar Monaten noch ultraspannend waren. Als wäre auf einmal alles wieder in Butter. Die Kredite sind alle solide, es gibt kein Deleveraging, keine Kreditklemme, und die Banken sind solide finanziert, etc. pp.

Zumindest beim letzten Punkt liefern die Zahlen von heute den Beweis für das Gegenteil. Die europäischen Banken haben sich beim heutigen Refinanzierungsgeschäft (übrigens dem ersten mit einem ganzen Jahr Laufzeit) der EZB deutlich mehr Geld geliehen als erwartet. Ursprünglich wurde mit Summen um die 300 Mrd. Euro gerechnet, die auch am Jahreswechsel schon einmal erreicht wurden. Geworden sind es jetzt aber

442.241.000.000 (442 Mrd) Euro.

Man darf die Zahl nicht zum Weltuntergang machen, denn die Banken besorgen sich beim aktuellen Rekordtief von 1,0% bei den Leitzinsen logischerweise lieber zu viel als zu wenig Geld. Immerhin kann man es relativ problemlos zu deutlich höheren Zinsen an andere weiterverleihen und sich damit eine goldene Nase verdienen (schaut mal auf den Dispozinssatz auf eurem letzten Kontoauszug!).

Auf eine entspannte Finanzierungslage der Banken weist die Zahl aber eben auch nicht hin ...

Handelsblatt: EZB stellt mehr Geld bereit als erwartet
FTD: EZB pumpt 442 Milliarden in den Markt

ECB: LTRO Allotment

US-Immobilienverkäufe steigen leicht

Gestern gab es die IMHO wichtigsten monatlichen Zahlen zum US-Immobilienmarkt, mämlich die zu den gebrauchten Immobilien. Diese Zahlen sind deshalb so wichtig, weil die Anzahl der verkauften gebrauchten Immobilien wesentlich höher ist als die Zahl der neuen Immobilien. Aktuell werden pro Jahr etwa zehnmal so viel gebrauchte Immobilien verkauft als neue.

Im Mai wurden (annualisiert) 4,25 Millionen gebrauchte Immobilien verkauft. Das ist ein kleiner Anstieg von 2,4% gegenüber dem April. Diesen Anstieg fanden einige Analysten enttäuschend. Mir aber egal ;-)

Ich schaue schon länger vor allem auf eine Zahl, um einen möglichen Boden zu prognostizieren. Und das ist (ich langweile meine Stammleser) der Lagerbestand in Monatsumsätzen. Und hier ist (nach einem Fehlalarm am Anfang des Jahres) die Topbildung nicht mehr zu leugnen.

Der Lagerbestand von Einfamilienhäusern ist inzwischen auf 8,9 (nach 9,1) Monate gefallen, der Lagerbestand für alle Wohnimmobilien auf 9,6 (nach 10,1). In der unten anhängenden Grafik ist die Entwicklung klar zu erkennen.





(Quelle: Northern Trust: Daily Commentary 23.06.09 (PDF!)


Wir sind zwar noch weit weg von einem normalen Wert, der irgendwo bei 6 Monaten liegt, aber auch schon ein ganzes Stückchen weg vom Hoch, das bei 11,3 Monaten lag.

Es ist relativ verblüffend, denn eigentlich musste man bei steigender Arbeitslosigkeit und weiter sinkenden Immobilienpreisen mit einem Anstieg der Anzahl von Immobilien rechnen, die zwangsweise auf den Markt kommen.

Jetzt liegt die Vermutung nahe, dass die zum Kauf stehenden Immobilien inzwischen auch alle genau aus diesem Zwangspool stammen und kaum jemand mehr freiwillig verkauft. Was nach den gesunkenen Hauspreisen auch gut nachvollziehbar wäre. Aber das stimmt nicht.

Interessanterweise ist der Anteil der Immobilien aus Zwangsversteigerungen aber von knapp der Hälfte auf nur noch ein Drittel gesunken. Es sieht also so aus, als würden die Maßnahmen zur Stabilisierung der Immobilienmarkts greifen, die unter anderem preiswerte Kredite für überschuldete Immobilienbesitzer und Steuergutschriften für Erstkäufer umfassen.

The Big Picture: Existing Home Sales

Aber auch mit diesem Punkt ist die Diskussion noch nicht beendet. Denn die Immobilienverkäufe sind stark saisonal schwankend. Die Umsätze steigen jedes bis in den Sommer und sinken ab dem Herbst dann wieder. Sehr beeindruckend in folgender Grafik zu sehen:



Calculated Risk: Existing Home Sales Graphs

In einer anderen Grafik auf der Seite kann man sehen, dass der Lagerbestand bei weitem nicht derart starken saisonalen Schwankungen unterliegt. Dass der Lagerbestand in Monaten mit den saisonal steigenden Verkäufen sinkt, ist also zum Teil saisonal bedingt. Daher kann man, auch wenn die Zahl an sich klar positiv ist, noch keine endgültige Entwarnung geben. Es kann sein, dass der saisonale Einfluss die Zahl zu stark verfälscht.

Ein anderer verfälschende Faktor könnte sein, dass es eine Art "Schattenlager" gibt, also bestimmte Verkäufer (wie z.B. die Banken) aktuell nicht alle Häuser auf den Markt geben, weil sich sowieso keine akzeptablen Preise erzielen lassen. Man kann die leerstehenden Häuser ja auch an den ehemaligen Besitzer (oder jemand anderen) vermieten.

Übrigens zeigen auch die Zahlen, die übrigens von der NAR (Vereinigung der US-Immobilienmakler) stammen, einen Preisverfall von fast 18%. Das liegt also in der Ecke, in der die Zahlen von Case-Shiller liegen und deutlich unter den Zahlen aus einigen anderen Quellen. Wenn aber schon eine Organisation, die des Lobbying nicht unverdächtig ist, einen so krassen Preiseinbruch vermelden muss, stützt das nur meine Annahme, dass der Case-Shiller-Index *der* Index für die Preisentwicklung ist, dem man vertrauen kann und den man beobachten muss.

Als Silberstreif am Horizont lasse ich die Zahlen zum Lagerbestand aber trotzdem durchgehen ...

NAR: May Existing-Home Sales Continue Rising Trend

Volker Pispers zur Zensursula

Das (Stopschild) ist in etwa so, als würde ein Polizist eine Vergewaltigung im Park überraschen und statt sich auf den Vergewaltiger zu stürzen, einen Sichtschutz aufbauen, damit niemand die schrecklichen Bilder unfreiwillig ansehen muss.

Gut, dass sich da mal einer drum gekümmert hat.

WDR2-Kabarett: Volker Pispers

Update (10:52):

Weil's gerade passt (auf einen Hinweis von FJ):













Übrigens fällt mir auch noch ein alter Artikel von mir ein:

Big Brother is watching you!

