Zahl des Tages (30.09.09): 3.400.000.000.000

Ich wollte eigentlich erst die Reduzierung nehmen, aber dann passt das nicht mehr in die Reihe der Überschriften:

Die Geschichte der Schätzungen:
8.4.2008, IWF: Wer bietet mehr? Der IWF bietet 1 Billionen Dollar.
7.7.2008, Bridgewater Associates: Wer bietet mehr? Folge vom 7.7.08 ...
2.8.2008: Nouriel Roubini: 2 Billionen Dollar Verluste durch die Kreditkrise
7.10.2008, IWF: 945 1400 Mrd. Dollar Schaden
28.10.2008: Bank of England: Notenbank erwartet 2,8 Billionen Dollar Verlust
21.1.2009: Nouriel Roubini: 3,6 Billionen Dollar
28.1.2009: IWF: 2,2 Billionen Schaden
6.4.2009: IWF: 4 Billionen Dollar Schaden
30.08.2009: Commerzbank: 10,5 Billionen Dollar Schaden
30.09.2009: IWF senkt Schätzung auf 3,6 Billionen Dollar.

Heute hat der IWF seine Schätzung für den Gesamtschaden aus der Finanzkrise von 4 Billionen Dollar um 600 Miliarden auf "nur noch"


3.400.000.000.000 (3,4 Billionen) Dollar

reduziert.

Auslöser für dieVerbesserung sind die deutlich aufgehellten Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft (siehe Handelsblatt: Weltwirtschaft wächst stärker als erwartet).

In Europa erwartet der IWF jetzt 814 Mrd. Dollar Verluste (900 Mrd. beim letzten Mal), von denen - und das ist die schlechte Nachricht - weiterhin erst 40% in den Bankbilanzen berücksichtigt sind. Logisch, dass daraus noch einmal gehöriger Druck auf die Banken entstehen wird. Bei Beibehaltung der aktuellen Eigenkapitalausstattung würden die europäischen Banken 92 Mrd. zusätzliches Eigenkapital benötigen.
Sollte ein halbwegs vernünftiger Hebel von 25 angestrebt werden, müssten die europäischen Banken sogar 310 Mrd. Dollar eingesammeln. Ein Hebel von 25 entspricht einer Eigenkapitalquote von 4%. Das ist IMHO immer noch viel zu wenig. Ich will 8% hartes Eigenkapital über Aktien, sprich einen Hebel von 12,5, wie er bis 2004 für die Investmentbanken in den USA noch galt.

Bei einem Hebel von 25 müsste die US-Banken übrigens "nur" 130 Mrd. Dollar einsammeln, was die These bestätigt, dass die Eigenkapitalausstattung der europäischen Banken vergleichweise schlecht ist. Auch sind die Risiken in den Bankbilanzen in Europa, nicht zuletzt aufgrund der gravierenden Probleme in Osteuropa, ziemlich hoch. Dauernd mit dem Finger auf die USA zeigen, ist also weder richtig noch hilft es irgendwie weiter ...

FTD: Währungsfonds warnt vor Milliardenabschreibungen

FDIC pumpt Banken an (die sie eigentlich retten soll)

Strange.

Erstens ist natürlich die Konstruktion an sich schon seltsam. Die FDIC leiht sich das Geld von denen, die man eigentlich retten soll. Man muss da nicht Verschwörungstheoretiker sein, um mögliche Interessenskonflikte zu erkennen.

Und zweitens hat die FDIC doch extra eine Sonderkreditlinie direkt bei der Fed bekommen, über die sie sich bis zu 500 Milliarden (!) Dollar besorgen kann (Zahl des Tages (19.05.09): 500.000.000.000). Warum besorgt sich die FDIC das Geld nicht dort? Weil die Schulden so nicht als offizielle, sprich staatliche Schulden gezählt werden? Oder hat jemand eine andere Erklärung?

Ach so: Kurzversion der Nachricht: Die FDIC (die amerikanische Einlagensicherung, der das Geld ausgeht, siehe Zahl des Tages (17.08.09): 747) möchte die Versicherungsprämien der nächsten drei Jahre gerne jetzt auf einen Schlag kassieren. Es geht um 45.000.000.000 (45 Mrd.) Dollar. Kein Problem für die Banken, die schwimmen ja in Geld ;-)

Marketwatch: FDIC seeks 3 years of prepayments from banks 

Update (19:02)

Handelsblatt: US-Banken droht Milliardenabgabe

Update (30.09.09)

Marketwatch mit einem Kommentar dazu, der vor allem auf die Banken verweist, die gar keine Probleme haben und daher auch keine Krisenbewältigung wollen. Damit haben wir also zwei Arten von Banken: Die, die nicht zahlen wollen und die, die nicht zahlen können ...

Marketwatch: Banking: Not the fun it used to be

Zahl des Tages (29.09.09): +1,6%

Manchmal kann man die Zahl des Tages ja fest einplanen. Manchmal gehört noch etwas Optimismus dazu ... Den Optimismus hatte ich ja mit meiner Immowette schon frü und der Case-Shiller-Index kommt immer am letzten Dienstag des Monats. Und heute passt das sehr gut zusammen. So here we go ...

Gemessen am Case-Shiller-City-20 Index sind die US-Einfamilienhäuser im Juli um

1,6%

teurer geworden.

Damit bestätigt der Case-Shiller-Index nicht nur den Aufwärtstrend im 3. Monat in Folge, sondern liefert auch das bisher größte Monatsplus (nach +0,5% im Mai und +1,4% im Juni). Die Bewegung wird also zunehmend stabil. Und auch breiter: 18 der 20 Regionen stiegen im Monatsvergleich.

Im Jahresvergleich gibt es noch ein Minus, aber auch das ist mit gut 13% wesentlich kleiner als noch im Winter (19,1%). Es lagen übrigens auch alle 20 Regionen im Minus.

Vom Hoch aus gesehen (wichtig für meine Immowette) beträgt das Minus im City-20 nun 32,6 30%. Das Gesamtminus bewegt sich also weiter von der 40% Marke weg, ab der ich die Wette verlieren würde. Gut so :-)

Gewonnen ist die Wette natürlich noch nicht, denn es gibt im Moment ein paar einmalige Faktoren (Saisonalität, Steuergutschriften noch bis November, preiswerte Kredite), die den Immobilienmarkt "unnatürlich" zum Positiven hin beeinflussen. Aber auch wenn der Boden im Frühling nicht der tiefste war und es noch einmal weiter nach unten gehen sollte, hilft mir für meine Wette jeder Monat mit steigenden Preisen. Oder anders gesagt: Die Uhr tickt im Moment für mich ...

Standard & Poors: BROAD IMPROVEMENT IN HOME PRICES ACCORDING TO THE S&P/CASE-SHILLER HOME PRICE INDICES (PDF!)

Update (18:16)

Das Gesamtminus von 32,6% kam mir schon beim Posten spanisch vor, als hätte ich die Zahl schonmal gesehen. Und tatsächlich ist es nicht der aktuelle Wert. Die richtige Zahl wäre 30 gewesen. Ist korrigiert.

Noch etwas mehr Junk bei MBIA

In der scheinbar unendlichen Reihe von Herabstufungen einer meiner "angesagtesten Pleiten des Jahres" wurde gestern ein weiterer Teil des Kreditversicherers MBIA herabgestuft.

Diesmal ist es die Kreditversicherungstochter von MBIA, die von Standard & Poors auf Junk (BB+ nach BBB) herabgestuft wurde. Auch die Holding MBIA Inc. ist eine Stufe in den Schrottbereich gesunken (BB- nach BB; Ausblick bleibt negativ). Mich überrascht das nicht.

MBIA hat sich zum Überleben einen gar nicht so dummen, wenn auch umstrittenen Schachzug ausgedacht. Die haben einfach eine neue Tochter gegründet (die logischerweise keine Altlasten hat) und diese mit genügend neuem Geld aus einer Kapitalerhöhung ausgestattet. Diese Tochter hat ein vergleichsweise gutes Rating von A. Wobei das unter dem AAA von Warren Buffets neuer Berkshire Hathaway Kreditversicherungstochter liegt, die mit dem besten Rating auch am meisten Geld verdienen kann (und auch am meisten Neugeschäft einsammelt).

Das Gründen einer neuen Kreditversicherungstochter ist natürlich für die neue Tochter (und auch für die Holding) eine ganz nette Idee. Diese beinhaltet aber auch die kühle Kalkulation, dass man die alte Kreditversicherungstochter im Zweifelsfall einfach Pleitegehen lässt (wobei ich daran schon lange wenig Zweifel hege). Das gefällt den alten Kunden natürlich gar nicht. Immerhin droht am Ende, dass man jahrelang Beiträge gezahlt hat, im Schadensfall aber kein Geld bekommt. Diese Kunden haben dagegen geklagt, dass das Geld in die neue Tochter geflossen ist und nicht in die alte. Diese hätte dann länger (womöglich sogar immer) überlebt. Wobei MBIA meiner Meinung nach auch gar keine  andere Chance gehabt hätte. Der alten Tochter hätte niemand Geld gegeben. Die Lage dort war einfach zu aussichtslos. Eine neue Tochter ohne Altlasten war aber für die Aktionäre scheinbar ein interessantes Investment. Die Klagen der Kunden der alten Kreditversicherungstochter laufen nachvollziehbarerweise trotzdem. Bin gepannt wie das ausgeht.

Marketwatch: S&P cuts MBIA bond-insurance unit to junk

Die ganze Geschichte der "angekündigsten Pleiten des Jahres" in diesem Blog: Suche nach MBIA

Update (18:58)

Jetzt hat auch das Handelsblatt die Nachricht und weist netterweise daraufhin, dass das auch Belastungen für den Banken nach sich zieht. Habe ich vergessen zu erwähnen, wahrscheinlich weil ich das schon gefühlte Tausendmal geschrieben habe ... Dafür war ich 8 Stunden schneller ;-)

Handelsblatt: Ratingagentur stuft Anleiheversicherer herab

Update (30.09.09):

FT Alphaville hat auch ein einen Artikel dazu mit ein paar Auszügen aus dem Research-Bericht:
FT Alphaville: S&P junks MBIA

Zahl des Tages (28.09.09): 35.000.000.000

Heute mal was ganz anderes ... ein Blick auf den US-Immobilienmarkt ...

Ich hatte ja quasi zu jedem der von mir genannten einzelnen Punkte für bzw. gegen steigende Immobilienpreise ein Posting gemacht,  was noch fehlt, ist ein Blick auf die Kreditsubventionen für Hauskäufer (die IMHO eigentlich viel früher hätten beginnen sollen, um ein Absacken der Hauspreise um 30% und mehr zu verhindern).

Es gibt die (bisher) relativ kleine FHA, eine staatliche Bank, die zinsgünstige (Zins 0,5% niedriger als normal) Kredite an (vergleichsweise) finanzschwache Haushalte vergibt. Fannie Mae und Freddie Mac hingegen vergeben kaum (keine?) eigenen Hypotheken, sondern garantieren nur. (Wobei ich gestehen muss, dass ich die Details der Unterschiede nicht wirklich verstanden habe, für die folgende Diskussion ist der Unterschied zwischen direkter Vergabe und Garantie aber eigentlich auch nebensächlich).

