Hab's mir überlegt. Schreibe heute nichts zu Lehman. Das Thema wird ja an allen Stellen breitgetreten. Mit Bilder-Klickstrecke. Mit der Einschätzung, dass man aus der Pleite nichts gelernt. Oder der Einschätzung, dass das Jahr seit der Pleite nicht umsonst war. Die Palette der Meinungen ist groß.
Daher muss ich vorab auch noch eben meinen Senf dazugeben: Ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass jemand so blöd sein kann, eine der Bank nicht zu retten, die die Bank of England als "too big to fail" bezeichnet hat. (
Too Big to Fail? Lehman war's angeblich - We will see ...). OK, die Amerikaner haben es versucht, viele Bankenhasser haben gejubelt (was haben Lafontaine/Westerwelle/etc damals eigentlich gesagt?
Update: Steinbrück sagte, dass es keine Rettung mit Steuergeldern in Deutschland geben würde. Daraufhin Applaus im Bundestag.), es ging schief. Die anschließenden Rettungsmaßnahmen kosteten ein Vielfaches von dem, was die Rettung von Lehman gekostet hätte.
Und was sind die Lehren, die gezogen wurden? IMHO wenige bis gar keine. Es zeichnen sich zwar strengere Anforderungen für das Eigenkapital von Banken an, aber viel zu viel wird auch über nutzlose Maßnahmen wie die Begrenzung der Boni diskutiert. Wesentlich schlimmer aber, dass man mit den vielen Zwangszusammenschlüssen von Banken (
JP Morgan kauft Bear Stearns,
Merrill Lynch tatsächlich von Bank of America gekauft, Commerzbank kauft Dresdner Bank) aus Banken, die schon zu groß zum Pleite gehen waren, jetzt Banken gemacht hat, die viel zu groß sind, um Pleite zu gehen.
Also wenn ihr die Beurteilungen der Pleite lest: Ich glaube weder, dass viel gelernt wurde, noch glaube ich, dass die Krise vorbei ist, noch glaube ich, dass das System jetzt stabiler ist als vor der Krise ...
Und wenn ich mich weigere, genau ein Jahr zurückzuschauen, was nehme ich denn dann als Zahl des Tages? Wie wär es mit einer Zahl, die in ihren Gründen noch älter ist, aber trotzdem passt, weil es am Ende der Auslöser für die Krise war und IMHO auch gut der Grund sein kann, warum die Krise noch nicht vorbei ist: Die geplatzte Immobilienblase.
Heute mal am Beispiel Irland:
Morgen gibt die NAMA, eine staatliche irische Behörde bekannt, wie viel sie für Hypotheken im Nominalwert von
90.000.000.000 (90 Milliarden) Euro
bezahlen will.
Damit will Irland diese Schrotthypotheken aus den Bilanzen der irischen Banken tilgen, damit die Banken wieder Luft zum Leben bekommen.
Das Problem dabei ist natürlich die Bewertung: Zahlt man zu wenig, saniert man die Banken nicht. Zahlt man zu viel, saniert man zwar die Banken, aber schadet dem Steuerzahler. Wenn man mal ganz pragmatisch diese Entscheidung betrachtet, wird es auf die zweite Möglichkeit hinauslaufen. Der Steuerzahler heißt ja nicht umsonst "Zahler" ... Und über die Einlagensicherung, die der irische Staat für die Banken übernommen hat, haftet der Steuerzahler sowieso schon ...
Es wird mit Abschlägen im Bereich von 20 bis 25% gerechnet. Die genaue Zahl reiche ich als Update nach.
Weil die 90 Milliarden Euro nicht sooo sonderlich beeindruckend sind, hilft ein Vergleich, um die Bedeutung für das doch recht kleine Land Irland zu betonen: Die Summe entspricht etwa der Hälfte des irischen Bruttoinlandsprodukts. Auf Deutschland hochgerechnet wären das gut 1,2 Billionen Euro.
Bloomberg: Ghost Towns May Haunt Ireland in Property Loan Gamble (Update2)
gefunden über
Calculated Risk: Ghost Towns in Ireland
Irland ist damit eines der Länder, das am heftigsten von der Blase nach oben gespült wurde und jetzt unter dem Platzen auch am meisten leidet. Wie schrieb mal jemand: Der Unterschied zwischen dem (so gut wie insolventen) Island und Irland ist nur ein Buchstabe ...
