Zahl des Tages (31.10.09): 9

Direkt

9

Bankpleiten in den USA an diesem Wochenende, so viel noch nie auf einen Schlag. Trotzdem nur 1 Presseerklärung, weil alle übernommenen Banken an den gleichen Käufer gingen. Ich zähle übrigens bei 130 weiter, weil ich Capmark als Bankenpleite zähle, auch wenn sie nicht von der FDIC versichert war. Übrigens droht bei noch eine weitere Pleite dieses Wochenende, aber bei der C.I.T. wird wohl noch bis zum letzten Moment verhandelt. Aber auch so ist das Wochenende mit Bankenpleiten mit einem Asset-Gesamtvolumen von 19,4 Mrd. Dollar und einen geschätzten Schaden für die FDIC von 2,5 Mrd. Dollar schon ziemlich heftig.

"Dabei" ist übrigens auch die Nummer 1 auf der neuen Todesliste.

Die Assets der Banken hat die FDIC nicht einzeln aufgeführt genausowenig wie die erwarteten Verluste. Die Assets habe ich von der Todesliste übernommen. Wenn die Bank nicht darauf war, ging das natürlich nicht. Sollte irgendjemand eine Quelle für die Daten haben: Nur her damit.

US-Bankenpleite Nr. 130

Name: Bank USA, National Association,
Sitz: Phoenix, Arizona,
(Assets 185 Millionen Dollar)

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 545 (gelb).

US-Bankenpleite Nr. 131

Name: California National Bank,
Sitz: Los Angeles, California,
(Assets: 7,1 Mrd. Dollar)

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 100 (orange)
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 89 (rot).

US-Bankenpleite Nr. 132

Name: San Diego National Bank,
Sitz: San Diego, California,

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 188 (rot).
(Assets 3,4 Mrd. Dollar)

US-Bankenpleite Nr. 133

Name: Pacific National Bank,
Sitz: San Francisco, California,
(Assets: )

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: kein Treffer.

US-Bankenpleite Nr. 134

Name: Park National Bank,
Sitz: Chicago, Illinois,
(Assets: 4,8 Mrd. Dollar)

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 474 (gelb).

US-Bankenpleite Nr. 135

Name: Community Bank of Lemont,
Sitz: Lemont, Illinois,
(Assets: 82 Mio. Dollar)

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 1(!) (rot).

US-Bankenpleite Nr. 136

Name: North Houston Bank,
Sitz: Houston, Texas,
(Assets: )

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: kein Treffer.

US-Bankenpleite Nr. 137

Name: Madisonville State Bank,
Sitz: Madisonville, Texas,
(Assets: 230 Mio. Dollar)

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 603 (gelb).


US-Bankenpleite Nr. 138

Name: Citizens National Bank,
Sitz: Teague, Texas,
(Assets: )

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Kein Treffer.

Assets: 19,4 Milliarden Dollar,
Käufer: U.S. Bank, Minneapolis, Minnesota
Schaden für die FDIC: 2,5 Milliarden Dollar

FDIC: PR-195-2009 U.S. Bank, NA, of Minneapolis, Minnesota, Assumes All of the Deposits of Nine Failed Banks in Arizona, California, Illinois and Texas

It ain't news, it is Fox News.

Ich weiss nicht, wer die Aufregung um Fox News und den "Boykott" der Obama Mannschaft mitbekommen hat. Aber am Ende läuft der eine ähnliche Nummer wie bei den Townhall Meetings contra Obamas Gesundheitsreform, bei denen mit "Argumenten" aus der alleruntersten Schublade gegen die Gesundheitsreform getrommelt wurde (siehe Slightly OT: Jon Stewart zu Obamas Healthcare Plan). Fox News ist ein Propagandasender. Nichts anderes. Die Sowjetunion wäre stolz darauf gewesen.

Daher muss ich einfach mal wieder Jon Stewart verlinken, der sich über die Argumentation auf Fox News lustig macht:

The Daily Show With Jon StewartMon - Thurs 11p / 10c
For Fox Sake!
www.thedailyshow.com
Daily Show
Full Episodes
Political HumorHealth Care Crisis

gefunden (u.a.) über
The Big Picture: For Fox Sake!