Nachdem sich bereits Mitte des Monats leere Kassen bei der FHA ankündigten (WaPo: FHA Cash Reserves Will Drop Below Requirement), stellt Obama der FHA jetzt weitere

35.000.000.000 (35 Mrd.) Dollar

zur Verfügung, damit die FHA auch ja fleissig weiter Kredite vergeben kann.

FTD: USA stützen Hausmarkt mit 35 Milliarden

Stutzig machte mich jedoch der niedrige Marktanteil der FHA-Hypotheken von etwa 5%, den die FTD im Artikel nennt. Da hatte ich ganz anderes im Kopf und eine kurze Suche über meine viel zu vielen Feeds im Google Reader ergab dann auch schnell, dass der Marktanteil aktuell *deutlich* höher liegt. Im zweiten Quartal ging es dabei laut Wall Street Journal um fast ein Viertel, im August sogar um etwa 40% alle Hypotheken. Die FTD Zahl dürfte also eher einen Schnitt über alle von der FHA vergebenen Hypotheken darstellen, was die aktuelle Bedeutung der FHA aber überhaupt nicht widerspiegelt.

Wie das WSJ ebenfalls meldet, geht es (natürlich ...) um ziemlich spekulative Hypotheken mit hoher Beleihung, niedriger Tilgung und wenig Eigenkapital. Die FHA Hypotheken haben dann - welch Überraschung - auch eine überduchschnittlich hohe Ausfallrate.

Wir sehen hier also exemplarisch, wie die Amerikaner die Auswirkungen des Platzens der letzten Blase beheben wollen: Mit einer neuen Blase. Nur dass der Staat diesmal nicht nur indirekt dafür sorgt, sondern die direkt auch noch selber anschiebt. (Wer dauernd nach mehr Staat ruft, sollte sich das angesichts solcher Entwicklungen eigentlich zweimal überlegen. Oft ist der Staat auch nicht schlauer ...)

Das wird langfristig noch zu einem bösen Erwachen führen. Vor allem hat der Staat dann keine Ausrede. Es waren dann keine skrupellosen Kredithaie, keine Verbriefungsverbrecher an der Wall Street, sondern über eine Tochter der Staat selber ...

The Big Picture: Yet Another Bailout: Housing’s Hair of the Dog

Übrigens ist ein Punkt der US-Immobilienmarkt-Diskussion noch offen und da ich daraus noch ein weiteres Posting machen will, empfehle ich, die 2. Seite im FTD-Artikel nicht zu lesen, damit es hier spannend bleibt ;-)

Zahl des Tages (27.09.09): 117

So ... das Übliche am Wochenende. Wobei ... nur eine Pleite ungewöhnlich wenig ist ...

US-Bankenpleite Nr. 117:

Name: Georgian Bank,
Sitz: Atlanta, Georgia,
Assets: 2 Milliarden Dollar,
Käufer: First Citizens Bank and Trust Company, Columbia, South Carolina
Schaden für die FDIC: 892 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 76 (rot).

First Citizens Bank and Trust Company, Incorporated, Columbia, South Carolina, Assumes All of the Deposits of Georgian Bank, Atlanta, Georgia

Steuersenkungen sind versprochen ...

... wie auch immer die finanziert werden sollen ...

Und so zerrissen das Bild ist, das eine Partei hinterlässt, die trotz des Rekorddefizits von 80 Mrd. Euro Steuersenkungen verspricht, so zerrissen ist die Reaktion in Europa auf die Finanzkrise ...

In Spanien werden die Steuern erhöht (insbesondere die Mehrwertsteuer Handelsblatt: Spaniens Regierung erhöht Mehrwertsteuer), in Schweden hingegen werden die Steuern gesenkt (Handelsblatt: Weniger soll mehr sein und ebenfalls in Frankreich( Handelsblatt: Frankreich senkt Steuern auf Pump).

Also daraus kann man schonmal nix ableiten zu den Auswirkungen von vier Jahren schwarz-gelb, die  vor uns liegen.  Außer dass wir womöglich einfach beides bekommen ... Erst ne Steuererhöhung (die FDP tut so, als hätte sie nichts von den Haushaltslöchern gewusst) und dann für 2011 eine Senkung (die man dann auch noch ein paar Mal verschieben kann, genauer bis zur Wahl ;-) )

Was jetzt in Bezug auf Bankenregulierung kommt, keine Ahnung. Die CDU war eh nur 'ne große Wundertüte (man weiss zwar was draufsteht, aber nicht was drin ist), die FDP hat irgendwie gar nichts Sinnvolles gesagt.

Und was Bürgerrechte angeht: Hier gibt es mglw. 4 weitere Jahre Schäuble mit grundgesetzfeindlichen Gesetzen und Ideen en masse und einer Partei, die immerhin mal für Freiheit und Bürgerrechte stand. Wie immer der Konflikt ausgehen mag ...

Spannend wird's auf jeden Fall ...

Wahlaufruf: Hashtag-Flashmob: #undallesowaehl

(Ich hab's schon gezwitschert, aber ich wiederhole das gerne hier nochmal)

Ich würde gerne am Sonntag eine Art Hashtag-Flashmob machen, als einen kurzen Aufruf bzw. Erinnnerung an alle, auch wirklich zur Wahl zu gehen.

Dazu einfach nur ab 8:00 nach der Öffnung der Wahllokale #undallesowaehl tweeten und aus. (Eventuell noch um einen Retweet bitten).

Ich glaube, der Sinn erschließt sich in der "Twittersphäre" von allein. Und der Witz bei Tweets steckt ja genau in der Kürze, also sollte man auch nicht zu viel schreiben.

Mal schauen, wie weit der Hashtag zieht ... Auf Twitscoop zu kommen, wäre schon cool. Ansonsten bilde ich mir natürlich nicht ein, dass durch eine solche Aktion wirklich mehr als 37 Leute auch zur Wahl gehen, die sonst nicht gegangen wären. Aber mal schauen ... Wahrscheinlich gibt es nicht einmal 37 Tweets mit dem Hashtag ...

Fallen jemand gute Retweeter ein, die man mit reinpacken könnte? #SPD #CDU #FDP #PIRATEN? #BTW09? @F_W_Steinmeier? @Seipenbusch? Aber eigentlich will ich den Wahlaufruf *unbedingt* unabhängig von einer Partei halten und der Tweet sollte so kurz wie möglich sein. Aber vielleicht kann man den Multiplikatoren vielleicht einen Link auf dieses Posting schicken? Oder bloggt selber über die Idee, wenn ihr sie gut findet und schickt den Link durch die Gegend. Die Aktion kann (und sollte) ruhig an so vielen Stellen wie möglich beginnen, auch um (wenns denn erfolgreich ist) die Experten zu widerlegen, die meinen, dass das Internet keine wichtige Plattform für den Wahlkampf sei ( Handelsblatt: Online-Wahlkampf: Viel Lärm um Nichts). Ich glaube nämlich schon, dass für 5 bis 10% der Wähler das Internet die wichtigste Informationsplattform für die Wahl war.

Man könnte die Twitter-Idee auch noch weiter ziehen und nach tweeten, was man gewählt hat: #ichhabegewaehlt #btw09 und dann das Kürzel der Partei (#cdu, #spd, ...). Wenn man nur sagen will, *dass* man gewählt hat, lässt man den zweiten Teil einfach weg.

Hat noch jemand Ideen? Die Diskussion sei eröffnet ...

Update (27.09.09)

72% Wahlbeteiligung. :-(

Zahl des Tages (26.09.09): 1.784.000.000.000.000.000.000.000

OK, die Zahl ist Schwachsinn, aber wenn man so lange hier Zahlen des Tages zusammenschreibt und dabei auf eine solche Zahl stößt, die für lange Zeit die größte bleiben dürfte, muss ich die einfach bringen ...

Ein Mann hat die Bank of America auf die unglaubliche Summe von

1.784.000.000.000.000.000.000.000 (1,78 Quadrillionen) Dollar

verklagt. Und ich versteh nicht einmal, was der Mann wollte. Der Richter auch nicht, er hat die Klage abgelehnt.

(Ich bin mir übrigens nicht sicher, ob die Quadrillion stimmt. Reuters spricht von 1,784 Billion Trillion. Da das Komma im Amerikanischen der Tausendertrenner ist, müsste das EintausendSiebenHundertVierUndAchtzig Milliarden Billionen sein (9 Nullen + 12 Nullen). Reuters selber spricht aber in der Beschreibung von einer Summe, die irgendwo zwischen 10^21 und 10^22 liegt. Dann wäre das Komma eben doch das richtige Komma, oder? Eigentlich ist es aber auch Wurscht. Die Klage ist ja so hirnig, da die Summe um einiges höher ist als das Weltsozialprodukt und daher eine Zahlung eher unwahrscheinlich ist ... Wie ist eigentlich das Sozialprodukt der Föderation?).

Reuters: Man sues BofA for "1,784 billion, trillion dollars"

Lowering the Bar: Bank of America Sued for 1.784 Sextillion Dollars

Zahl des Tages (25.09.09): 11,9

Ausnahmsweise mal keine Zahl vom US-Immobilienmarkt, aber im Lande bleibe ich doch.

Wer sich über den Vermögenszuwachs der amerikanischen Haushalt um 2 Billionen Dollar gefreut hat (Zahl des Tages (18.09.09): 2.000.000.000.000) und dabei auch ins Kleingedruckte geschaut hat, wird festgestellt haben, dass dort ein paar Sachen etwas anders dargestellt werden als man als naiver Betrachter vermuten könnte.

Die Rede ist vom Deleveraging, vom Abbau der hohen Hebel in den Bilanzen. Mit wenig Eigenkapital (und damit auch wenig Sicherheitspuffer) wurden/werden riesige Mengen Geld bewegt. Das ist bei den Privathaushalten nicht wesentlich anders. Bei kaum gestiegenen Nettoeinkommen in den letzten 10 Jahren (hatte ich mal drüber gebloggt, finde ich aber nicht wieder) steigerten die Amerikaner ihren Konsum und kauften auch immer teurere Häuser. Das geht natürlich (wie bei den Banken auch) nur mit mehr Schulden, sprich mehr Risiko.

Die im ersten Halbjahr deutliche gestiegene Sparquote legt jetzt nahe, dass die amerikanische Verbraucher (endlich!) begonnen haben zu sparen und so versuchen, ihre private Bilanz wieder ins Lot zu bekommen. Das spiegelt sich im Vermögenszuwachs aber nicht wieder, denn dort war der Grund für die gestiegenen Nettovermögen NICHT der Rückgang der Schulden, sondern der Wertanstieg bei Aktien (großer Teil) und bei Immobilien (kleinere Teil).

So ganz schlüssig ist das Ganze also nicht. Und noch weniger stimmig wird das Bild, wenn man die Kreditkartenschulden betrachtet. Hier ist von einem Abbau weit und breit nichts zu sehen. Das was sich entwickelt - und zwar in die falsche Richtung -  sind die Ausfälle. Im August stiegen diese auf

11,9%.

Und das sind nicht die Kredite, die erst ein paar Tage überfällig sind, sondern die, die die Banken schon unter "forget it, da gibt's keinen Cent mehr" verbucht haben.

Inwieweit diese Ausfälle in den Bankbilanzen schon berücksichtigt sind, ist schwer zu sagen. Man kennt weder die Wertansätze in den Bilanzen, noch weiss man, ob die Schulden dort überhaupt noch stehen. Denn Kreditkartenschulden wurden wie die Hypotheken lustig verbrieft und in die ganze Welt verkauft. Es kann also gut sein, dass demnächst eine deutsche Bank wieder ein paar Hundert Millionen (oder noch mehr) abschreiben muss, weil das Zeugs dort gelandet ist.