Hab's mir überlegt. Schreibe heute nichts zu Lehman. Das Thema wird ja an allen Stellen breitgetreten. Mit Bilder-Klickstrecke. Mit der Einschätzung, dass man aus der Pleite nichts gelernt. Oder der Einschätzung, dass das Jahr seit der Pleite nicht umsonst war. Die Palette der Meinungen ist groß.
Daher muss ich vorab auch noch eben meinen Senf dazugeben: Ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass jemand so blöd sein kann, eine der Bank nicht zu retten, die die Bank of England als "too big to fail" bezeichnet hat. (
Too Big to Fail? Lehman war's angeblich - We will see ...). OK, die Amerikaner haben es versucht, viele Bankenhasser haben gejubelt (was haben Lafontaine/Westerwelle/etc damals eigentlich gesagt?
Update: Steinbrück sagte, dass es keine Rettung mit Steuergeldern in Deutschland geben würde. Daraufhin Applaus im Bundestag.), es ging schief. Die anschließenden Rettungsmaßnahmen kosteten ein Vielfaches von dem, was die Rettung von Lehman gekostet hätte.
Und was sind die Lehren, die gezogen wurden? IMHO wenige bis gar keine. Es zeichnen sich zwar strengere Anforderungen für das Eigenkapital von Banken an, aber viel zu viel wird auch über nutzlose Maßnahmen wie die Begrenzung der Boni diskutiert. Wesentlich schlimmer aber, dass man mit den vielen Zwangszusammenschlüssen von Banken (
JP Morgan kauft Bear Stearns,
Merrill Lynch tatsächlich von Bank of America gekauft, Commerzbank kauft Dresdner Bank) aus Banken, die schon zu groß zum Pleite gehen waren, jetzt Banken gemacht hat, die viel zu groß sind, um Pleite zu gehen.
Also wenn ihr die Beurteilungen der Pleite lest: Ich glaube weder, dass viel gelernt wurde, noch glaube ich, dass die Krise vorbei ist, noch glaube ich, dass das System jetzt stabiler ist als vor der Krise ...
Und wenn ich mich weigere, genau ein Jahr zurückzuschauen, was nehme ich denn dann als Zahl des Tages? Wie wär es mit einer Zahl, die in ihren Gründen noch älter ist, aber trotzdem passt, weil es am Ende der Auslöser für die Krise war und IMHO auch gut der Grund sein kann, warum die Krise noch nicht vorbei ist: Die geplatzte Immobilienblase.
Heute mal am Beispiel Irland:
Morgen gibt die NAMA, eine staatliche irische Behörde bekannt, wie viel sie für Hypotheken im Nominalwert von
90.000.000.000 (90 Milliarden) Euro
bezahlen will.
Damit will Irland diese Schrotthypotheken aus den Bilanzen der irischen Banken tilgen, damit die Banken wieder Luft zum Leben bekommen.
Das Problem dabei ist natürlich die Bewertung: Zahlt man zu wenig, saniert man die Banken nicht. Zahlt man zu viel, saniert man zwar die Banken, aber schadet dem Steuerzahler. Wenn man mal ganz pragmatisch diese Entscheidung betrachtet, wird es auf die zweite Möglichkeit hinauslaufen. Der Steuerzahler heißt ja nicht umsonst "Zahler" ... Und über die Einlagensicherung, die der irische Staat für die Banken übernommen hat, haftet der Steuerzahler sowieso schon ...
Es wird mit Abschlägen im Bereich von 20 bis 25% gerechnet. Die genaue Zahl reiche ich als Update nach.
Weil die 90 Milliarden Euro nicht sooo sonderlich beeindruckend sind, hilft ein Vergleich, um die Bedeutung für das doch recht kleine Land Irland zu betonen: Die Summe entspricht etwa der Hälfte des irischen Bruttoinlandsprodukts. Auf Deutschland hochgerechnet wären das gut 1,2 Billionen Euro.
Bloomberg: Ghost Towns May Haunt Ireland in Property Loan Gamble (Update2)
gefunden über
Calculated Risk: Ghost Towns in Ireland
Irland ist damit eines der Länder, das am heftigsten von der Blase nach oben gespült wurde und jetzt unter dem Platzen auch am meisten leidet. Wie schrieb mal jemand: Der Unterschied zwischen dem (so gut wie insolventen) Island und Irland ist nur ein Buchstabe ...
Zahl des Tages (15.09.09): 90.000.000.000