Ziemlich verzweifelter Versuch, darin den glotzenden Schäuble einzubauen. Hat irgendwie nicht funktioniert ...

D: Exporte minus 21,9%

OK, so der Knaller ist das nicht, denn das sind nur die Zahlen für die ersten 2009 zusammen. Da die drei Monate für sich schon tief im Minus waren, liegt folgerichtig auch das ganze Quartal im Minus. Gegenüber dem 1. Quartal 2008 sind die deutschen Exporte 2009 um 21,9% gesunken.

Die Tagesschau hat auch noch ein paar Zielländer der deutschen Exporte herausgepickt:

USA: -26,4%,
Japan: -22,4%,
Indien: -8,0%,
Schweiz: -7,3%
China: -3,3%,

EU im Schnitt: -22%.

Schon spannend, wie weit die Zahlen auseinandergehen. Die Schweiz ist sicherlich
ein eher überraschender Teilnehmer auf dem guten Teil der Liste, während von China und Indien eine gewisse Stabilisierungsfunktion erwartet wurde. Allerdings hat sich die von durchaus anerkannten Volkswirten vertretene These der Decouplings als kompletter Mist entpuppt. Zwar sacken die chinesische und indische Volkswirtschaften nicht so ab wie die im Westen, aber die Lokomotive, die die Weltwirtschaft durch die Krise zieht, sind sie eben auch nicht. Dazu sind beide auch noch viel zu klein ...

Tagesschau: Schwerer Schlag für den Exportweltmeister

Update (15:01)

Ein Handelsblatt-Artikel als Nachtrag: Handelsblatt: Deutsche Exporteure erleben herben Rückschlag

Und ein Zahl als Nachtrag: Aktuell gibt es wenig Hoffnung auf Besserung, denn der April war mit -28,7% noch schlechter ... (Zahl des Tages (11.06.09): -26,4%).

Update (20:07):

In einem Kommentar wurde ich darauf hingewiesen, dass nicht klar ist, ob es sich in der Länderliste um die Exporte dieser Länder oder die Exporte Deutschlands *in* diese Länder handelt. Es handelt sich um die deutschen Exporte in diese Länder.

D: RWI senkt Wachstumserwartung für 2009 auf -6,4%

Die Senkungen der Wachstumserwartungen nehmen kein Ende. Nach dem HWWI, das in der letzten Woche die Schätzung für 2010 auf 0 gesenkt hat (Zahl des Tages (21.06.09): 0,0), ist heute das RWI an der Reihe.

Für das laufende Jahr wird ein BIP-Minus von jetzt 6,4% erwartet. Die Korrektur ist herbe ausgefallen, die letzte Schätzung vom März lag noch bei "nur" -4,3%.

Auch für 2010 wurden die Erwartungen gesenkt. Es soll nur noch ein mageres Plus von 0,2% geben. Kräftiger (aber weniger erfreulich) wird das Plus bei den Arbeitslosenzahlen: 4,3 Millionen (=10% Arbeitslosenquote) und noch etwas mehr (4,6 Mio) in 2011.

Spiegel: RWI erwartet Schrumpfen der Wirtschaft um 6,4 Prozent

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank Norbert Walter hatte bereits vor vier Monaten ein Minus von 5%, vor 6 Monaten ein Minus von 4% erwartet und musste dafür heftige Kritik u.a. von Peer Steinbrück einstecken (Zahl des Tages (24.02.09): 5 (oder noch mehr).
Jetzt erwartet Prof. Walter im Hoch Arbeitslosenzahlen von 5 Millionen und zeigt sich damit erneut skeptischer als die anderen Wirtschaftsforscher (FTD: Walter erwartet fünf Millionen Arbeitslose).
Ich hoffe, dass Prof. Walter nicht erneut recht behält ...

Update (14:27):

Noch ein Link aus dem Handelsblatt:

Handelsblatt: Institut toppt alle Horrorprognosen

Zahl des Tages (23.06.09): 1.000.000.000

Ich hab ja schon beim letzten Mal Christiano Ronaldos Ablöse von 94 Millionen Euro fast zur Zahl des Tages gemacht, aber diesmal komme ich nicht dran vorbei.

Real Madrid soll in den Vertrag mit Ronaldo eine Ablösesumme von

1.000.000.000 (1 Mrd.) Euro

festgeschrieben haben.

Geht's noch?!? Sind die völlig durchgeknallt?

Das übertrifft ganz nebenbei die bisher höchsten vertraglich festgelegten Ablösesummen um mehr als das Fünffache. Unglaublich.

Handelsblatt: Eine Milliarde Ablöse für Ronaldo festgeschrieben

Update (24.06.09)

Schandmaennchen-Cover dazu

Cash4Gold - Jetzt auch in richtig großen Dimensionen!


US To Trade Gold Reserves For Cash Through Cash4Gold.com

Und die Couch ist auch schon weg! (wäre die bessere Überschrift gewesen ...)

Danke an den (anonymen) Kommentator für den Hinweis!

Zahl des Tages (22.06.09): 11,5%

Lange galt der (das?) Silicon Valley als die wirtschaftliche Vorzeigeregion der Welt. So langsam scheint der Glanz aber zu verblassen.

Dass wir in den USA steigende Arbeitslosenquoten haben und diese inzwischen auf 9,4% gestiegen ist (US-Arbeitslosigkeit 05/09 von 8,9 auf 9,4%) ist ja einigermaßen bekannt. Dass aber in der ehemaligen Vorzeigeregion die Arbeitslosenquote als im Durchschnitt der USA hat dann doch noch ein gewisses Überraschungsmoment. Im Silicon Valley liegt die Arbeitslosigkeit inzwischen bei 11,1%, in ganz Kalifornien bei

11,5%.

Damit ist die Arbeitslosigkeit nicht nur in der gesamten USA, sondern auch im Silicon Valley und Kalifornien höher als in Deutschland. Schon ein bemerkenswerter Datenpunkt!

Barrons: Jobless Rate Hits 11.5% In Calif; 11.1% In The Valley

Das gilt übrigens auch für die ILO-Zahlen der OECD, die gewisse Unterschiede in den nationalen Statistiken herauszurechnen und die Zahlen vergleichbar macht (zumindest wird das versucht): ILO Zahlen.