Update (01.11.09):

Kleiner Hinweis für alle, die den letzten Aspekt der Fox-News Geschichte nicht kennen: Obama vs. Fox News:

FAZ: Danke für die Dünnhäutigkeit

Musik zum Wochenende: Modest Mouse

Habe schon ein paar November Songs vorbereitet, heute passt das noch nicht ganz ... Obwohl "uplifting" ist der Song auch nicht gerade ... Schönes Video aber:

Modest Mouse: "The Whale Song"


"Whale Song" for Modest Mouse from Bent Image Lab on Vimeo.

Zahl des Tages (30.10.09): +2,0%

Heute mal wieder ein Blick auf die Insel. Lange nicht mehr den aktuellen Stand des Nationwide Preisindex aus England gebracht, aber heute liefert der Index einen willkommenen Anlass.
Im Oktober stiegen die Preise um 0,4% gegenüber dem Vormonat. Das war nun schon das 6. Monatsplus in Folge. Der Anstieg ist so stabil, dass die Immobilienpreise jetzt auch im Vergleich zum Oktober 2008 wieder im Plus liegen und zwar um

2,0%.

Der Nationwide Index, den ich hier immer bevorzugt gebracht habe, zeigt in den letzten Monaten spürbar positivere Ergebnisse als die anderen Indizes in Großbritannien (Halifax, Rightmove). Trotzdem halte ich die Zahlen für durchaus plausibel. Der landesweite Immobilienindex von Rightmove deckt die Aufwärtsbewegung des Nationwide-Index und übrigens auch das Jahresplus.

Ein Subindex des Rightmove-Immobilienpreisindex meldete für den Großraum London nicht nur ein Monatsplus von 6,5%(!), sondern auch ein (man halte sich fest) Allzeithoch. Aber das zeigt auch, was den britischen Immobilienmarkt treibt: London und die Banker. Die Boni fließen nach dem allumfassenden Bailout wieder und das Geld (des Steuerzahlers) gibt man gerne wieder aus.

Dass die britischen Immobilien historisch teuer sind, brauche ich nicht zu betonen. Daran hat sich in den letzten Monaten nichts geändert. Daher bin ich seeehr erstaunt, dass es so früh schon wieder so schnell nach oben geht.

Wirtschaftsquerschuss: "UK-Immobilienblase Reloaded"

Creditwritedowns: Nationwide: British home prices now higher than a year ago

Direkt von der Quelle:
Rightmove House Price Index October 2009 (PDF)
Nationwide: October 2009 report (PDF 49KB)

Um noch etwas Wasser in den Wein zu gießen: Das Monatsplus von 0,4% ist im Vergleich zu 0,9% und 1,4% in den Vormonaten ziemlich schwach. Das würde ich aber nicht überbewerten ...

Ein Blick auf die PIGS ... Heute P und G

Portugal, Italien, Griechenland und Spanien (und eigentlich noch ein I mehr für Irland): Das sind nach Ansicht von Experten die Länder in der Eurozone, deren Stabilität durch hohe Staatsverschuldung am meisten gefährdet ist.

Bei einigen Ländern gab es bereits Herabstufungen der Kreditwürdigkeit (Irland ist z.B. nicht mehr AAA) und die Richtung bleibt gleich: der Pfeil zeigt nach unten.

Gestern war die Ratingagentur Moody's an der Reihe. Das Rating für Griechenland und Portugal blieb zwar stabil, der Ausblick wurde aber auf negativ gesenkt.

Handelsblatt: Ratings von Portugal und Griechenland wackeln
n-tv: Moody's überprüft Anleihen

Man beachte die Ähnlichkeit der beiden Artikel und das Fehlen des aktuellen Ratings ... Zum Glück kann man im Internet auch englischsprachige Quellen nutzen und die bringen dann auch das aktuelle Rating.