Tagesschau: Kreditkartenschulden in den USA wachsen

Zahl des Tages (24.09.09): -2,7%

Die Verkäufe existierender Einfamilienhäuser in den USA sind im August um

2,7% 

gesunken. Annulisiert wurden 5,1 Millionen Häuser verkauft. Das war schlechter als von den Analysten erwartet (5,39 Millionen). Der Preis liegt im Schnitt

WSJ: Existing Home Sales Dropped in August 
oder direkt von der Quelle:
Realtor.org: Existing-Home Sales Ease Following Four Monthly Gains

Steht meine Immowette jetzt auf der Kippe?

Nöh. Die Analysten rauchen nämlich schlechten Shit, aber das ist im Zeitalter nach der Krise ja keine Neuigkeit.

Erstens ist der August im Schnitt etwas schwächer als der Juli.
Zweitens ist der August stärker (+3,4%) als im Vorjahr.
Drittens ist der Lagerbestand deutlich gesunken und daher steht der von mir als wichtigster Indikator erachtete Lagerbestand in Monatsumsätzen bei 8,5 Monaten nach 9,4 Monaten im Juli.

Die Zahlen von heute sind also eher eine positive Überraschung als eine Enttäuschung.

All das findet sich schön übersichtlich auch mit Grafiken bei
Calculated Risk: Existing Home Sales Decline in August

Die zwei großen Knackpunkte für den US-Immobilienmarkt sind
a) das Schattenlager (Immobilien, die nur inoffiziell auf dem Markt sind, weil die Bank den pleite gegangenen Hauseigner gegen eine niedrige Miete im Haus wohnen lässt und so Steuern, Instandhaltungskosten und Wertverlust spart), dessen Größe niemand kennt und
b) die Steuergutschriften für Erstkäufer (immerhin 30% der Umsätze im August) im November auslaufen.

Wir werden sehen, wie sich das am Ende ausgeht ...

Versteh ich nicht ... Jackpot geknackt, Lotto-Aktie abgestraft

Das Handelsblatt schreibt, dass der geknackte Lotto-Jackpot dazu führt, das der Gewinn bei Tipp24 sinkt. OK, ich habe am Rande mal mitbekommen, dass Tipp24 eine Art Parallel-Lotto betreibt, seit der Staat den Betrieb und auch die Vermittlung von Glücksspielen für private defakto verboten hat. Du gewinnst bei Tipp24 also genau wie im offiziellen Lotto. Aber wenn Tipp24 die gleiche Summe (also über 30 Millionen Euro) im Tipp24 Parallel-Lotto ausschüttet, frage ich mich, wie das Geschäftsmodell aussieht. Damit sich das für Tipp24 lohnt, muss Tipp24 doch zumindest ähnliche Umsätze machen wie das staatliche Lotto. Ansonsten müssten die ja die gleiche Summe Geld ausschütten, hätten aber viel weniger Einnahmen. Dass Tipp24 ähnlich hohe Einnahmen wie die offiziellen Lottoveranstalter hat, kann ich mir aber kaum vorstellen.

Wo ist mein Denkfehler?

Handelsblatt:Jackpot geknackt, Lotto-Aktie abgestraft

Update (17:32):

Ha, ist doch ganz einfach. Wenn bei Tipp24 weniger Leute mitspielen, sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, dass jemand die richtigen Zahlen hat und Tipp24 muss seltener was ausschütten.

(Boah, bin ich blöd).

Dass die jetzt den Monsterjackpot ausschütten müssen, ist natürlich doof für Tipp24 ... Aber im Schnitt (Gesetz der großen Zahlen würde der Statistiker sagen) stimmt die Nummer schon.

Zahl des Tages (23.09.09): 4,97

Bei den (auch wegen der Wette) ziemlich häufigen Diskussionen über den US-Immobilienmarkt habe ich auf diesen Punkt als positiven Faktor bereits hingewiesen: Die niedrigen Zinsen. In einem Kommentar habe ich den Effekt auch schonmal durchgerechnet. Den Kommentar finde ich dummerweise nicht mehr wieder, daher muss ich das jetzt nochmal neu machen, aber hej was mach ich nicht alles für euch ;-)

Bei einem Zinssatz von 6% effektiv und einer Tilgung von 1.000 Euro über 30 Jahre kann man knapp 170.000 Euro finanzieren. Sinkt der Zinssatz auf 5%, gehen bei gleichen Bedingungen bereits knapp 189.000. Ähnlich sinkt auch die monatliche Belastung bei sinkenden Zinsen.

Daher muss man die sinkenden Zinsen als einen der großen Stabilisierungsfaktoren für den US-Immobilienmarkt sehen.

In der letzten Woche hat der Zins für die "marktführende" 30-jährige Hypothek die Schwelle von 5% unterschritten und liegt aktuell bei

4,97%.

Dieser Zins ist natürlich manipuliert oder politisch gewollt. Der Anteil der Hypotheken, die über die staatlichen Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac vergeben wird bzw. über diese besichert wird, erreicht immer neue Höchststände. Dummerweise finde ich den Artikel, in dem die Zahl stand, nicht mehr wieder.

Aber glaubt mir: Die US-Regierung macht jetzt genau das, was ich schon immer verlangt habe: Sie stabilisiert den Immobilienmarkt direkt (über Steuergutschriften für Erstkäufer) und indirekt über Ankaufprogramme für Mortgage Backed Securities und über Zinssenkungen. Wenn das früher gemacht worden wäre, hätte das viel Geld für die Bankenrettung gespart ...

Marketwatch: Mortgage rates below 5%, Fed high five!

Zahl des Tages (22.09.09): 1.602.000.000.000

Zweimal Schulden an einem Tag? Tja, lässt sich in diesen Zeiten scheinbar nicht vermeiden.

Heute mal das Halbjahresupdate zum Schuldenstand Deutschlands.

Bund, Länder und Gemeinden hatten Ende Juni insgesamt

1.602.000.000.000 (1,6 Billionen) Euro

Schulden, was knapp 20.000 Euro pro Einwohner oder gut 40.000 Euro pro Beschäftigtem entspricht.

Das sind 5,7% mehr als am Jahresanfang und 7,2% mehr als im Vorjahr.

Dabei legte der Bund am kräftigsten zu: plus 7,5% auf 1.028 Milliarden. Die Länder legten 3,5% auf 498 Mrd. zu. Die Städte und Gemeinde konnte hingegen sogar Schulden abbauen, allerdings ist der Anteil an den Gesamtschulden auch vergleichsweise niedrig (-2,1% auf 75 Milliarden Euro) (und über 1 Mrd. davon hat allein Oberhausen, unglaublich ...)


In den Schulden des Bundes ist übrigens der SoFFin schon drin. Zumindest so offensichtlich wird der Schuldenstand nicht gefaket.

Handelsblatt: Schulden des Staates steigen rasant an
oder direkt von der Quelle:
Destatis: Schulden der öffentlichen Haushalte stiegen im 1. Halbjahr 2009 um 5,7 % 

Und weil ja Wahl ist: Ich finde, dass jede Partei, die Steuersenkungen verspricht, aufgrund massivster Wahrnehmungsstörungen eigentlich unwählbar ist. Dann fallen zwei weg, zufällig auch die beiden, die noch keinen wirklich sinnvollen Vorschlag zur Neuregulierung des Bankensektors gemacht haben. Die eine sieht nicht mal den Bedarf, die andere hält sich mit Nebenschauplätzen wie den Bankerboni auf). Dann streichen wir noch die Partei, die uns lustige Win-Win-Win-Lügen erzählt (und das sowohl bei Mineralölsteuer und der Einspeisevergütung gemacht hat und das auch wieder tun wird) und die Partei, die seit 11 Jahren an der Macht ist und sich jetzt dauernd über die Ergebnisse der eigenen Politik beschwert (soziale Gerechtigkeit nicht mehr da, Überhangmandate sind undemokratisch, jetzt auf einmal müssen wir weg aus Afghanistan) steht für mich eigentlich fest, dass ich diesmal eine Partei wählen muss, die ich noch nie gewählt habe. Ob es die Partei ist, die ich noch nie wählen konnte, weiss ich hingegen noch nicht.

(Wieso die FTD in ihrer Wahlempfehlung auf die CDU gekommen ist, kann ich nicht nachvollziehen. Der wirtschaftliche Sachverstand kann bei der Ankündigung von Steuersenkungen nicht sonderlich ausgeprägt sein. Und auch sonst fragt man sich, was bei der CDU überhaupt ausgeprägt ist (außer dem Willen zu Macht ... und UPDATE dem Willen zur totalen Überwachung: Sueddeutsche.de: Verfassungsschutz soll zur Polizei werden))

Die Weltschuldenuhr

Ich hatte eine ähnliche, allerdings viel einfachere Version schonmal im Urlaubs-Tab-Sweep verlinkt. Aber diese Version ist so viel besser, dass das ruhig nochmal ein eigenes Posting wert ist.

In der interaktiven Weltkarte kann man auf (fast) alle Länder klicken und bekommt dann den absoluten Schuldenstand und den relativen umgerechnet auf die Einwohnerzahl und in Prozent des BIPs angezeigt. Sehr hilfreich, auch wenn mir der Schuldenstand der USA beim Klick auf 2009 mit 8 Billionen Dollar etwas arg niedrig ist. Nicht nur meiner Meinung nach müssten wir nahe an den 12 Billionen Dollar sein.


Economist: Global Debt Comparison

gefunden über Freakonomics: The Debt Clock via @weissgarnix

Zahl des Tages (21.09.09): -39%

Hatte eigentlich was anderes als Zahl des Tages geplant, aber das passt so gut in dieses Blog und ist so aktuell, dass ich diese Zahl am Ende spannender fand.

Es geht um den US-Immobilienmarkt, bei dem sich mein Interesse in letzter Zeit auf den gewerblichen Bereich verschoben hat, da sich der Markt für private Immobilien meiner Meinung nach beruhigt hat (Neue Wette: Case-Shiller-Index sinkt nicht mehr als 40%). Bei den Gewerbeimmobilien geht es aber weiter kräftig runter. Laut Moody's sind die Preise im Juli um 5,1% gefallen und liegen damit um

39%

unter dem Hoch vom Oktober 2007.

Man kann sich also fast sicher sein, dass den US-Banken bei den Hypotheken auf gewerbliche Immobilien noch viele weitere Ausfälle drohen. Aber da wird der Staat wieder mit ein paar Hundert Milliarden Dollar einspringen ...

Bloomberg: Moody’s Property Index Resumes ‘Steep’ Fall in July

gefunden über Calculated Risk: Moody’s: CRE Prices Off 39 Percent from Peak, Off 5% in July

Katamari Nachfolger Noby Noby Boy für's iPhone

Scheinbar ist eine iPhone Portierung des neuen Spiels Noby Noby Boy des Katamari Erfinders Takahashi in der Mache.

Das Spiel soll noch bekloppter als Katamari sein und eigentlich gar kein Ziel (im Sinne von Leveln) mehr haben, aber ich kenne es leider nicht (habe keine PS3). Von der Beschreibung her hört es sich auf jeden Fall wie eine schöne Möglichkeit an, seine Zeit komplett sinnlos zu verschwenden. Perfekt!