Jetzt mag es natürlich sein, dass die USA zeitlich im Krisenablauf ein paar Monate voraus sind und Deutschland noch "aufholen" wird. Auch dämpft die Kurzarbeit den Anstieg der Arbeitslosenzahlen in Deutschland, zumindest noch ein paar Monate. Vielleicht hält Prof. Walter am Ende Recht und in Deutschland geht es noch auf 5 Millionen nach oben (FTD: Walter erwartet fünf Millionen Arbeitslose), dann lägen "wir" wohl wieder vorne. Ich könnte jetzt aber auch noch ein paar Links zur desaströsen Haushaltslage in Kalifornien dagegen setzen. Aber es ist 23:50 und heute ist Tag des Schlafes (was es nicht alles gibt). Obwohl ... *heute* schlafe ich eh nicht mehr ein. Mache trotzdem Schluss :-)

Update (23.06.09)

Barry Ritholtz hatte es auch:
The Big Picture: California Unemployment = 11.5%

Update (24.06.09)

Zur Lage im Silicon Valley ein Artikel im Handelsblatt (u.a. vom Knüwer):

Handelsblatt: Das Silicon Valley darbt – aber lebt

Zahl des Tages (21.06.09): 0,0

Ich hatte eigentlich geplant, die zweite Null direkt hinter der ersten Null (Zahl des Tages (19.06.09): 0) zu bringen. Aber dann kamen doch am Samstag ein paar Bankenpleiten dazwischen ...

In die gute Stimmung der letzten Monate, ausgelöst durch die langsam schwächer werdende Abwärtsbewegung in der Wirtschaft und die steigenden Börsenkurse, muss ich mal etwas Pessimismus streuen. Die Börsen nehmen zwar die Zukunft vorweg, die Frage ist nur wie lange.
Da die Kurse seit März schon wieder deutlich steigen, müssen irgendwann auch die Gewinne der Unternehmen nachziehen. Und dafür braucht es Wirtschaftswachstum. Nur davon ist noch nichts zu sehen ...

Und ich rede nicht über 2009, sondern über 2010 ...

Das Wirtschaftsforschungsinstitut HWWI hat in der letzten Woche die bisher pessimistischte Schätzung für das Wachstum 2010 abgegeben. Danach wird die Erholung nach dem Einbruch 2009 nicht nur sehr schwach bleiben, sondern komplett ausfallen soll und schlappe

0,0 (Nullkommanull) %

betragen wird.

OK, die anderen Schätzungen sind auch nicht wesentlich höher, trotzdem wäre kein Wachstum ein Enttäuschung.

Ich will nicht unken, aber wenn die Wirtschaft 2010 wirklich so schwach werden sollte, dürfte die Erholungsbewegung der Börsen etwas arg früh begonnen haben.

Aber vielleicht ist das auch alles egal, wenn nur die Wende in den USA schnell genug kommt.

Handelsblatt: HWWI: Auch 2010 kein Wirtschaftswachstum

Gold aus dem Automaten!

Die spinnen die Amis! Ähh, die Deutschen.

Ein kleines Update zur ausgeprägten Liebe der Deutschen zum Gold: Zahl des Tages (02.06.09): 45%.

Jetzt will wirklich jemand in Deutschland 480 Automaten aufstellen, aus denen man sich Goldbarren mit einem Gewicht von 1, 5 oder 10 Gramm ziehen kann. Bei den Minigrößen gibt es natürlich einen heftigen Aufpreis. Als Investment machen solche Minibarren keinen Sinn, auch wenn der Aufpreis niedriger ist als am Bankschalter.

Interessant, dass die Story schon älter zu sein scheint. Einige hatten die Story schon vor einem Monat.

Yahoo: German firm plans gold ATMs to meet growing demand
Nationalpost: German firm plans 'Gold-to-Go' ATMs to sell tiny, pricey gold bars

Interfax hatte die Nachricht dann am Anfang des Monats. Danach soll die Maschine bereits schon einen Tag Probebetrieb am Frankfurter Flughafen gehabt haben.

Russia Today: Gold-to-go machines for travelers

Irgendwie scheint die Story jetzt aus Insiderkreisen rausgeschwappt zu sein und in der letzten Tagen kam die dann überall ... Komisch, wie so eine Story ein zweites Leben bekommt ...

FT Alphaville: In the event of financial panic…
Gizmodo: Vending Machine Dispenses Gold Bars To Go
FT.com: Germans taste machines with Midas touch

Zahl des Tages (20.06.09): 62

So, Samstag. Zähler erhöhen. Jetzt sind wir bei 62. Bei den 3 vom Wochenende ist auch mal wieder eine größere dabei mit Assets von fast 1 Milliarde Dollar.


US-Bankenpleite Nr. 60:

Name: Southern Community Bank,
Sitz: Fayetteville, Georgia,
Assets: 337 Millionen Dollar,
Käufer: United Community Bank, Blairsville, Georgia,
Schaden für die FDIC: 114 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer. Platz 22 (rot).

FDIC: United Community Bank, Blairsville, Georgia Assumes All of the Deposits of Southern Community Bank, Fayetteville, Georgia

US-Bankenpleite Nr. 61:

Name: Cooperative Bank,
Sitz: Wilmington, North Carolina,
Assets: 970 Millionen Dollar,
Käufer: First Bank, Troy, North Carolina,
Schaden für die FDIC: 217 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Kein Treffer.

FDIC: First Bank, Troy, North Carolina, Assumes All of the Deposits of Cooperative Bank, Wilmington, North Carolina


US-Bankenpleite Nr. 62:

Name: First National Bank of Anthony,
Sitz: Anthony, Kansas,
Assets: 156 Millionen Dollar,
Käufer: Bank of Kansas, South Hutchinson, Kansas,
Schaden für die FDIC: 32 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 141 (gelb)

FDIC: Bank of Kansas, South Hutchinson, Kansas, Assumes All of the Deposits of First National Bank of Anthony, Anthony, Kansas

Analysten ...

Verrechnen sich mal ein wenig, hauen ein Kursziel raus, das dadurch viel zu niedrig ist (1,90) und die Aktie bricht ein. Dann fällt irgendjemandem der Rechenfehler auf und das Kursziel wird auf 4,40 korrigiert. Betroffen war die Aktie von TUI, die am Dienstag nach der Veröffentlichung von Version 1 der Studie von gut 6 auf 5 Euro eingebrochen ist. Erholt hat sich die Aktie seit dem kaum.

Wir prämieren für diesen megapeinlichen Flop die Analysten der Deutschen Bank! Applaus!

Ich sehe die Köpfe bei den Anwälten schon rauchen, wie man da über ein Klage Geld verdienen kann ...

FTD: Falsche Analystenstudie lässt TUI-Aktie einbrechen

Handelsblatt: Tui und die Deutsche Bank: Ein teurer Irrtum

Leider finde ich den Link nicht wieder, aber ich meine gelesen zu haben, dass die Deutsche Bank in einer Untersuchung der Qualität der Analysen auf dem letzten Platz (von richtig vielen) gelandet ist. Ich weiss leider nicht mehr, ob da die Anzahl der richtigen Einschätzungen (Kaufe, Halten, Verkaufen) oder die Gewinnschätzungen Basis für die Untersuchung waren. Hat das zufällig jemand von Euch gelesen?

