Fiat hat an dieser Stelle nichts mit dem Automobilhersteller zu tun, sondern in der lateinischen Bedeutung: Es werde. (Daraus wurden auch schon böse Witze über die Autos von Fiat gebastelt ...).
In der Ecke der Gold Bugs werden die aktuellen Papiergeldwährungen, die seit Bretton Woods durch nichts mehr gedeckt sind, schon lange als Fiat Money bezeichnet. Geld, das die Notenbank im Zweifelsfall in beliebigen Mengen produzieren kann. Man lässt die Notenpresse schneller laufen, kauft den Banken wertlose Schrottpapiere gegen Bargeld ab, etc. pp. Das geht in quasi beliebiger Menge. Milliarden. Billionen. Wie du willst.
Das ist IMHO eine der Gründe dafür, warum wir immer wieder Blasen sehen. Die letzte Blase (Internet/Medien/Hightech 1999/2000) wurde mit niedrigen Zinsen und lockeren Finanzierungsmöglichkeiten bekämpft, was eine noch größere Blase (Immobilien/Rohstoffe) erzeugte, die jetzt wieder mit noch niedrigeren Zinsen und noch aggressiverer Gelddruckpolitik bekämpft werden soll.
Wenn die Notenbanken nicht aufpassen und bei einer zu starken Erhöhung der Geldmenge den Überschuss wieder einsammeln, führt das zwangsläufig zu Inflation. Auf welchem Gebiet ist unklar. Bisher hatten wir keine Inflation im großen Stile, da sich die Preisanstiege auf Märkte beschränkten, in denen Inflation (=steigende Preise) begrüßt werden: 1999 in den Aktienmärkten, 2002-2006 auf dem Immobilienmarkt. Aber auch wenn alle Besitzer von Aktien und Immobilien sich über die steigenden Preise freuen, ist es für alle "Nichtbesitzer" doch nichts anderes als Inflation. Es braucht nicht mehr 3 Jahreseinkommen, um ein Haus zu kaufen, sondern 5. Was ist das anderes als Preissteigerung, sprich Inflation?
Aber genug der Abschweifung. Ich wollte eigentlich nur auf einen sehr schönen und langen Artikel im Handelsblatt hinweisen, der sich um Fiat Money dreht. Gold Bugs wird nichts davon neu sein, auch Leser des (IMHO einzig lesenswerten) Börsenmagazins Smart Investor werden gähnen, aber trotzdem schön, dass das Thema mal breiter diskutiert wird.
Handelsblatt: Es werde Geld – es werde KriseIch glaube übrigens, dass die Notenbanken auch dieses Mal das Geld nicht rechtzeitig einsammeln werden. Niemand hat die Krise früh genug gesehen. Genauso wird niemand den selbsttragenden Aufschwung rechtzeitig genug sehen. Daher werden die Notenbanken zu lange auf dem Gaspedal bleiben und die nächste Blase befeuern, wo auch immer diese entstehen mag. Wir kommen aus diesen ewigen Schwankungen nur raus, wenn die Geldmenge mehr oder weniger fix ist, z.B. über eine Goldbindung.
Der Artikel im Handelsblatt beschäftigt sich aber nicht mit dem zentralen Punkt, den ich oben diskutiert habe (der Geldschaffung der Notenbanken), sondern mit der Geldschaffung durch die Geschäftsbanken. Diese verleihen ihre Kundeneinlagen mehrfach wieder, was am Ende den berühmten Hebel ergibt: Für jeden Euro Eigenkapital bzw. Kundeneinlagen werden x Euro Kredite vergeben. Der aktuelle mögliche Hebel liegt bei 50. Das ist natürlich viel zu hoch und führt dazu, dass die Banken extrem wacklig sind, weil bereits niedrige Kreditausfälle den Risikopuffer auffressen und die Banken dann die Kreditvergabe kürzen müssen.
Norbert Häring vom Handelsblatt fordert folgerichtig auch eine massive Senkung der Hebels und schlägt dafür einen Mechanismus vor, den die Notenbanken abgeschafft haben: Die Mindestreserve. Das ist die Menge des Geldes, die die Banken pro Euro Kundeneinlage bei der Notenbank hinterlegen mussten. Darüber hatten die Notenbanken früher eine viel direktere Einflussmöglichkeit auf die Geldmenge. Erhöht die Notenbank die Mindestreserve, sinkt die Geldmenge, senkt die Notenbank die Mindestreserve, kann die Geldmenge steigen. Die Mindestreserve ist aber quasi überall als geldplitische Maßnahme abgeschafft worden (unmodisch?), die einzige Ausnahme die ich kenne, sind die Chinesen.
Das ganze Geld- und Bankensystem ist auf Hebel, Hebel, Hebel gebaut. Damit wurden die Banken immer größer, konnten immer mehr Geld verleihen und ihre Gewinne steigern. Am Ende wurden aber die Risikopuffer so klein, dass (fast) alle Banken wacklig wurden und teilweise mit Steuergeldern gerettet werden mussten. Das sollte nie wieder passieren. Und dafür müssen die Risikopuffer wieder größer werden. Durch die Mindestreserve (senkt den Hebel auf die Kundeneinlagen) und durch höhere Eigenkapitalanforderungen für die Banken (senkt den Hebel auf das Eigenkapital). Dann bekommen wir wieder ein Bankensystem wie früher, das auch mal eine Krise aushalten kann. Und nicht zu einem weltweiten Dominospiel mutiert ...
Update (16.26)
"als geldpolitische Maßnahme" ergänzt, um klar zu machen, dass es zwar noch eine Mindestreserve gibt (2%-->Hebel von 50), aber an der Höhe nicht mehr aus geldpolitischen Gründen gedreht wird.