Aktuell ist mein Lieblingsspiel auf dem iPhone übrigens Flight Control. Das hat einen gewissen Suchtfaktor. Harbour Master ist sehr ähnlich und als Abwechslung auch ganz nett. Katamari habe ich auf dem iPhone komischerweise nur ziemlich selten gespielt.

Offworld: Touch BOY: Namco reveals WIP screenshot of iPhone Noby Noby BOY

Update (11:02)

Übrigens gibt es eine Art Harbour Master/Flight Control gerade umsonst:

The Battle of Pirate Bay

Zahl des Tages (20.09.09): 403,3

Eines meiner Lieblingsthemen: Gold.

Am Freitag wurde zum ersten Mal in der Geschichte ein Wochenschlusskurs oberhalb der 1000-Dollar-Marke erreicht. Der absoluten Intraday-Höchststand bei etwa 1.030 Dollar ist auch nicht mehr wirklich weit weg.

Gold-Bugs nehmen diese Preisentwicklung freudig zur Kenntnis, während sich die Verschwörungstheoretiker unter den Goldfans eher fürchten. Denn aus ihrer Sicht findet gerade (mal wieder) eine internationale Aktion zur Manipulation des Goldmarkts statt: Der IWF hat angekündigt, ein Drittels seiner Goldreserven zu verkaufen, was

403,3 Tonnen

entspricht. Der IWF will damit etwa 13 Milliarden Dollar erlösen und das Geld dann ärmeren Staaten zur Verfügung stellen.

Ist es jetzt ein Zufall, dass der IWF genau in der Nähe der Höchststände den Verkauf ankündigt? Soll damit der Ausbruch auf neue Allzeithochs verhindert werden? Die Veschwörungstheoretiker unter den Goldfans werden solche Theorien bereitswillig aufnehmen.

Ich bleibe jedoch cooler, auch wenn die 403 Tonnen in etwa der gleichen Menge Gold entsprechen, die die Notenbanken als maximale Obergrenze für den jährlichen Verkauf festgelegt haben. Aus staatlichen Quellen gibt es also nun in etwa eine Verdopplung der neu auf den Markt kommenden Menge Gold. Das könnte die Preise drücken. Allerdings stehen auf der Käuferseite schon länger die Notenbanken Indiens, Russlands und vor allem Chinas, die ihre Goldreserven aufstocken. Man wird sehen, wo sich der Marktpreis von Gold in Zukunft einpendelt.

Mir ist das aber eh egal. Gold time ich nicht. Das gehört in einem mehr oder weniger kleinen Prozentsatz in jedes Portfolio. Und zwar physisch und so, dass man es im Notfall in den Koffer packen und damit auswandern kann. Für den allerschlimmsten Fall der Fälle.

FTD; IWF macht Gold zu Geld
FAZ: Gold für die Welt

Die Einspeisevergütung für Solarstrom muss runter!

Sagt der Egghat ja schon länger. Und wenn jetzt der Gründer von Solarworld jetzt in mein Credo einstimmt, finde ich das so bemerkenswert, dass ich daraus nicht wie bei den meisten kurzen Linkhinweisen einen Tweet mache, sondern das auf die Homepage hieve.

Wow. Ein Profiteur der Vergütung setzt sich für die Senkung ein. Das wird sicherlich Einigen, die die Einspeisevergütung für einen klaren Erfolg (Win-Win-Win) halten, nicht gefallen. Ja ich mein Dich Siggy Pop Gabriel und ich meine Euch liebe Grüne (ich wähl Euch vielleicht trotzdem)!

Asbeck sorgt sich um die Akzeptanz der Vergütung. Es ist sicherlich nicht clever, die Vergütung unnötig hoch zu lassen, weil das die Stromverbraucher am Ende bezahlen müssen. Der (zu) hohen Stromrechnung der Stromkunden stehen (zu) hohe Renditen der Solaranlagenbauer gegenüber. Ich hab das mal so platt "Subvention für Dachflächenbesitzer" genannt.

Außerdem sieht das Asbeck den Aspekt, dass eine zu hohe Förderung den technologischen Fortschritt bremst. Die Einspeisevergütung darf kein Ruhekissen sein, auf dem sich die technologisch zurückliegenden Firmen ausruhen, sondern muss dafür sorgen, dass die Solarenergie jedes Jahr so stark wie möglich billiger wird. Es geht nicht darum, ob man 2015 ein oder zwei Prozent der deutschen Stromerzeugung aus Solarenergie gewinnt. Es geht darum, möglichst früh die Netzparität zu erreichen. *Das* muss das Ziel sein. Denn kommt alles andere von selbst ...

Der Artikel nennt übrigens etwa 25% Preisrückgang für Solaranlagen seit Jahresbeginn. Scheinbar kommt die Preishalbierung für die Zellen ab Werk China auch in Deutschland an.

FTD: Solarkonzern will auf Entzug

Update (21.09.09):

Es gibt übrigens auch Updates zur Netzparität. Inzwischen merken auch einige andere, dass wir bei den von der Digitimes vorhergesagten Preissenkungen (siehe Zahl des Tages (06.09.09): 50%) schneller an der Netzparität sind als es sich selbst der größte Ökostrom-Visionär vor ein paar Jahren noch vorstellen konnte. In manchen Bereichen werden der technologische Fortschritt (und die normalen Marktmechanismen) massiv unterschätzt.

CleanThinking.de: WirtschaftsWoche meldet: Solare Netzparität ist erreicht

Zahl des Tages (19.09.09): 116

Freitagnacht und eine Bank in den USA geht Pleite und alle so Yeah!
Eigentlich sogar alle so Yeah! Yeah!, denn es waren zwei Banken, auch wenn die irgendwie miteinander verbandelt waren ...

US-Bankenpleite Nr. 115
Name: Irwin Union Bank,
Sitz: Louisville, Kentucky,
Assets: 493 Millionen Dollar,

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.

US-Bankenpleite Nr. 116
Name: Irwin Union Bank and Trust Company,
Sitz: Louisville, Kentucky,
Assets: 1,7 Milliarden Dollar,

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.

Beide gingen an den 
Käufer: First Financial Bank, Hamilton, Ohio
und hinterließen einen
Schaden für die FDIC: 800 Millionen Dollar.

FIDC: First Financial Bank, National Association, Hamilton, Ohio, Assumes All of the Deposits of Irwin Union Bank, F.S.B., Louisville, Kentucky, and Irwin Union Bank and Trust Company, Columbus, Indiana 

Horst_M hat mich übrigens netterweise einen Link auf eine aktualisierte Version der Todesliste hingewiesen. Diese enthält jetzt über 300 Banken im Status "Rot=hoch gefährdet" gegenüber 97 die in der alten Todesliste Nr.2 stehen. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich darauf umstellen so. Klar, die alte Todesliste Nr.2 ist eigentlich nicht mehr aktuell, aber dafür ist es auch um so faszinierender zu sehen, wie gut diese Liste schon damals die Pleiten vorhergesagt hat.

Musik zum Wochenende: Hidden Cameras

Boys of Melody in einer sehr schönen Live-Version von La Blogothèque. Viel Spaß!



mehr von den Hidden Cameras gibt's hier: The Hidden Cameras

Mehr Take-Away-Shows gibt's hier: Take Away Shows

Zahl des Tages (18.09.09): 2.000.000.000.000

Wochenende? Zeit für eine positive Zahl, gell?

Daher mal ein Blick auf das Nettovermögen der amerikanischen Haushalte. Dieses ist nämlich im 2. Quartal 2009 um

2.000.000.000.000 (2 Billionen) Dollar

gestiegen. Ja richtig, gestiegen. Ich sagte doch positive Nachricht. Das Gesamtvermögen beträgt jetzt 53,1 Billionen Dollar.

Dafür gibt es zwei Gründe:

a) (natürlich) die gestiegenen Aktienkurse an der Wallstreet und
b) die Rückführung der Kredite (-1,7% auf 13,7 Billionen).

Marketwatch: Households' net worth rises first time in 2 years

Ich finde übrigens die Studie bei der Fed nicht. Da stehen bestimmt noch ein paar spannende Details drin. Unter anderem würde mich interessieren, ob die Immobilienpreise nach Berechnung der Fed im 2. Quartal noch gefallen oder schon gestiegen sind. Findet die jemand zufällig?

Update (20.09.09):

Saviano vom Boersennotizbuch hat mir netterweise den Link geschickt: Die Fed-Statistik gibt es als (ziehhhmlich) langes PDF hier: Fed: Flow of Funds Accounts of the United States Q02/09 (PDF 483 KB)

Die Zahl (Wert der Immobilien), die ich suchte, müsste auf Seite 104 in Tabelle B100 Zeile 4 stehen. Danach ist der Wert der von den Privathaushalten gehaltenen Immobilien im 2. Quartal tatsächlich gestiegen. Allerdings nur um gut 300 Milliarden. Der Wert der "corporate equities", was im wesentlichen Aktien sein dürften, stieg um ewa 1,1 Billionen Dollar (Zeile 24), der Wert der Fonds um knapp 500 Milliarden (Zeile 25) und das Vermögen in Pensionsfonds ebenfalls um etwa 700 Mrd. Dollar. (Wer sich jetzt wundert, dass diese 4 Positionen mehr ausmachen als die 2 Billionen insgesamt: Es gibt auch Posten, die im Minus liegen).

Kurz: Meine Vermutung, dass die überwiegendes Teil des Vermögenszuwachses auf die steigenden Aktienkurse zurückgeht, war richtig.

Die USA haben zuviel Schulden? Nein!

Die These ist sooo hirnig, dass ich mich echt frage, wer Ken Fisher Milliarden anvertraut ...

Ich mag ja Querdenker, aber zu behaupten, die USA gesamt hätten zu wenig Schulden und nicht zu viel, ist schon sehr gewagt.

Man kann darüber diskutieren, ob die Schulden der USA wirklich so dramatisch hoch sind wie manche meinen und der Point of no Return schon überschritten ist. Das tue ich auch und habe daher schon mehrfach darauf hingewiesen, dass die USA nach dem 2. Weltkrieg höher verschuldet waren als heute. Und das haben die USA relativ problemlos und ohne große Inflation abgebaut.

Aber das betraf NUR die Staatsverschuldung. Die Verschuldung der Privathaushalte damals war niedriger. Die Verschuldung der Unternehmen war niedriger. Insgesamt gesehen dürfte die USA noch nie so hoch verschuldet gewesen sein wie heute.
Vielleicht noch wichtiger: Die Schulden damals lagen im eigenen Land (die Staatsschulden wurden von den Amerikanern selber finanziert) bzw. bei Verbündeten. Heute liegen die Schulden im Ausland und das macht die USA viel angreifbarer.

Außerdem waren die USA damals Kriegsgewinner und nicht -verlierer. Die Demografie stimmte. Und die Bilanzen (sowohl von Unternehmen wie auch von Banken) waren voller stiller Reserven und nicht aufgeblasen mit heißer Luft.

Ken Fisher hat sehr viele spannende Ideen und Überlegungen. Aber wie er immer darauf kommt, nur die positiven herauszupicken und solche wie schlechtere Bilanzqualität oder höhere Auslandsverschuldung zu ignorieren, versteh ich nicht. Er kann doch denken ...
Für's Timing kann man den Mann definitiv vergessen: Haltet den Begriff Permabullen im Hinterkopf und mit diesem Disclaimer kann man sich dann seine Überlegungen anhören ... Vor der großen Krise hat der auch nur blauen Himmel gesehen. Nicht einmal Wolken waren da ...