Zahl des Tages (19.06.09): 0

Und so stellt sich die Story wohl doch als das heraus, was ursprünglich am wahrscheinlichsten klang: Es war eine Fälschung. Nicht die Geschichte, sondern die US-Anleihen aus dem Koffer in Chiasso. Vom ursprünglichen Wert von 134,5 Milliarden Dollar (Zahl des Tages (12.06.09): 134.500.000.000) von denen danach angeblich mindestens 124,5 Mrd. echt sein sollten (Zahl des Tages (14.06.09): 124.500.000.000), stellen sich jetzt "most probably" doch nur

0 (Null, zero, nada)

als echt heraus. Zumindest bericht das die Financial Times, die sich auf die Ermittlungen bezieht, in die sogar die Geheimdienste eingeschaltet sind.

Höchstwahrscheinlich sind die Papiere also gefälscht und stammen aus Mafiakreisen. Schätzungsweise sollten die Anleihen irgendeinem Blöden in der Schweiz angedreht werden.

Was mich dann aber doch etwas überrascht, wenn ein Mitarbeiter des US-Finanzministeriums mit den Worten

"They are all fraudulent, it's obvious. We don't even have paper securities outstanding for that value''

zitiert wird. Und das hat keiner gewusst? Die Journalisten spekulieren wahrscheinlich einfach lieber lustig rum, statt mal nachzufragen, ob es solche Bonds (oder soviele) überhaupt gibt. Die richtige Frage "was sollen überhaupt Kennedy Bonds sein" findet man dann in den Kommentaren hier und anderswo. Aber nicht in FAZ, Handelsblatt und Co. Hmmm.

FT: Italian Mafia cashes in on fake T-bills

Update (10:18)

Übrigens sind die 2 verhafteten Japaner, die den Koffer transportiert haben, seit ein paar Tagen wieder auf freiem Fuß. Die Nachricht haben auch alle (inkl. mir) verpennt.

FT Alphaville: Bond-smuggling mystery thickens — like a lumpy stew

Update (21.06.09)

Als Nachtrag noch ein Link aus dem Spiegel:

Spiegel: Milliarden-Anleihen entpuppen sich als Fälschung

Update 2 (21.06.09):

Und noch ein Link von FT Alphaville, der wie üblich mehr Infos enthält ...

FT Alphaville: US says $134bn Treasury bonds seized in Italy are fake — or are they?

Sir Allen Stanford hinter Gittern

Kleines Update zum zweitgrößten Betrugsfall nach Madoff, die ja beide hier gecovert wurden.

Sir Allen Stanford, Gründer der nach ihm benannten Stanford International Group, hat schon vor ein paar Wochen eine Anklage wegen Betrugs bekommen und ist jetzt (relativ überraschend) verhaftet worden. Das ist jetzt nicht so spannend, denn es war ja ziemlich offensichtlich, dass es Betrug war und er auch am Ende dafür büßen muss. Aber gut zu sehen, dass das am Ende dann auch passsiert (auch wenn's ziemlich lange gedauert hat).

Bin gespannt, wie lange die Haftstrafe wird. Es geht immerhin mutmaßlich um einen Schaden von ein paar Milliarden. Und bei solchen Summen sind die Gerichte in den USA normalerweise nicht zimperlich. Die Verantwortlichen bei Enron und Worldcom haben in der letzten Blase um das Jahr 2000 ziemlich lange Strafen bekommen, die aufgrund des Alters der Verurteilten im Endeffekta auf lebenslang hinauslaufen. Sir (so viel Zeit muss sein) Allen Stanford ist auch schon 58 und es könnte gut sein, dass es bei ihm ähnlich wird ...

Euer Tipp?

Handelsblatt: Milliarden-Betrüger Stanford in Haft

Wer die Geschichte nicht mitbekommen hat, kann sie in meinem Blog fast vollständig nachlesen (das erste Posting hier kam übrigens auch ein paar Tage vor der ersten Erwähnung in Handelsblatt & Co; egghat's blog: Where the news are new ;-) ):

Man of the Year: Sir Allen Stanford

It's all over now, Stanford Group

Update zu Stanford International

Der nächste 8 Mrd. Schwindel? Oder 50 Mrd?

Update (13:16)

Das Handelsblatt hat einen Artikel, in dem nochmal ein paar der Stanfordschen Eskapaden aufgeführt werden:

Handelsblatt: Milliardenbetrüger Stanford stellt sich

Update (21.06.09):

Marketwatch fragt sich, wie der begnadete Selbstdarsteller Stanford denn wohl mit dem Verlust an öffentlichem Interesse klarkommen wird:

Marketwatch: Stanford's ultimate punishment

Ich würde sagen: Ein Buch schreiben. Interviews geben. Leben verfilmen. Das geht erfahrungsgemäß ein paar Jahre gut. Siehe Liam Neeson.

Mal wieder ein wenig Spaß mit Dieter Nuhr

"In einer Zeit, in der in der Staatsverschuldung mehr Nullen sind als in der Bundesregierung"

"Die Zeit der Macher ist vorbei, jetzt kommt die Zeit der Schwätzer"

WDR2 Kabarett: Dieter Nuhr

Zahl des Tages (18.06.09): 131

Immer wieder beeindruckend ...

Welche Mengen Geld haben die Fed, SEC, der Staat oder wer auch immer in die Hand genommen, um die diversen Rettungsprogramme aufzulegen. Das war schonmal Thema hier, z.B. als die Gesamtsumme 74mal so groß war wie die Kosten für den Marshall Plan: Zahl des Tages (02.03.09): 74

Wie schon damals geschrieben, ändert sich die Summe natürlich täglich und zwar nach oben. Eine Aktualisierung ist also durchaus mal angebracht.

Heute errechnet sich ein Umfang der Rettungsmaßnahmen von etwa 15 Billionen Dollar. Der Marshallplan hat 115,3 Mrd. Dollar gekostet (inflationsbereinigt, die echte Summe 12,7 Mrd.). Die jetzigen Rettungspakete umfassen also eine Summe, die in etwa

131


Mal so hoch ist die der Marshallplan.

Ich schreibe dabei absichtlich nicht von Kosten, denn einige der Rettungsprogramme sind ja "nur" Liquiditätshilfen. Sofern nicht alle US-Banken Pleite gehen, wird der Umfang dieser Programme wieder sinken. Auch wird nicht alle aufgekauften Papiere komplett wertlos werden.
Als Vergleich kann man die schwedische Bankenverstaatlichung heranziehen. Damals blieb auch nur ein Schaden von etwa 2 bis 3% der gesamten angefassten Summe übrig.
*So* glimpflich werden die USA kaum aus dieser Krise herauskommen. Sicher ist aber ebenfalls, dass die Gesamtsumme des (direkten) Schadens deutlich unter 15 Billionen bleiben wird, zumindest soweit man das aktuell beurteilen kann.