Portugal liegt bei Aa2, Ausblick negativ,
Griechenland bei A1, Ausblick ebenfalls negativ.

iStockAnalyst: Moody's Changes the Outlook on Portugal's Aa2 Rating to Negative
iStockAnalyst: Moody's Places Greece's Ratings on Review for Possible Downgrade

Zahl des Tages (29.10.09): +1,66%

Ich hatte ja bereits angekündigt, dass ich die +3,5% Plus im US-BIP vielleicht zur Zahl des Tages umwidme. Gut, so direkt mache ich das nicht, sondern picke mir aus der Analyse eine Zahl heraus.

Die Headline war das Plus von 3,5% im 3. Quartal 2009 (US-BIP Q03/09: +3,5%). Damit hat die US-Wirtschaft wieder klar auf den Wachstumspfad zurückgefunden. Die Börsen sprangen rund um den Globus nach oben. Der Dow Jones Index hatte den besten Tag seit über 3 Monaten.

Ich hatte schon in der Kurzanalyse den Einfluss der US-Abwrackprämie Cash for Clunkers erwähnt. Es gibt aber auch genauere Berechnungen. Allein der US-Autosektor trug im 3. Quartal mit

1,66 Prozentpunkten


zum Plus bei. Ergo ging fast die Hälfte des Zuwachses auf die Automobilindustrie zurück, die durch die Abwrackprämie aber künstlich profitierte. Das läuft aber aus. Die Absatzzahlen im ersten Monat nach Auslaufen von Cash for Clunkers waren wenig beruhigend (Autoabsatz bricht ein - In Deutschland und den USA). 

Daneben stiegen die Staatsinvestitionen (+0,5 PP), der Bausektor (+0,53 PP) und aus dem Lageraufbau kamen 0,94 PP. So wirklich nachhaltig ist das nicht, weil es alles direkt oder indirekt auf Staatsausgaben zurückgeht.

Auch der Preisdeflator (also der Inflationsanteil, den vom nominellen BIP abgezogen wird) fiel mit 0,8% gering aus. Erwartet wurden 1,4%. Diese niedrigere Inflation trug also ebenfalls zu dem recht großen Plus des BIPs bei.

The Big Picture: Big GDP Number: 3.5%

Die Zahl war in der Überschrift wesentlich besser als in den Details. Jetzt muss man sehen, wie sich die US-Wirtschaft verhält, wenn die Staatsprogrammen langsam auslaufen.

Update (30.10.09):

Auch das Wall Street Journal hat einen Artikel zum Thema BIP-Plus und dem kräftigen Staatseinfluss:
WSJ: America's Grossly Distorted Product

US-BIP Q03/09: +3,5%

Das ist zwar nur die erste Schätzung. Es ist auch durch Cash for Clunkers verzerrt, aber trotzdem ist es viel.

BEA.GOV: GROSS DOMESTIC PRODUCT: THIRD QUARTER 2009 (ADVANCE ESTIMATE)

Eine detailliertere Analyse mache ich später und widme die Zahl dann noch zur Zahl des Tages um ...

Update (23:59)

Etwas detailliertere Analyse hier: Zahl des Tages (29.10.09): +1,66%

Der K1-Hedgefonds war auch über Zertifikate für jedermann kaufbar

Ist mir gerade erst aufgefallen ...
Das heißt dann wohl auch, dass zumindest einige Privatanleger mit im (wahrscheinlich untergehenden) Boot sitzen.

Wenn ihr komplett bescheuert seid und noch kaufen wollt ... Hier gibt's Infos.

X1 Global Index Zertifikat


Aufgelegt hat das Zertifikat die Barclays Bank und es war ziemlich normal über jeden Broker kaufbar (möglicherweise ist es das sogar noch immer, denn ich finde nichts auf der Website, das auf das Gegenteil hinweisen würde).