The Big Picture: Too Much Debt? We Need MORE Debt, Says Ken Fisher

Zahl des Tages (17.09.09): 1.087.000.000.000

Wenn ich am Jahrestag der Lehman-Pleite angedeutet habe, dass ich diese Krise noch nicht für ausgestanden halte, bin ich natürlich in der Pflicht zu sagen warum.

Gestern und vorgestern gab es einen Blick auf den Immobilienmarkt in Irland und die jetzt beschlossene Rettungsaktion über eine Bad Bank, die man eigentlich eher Worse Bank nennen müsste, denn die vom Staat übernommenen Hypotheken werden schon in der Mehrzahl nicht mehr bedient (siehe Zahl des Tages (16.09.09): 30% und Zahl des Tages (15.09.09): 90.000.000.000).

Heute mal wieder ein Blick auf den US-Immobilienmarkt. Dabei weniger auf den privaten Sektor (der meiner Meinung nach mehr oder weniger den Boden gefunden hat, nicht umsonst habe ich darauf ja auch eine Wette laufen), sondern auf den geschäftlichen Bereich (Mietwohnungen, Büros, etc.). Auch dieses Thema ist nicht ganz neu und Stammleser wissen sowohl dass der Markt groß ist als auch dass die Preise dort schon kräftig gesunken sind. In die aktuell ziemlich positive Stimmung hinein kann man das aber ruhig beides nochmal erwähnen ... Vor allem wenn es aus dem Munde eines renommierten Mitglieds der Fed stammt.

Janet Yellen von der Fed of San Francisco warnt vor massiven Verlusten bei den Hypotheken auf gewerbliche Immobilien. Durch die dort zu erwartenden Verluste sei der Aufschwung der Gesamtwirtschaft und die Stabilisierung des Bankensektors äußerst wacklig. Kein Wunder, geht es doch laut Real Estate Monitor um Hypotheken in den Bankbilanzen im Gesamtwert von


1.087.000.000.000 (1,1 Bilionen) Dollar. Wohlgemerkt nur bei den Banken.

Das kann man jetzt kombinieren mit den Wertverlusten von 36% seit dem Hoch 2007 (Zahl des Tages (26.08.09): -36%). Und kommt dann schon auf ein schönes Sümmchen. Angesichts der aufgeweichten Buchführungsrichtlinien kann man fast sicher sein, dass die Verluste noch nicht sauber in den Bankbilanzen berücksichtigt sind. Auch bei den Pleiten der Banken, die die FDIC jedes Wochenende meldet, bleibt regelmäßig ein Loch von 25 oder 30%. Das macht wenig Hoffnung darauf, dass die sinkenden Werte sauber in den Bilanzen berücksichtigt sind. (Aber darum geht es ja eigentlich auch: Die Wahrheit verstecken solange es geht oder die Inflation das Problem gelöst hat ...).

Und der Abwärtstrend ist wohl auch noch nicht  beendet. Zumindest sehen einige Experten den Boden erst 2011 oder 2012, da das Überangebot groß ist und die Mieten weiter (kräftig) sinken.

FTD.de | Problempapiere: Fed-Vertreterin warnt vor "verheerenden Verlusten"

Was ich mich sofort gefragt habe: Sind in der etwa 1,1 Billionen schon die verbrieften Hypotheken (Commercial Mortgage Backed Securities=CMBS) enthalten oder nicht? Aber diese Krise wäre ja nur eine normale Krise, wenn es so wäre. Aber es ist keine normale Krise.

Reuters hat die Zahlen zusammengetragen und kommt auf knapp 3,5 Billionen Dollar. Also Hypotheken bei Banken (s.o.) + bei Versicherungen + bei Frannie Mae + CMBS.

Da ich nicht weiss, in wie weit die Zahlen aus dem Reuters Blog stimmen, möchte ich mir die Rechnung jetzt sparen ... Aber trotzdem: 3,5 Billionen mal 0,6 ... Schluck ...

Reuters: America’s Japanese banks

Ach so die Rede von Yellen gibt's hier:
The Outlook for Recovery in the U.S. Economy1

Zahl des Tages (16.09.09): 30%

Manchmal ist es ganz nützlich, ein Posting quasi schon am Vortag vorzubereiten. Nicht dass ich das Posting schon gestern geschrieben hätte, aber nachdem die Nachricht des heutigen großen irischen Hypothekenankaufs schon gestern Thema war (Zahl des Tages (15.09.09): 90.000.000.000), kann ich das heute nochmal bringen ...

Mit einem deutlich höheren Abschlag von

30%

als noch gestern spekuliert (20-25%) hat der irische Staat Hypotheken im Nominalwert von 77 Mrd. Euro von den drei großen irischen Banken gekauft. Mit den 54 Mrd. Euro investiert Irland auf einen Schlag die Summe, die in vier Monaten im ganzen Land erwirtschaftet wird (also ein Drittel des BIPs.).

Die eigentlich noch interessantere Information ist der Markwert der Papiere: Dieser beträgt nur 47 Mrd., die staatliche Bad Bank bietet also satte 7 Mrd. mehr als der Markt. Der Marktwert liegt somit fast 40% unter dem Nominalwert. Eine ziemlich erschreckende Zahl, denn die offiziellen Zahlen weisen keinen Immobilienpreisrückgang in dieser Höhe aus. Woher die Verluste kommen, ist mir etwas unklar. Sind das CDOs und keine normalen Hypotheken? Oder übertreibt der Markt so weit nach unten?

Handelsblatt: Iren starten Bad Bank

Update (17.09.09):

Die Aktien der Banken machen (nicht ganz unerwartet) einen kräftigen Satz nach oben ...

FAZ: Irland verschont seine Banken

Übrigens werden 60%(!) der Kredit nicht mehr bedient ... Da ist das Wort Schrott ja noch ein Euphemismus ...

Wie wär's mit "Worst Bank" statt "Bad Bank" ;-)

FT Alphaville ebenfalls zum Thema (überraschend spät ...)

FT Alphaville: Ireland’s e-NAMA-ous property gamble

Der Anleger - Gier vs. Geduld

Es gibt eine Theorie (Belohnungsaufschubsparadigma), die der in Österreich geborenen Psychologe Walter Mischel aufgestellt hat. Menschen, die in der Lage sind auf eine kurzfristige Belohnung zu verzichten, wenn dafür längerfristig ein höherer Gewinn wahrscheinlich wird, sind im Leben erfolgreicher (reicher, bessere Ausbildung, höheres soziales Ansehen, etc. pp.). Laut Mischel ist diese Eigenschaft stabil, also schon im frühen Kindesalter nachweisbar.

Hier bieten sich jetzt natürlich viele Analogien zu der Finanzkrise an, die zumindest teilweise durch das zu kurzfristige Denken ausgelöst wurde. Ich spare mir das jetzt aber, weil ich noch was arbeiten muss. Für alle Interessierten empfehle ich Jason Zweig: "Gier. Neuroökonomie: Wie wir ticken, wenn es ums Geld geht" oder Akerlof + Shiller: Animal Spirits: Wie Wirtschaft wirklich funktioniert (ich schreibe später nochmal was zum Thema ...). Jetzt verlinke ich eigentlich nur wegen des tollen Videos :-)

Der Versuchsaufbau ist wie folgt:

Kinder werden in einen Raum an einen Tisch gesetzt. Vor ihnen steht ein unverschämt süß duftender Marshmallow. Eine Frau verspricht, dass es einen zweiten Marshmallow gibt, wenn der erste Marshmallow beim Wiedererscheinen der Frau noch auf dem Teller ist. Also quasi 100% Rendite in wenigen Minuten.


Oh, The Temptation from Steve V on Vimeo.

gefunden über: Feingut: Der Marshmallow-Test

Mehr zur Theorie: Wikipedia: Walter Mischel

Das Lexikon des Teufels - Finanzausgabe

Etwas Lustiges spät am Abend. Wunderbar.

Wir fangen an mit A:

AAA, n., obsolete. A rhetorical device used to dupe buyers into purchasing securities backed by shacks dressed as houses, and to secure the highest possible spot in telephone directories. Common usage: AAA Septic Drainage and Mortgage Backed Security Services.

...

CREDIT-DEFAULT SWAP, n. loose translation from the original Latin "ubi mel ibi apes," or "where there's honey there are bees." 1. A complex financial instrument vital to the functioning of a modern economy in the way it spreads risk among consenting parties. (Greenspan, A., pre-Sept. 2008.) 2. A complex financial instrument that nearly destroyed modern capitalism (Greenspan, A., post-Sept. 2008).

...

QUANTITATIVE EASING, n. A regulatory approach based on the point in Western movies when the sheriff, having fired all available bullets, in an act of final desperation throws his gun at the bad guys. See also INFLATION, HYPER.
  

Was ist Euer Favorit? Oder fällt euch sogar eine lustige Definition ein?

WSJ: The Devil's Dictionary -- Financial Edition
gefunden über: The Big Picture: Devil’s Dictionary: Wall Street Edition

Zahl des Tages (15.09.09): 90.000.000.000

Hab's mir überlegt. Schreibe heute nichts zu Lehman. Das Thema wird ja an allen Stellen breitgetreten. Mit Bilder-Klickstrecke. Mit der Einschätzung, dass man aus der Pleite nichts gelernt. Oder der Einschätzung, dass das Jahr seit der Pleite nicht umsonst war. Die Palette der Meinungen ist groß.

Daher muss ich vorab auch noch eben meinen Senf dazugeben: Ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass jemand so blöd sein kann, eine der Bank nicht zu retten, die die Bank of England als "too big to fail" bezeichnet hat. (Too Big to Fail? Lehman war's angeblich - We will see ...). OK, die Amerikaner haben es versucht, viele Bankenhasser haben gejubelt (was haben Lafontaine/Westerwelle/etc damals eigentlich gesagt? Update: Steinbrück sagte, dass es keine Rettung mit Steuergeldern in Deutschland geben würde. Daraufhin Applaus  im Bundestag.), es ging schief. Die anschließenden Rettungsmaßnahmen kosteten ein Vielfaches von dem, was die Rettung von Lehman gekostet hätte.

Und was sind die Lehren, die gezogen wurden? IMHO wenige bis gar keine. Es zeichnen sich zwar strengere Anforderungen für das Eigenkapital von Banken an, aber viel zu viel wird auch über nutzlose Maßnahmen wie die Begrenzung der Boni diskutiert. Wesentlich schlimmer aber, dass man mit den vielen Zwangszusammenschlüssen von Banken (JP Morgan kauft Bear Stearns, Merrill Lynch tatsächlich von Bank of America gekauft, Commerzbank kauft Dresdner Bank) aus Banken, die schon zu groß zum Pleite gehen waren, jetzt Banken gemacht hat, die viel zu groß sind, um Pleite zu gehen.

Also wenn ihr die Beurteilungen der Pleite lest: Ich glaube weder, dass viel gelernt wurde, noch glaube ich, dass die Krise vorbei ist, noch glaube ich, dass das System jetzt stabiler ist als vor der Krise ...

Und wenn ich mich weigere, genau ein Jahr zurückzuschauen, was nehme ich denn dann als Zahl des Tages? Wie wär es mit einer Zahl, die in ihren Gründen noch älter ist, aber trotzdem passt, weil es am Ende der Auslöser für die Krise war und IMHO auch gut der Grund sein kann, warum die Krise noch nicht vorbei ist: Die geplatzte Immobilienblase.