Der eigentliche Grund für den Artikel ist aber eine neue schöne Visualisierung des Sachverhalts bei Barry Ritholtz. Jedes Quadrat stellt ein Programm dar. Je größer die Fläche, desto größer die Summe. Auf der einen Seite der Grafik stehen alle Rettungsgramme dieser Krise, auf der anderen Seite die Programme und Krisen der letzten mehr als 200 Jahre (OK, der 2. Weltkrieg fehlt).

Ihr dürft jetzt raten, auf welcher Seite die aktuelle Krise ist:

( ) links
( ) rechts


Die Grafik ist absichtlich verkleinert, damit sie nicht mehr richtig lesbar ist. Ich habe an der Grafik ja keinerlei Rechte und halte mich daher zurück. Das Original (und die Antwort auf die Frage) gibt es bei:

The Big Picture: Bailout Costs vs Big Historical Events

Juhuhh! Die IKB wieder

Da dachte (oder hoffte) man schon, dass die erste deutsche Bank, die Mitte 2007 so richtig in Schieflage geraten und nach dem Hinterherwerfen von vielen Milliarden endlich bei einer Heuschrecke gelandet ist, für immer den Steuerzahler in Ruhe lässt, da kommt diese Meldung:

Handelsblatt: IKB braucht offenbar erneut Milliarden

Die IKB fordert scheinbar erneute Staatsgarantien vom SoFFin in Höhe von 7 Milliarden Euro.

Fass ohne Boden?!?

Warum man die Banken in Schieflage nicht einfach verstaatlicht und abwickelt, verstehe ich bis heute nicht. Zum Glück hat der Staat das ja jetzt verstanden und das bei der HRE gemacht. Aber auf der Basis eines Gesetzes, das nur und ausschließlich für die HRE gilt. Für die IKB bräuchte man wieder ein neues Gesetz.

Steuergelder nur gegen Eigenkapital muss die Regel sein!

Eine Auswahl an IKB-Artikeln aus der Vergangenheit:

Und nochmal 5 Mrd. für die IKB
Und endlich ist sie weg ... IKB geht an Lone Star (Update mit Kommentaren)
IKB braucht und bekommt nochmal 1,5 Milliarden
IKB: Erst viermal retten - dann Prüfen
IKB - Oh jemineh ...
Oh nöh ... IKB schon wieder in der Krise?

Achtung - persönliche Frustbewältigung

Ich war heute bei dem Kunden aus der Medienbranche, der der Grund ist, warum ich immer noch halb anonym rumposte ...

Das war das Übliche "wir müssen sparen" bla bla. Mir fällt als Antwort nichts besseres ein als dieses bitterböse Video der Daily Show, das die New York Times besucht.

Darin zwei sehr sehr böse Fragen, die Zeitungsmacher schon vor schwierige Probleme stellen:

"Why is aged news better than new news"

und die zweite ist:

"What is black and white and red all over?" Die naheliegende Antwort ist natürlich "a newspaper". Aber das ist es nicht ...

The Daily Show With Jon StewartMon - Thurs 11p / 10c
End Times
www.thedailyshow.com
Daily Show
Full Episodes
Political HumorJason Jones in Iran

gefunden über boingboing: Daily Show visits the New York Times


Prost! Euer manisch depressiver egghat ;-)

Thomas Knüwer zur Zensursula

Bin gleich unterwegs, daher nur ein kurzer Hinweis:

Handelsblatt: Dammbruch ím Internet

Endlich mal ein Kommentar dieser Art in einem "Mainstreammedium" (außer der TAZ).

(btw: neckischer Accent im Titel).

Update (10:44)

Bitte auf Rekordwerte hochyiggen:

Yigg.de: Dammburch im Internet

Zahl des Tages (17.06.09): 308.000.000

Die Zahl des Tages ist leider oft sehr negativ. Deshalb heute mal eine Zahl, die zumindest etwa 30.000 Leute glücklich machen wird. Und zwar die 30.000 deutschen Sparer, die ihr Geld bei der Kaupthing Bank angelegt hatten/haben. Diese erhalten nämlich spätestens in der nächsten Woche die gesamten Einlagen in Höhe von insgesamt

308.000.000 (308 Millionen) Euro

zurück.

Das Geld komm übrigens nicht vom deutschen Staat oder aus dem Bankenrettungspaket oder aus dem Rettungsfonds der Banken, sondern von Kaupthing selber. Da Kaupthing aber verstaatlicht wurde, zahlt die Zeche am Ende doch der Staat, wenn auch der isländische. Wie auch immer der die Nummer am Ende finanzieren will. Die Staatsverschuldung von Island dürfte sich bald nicht mehr deutlich von der Simbabwes unterscheiden ...

FAZ: Geld zurück von der Kaupthing-Bank

Update (23:10)

Datum in der Überschrift auf 17.06 korrigiert ...

400 Mrd. für Solarstrom aus der Wüste

Endlich wird das Geld mal dort investiert, wo die Sonne auch scheint. Und zwar so richtig - in Nordafrika.

Und endlich wird mal nicht gekleckert, sondern scheinbar geklotzt. Wie die Süddeutsche Zeitung meldet, sollen satte 400 Mrd. Euro in Solar-Kraftwerke gesteckt werden. Keine Fotovoltaik (Solarzellen), sondern Parabolrinnenkraftwerke, die "einfach" nur das Sonnenlicht bündeln und damit aus Wasser Dampf machen, um damit eine konventionelle Turbine anzutreiben.

Das Projekt heisst Desertec und unter anderem sollen die Münchner Rück, Siemens und RWE beteiligt sein. Beim geplanten Investitionsvolumen von 400 Mrd. Euro sollen 15% des Strombedarfs Europas in den Wüsten Nordafrikas erzeugt werden.

Sueddeutsche.de: Wüstenstrom für Deutschland

Endlich mal eine gute Nachricht, auch wenn das alles noch in einer frühen Planungsphase steckt.

Update (11:12)

Der Spiegel hat einen Artikel dazu, der den Plan ganz gut zusammenfasst:

Spiegel: Deutsche Konzerne planen 400-Milliarden-Euro-Sonnenkraftwerke in der Wüste

Update (17:07)

Direkter Link zum Konsortium: DESERTEC

Update (17:13):

Übrigens wer meint, dass die Verluste durch den weiten Transport zu groß seien: Stimmt nicht, sofern man Gleichstrom verwendet:

FAZ: Gleichstrom fließt über Tausende Kilometer

Update (17:28)

Übrigens ist auch die Energiespeicherung "gelöst", zumindest das Hauptproblem von Solarenergie: Dass es nur tagsüber Strom gibt. Es wird nämlich kein Wasser direkt zu Dampf erhitzt, sondern ein Öl. Dieses kann dann auch in (wärmegedämmten) Behältern einige Stunden aufbewahrt werden, ohne entscheidend an Energie zu verlieren. Ich kannte sowas ähnliches mit einer Salzlösung.