Noch eine Nummer härter: Der K1-Hedgefonds im Lebenversicherungsmantel bei Vienna Life. Autsch. Vienna Life Fonds Police

Dem Gründer Helmut Kiener (oder hier) soll - laut einem Kommentar bei FT Alphaville - bereits dreimal die Erlaubnis für den Betrieb von Asset Management widerrufen worden sein. OK, schnell gegoogelt, stimmt:

Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen untersagt Helmut Kiener die Finanzportfolioverwaltung (2001)
BaFin untersagt der K1 Invest GbR und der K2 Invest GbR die Finanzportfolioverwaltung (2003)
BaFin untersagt der K1 Invest Ltd. das Finanzkommissionsgeschäft (2004)

Das ganze wurde natürlich vor den Gerichten ausgefochten. Manchmal wurde widerrufen, manche Verfahren scheinen noch offen zu sein. K1 hat sich aber scheinbar einfach neue Firmen im Ausland gegründet, u.a. in den Niederlanden und auf den British Virgin Islands. Ich habe aber ehrlich gesagt keine Zeit mich da durchzuwühlen. Das soll ein Journalist machen, der 15 Euro die Viertelstunde bekommt und nicht wie ich im Monat.

Diskutiert wird über die Seriösität von K1 und Kiener schon länger, u.a. bei Terminmarktwelt.

Daneben gibt es zwei große Warner am Graumarkt für Investments. Die Stiftung Warentest und Graumarktinfo von Boerse Online. Checken wir mal die:

Test (11/2003): K1 und K2 Invest GbR: Vorsicht bei K-Firmen

Graumarktinfo.de hingegen hat nichts außer der aktuellen Meldung. #fail.

Ich bin jetzt doch etwas erschüttert, dass Barclays und Vienna Life bei der Vorgeschichte von Kienel ihren Namen dafür hergegeben haben ...

Update (22:02)

Ein ganzer netter Artikel mit ein paar neuen Details zu Kiener im Handelsblatt:

Handelsblatt: Wie das System Kiener funktionierte

Zahl des Tages (28.10.09): -29,3%

Es ist zwar eine Zahl von gestern, aber da die neue große Wette noch läuft, muss ich die Zahl noch verdrahten.

Der Case-Shiller-City-20-Hauspreisindex hat im August erneut um 1,2% zugelegt. Das ist der vierte Monatsanstieg in Folge. Das Jahresminus ist damit auf 11,3% gefallen. Spannend für die Wette ist die Höhe der Abwärtsbewegung vom Top aus ist nach diesem Monatsplus jetzt unter die 30%-Marke gesunken (29,3%). Damit bewegt sich das Gesamtminus weiter weg von der 40%-Marke, ab der ich die Wette verlieren würde. Ganz nebenbei läuft auch die Uhr für mich ...

STANDARD & POORS: HOME PRICES CONTINUE TO IMPROVE ACCORDING TO THE S&P/CASE-SHILLER HOME PRICE INDICES (PDF!) 

Aber es gab auch schlechte Zahlen vom US-Immobilienmarkt. Heute kamen die Verkäufe von Neubauten und diese sind entgegen der Erwartungen um 3,6% im September im Vergleich zum Vormonat gesunken. Das soll heute zur schwachen Börsenstimmung beigetragen hat, was mich aber wundert. Denn die Verkäufe von Neubauten machen nur einen kleinen Teil des Gesamtmarkts aus, die Umsätze bei existierenden Häusern sind wesentlich größer. Außerdem ist die monatliche Veränderung mit einem hohen Fehler behaftet, der über +/- 10% liegt. Ein Plus oder ein Minus von 3,6% ist also nicht signifikant. Darauf habe ich auch ein paar Mal in der Abwärtsbewegung hingewiesen als jedes Monatsplus wie die Wende bejubelt wurde.

Census.gov: New Residential Sales (PDF!)

Zum Schluss noch eine positive Meldung, auch wenn sie noch nicht final ist. Im amerikanischen Senat wird die Verlängerung der 8.000-Dollar-Steuergutschrift für Erstkäufer geplant. Zwar darf man sich nicht einbilden, dass solche staatlichen Hilfen bei der Verlängerung noch genauso gut wirken wie bei der ersten Phase, denn mit zunehmender Dauer wird die Hilfe immer mehr zur reinen Mitnahmeeffekt. Sprich man überzeugt kaum noch neue Käufer, sondern es sind überwiegend Käufer, die auch ohne staatliche Hilfe gekauft hätten.