Heute mal am Beispiel Irland:

Morgen gibt die NAMA, eine staatliche irische Behörde bekannt, wie viel sie für Hypotheken im Nominalwert von

90.000.000.000 (90 Milliarden) Euro

bezahlen will.

Damit will Irland diese Schrotthypotheken aus den Bilanzen der irischen Banken tilgen, damit die Banken wieder Luft zum Leben bekommen.

Das Problem dabei ist natürlich die Bewertung: Zahlt man zu wenig, saniert man die Banken nicht. Zahlt man zu viel, saniert man zwar die Banken, aber schadet dem Steuerzahler. Wenn man mal ganz pragmatisch diese Entscheidung betrachtet, wird es auf die zweite Möglichkeit hinauslaufen. Der Steuerzahler heißt ja nicht umsonst "Zahler" ... Und über die Einlagensicherung, die der irische Staat für die Banken übernommen hat, haftet der Steuerzahler sowieso schon ...

Es wird mit Abschlägen im Bereich von 20 bis 25% gerechnet. Die genaue Zahl reiche ich als Update nach.

Weil die 90 Milliarden Euro nicht sooo sonderlich beeindruckend sind, hilft ein Vergleich, um die Bedeutung für das doch recht kleine Land Irland zu betonen: Die Summe entspricht etwa der Hälfte des irischen Bruttoinlandsprodukts. Auf Deutschland hochgerechnet wären das gut 1,2 Billionen Euro.

Bloomberg: Ghost Towns May Haunt Ireland in Property Loan Gamble (Update2) 
gefunden über Calculated Risk: Ghost Towns in Ireland


Irland ist damit eines der Länder, das am heftigsten von der Blase nach oben gespült wurde und jetzt unter dem Platzen auch am meisten leidet. Wie schrieb mal jemand: Der Unterschied zwischen dem (so gut wie insolventen) Island und Irland ist nur ein Buchstabe ...

Zahl des Tages (14.09.09): 16.300.000.000

Hargi, zu schnell auf Return gedrückt. Artikel schon raus ... Schnell was schreiben ...

Thema: HRE, mal wieder. Am Wochenende gab es mal wieder News. Der Tagesspiegel hat angeblich eine Bundesbank-Studie über die HRE in die Hände bekommen. Danach schlummern in der Bilanz der HRE Wertpapiere, die ingesamt um

16.300.000.000 (16,3 Mrd.) Euro

zu hoch bewertet sind.

Dummerweise müssen diese Papier eigentlich abgeschrieben werden und damit entsteht in der Bilanz, die eh schon ohne jeglichen Sicherheitspuffer ist, ein noch größeres Loch. Aus den 10 Mrd. Euro Hilfsgeldern, die bis zum Jahresende eh schon eingeplant waren, könnten jetzt laut Studie 26 Milliarden werden.

Die HRE hält das Szenario der Bundesbank für nicht plausibel. Aber ich wüsste schon, wem ich in dieser Diskussion mehr glauben schenken würde ...

Update (23:32)

Ich sollte nicht verschweigen, dass die HRE (besser gesagt die Tochter, in der das Pfandbriefgeschäft jetzt abgewickelt ist) wieder am Kapitalmarkt Geld bekommen kann. Mit einem vergleichsweise mageren Zinsaufschlag von 0,5% konnte die Deutsche Pfandbriefbank in der letzten Woche einen Jumbo-Pfandbrief im Volumen von 1,5 Mrd. Euro platzieren. Eigentlich ist das ja auch bei einer fast vollständig verstaatlichten Bank auch logisch. Denn das diese Bank jetzt noch Pleite geht, scheint kaum vorstellbar ...

Handelsblatt: HRE-Tochter holt sich 1,5 Milliarden Euro

Zahl des Tages (13.09.09): 114

Ausnahmsweise mal am Sonntag. Aber auslassen kann man die Bankpleiten nicht, weil mit der Corus Bank ein richtig dickes Schiff untergegangen ist.

US-Bankenpleite Nr. 112

Name: Corus Bank,
Sitz: Chicago, Illinois,
Assets: 7 Milliarden Dollar,
Käufer: MB Financial Bank, Chicago, Missouri
Schaden für die FDIC: 1,7 Milliarden Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.


FDIC: MB Financial Bank, National Association, Chicago, Illinois, Assumes All of the Deposits of Corus Bank, National Association, Chicago, Illinois 

US-Bankenpleite Nr. 113

Name: Brickwell Community Bank,
Sitz: Woodbury, Minnesota,
Assets: 72 Millionen Dollar,
Käufer: CorTrust Bank, Chicago, Missouri
Schaden für die FDIC: 22 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer, Platz 75 (rot).

FDIC: CorTrust Bank National Association, Mitchell, South Dakota, Assumes All of the Deposits of Brickwell Community Bank, Woodbury, Minnesota

US-Bankenpleite Nr. 114

Name: Venture Bank,
Sitz: Lacy, Washington,
Assets: 970 Millionen Dollar,
Käufer: First Citizens Bank, Raleigh, North Carolina
Schaden für die FDIC: 298 Millionen Dollar.

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer, Platz 117 (orange).

FDIC: First-Citizens Bank & Trust Company, Raleigh, North Carolina, Assumes All of the Deposits of Venture Bank, Lacy, Washington 

Zu Corus noch ein ganz spannender Artikel bei FT Alphaville:

FT Alphaville: The end of Corus bank, enabler of the condo boom

Nobelpreisträger Akerlof im Interview

George A. Akerlof hat zusammen mit Joseph E. Stiglitz 2001 den Wirtschaftsnobelpreis bekommen. Beide beschäftigen sich mit Entscheidungsfindung bei Informationsasymmetrien. Also wie handeln Personen A und B, wenn diese nicht die gleichen Informationen haben. Wichtig ist (für Normalsterbliche) daran nicht unbedingt, wie die beiden handeln, sondern zu erkennen, dass es diese Informationsungleichheiten gibt. Denn damit kippt eine der Basisannahmen vieler wirtschaftswissenschaftlicher Modelle. Und damit sind diese Modelle mehr oder weniger großer Murks. OK, man kann wie an jedem (korrekten) Modell ein paar Zusammenhänge erkennen und erklären, aber man darf eben auch nicht erwarten, dass dieses Modell die reale Welt umfassend abbildet und erkärt.

Die NZZ hat ein interessantes Interview mit Akerlof gemacht (danke an m106 für den Hinweis), das ich euch für den Samstagabend empfehle (zumindest wenn ihr sonst nichts vorhabt, Fernsehgucken zählt nicht):

NZZ Web-TV: Über die Macht von Vertrauen und Geschichten

Akerlof spricht dabei auch eine der Sachen an, die ich an den Kreditausfallversicherungen auch schonmal kritisiert habe: Warum kann man eigentlich einen CDS kaufen und damit auf den Ausfall eines Kreditnehmers spekulieren, wenn ich gar kein Geld an diesen verliehen habe? Die Versicherung macht so lange Sinn, wie ich mich selber gegen einen Ausfall absichere. Wenn ich mein Auto versichere, wenn ich mein Haus versichere. Aber wenn ich das Haus meines Nachbarns versichere, würde man sich in der Realität doch an den Kopf fassen. Bei CDS aber kein Problem ... Und damit sind allen legalen und illegalen Spielarten die Tore geöffnet ...

Guter Anlass übrigens, nochmal das Buch "Animal Spirits" von Akerlof und Shiller (auf den ja hier auch dauernd verwiesen wird) zu empfehlen:

Amazon: Animal Spirits: Wie Wirtschaft wirklich funktioniert

Zahl des Tages (12.09.09): 1.300.000.000

Open und Steinbrück feiern sich für die Rettung von Opel. Komisch nur, dass die beiden von der Bundesregierung in den Treuhänderausschuss berufenen Experten die angebliche Rettung massiv kritisieren:

Dirk Pfeil von der FDP hat sich enthalten (ansonsten wäre der Deal - zumindest vorerst - geplatzt). Pfeil hat den anderen Bieter RHJ bevorzugt, aber auf "massives politisches Trommelfeuer" nicht gegen den Magna-Deal gestimmt. Laut Pfeil kostet die Lösung mit Magna den Steuerzahler

1.300.000.000 (1,3 Mrd.) Euro

mehr als bisher eh schon eingeplant war. Naja, wenn's sonst nichts ist ...

Handelsblatt: Opel-Treuhänder geißelt Magna-Deal
Tagesschau: "Politische Entscheidung, keine betriebswirtschaftliche"

Die Kritik von Ex-Conti-Chef (und damit aus der Branche kommend) Wennemer habe ich im ersten Kurzartikel schon gebracht, aber er hat nochmal nachgelegt (und übrigens auch konsequenterweise mit Nein gestimmt; damit war das sein letzter Job als Berater der Bundesregierung ... Respekt für so viel Rückgrat):

Nach seinen Berechnungen ist Opel - selbst bei vollständiger Planerfüllung (ach, wie aktuell die Begriffe aus dem real scheinbar wieder existierenden Sozialismus doch sind ;-) ) - 2010 überschuldet und defakto insolvent. Außerdem hält er die Beteiligung am Eigenkapital von 400 Millionen durch Magna für einen Witz. Dies sei viel zu wenig und fast das komplette Risiko läge so beim Staat. Außerdem sei Opel eh zu klein, zu ineffizient und die Autos seien naja soooo doll dann auch nicht.

VEB Automobilbau Adam Opel. Und das beschlossen mit den zwei Stimmen der Abgeordneten von GM, bei einem Nein und einer Enthaltung der deutschen Seite. Mich dünkt, dass schon dieses Abstimmungsergebnis klar macht, wer bei diesem Deal profitiert und wer zahlt.

Es würde mich nicht wundern, wenn nicht einmal die große Gefahr, die angeblich beim alternativen Käufer RHJ gedroht hat, vom Tisch ist: Dass General Motors mit Steuergeldern Opel saniert und nachher wieder (billig) zurückkauft. Alle andere Gefahren (Fass ohne Boden, für das der Steuerzahler haftet) sind eh nicht beseitigt.

FTD: Wennemer legt nach
Handelsblatt: Ohrfeige von deutschen Opel-Treuhändern

Zahl des Tages (11.09.09): 30%

Im Sommer 2007 waren es noch die Meister der Anlagestrategie, die Götter der Diversifikation (auch in diesem Blog: Und der Verwalter des Yale Stiftungsfonds fasst es mal kurz zusammen). Alles sprang auf den Zug auf, kaufte Diversifikationzertifikate, alles musste Hedgefonds, Wald und was weiss ich nicht alles im Depot haben ... Dann kam die Krise und sie wurden entzaubert. So schlimm entzaubert, dass für die Oma mit Sparbuch genügend Schadenfreude (oder Renditevorsprung) für den Rest ihres Lebens übrigbleibt ...

Um wen geht's? Um die Manager der Stiftungsfonds der Eliteuniversitäten Yale und Harvard. Deren Performance, die von der Krise entgegen aller Diversifikationsversuche nicht verschont blieb, litt so stark, dass diese hier schon ein paar Mal thematisiert wurde (Zahl des Tages (21.12.08): 25,Zahl der Tages (23.12.08): 16.000.000.000 und nochmal im Sommer: UTS #21: Harvard - Hazard). Da ich damals schon nach den abschließenden Berichten gesucht habe, aber nichts finden konnte, weil diese noch nicht veröffentlicht waren, war die Zahl bei der Veröffentlichung als Zahl des Tages quasi schon gesetzt.