Telepolis: Solarstrom für Deutschland aus Afrika

Update (23:03)

Ein längerer Artikel im Spiegel, der gleich schon wieder pessimistisch ist:

Spiegel: Projekt Sahara-Sonne

Update (18.06.09)

Da hat sich der Spiegel wohl auch gedacht, dass der Artikel zu pessimistisch war und liefert einen sehr langen Artikel mit einem wesentlich positiverem Grundton nach:

Spiegel: Die Sonne über der Sahara löst das Energieproblem

Zahl des Tages (16.06.09): 129.168

Noch ein paar Stunden, dann ist die Zeichnungsfrist für die Anti-Zensursula vorbei. Also beeilt Euch.

129.168

haben bisher unterzeichnet. Und es können ruhig noch mehr werden. Denn wenn schwachsinnige Gesetze gemacht werden, die gegen das Problem Kinderpornografie rein gar nichts bewirken, die Türe für weitergehende Zensurmaßnahmen dagegen sperrangelweit öffnen, muss mal Nein gesagt werden.

Vor allem, wenn die Begleitumstände so schlimm sind, wie bei diesem Gesetz.

Da wurden zuerst Provider in einem privatrechtlichen Vertrag zur Sperrung "beauftragt"- Zensur per Vertrag und nicht per Gesetz. Wo ist denn hier die Gewaltenteilung?

Da werden permanent Zahlen in den Raum geworfen, die unhaltbar sind. Es wird behauptet, es würden Millionenumsätze mit Kinderpornografie gemacht, die Zahlenbasis dafür ist aber nicht vorhanden (Ergebnis einer Anfrage der FDP ans Bundeswirtschaftsministerium).

Es werden technische Maßnahmen vorgeschlagen, die schwachsinnig und leicht zu umgehen sind (DNS-Sperre), aber gleichzeitig eine Analyse vorhandener Sperrsysteme in anderen Ländern versäumt. Auch die Listen, der in anderen Ländern gesperrten Sites, wurden nicht einmal angeschaut (ebenfalls Ergebnisse der Anfrage der FDP ans Bundeswirtschaftsministerium, siehe: ODEM: Die Bundesregierung hat keine Kenntnis, will aber sperren).

Gleichzeitig wird zugegeben, dass das BKA bei der Entdeckung von kinderpornografischem Material im Ausland nicht den zuständigen Provider anruft und um Löschung bittet (was normalerweise umgehend gemacht wird, siehe AK Zensur: Löschen statt verstecken: Es funktioniert!), sondern die Behörden im Ausland informiert, die dann irgendwann aktiv werden (DerWesten.de: Zensursula und das Dilemma mit dem Dienstweg).

Wenn man sich diesen geballten Dillentantismus anschaut, muss man einfach Nein sagen.

Aber was mich noch wütender macht:

Nach dem 11.9.2001 wurde in den USA *jede* Diskussion über Bürgerrechte, Freiheit, den Irakkrieg, die Pressefreiheit, etc. mit immer die gleichen Argument totgeschlagen: Dem Kampf gegen der Terrorismus. Jeder, der auch nur leiseste Zweifel gegen die Maßnahmen äußerte, wurde direkt in die Islamisten-Ecke gestellt. Das war absolut erschreckend und jegliche Kritik und Diskussion wurde im Keim erstickt. Wie wir damals ahnten und heute wissen von Lügnern!

Nun sind wir in Deutschland - nur ein paar Jahre später- auf genau dem gleichen "Diskussions"niveau angekommen: Wer gegen die Maßnahmen von Zensursula ist, ist für Kinderpornografie. Daher traut sich auch kaum noch jemand, sei es aus der Politik oder den Medien, klar Stellung gegen das Gesetz zu beziehen.

Und wenn sich die Meinungsbildner nicht mehr trauen (OK, nach dem großen Erfolg der Petition wird jetzt langsam adäquat berichtet), müssen wir uns halt trauen.

Also bitte zeichnen. Danke!

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=3860

Update (12:03)

AK-Zensur-Link nachgetragen.

Zahl des Tages (15.06.09): 25

Mal wieder ein Blick auf den hiesigen Kontinent. Dort gibt es neben dem Baltikum einen zweiten Krisenherd und zwar Spanien.

Spanien galt schon lange als einer der heissgelaufensten Immobilienmärkte in Europa. Die Immobilienpreise lagen in schwindelnden Höhen. Und in Spanien wurden die Immobilien teilweise abenteuerlich finanziert. Mit 2.000 Euro Bruttoneinkommen konnte man Wohnungen für 250.000 Euro finanzieren. Und dieses Rezept zum Desaster wurde mit einem Schuss "variabler Verzinsung" abgeschmeckt ...

Zumindest eines haben die Spanier nicht dem "Vorbild" auf der anderen Seite des Atlantiks nachgemacht: Die Hypotheken wurden zu einem größeren Teil vernünftig verbrieft (und nicht in CDOs zerschnippelt; auch wenn es das auch in Spanien gab) oder blieben gleich ganz in der Bilanz der Banken.

Damit wurden zwar schnelle Verluste vermieden, aber wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ausreichend lange schlecht genug sind, sind auch die größeren Puffer irgendwann aufgebraucht. Und an diesem Punkt sind die Spanier jetzt angekommen.

Die Immobilienpreise sinken immer noch. Die Zwangsversteigerungen steigen. Die Arbeitslosigkeit ist explodiert. Von 8,6% Ende 2007 ging es bis Ende März auf 17,4% - eine Verdopplung in nur 15 Monaten.

Soweit die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Bei einer derartig explodierenden Arbeitslosigkeit muss man sich nicht wundern, dass die Zahl der überschuldeten Haushalte deutlich ansteigt. Die Anzahl der nicht mehr bedienten Kredite ist im gleichen Zeitraum wie oben von 0,9% auf fast 4,3% explodiert.

Das alles hat jetzt dazu geführt, dass die Ratingagentur Moody's die Einschätzung der Kreditqualität für

25

spanische Banken auf einen Schlag gesenkt hat.

Bei 18 Banken ging es um eine Stufe nach unten, bei 7 direkt um 2. Die Finanzstärke sank bei 30 Banken. Stabil blieben die Ratings nur bei 10 der untersuchten 40 Banken, darunter die 2 größten und am stärksten internationalisierten Banken BBVA und Santander.