Fiat hat an dieser Stelle nichts mit dem Automobilhersteller zu tun, sondern in der lateinischen Bedeutung: Es werde. (Daraus wurden auch schon böse Witze über die Autos von Fiat gebastelt ...).
In der Ecke der Gold Bugs werden die aktuellen Papiergeldwährungen, die seit Bretton Woods durch nichts mehr gedeckt sind, schon lange als Fiat Money bezeichnet. Geld, das die Notenbank im Zweifelsfall in beliebigen Mengen produzieren kann. Man lässt die Notenpresse schneller laufen, kauft den Banken wertlose Schrottpapiere gegen Bargeld ab, etc. pp. Das geht in quasi beliebiger Menge. Milliarden. Billionen. Wie du willst.
Das ist IMHO eine der Gründe dafür, warum wir immer wieder Blasen sehen. Die letzte Blase (Internet/Medien/Hightech 1999/2000) wurde mit niedrigen Zinsen und lockeren Finanzierungsmöglichkeiten bekämpft, was eine noch größere Blase (Immobilien/Rohstoffe) erzeugte, die jetzt wieder mit noch niedrigeren Zinsen und noch aggressiverer Gelddruckpolitik bekämpft werden soll.
Wenn die Notenbanken nicht aufpassen und bei einer zu starken Erhöhung der Geldmenge den Überschuss wieder einsammeln, führt das zwangsläufig zu Inflation. Auf welchem Gebiet ist unklar. Bisher hatten wir keine Inflation im großen Stile, da sich die Preisanstiege auf Märkte beschränkten, in denen Inflation (=steigende Preise) begrüßt werden: 1999 in den Aktienmärkten, 2002-2006 auf dem Immobilienmarkt. Aber auch wenn alle Besitzer von Aktien und Immobilien sich über die steigenden Preise freuen, ist es für alle "Nichtbesitzer" doch nichts anderes als Inflation. Es braucht nicht mehr 3 Jahreseinkommen, um ein Haus zu kaufen, sondern 5. Was ist das anderes als Preissteigerung, sprich Inflation?
Aber genug der Abschweifung. Ich wollte eigentlich nur auf einen sehr schönen und langen Artikel im Handelsblatt hinweisen, der sich um Fiat Money dreht. Gold Bugs wird nichts davon neu sein, auch Leser des (IMHO einzig lesenswerten) Börsenmagazins Smart Investor werden gähnen, aber trotzdem schön, dass das Thema mal breiter diskutiert wird.
Handelsblatt: Es werde Geld – es werde KriseIch glaube übrigens, dass die Notenbanken auch dieses Mal das Geld nicht rechtzeitig einsammeln werden. Niemand hat die Krise früh genug gesehen. Genauso wird niemand den selbsttragenden Aufschwung rechtzeitig genug sehen. Daher werden die Notenbanken zu lange auf dem Gaspedal bleiben und die nächste Blase befeuern, wo auch immer diese entstehen mag. Wir kommen aus diesen ewigen Schwankungen nur raus, wenn die Geldmenge mehr oder weniger fix ist, z.B. über eine Goldbindung.
Der Artikel im Handelsblatt beschäftigt sich aber nicht mit dem zentralen Punkt, den ich oben diskutiert habe (der Geldschaffung der Notenbanken), sondern mit der Geldschaffung durch die Geschäftsbanken. Diese verleihen ihre Kundeneinlagen mehrfach wieder, was am Ende den berühmten Hebel ergibt: Für jeden Euro Eigenkapital bzw. Kundeneinlagen werden x Euro Kredite vergeben. Der aktuelle mögliche Hebel liegt bei 50. Das ist natürlich viel zu hoch und führt dazu, dass die Banken extrem wacklig sind, weil bereits niedrige Kreditausfälle den Risikopuffer auffressen und die Banken dann die Kreditvergabe kürzen müssen.
Norbert Häring vom Handelsblatt fordert folgerichtig auch eine massive Senkung der Hebels und schlägt dafür einen Mechanismus vor, den die Notenbanken abgeschafft haben: Die Mindestreserve. Das ist die Menge des Geldes, die die Banken pro Euro Kundeneinlage bei der Notenbank hinterlegen mussten. Darüber hatten die Notenbanken früher eine viel direktere Einflussmöglichkeit auf die Geldmenge. Erhöht die Notenbank die Mindestreserve, sinkt die Geldmenge, senkt die Notenbank die Mindestreserve, kann die Geldmenge steigen. Die Mindestreserve ist aber quasi überall als geldplitische Maßnahme abgeschafft worden (unmodisch?), die einzige Ausnahme die ich kenne, sind die Chinesen.
Das ganze Geld- und Bankensystem ist auf Hebel, Hebel, Hebel gebaut. Damit wurden die Banken immer größer, konnten immer mehr Geld verleihen und ihre Gewinne steigern. Am Ende wurden aber die Risikopuffer so klein, dass (fast) alle Banken wacklig wurden und teilweise mit Steuergeldern gerettet werden mussten. Das sollte nie wieder passieren. Und dafür müssen die Risikopuffer wieder größer werden. Durch die Mindestreserve (senkt den Hebel auf die Kundeneinlagen) und durch höhere Eigenkapitalanforderungen für die Banken (senkt den Hebel auf das Eigenkapital). Dann bekommen wir wieder ein Bankensystem wie früher, das auch mal eine Krise aushalten kann. Und nicht zu einem weltweiten Dominospiel mutiert ...
Update (16.26)
"als geldpolitische Maßnahme" ergänzt, um klar zu machen, dass es zwar noch eine Mindestreserve gibt (2%-->Hebel von 50), aber an der Höhe nicht mehr aus geldpolitischen Gründen gedreht wird.
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