Marketwatch: Deal struck to expand home-buyer tax credit

Update (29.10.09):

Auch das Weisse Haus unterstützt die Verlängerung der Steuergutschriften für Erstkäufer von Immobilien:

Marketwatch: White House backs housing tax-credit deal

Katamari Erfinder Takahashi will Spielplatz bauen ...

Der würde mich ja mal wirklich interessieren ... Ich schätze der Spielplatz wird sehr bunt, es gibt dort sehr viele klebrige Bälle und es läuft durchgeknallte Musik ...

4Players: Katamari-Erfinder baut Spielplatz

Naaa ... bekommt Deutschland jetzt auch einen Hedgefonds-Skandal?

Es ist aber alles noch unter sehr vielen Vorbehalten zu berichten, zu diffus ist die Informationslage.

Es geht um die Hedgefondsgesellschaft K1 aus Aschaffenburg. Die Staatsanwaltschaft Würzburg ermittelt. Es gibt den Verdacht, dass der Fonds Gelder ausgewiesen hat, die nicht mehr da sind. Die Summe ist unklar.

Wir harren der Dinge, die da noch kommen.

FTD: Betrugsvorwürfe gegen deutschen Hedge-Fonds

Update (23:45)

Es gab ein Updtae zum Artikel: Es ermittelt (auch) das FBI. Auch zum möglichen Schaden gibt es ein paar detailliertere Informationen. Es soll um 400 Millionen Dollar gehen. Gegen Madoff ein Witz, was den geschädigten Anlegern (überwiegend Großbanken) aber auch nichts nützt ...

FTD: FBI jagt deutschen Hedge-Fonds

Zahl des Tages (27.10.09): 5.500.000.000

Wenn es nicht die Zahl des Tages geworden wäre, hätte ich "Unter Geiern - mit Warren Buffet" als Titel gewählt. Eine interessante Geschichte, denn sie greift direkt auf zwei ältere Geschichten zurück, die auch hier Thema waren.

Als vor etwa einem Jahr Warren Buffet bei Goldman Sachs einstieg (Zum Buffet Einstieg bei Goldman Sachs: Junk-Zinsen!), wurde er dafür viel kritisiert. Das wäre kein normales Buffet-Investment, es wäre viel zu spekulativ und Goldman Sachs wäre eh defakto Pleite. Ich habe aber bereits damals darauf hingewiesen, dass sich Buffet das Risiko fürstlich belohnen liess und sich unter Berücksichtigung des Wertes der Optionen aus dem Paket Zinsen von etwa 15% errechnen lassen. Auch habe ich (in anderen Artikeln) darauf hingewiesen, dass der Staat doch bitte auch seine Rettungsaktionen zu solchen Zinsen durchführen sollte. Also Kredite zu hohen Zinsen, da auch ein hohes Risiko besteht. Stattdessen streichen sich Investoren wie Buffet die Rendite ein und der Staat verleiht sein Geld zu Nullzinsen an den Banken (OK, es ist nicht der Staat, sondern es sind die Zentralbanken, aber das ändert nicht viel ...).

Das Buffet Investment sieht inzwischen bei einem Aktienkurse von 178 Dollar für Goldman Sachs ziemlich gut aus. Aus den 5 Milliarden Dollar bei einem Aktienkurs von 115 Dollar sind inzwischen etwa 7,7 Milliarden Dollar geworden. Ein bescheidender Gewinn allein auf den Aktienanteil von

2.700.000.000 (2,7 Milliarden) Dollar!

Kein schlechtes Investment! Und dabei ist nicht einmal berücksichtigt, dass sich aus den im Paket enthaltenen Optionen noch ein deutlicher Aufschlag errechnet. Buffet hat etwa 43,5 Millionen Optionen mit einem Basiswert von 115 Dollar erhalten. Bei einem aktuellen Preis von 178 Dollar errechnet sich daraus noch einmal (43.500.000 * (178-115))

2.800.000.000 (2,8 Milliarden) Dollar.