Das ist aber auch die einzige gute Nachricht, denn selbst bei diesen beiden blieb der Ausblick auf negativ.

FT Alphaville: Moody’s bank downgrades, pain in Spain edition

Die Krise in Spanien in diesem Blog

Musik zum Wochenende: fehlte ...

...Hmm, habe ich irgendwie vergessen. Wie auch das ganze Wochenende komisch war. Ich hatte auch für gestern Abend eine coole Zahl des Tages, konnte mich aber nicht mehr daran erinnern. Da musste ich blöd recyclen ...

Und am Freitag habe ich die Musik vergessen. Allerdings ist mir gerade ein Link untergekommen, der ein für alle Male Musikmangel vorbeugen wird:

Kraftfuttermischwerk: Alle BBC Radio1 Essential Mixe von 1993 - 2007 zum Download

gefunden über Rivva.de.

Techno/House. Carl Cox, Paul Oakenfold, Moby, Justice, etc.

Wenn mir jetzt bitte nochmal jemand alle Sendungen von John Peel hochladen könnte ...

Zahl des Tages (14.06.09): 124.500.000.000

Ich gestehe, die Zahl ist doof, aber es ist Mitternacht und die Story macht so überall die Runde, da muss ich nochmal darauf eingehen. Es geht um den 134,5 Mrd. Dollar Koffer, der von Italien in die Schweiz gebracht werden sollte.

Ich glaube die Geschichte weiterhin nicht wirklich. Ich kann mit ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass wirklich jemand versucht, diese Summe in einem Koffer über die Grenze zu schmuggeln.

Die Presse gibt aber keine Entwarnung, sondern ist voll auf den Zug aufgesprungen. Die Story ist auch zu spannend. Inzwischen gelten die 249 gefunden Anleihen im Wert von jeweils 500 Millionen Dollar als echt. Damit wären immerhin

124.500.000.000 (124,5 Mrd) Dollar

echt.

Die plausibelste Erklärung (neben einer simplen Fälschung der Papiere) ist für mich folgende: Es handelt sich zwar um Staatsanleihen und möglicherweise sogar um echte. Aber nicht mehr um *gültige*, sondern um Papiere, die nur noch (einen möglicherweise durchaus signifikanten) Sammlerwert haben. Woher auch immer diese Papiere stammen sollen. Eigentlich müssten die doch nach der Einlösung gelocht oder am besten direkt verbrannt werden.

Aber wer weiss. Vielleicht hat ja wirklich jemand diese unglaubliche Summe in den doppelten Boden eines Koffers gepackt.

FTD: Italien rätselt über 96-Mrd.-Euro-Schmuggel

Zahl des Tages (13.06.09): 1,6%

Aktienanlagen gehören in eine langfristige Anlagestrategie. Nur mit Aktien kann man langfristig vernünftige Rendite einfahren. Jaja. Tausendmal gehört. Und wenn's dir alle erzählen, könnte der Zeitpunkt auch schon wieder vorbei sein ...

Der BVI (Bundesverband Investment und Asset Management e.V.) hat die Renditen von Sparplänen in Investmentfonds mit unterschiedlichen Anlageschwerpunkten untersucht. Dabei wurden Laufzeiten von 10,20 und 30 Jahren und eine monatliche Einzahlung (also inkl. des berühmt berüchtigten Cost Average Effekts) angenommen.

Dabei betrug der Rendite von Aktienfonds über 10 Jahre minus 6,6%. OK, 10 Jahre sind noch nicht langfristig. Nehmen wir 20 Jahre. Dann ist die Rendite immerhin wieder positiv, liegt aber trotzdem bei völlig unbefriedigenden

1,6%.

Unbefriedigend, denn mit Rentenfonds ließen sich (abhängig von der Laufzeit der Anleihen) 3,9 bis 4,7% verdienen. Oder mit Immobilienfonds 3,9%. Beide schwankten VIEL weniger. Hier gab es also bessere Rendite, die weniger Nerven kostete.

Was jetzt auch noch spannend wäre: Was hätte den der Kauf von Bundesschatzbriefen gebracht, die man ja bekanntlich kostenlos erwerben kann. Gerade Rentenfonds werden ja oft als (in Bezug auf die eigentlich geringe Komplexität) teures Produkt bezeichnet.



BVI: Investmentfonds-Sparpläne: Ende März war kein guter Ausstiegszeitpunkt

TV-Journalismus am Ende?

TV hat fertig.

Ich finde es am Ende dann doch schon überraschend, dass meine Extremablehnung von Polit-Talkshows à la Christiansen scheinbar zur Standardansicht aller denkenden Menschen geworden ist.

Obwohl ich nach dem Abgang von Sabine Christiansen noch Hoffnung hatte:

"Bin ich froh, dass diese unheilvolle Symbiose aus Journalisten und Politikern um eine Hauptperson ärmer ist. Ich hoffe, dass Anne Will sich nicht so vereinnahmen lässt (wovon ich ausgehe). Ansonsten Maybrit Illner oder Plasberg schauen. Beide spielen IMHO in ein anderen Klasse. "

Geirrt. Bin halt im Kern immer Optimist. Illner und Will sind zwar einen Ticken besser, aber das nur bei einem Ausgangsniveau, das dem Auftrag eines gebührenfinanzierten Informationsmediums nicht einmal ansatzweise gerecht wird.

Dazu ein Rant in der Zeit. Hier nur der Beginn:

"Als es endlich vorbei war, kam Kerner, und in diesem Moment, für ein paar Sekunden, konnte man sich sicher sein, dass das deutsche Fernsehen praktisch am Ende ist, nicht mehr zu retten. Aber nach dem ersten Entsetzen, tritt dann doch Milde ein, und vielleicht reicht fürs Erste die Feststellung, dass es im Fernsehen keinen Journalismus mehr gibt.
Die, die am Sonntag die Sendung von Anne Will gesehen haben, in der versucht wurde Frank-Walter Steinmeier zum Hans Wurst der Politik zu machen, haben es geahnt. Die, die am Donnerstag Angela Merkel bei Maybrit Illner im ZDF gesehen haben, können sich sicher sein, dass Fernsehjournalismus im Moment so dasteht, wie die Krise: viel schlimmer kann es nicht mehr kommen."
"Man müsste sich tatsächlich einmal die Mühe machen, und das Gespräch so einer Sendung transkribieren und dann in einer Zeitung abdrucken. Es wäre nicht lesbar, sterbenslangweilig, ohne Erkenntnisgewinn – und es geht ja hier nicht um Kerner und um Beckmann oder über all die anderen People-Talk-Sendungen, sondern es geht um die Vermittlung von Politik, politischen Inhalten über ein Medium, dass immer noch die meisten Deutschen erreicht, dass von den meisten Deutschen immer noch ernst genommen wird – und hier hört, bei aller lockeren Häme, langsam der Spaß auf."
Alles lesen, lohnt sich:

Zeit: Kanzlerinnen-Talk zum Abgewöhnen

Und ruhig auch meine alten Rants:

Suche nach Christiansen
Suche nach Anne Will

Es ist bei aller Häme natürlich schade, dass sich das Fernsehen als journalistisches Medium komplett entzaubert hat. Politisch kommt da nichts mehr. Wissenschaftlich kommt außer Quarks & Co nur noch Quark (:-) ). Das einzige, was man sich anschauen kann, sind Tier- und Länderdokumentationen und Fußball.