Jetzt sind die Zahlen für das Geschäftsjahr 2008/2009 (bis Ende Juni) final und sie sehen nicht gut aus.

Der Stiftungsfonds der Harvard University ist um 11 Mrd. Dollar geschrumpft und musste 27,3% Minus verkraften.

Yale traf es noch schlimmer. Dort betrug das Minus

30%.

Das ist vor allem deshalb relativ viel, weil die Erholung seit Anfang März auch schon berücksichtigt ist. Auch im Vergleich zum Dow Jones Index, der knapp 30% verloren hat, gibt es keine Outperformance zu verzeichnen. Und die sollte Pflicht sein, den die Liquidität der Anlagen der beiden Uni-Stiftungsfonds ist deutlich schlechter als die von normalen Aktienanlagen (oder gar US-Staatsanleihen).

Jetzt wird die Anlagestrategie überdacht. Mich würde ein Vergleich mit Warren Buffet brennend interessieren. Aber nicht nur in der Krise, sondern auch in den Jahren zuvor.

Beide Unis musste kräftige Sparmaßnahmen einleiten, da der Geldfluss aus dem Stiftungsfonds nicht mehr zu üppig sprudelt wie bisher. Bei Harvard sind in den entsprechenden 12 Monaten immerhin 1,6 Milliarden Dollar aus dem Stiftungsfonds abgeflossen. Ganz schön teuer so eine Eliteuniversität, vor allem wenn man bedenkt, dass der Fonds die Kosten nur zu etwa 60% deckt. Die Gesamtkosten liegen als bei über 2,5 Mrd. Dollar ...

Spiegel: Elite-Unis Harvard und Yale verlieren ein Drittel ihres Vermögens
FAZ: Harvard und Yale haben sich verspekuliert
 
Harvard Magazin: Endowment Value Declines 29.5% as Investment Return Is Negative 27.3%


Musik zum Wochenende: LCD Soundsystem

OK, damit werde ich nicht viele Leute überraschen, oder? Dafür sind das Stück und die Band in den Kreisen, die sich für solche Musik interessieren, zu bekannt.

Trotzdem: Gutes Stück, das man ruhig mal wieder hören kann.

Lehman Doku im ZDF

Ich habe es erst heute mitbekommen. Hat die Doku gestern jemand gesehen und kann die empfehlen? Die ist in der ZDF Mediathek ja noch ein paar Tage abrufbar ...

ZDF: Der Große Crash


gefunden über FAZ: Jetzt ist der Bonus von einer Million Dollar weg

Update (12:12)

Auch zum Thema:

Handelsblatt: Dick Fuld: Der Teufel spielt Unschuldslamm

Spiegel: "Glauben die Leute, dass ich ein Vollidiot bin?"

Update (16:44):

horst_m hat mir einen Hinweis auf eine ARD Dokumentation hinterlassen, die er besser fand:

ARD Mediathek: Die Jahrhundert-Pleite: Wie der Lehman-Crash die Welt veränderte

Update (14.09.09):

Hab inzwischen die ZDF Doku gesehen. Nicht weltbewegend, aber auch keine komplett verschwendete Zeit. IMHO war das Highlight, Dick Fuld in seinen "Motivationsansprachen" an die Mitarbeiter. Wenn der Mann nicht krank ist, weiss ich es nicht.

Wir noch ein paar Mal wiederholt, wie mir ein Leser in den Kommentaren geschrieben hat:

14.09., 21:00, ZDFinfokanal
14.09., 21:00, Phoenix
14.09., 00:30, ZDFinfokanal
15.09., 08:15, Phoenix
15.09., 19:15, Phoenix
16.09., 01:05, ZDF

Opel gerettet!

Weil's so schön ist, schon zum zweiten Mal ...

Am besten gefällt mir der Satz "Jetzt können die Verhandlungen mit Magna über die finanziellen Details beginnen". Häh? Ich dachte sowas steht am Anfang von Verhandlungen, nicht am Ende.

Seeeeehr seltsam ...

Es bleibt dabei: Opel ist zu klein, Magna hat keinen Plan, viel zu wenig Geld und kann nur Teile der Welt mit Autos versorgen (weil der Rest exklusiv von GM beackert wird), womit Opel auch immer zu klein bleiben wird.

Es ist Zeit gewonnen. Mehr nicht. Die Politik sonnt sich trotzdem schonmal frech im vermeintlichen Erfolg. Bin zu müde zum weiteren Aufregen ...

Update (11.09.09):

Die vielleicht deutlichste Einschätzung:

FTD: Wennemer keilt gegen Diktat der Politik

oder das hier:

Regierungsvertreter Wennemer legt mit Kritik nach

Spiegel: "Glauben die Leute, dass ich ein Vollidiot bin?"

Zahl des Tages (10.09.09): 2.600.000

Es geht wieder aufwärts in den USA. Zumindest mit der Zahl der Armen ...

2.600.000 (2,6 Millionen)

Arme mehr als im Vorjahr. Damit liegt die Gesamtzahl jetzt bei 39,8 Millionen oder 13,2% der Bevölkerung.

Auslöser ist natürlich die Wirtschaftskrise und die dadurch steigende Arbeitslosigkeit, die auch die durchschnittliche Einkommen gesenkt hat. Das durchschnittliche (genauer der Median) Einkommen ist inflationsbereinigt um 3,6% gegenüber dem Vorjahr gefallen.

Und um ein schon mehrfach hier angesprochenes Thema wieder aufzugreifen: Gegenüber 1999 sind die Einkommen um 4,4% gesunken. Es gibt einige, die über ein kommendes verlorenes Jahrzehnt in den USA spekulieren wie in Japan. Dabei vergessen sie, dass die USA ein verlorenes Jahrzehnt schon gesehen haben. Und die Japaner schon zwei. Und die USA genau in die gleiche Richtung marschieren ...

Marketwatch: 2.6 million pushed into poverty in 2008

Oder das Original:  Census.gov: Household Income Table of Contents

Update (22:33):

Passend zu Obamas Gesundheitsreformplänen: 46,3 Million oder 15,4% der Amerikaner haben keinerlei Krankenversicherung.

Bei keiner der Zahlen kann man angesichts einer Arbeitslosenquote von knapp 10% eine Besserung für 2009 (und wahrscheinlich auch für 2010) erwarten ...

Also vorab: Dieses Posting gibt es nicht ...

So oder so ähnlich fängt ein Gespräch zwischen Milliardenbetrüger Bernie Madoff und einem Verantwortlichen des Hedgefonds Fairfield Greenwich an. Dann geht es weiter in die Details, wie man Untersuchungen der SEC am besten abwehrt: Bloß nichts Schriftliches. SEC Ermittler bei Detailfragen auch einfach mal auslachen. Etc. pp.

Unglaubliches Dokument. Im Artikel eine Diskussion darüber, verlinkt aber auch die Abschrift des Telefonats (66 Seiten).

Mr. Madoff: "Obviously, first of all, this conversation never took place, Mark, okay?"
Mr. Vijay: "Yes, if course".
Mr Madoff: "All right. There are a couple of things, you know, could come ..."

Ja, und die Dingen kamen dann auch. Allerdings viel später als erwartet. Das Gespräch fand 2005 statt und danach ging es noch drei Jahre weiter mit dem Riesenbetrug und die SEC hat nichts, aber auch gar nichts bemerkt ...

Wieso kann man eigentlich eine staatliche Aufsichtsbehörde, die so tief geschlafen hat, nicht verklagen? OK, verklagen kann man schon, man bekommt nur kein Recht oder Geld ...

CNBC: Madoff, Caught on Tape, Reveals Ways to Dodge SEC

gefunden über  Creditwritedowns: Bernie Madoff caught on tape in 2005

Politiker - Oder nach mir die Sintflut

Ach, der Artikel könnte auch heißen: Warum machen Politiker immer Gesetze, obwohl bei denen vom ersten Tag an gewarnt wird, dass das Gesetz wahrscheinlich gegen das Grundgesetz oder EU-Gesetze verstößt? Entweder sagt dann Karlsruhe "Nein" oder Luxemburg "Non".

Heute ein geradezu klassisches Beispiel: Die Riester-Rente. Diese gewährt ja Steuerfreiheit in der Einzahlphase, dafür wird die Auszahlung der Rente dann versteuert (nachgelagerte Besteuerung). Der Staat verliert heute also Steuereinnahmen, bekommt sie dafür aber in der Zukunft. Wenn die angelegten Gelder Renditen erwirtschaften, werden die Einnahmen in der Zukunft sogar höher sein als sie es heute wären.

Dumm nur, wenn der Riester-Rentner ins Ausland zieht. Egal ob irgendwann in seinem Berufsleben oder zum Alterswohnsitz auf Malle, in der Türkei oder in Südtirol (mein Favorit). Dann entgehen dem deutschen Staat die Steuereinnahmen im Alter. So nicht, dachte sich der Riester und verlangte in diesem Fall eine vollständige Zurückzahlung der staatlichen Förderung (Zulagen + Steuerersparnis).

So nicht, riefen allerdings auch bereits vor ein paar Jahren ein paar kundige Juristen und verwiesen auf einen der in Stein gemeißelten Grundsätze der EU: Die freie Arbeitsplatz- und Wohnsitzwahl innerhalb der EU. Die Riesterrente mit der Rückzahlpflicht bei Auswanderung ins EU-Ausland würde dagegen verstoßen und weil das ein Grundpfeiler der EU ist wäre das Einkassieren der Riesterrente durch die EU mehr als wahrscheinlich.

Diese ganze Argumentation war sehr sehr schlüssig und heute hat Luxemburg das erwartete Urteil verkündet:

DerWesten: Deutschland muss Riester-Förderung nachbessern
FAZ: EU-Gericht kippt mehrere Riester-Regeln
Handelsblatt: Bund muss Riester-Förderung ausweiten

Aber unsere Politiker wären ja nicht das was sie sind, wenn die nicht noch ein Sahnehäubchen draufpacken könnte ...

Bei der Überarbeitung der Riesterrente hat man a) ein wenig Bürokratie zur Seite geräumt (kein jährlicher Antrag mehr, ...) und b) die Förderung von Wohneigentum eingebaut. Damit kann man jetzt auch das bereits über die Riester angesparte Geld für die Anschaffung einer selbstgenutzten Immobilie benutzten (und muss nicht wie vorher 40.000 Euro zusätzliche Hypothek aufnehmen, obwohl man schon 40.000 Euro in der Riesterrente gespart hat). Unter völliger Ignoranz der EU-rechtlichen Probleme hat der Gesetzgeber die Förderung auf Immobilien in Deutschland beschränkt. Bamm. Und wieder ein zusätzliches EU-rechtliches Problem (statt bei der Überarbeitung eins zu lösen).

Steuerschutzbrief: Verstößt die Riester-Rente gegen EU-Recht? (von 2006, aber es war noch früher bekannt ...)

Was ich mich jetzt frage:

a) Sind die Politiker zu blöd vernünftige Gesetze zu machen?
b) Oder ist das einkalkuliert und abgezockt? Schlechte Gesetze verabschieden im vollen Wissen, dass man bei dem Richterspruch aus Karlsruhe oder Luxemburg eh nicht mehr in der Verantwortung ist?

(und mit etwas Glück die Seiten gewechselt hat, inzwischen bei einem Finanzdienstleister arbeitet, der von der durch Brüssel erzwungenen Aufweichung des Gesetzes sogar profitiert ... Zu Riester: "Neben seiner Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter tritt er als Referent bei verschiedensten Unternehmen der Finanzdienstleistungsbranche in Erscheinung und ist Aufsichtsratsmitglied von ArcelorMittal Bremen.[2] Zum 1. Oktober 2009 wird Walter Riester Aufsichtsrat des Finanzdienstleisters Union Asset Management Holding." Wikipedia: Walter Riester)

Ich war vor ein paar Jahren Verfechter von a). Inzwischen bin ich mir jedoch sicher, dass es zum politischen Handwerk gehört, den Zeitpunkt des eigenen Versagens nur weit genug in die Zukunft schieben zu können ...

Nach mir die Sintflut.

Was meint ihr?

Zahl des Tages (09.08.09): 221.000.000.000

Private Rente? Gesetzliche Rente per Umlagesystem? IMHO beides Systeme, die inhärente Schwächen haben und daher nur eine Lösung plausibel erscheinen lassen: Eine Mischung aus beidem (IMHO). Diversifikation halt ...

In Großbritannien wurde überwiegend auf private Vorsorge gesetzt. Und die scheint sich irgendwie auch nicht wirklich zu rechnen. Obwohl die Finanzmärkte sich seit einigen Monaten erholen, werden die Löcher in den Pensionskassen immer größer. Ende August betrug das Loch 194,6 Milliarden Pfund, was etwa

221.000.000.000 (221 Mrd.) Euro

entspricht.

Das Minus ist gegenüber dem Juli sogar noch weiter um knapp 15 Mrd. Pfund gestiegen. Der Aktienanteil sorgte zwar für ein Plus, der Rückgang der britischen Staatsanleihen war jedoch stärker.

Was sagt uns das? Die Rente rein privat zu organisieren (UK, USA) ist genauso ein Unfug wie den Leuten die Rente rein umlagebasiert ab 60 zu versprechen.

FT.com: Pension shortfalls approach £200bn

FT Alphaville: UK pension shortfalls near £200bn

P.S.: Wenn jemand Zahlen zur Unterdeckung der Pensionsverpflichtungen deutscher Unternehmen hat (ich hatte mir das mal irgendaus ausgeschnitten, finde es aber nicht wieder), nur her damit. Ich brauche jeden Tag eine neue Zahl. Bin süchtig ;-)

Nochmal ein Chart zum US-Arbeitsmarkt in dieser und den vorherigen Rezessionen

Ein kleines Update zu meinem Artikel "Der US-Arbeitsmarkt heute und in den vergangenen Rezessionen", der schön zeigte, dass die jetzige Rezession nicht normal ist und am Arbeitsmarkt Spuren hinterlässt wie keine seit dem 2. Weltkrieg. In dem Artikel fehlte aber leider der Vergleich mit der großen Weltwirtschaftskrise 1929-1932. Und den kann ich jetzt nachreichen:

The Big Picture: 1929 Versus 2007: Employment Change

Darin wird dann auch sehr klar, dass wir (zumindest bisher) nicht in einer Weltwirtschaftskrise II stecken. Damals brach die Beschäftigung im gleichen Monat vom Hoch ausgezählt (Monat 20) nicht "nur" um 5%, sondern um fast 20% ein. In der Spitze ging die Anzahl der Arbeitsplätze damals um fast 35%(!!!) zurück.

Davon sind wir zum Glück noch weit entfernt.

Allerdings sind die Aussichten nicht wirklich gut. Die Zeitarbeitsfirma Manpower berichtet heute über die schlechteste Erhebung seit 1962. Noch nie hätten so wenig Firmen Neueinstellungen geplant wie aktuell. Keine dollen Aussichten ...

Marketwatch: Job outlook hits worst-ever level

Zahl des Tages (08.09.09): 1.005

Für all die Goldskeptiker dort draußen (Gold macht nur Sinn bei Inflation, Gold macht selbst bei Inflation keinen Sinn, Gold ist nur dann was wert, wenn alle dran glauben, etc. pp.) muss die Entwicklung völlig überraschend sein. Im August wurden in vielen Ländern Preis"steigerungs"raten gemeldet, die auf historisch niedrigen Niveaus lagen:

Verbraucherpreisindex im Vergleich zum Vorjahresmonat:

–2,2% in Japan (gab's schonmal 2,2% Minus in der Inflationsrate irgendwann in der Nachkriegsära in einem G7-Land?),
-2,1% in den USA,
-1,8% in China,
-1,4% in Spanien,
-0,7% in Frankreich und
-0,6% in Deutschland.

Sicherlich geht das Minus vor allem auf die Energiepreise zurück, die durch einen Barrelpreis Rohöl von 140 Dollar im Vorjahresmonat (aktuell etwa 70) massiv nach oben ausgerissen sind. Trotzdem: Auch in der Kernrate ist nirgendwo eine aufkeimende Inflation zu sehen. Ok, die Geldmenge explodiert und das ist -im Moment- noch nur ein Warnzeichen.

Telegraph: Does the world have the courage to deal with its debts?

Trotzdem hat die Feinunze Gold heute wieder die 1.000 Dollar Marke genommen und notiert aktuell bei

1.005 Dollar

je Feinunze. Damit ist die Notierung nur noch wenige Dollar von den absoluten Höchstständen entfernt, die allerdings auch schon mehrfach geprüft wurden und einen harten Widerstand darstellen.
In Euro ist das Gold noch nicht ganz so nah an den Höchstkursen, aber auch in Euro sieht der Chart sehr sauber aus:

Gold in USD vs. Euro

Grafik von: Markt-daten.de

Rohöl bei etwa der Hälfte des Vorjahrswerts. Inflation nicht in Sicht. Aber Gold ganz nah an den Höchstständen. Goldskeptiker dürften die Welt nicht mehr verstehen, und selbst ich muss gestehen, dass mich das überrascht. OK, ich bin kein dicker Goldbug und empfehle nicht 100% seines Vermögens in Gold. Aber ich halte einen Anteil von 10 bis 25% in Gold (je nachdem welche Sachwerte man sonst noch hat) für eine geradezu lebensnotwendige Versicherung gegen den absoluten Worst-Case. Und näher am Worst-Case als jetzt war die Weltwirtschaft seit dem 2. Weltkrieg IMHO noch nie ...

Oder ist am Ende doch China der Auslöser (immerhin die einzige Notenbank, die im größeren Stile Gold kauft)? Oder doch die tiefgreifende Verunsicherung der weltweiten Anleger? Was meint ihr?

Update (12:32)

Aus Sentiment-Sicht ist die Lage unklar. Die Stimmung ist nicht so schlecht, dass man von einem Überspringen der alten Höchststände ausgehen muss, aber auch nicht so gut, dass man die fast ausschließen kann. Wir werden sehen ...

Marketwatch: Gold bugs brace, as metal tests $1,000 again

Update (12:52) :

Ach so: Das Allzeithoch liegt übrigens bei 1.030 Dollar aus dem März 2008. Inflationsbereinigt waren allerdings die Kurse Anfang der 80er noch höher und liegen umgerechnet bei gut 2.000 Dollar.

Die Inflationserwartungen in den USA gibt es übrigens auch im Chart: St.Louis Fed: Inflation Expectations. Da sieht man schön, dass die Erwartung eigentlich wieder ziemlich im normalen Bereich liegen.

Update (13:25):

Ich hatte einen Teil davon gestern in einem Update zum Artikel China sagt Bye Bye zum Dollar ... schon verlinkt, aber trotzdem als Zusammenfassung über die möglichen Ursachen des Goldpreisanstiegs (und des Dollar-Verfalls) ganz hilfreich:

FT Alphaville: What’s driving paper gold, redux

Zahl des Tages (07.09.09): -203.000

Ich hatte exakt das gleiche Thema heute schonmal (Der US-Arbeitsmarkt heute und in den vergangenen Rezessionen), aber wenn die darin angedeutete Materie in einer so schönen Zahl verdichtet wird, kann man das IMHO ruhig nochmal bringen ... Nicht zuletzt passt es zum Labor Day, den die USA heute feiern, also Bühne frei!

Wobei NoLabor-Day wäre vielleicht angebrachter. Die USA haben im aktuellen Jahrzehnt (4 Monate fehlen noch)

203.000

Arbeitsplätze verloren.

Das ist für ein Land, in dem die Bevölkerung wächst (im entsprechenden Zeitraum um mehr als 20 28 Millionen (hat jemand die genau Zahl? Danke Uli!)), natürlich viel zu wenig. Auch das mag jetzt für den unbedarften Leser noch nicht sonderlich dramatisch wirken, aber insbesondere der Vergleich mit den vergangenen Jahrzehnten zeigt, wie dramatisch schlecht dieses Jahrzehnt war. In den 90er Jahren gab es 19 Millionen neuer Jobs, selbst in den wirtschaftlich schwierigen 70er Jahren gab es 16 Millionen neuer Jobs.

Aber was soll man auch erwarten? Das Jahrzehnt begann mit einer Rezession, die von einer "jobless recovery" gefolgt wurde. Und dann kam die eine Rezession, die in vielen Punkten die schlimmste seit der Weltwirtschaftskrise war. Dass da am Ende nicht viel übrig bleibt, ist dan eigentlich keine Überraschung mehr.

The Big Picture: Total 10 Year Job Gains: Negative 203k

Wie steht Deutschland eigentlich im Vergleich da? Hat jemand die Anzahl der Arbeitsplätze Ende 1999 und jetzt?

Update (22:45)

Noch ein kleiner Nachtrag, weil ich den Punkt vergessen habe (auch wenn er eigentlich logisch ist): Wenn jetzt die Anzahl der Arbeitsplätze nur noch um 200.000 pro Monat sinkt, ist das noch lange kein gutes Zeichen, da die Anzahl der Arbeitsplätze um 200.000 pro Monat steigen müsste. Beim Erreichen den Nullinie ist der Arbeitsmarkt in den USA immer noch nicht aus dem Schneider ...

Nochmal zwei Links zur Fotovoltaik

Einmal ein Kommentar zu den unsäglichen Lobbymaßnahmen der Fotovoltaikbranche, die genauso übel desinformieren wie die Atomlobby auch:

FTD: Grünfärberei der Ökostromlobby

Und dann ein Artikel bei Telepolis, in dem über einen Vorschlag des HWWI berichtet wird. Das HWWI hat vorgeschlagen, die Einspeisevergütung auszusetzen, weil sie auch Sicht der CO2-Einsparung nichts gebracht habe. Das ist dann allerdings genauso hohl wie zu behaupten, man müsse weiterhin die Vergütung um 5% pro Jahr senken, auch wenn die Kosten mehr als 50% gesunken sind. Die Vergütung muss flexibel angepasst werden - nicht zu hoch und nicht zu niedrig. Dass selbst das HWWI das nicht kapiert, ist schon etwas erschreckend ...

Telepolis: Photovoltaik-Förderung wegen Ineffizienz aussetzen?

Man findet mich dort auch in den Kommentaren ...

Update (23:09):

Und noch einer im Spiegel, der schön zeigt, dass der Einbruch der Preise auch etwas gutes hat: Es lohnt sich nämlich in immer mehr Regionen der Welt - ganz ohne Förderung.

Spiegel: Stromgiganten entdecken die Sonnenkraft

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