Wenn ich mich in meinem TV-Tipp auf die "eine Sendung, für die sich die Gebühren gelohnt haben" rede, dann untertreibe ich nicht. Es ist wirklich so erschreckend wenig Spannendes im Fernsehen zu finden.

Eine gewisse Relevanz könnte das Fernsehen entwickeln, wenn man die Inhalte vernünftig verlinken könnte, wenn man das embedden könnte, wenn man sich Aussagen rauspicken könnte, um darüber zu diskutieren. Aber so ist IMHO das Medium tot. Außer für Sport und bunte Bilder.

Wer's sehen will: Angela Merkel bei Maybritt Illner. Aber vorher den Zeit-Rant lesen und nicht behaupten, ich hätte nicht gewarnt ...

Update (14:36)

Hab's schon gezwischert, aber für Leute mit Hirn nochmal der Hinweis auf einen Sloterdijk Artikel in der FAZ. Ihr habt ein ganzes Wochenende dafür Zeit :-)

FAZ: Die Revolution der gebenden Hand

Bester Dilbert seit langem ...

Dilbert.com

Zahl des Tages (12.06.09): 134.500.000.00

WTF? Wäre ne geile Zahl des Tages gewesen. Ach was, ich mach das einfach zur Zahl des Tages für morgen und verschiebe die Veröffentlichung auf 0:01. Eine Sorge weniger morgen ...

Ein Japaner hat versucht, Staatsanleihen im Gesamtwert von 134,5 Mrd. Dollar über Italien in die Schweiz zu schmuggeln.

134.500.000.000 (134,5 Mrd.) Dollar

in einem doppelten Boden in einem Koffer. Wenn die Stückelung der Staatsanleihen grob genug, passt das schon rein. Aber irgendwie ist die Summe schon ziemlich unvorstellbar. Wer hat *so viel* Geld? Die Mafia? Chordokowski? Putin ;-) ?

Die Nachricht scheint aber kein Fake zu sein, die Nachricht stammt im Ursprung von der italienischen Finanzpolizei: Guardia di Finanza: Sequestrati a Chiasso titoli USA per novantasei miliardi di euro

Telepolis: Japaner mit US-Staatsanleihen im Wert von 134 Milliarden US-Dollar festgenommen

Und die Schweizer werden wahrscheinlich auch in Zukunft weiterhin behaupten, dass sie mit Geldwäsche aber sowas von gar nichts zu tun haben ... "Sie haben 134 Mrd. im Kpffer? Ungewöhnliche Summe, aber wir stellen keine Fragen." Ich glaube ich schaue mir den 2. Teil aus TV-Tipp: "Die große Gier" heute Abend auf Arte direkt noch mal an und lache mich kaputt ...

Update (23:49)

Das erste Update vor der Veröffentlichung. Zeitmaschinenupdate ;-)

Bei Eachtradingday war die Story schon:

134.000.000.000 US $ in “kleinen”, unregistrierten Bonds!

Bleibt trotzdem Zahl des Tages. Bin faul.

Update (15:30)

Laut FTD, die die Story jetzt auch hat, sind einige der Papiere definitiv Fälschungen:

FTD: 134,5 Mrd. Dollar im Gepäck

Update (14.06.09)

Jetzt soll die SEC helfen, herauszufinden, ob die Anleihen echt sind ... Bei 358 Millionen geht man davon aus, bei dem Rest noch nicht ...

Spiegel: US-Börsenaufsicht soll im Milliardenkoffer-Fall helfen

Zahl des Tages (11.06.09): -26,4%

Eigentlich wollte ich ja schon das hier zur Zahl des Tages machen: Deutsche Exporte sanken im April gegenüber dem März um 4,8%, gegenüber dem Vorjahresmonat um 28,7%. Damit war der April eine ziemlich herbe Enttäuschung für die Hoffnung auf eine Konjunkturstabilisierung, welche kurz auflebte, als sich die Exporte im März stabil zeigten (zum Vormonat natürlich, um Vorjahr ist ja alles herbe im Minus ...)

Die Nachricht:
FAZ: Deutsche Exporte im April mit Rekordeinbruch
Eine Meinung (auch der darin verlinkte, ältere Weissgarnix Artikel ist interessant):
Weissgarnix: Hilfe, der Export ist fort!

Aber dann habe ich Dienstag und Mittwoch doch noch zwei andere Zahlen gefunden, die nicht an jeder Straßenecke kamen. Die eigentlich wichtige Zahl fehlte damit, aber heute kommen die Exporte aus China und da bietet sich der Vergleich mit Deutschland auf dem Silbertablett an. Beide Länder sind ja ähnlich stark abhängig vom Export.

Nicht ganz überraschend gehen die Exporte Chinas ähnlich dramatisch zurück wie in Deutschland. Im Mai sanken die chinesischen Exporte um

26,4%

im Vergleich zum Vojahresmonat.

Auch die chinesischen Importe gingen um über 25% zurück. Und damit kann man schon sicher sein, dass bei den deutschen Exporten im Mai auch nicht viel nach oben geht. Die Chinesen haben schonmal nicht besonders viel gekauft ...

So richtig spannend wird jetzt aber der Unterschied im BIP.

Hier melden die Chinesen ein Plus von 6,1% für das erste Quartal 2009, in Deutschland hingegen gibt es ein Minus von 6,9% zum Vorjahresquartal.

Muss ich nochmal betonen, dass ich eine der beiden der Zahlen etwas unglaubwürdig finde? Ihr dürft raten, welche ;-)

FTD: Chinas Wirtschaftswachstum erlahmt

Zahl des Tages (15.05.09): -15,2%

Alternativ wären natürlich (für mich als Fußballfan) das 93 Millionen Euro Angebot von Real für Christiano Ronaldo (noch Manchester United) eine Zahl des Tages gewesen. 93 Millionen. Wow. Die Verlinkung hätte sich schon alleine wegen des Wortspiels "Is this for Real" gelohnt ...

FT Alphaville: Football hyperinflation

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