Und das bei einer reinen Barwertbetrachtung, auf die richtig gerechnet noch ein heftiger Aufschlag über den Zeitwert der Optionen kommen würde, da die Optionen noch etwa 4 Jahre laufen.

Buffet hat also aus dem Investment bei Goldman Sachs bei 5 Mrd. Investment inzwischen 2,7 + 2,8 Mrd., also

5.500.000.000 (5,5 Milliarden) Dollar

Gewinn gezogen.

(Uih, der Artikel wird lang ...)

Man sollte Investments von Buffet immer mit diesem Wissen betrachten: Der Mann weiss, was er tut.

Daher nehme ich es mit hohem Interesse auf, dass auch bei der Capmark Pleite am Wochenende (Mega-Pleite in den USA: Capmark (21 Mrd. Dollar Assets)) Buffet seine Hände im Spiel hatte. Buffet hat sich nämlich im Vorfeld der Pleite gegen eine Geldspritze Zugriff auf Teile des Capmark-Portfolios gesichert. Diese Option griff zwar nur im Fall der Pleite, aber genau dieser Fall ist jetzt eingetreten. Buffet kauft jetzt also zu einem Preis von 415 Millionen Dollar Hypotheken (inkl. der Sicherheiten) von Capmark. Damit steigt Buffet also (indirekt) in den (von mir weiterhin kritisch gesehenen) Markt der US-Gewerbeimmobilien ein.

Jetzt kann man das auf zwei Arten interpretieren:

a) Buffet sieht einen Boden bei den US-Gewerbeimmobilien und investiert deshalb (gängige Interpretation) oder aber
b) Buffet steigt zu einem solchen Schnäppchenpreis ein, dass er schlicht nicht Nein sagen kann. Anders: Er steigt mit einem solch hohen Rabatt ein, dass ihm auch 10 oder 20% weiterer Preisverfall nicht weh tun, weil er noch mehr Rabatt bekommen hat.

Ich hätte die Goldman Sachs Story nicht so ausführlich rekapituliert, wenn ich These a für die bessere halten würde ...

FTD: Warren Buffett auf Hamstertour
Der Co von Buffet David Sokol fasst es schön prägnant zusammen: Buffet hatte Geld als andere keins hatten ... So einfach kann es manchmal sein.

Zahl des Tages (26.10.09): 25.000.000.000

Ich hatte eigentlich vor aus den BIP-Zahlen aus Großbritannien die Zahl der Woche zu machen. Dabei war weniger das kleine Minus von 0,4% interessant sondern mehr die Tatsache, dass es das 6. Quartalsminus in Folge war (WSJ: U.K. Economy Continues to Shrink). Das ist schon eine außergewöhnlich lange Rezession.

Aber dann habe ich noch eine andere Zahl gefunden, die auch schön in diesen Zusammenhang passt. Denn sie ist zu einem gehörigen Teil eine Folge der schwachen Wirtschaftsentwicklung, wobei Ursache und Wirkung auch gut anders herum sein könnte.

Die britische Großbank Lloyds hat heute ihre Kapitalerhöhungspläne bekannt gegeben. Lloyds, die bereits zu gut 40% dem britischen Staat gehören, will 23 Milliarden Pfund, umgerechnet etwa

25.000.000.000 (25 Milliarden) Euro

in die Kassen holen. Dabei kommen etwa 12 Mrd. Pfund über eine Kapitalerhöhung (davon etwa 5 Mrd. Pfund vom Staat) und weitere 11 Milliarden Pfund über Kredite.

Danach sollte Lloyds halbwegs vernünftig kapitalisiert sein, aber das hat man nach den letzten Kapitalerhöhungen auch schon gedacht ... Im Moment sind solche Monsterkapitalerhöhungen eher ein Zeichen für die immer noch vorhandenen gigantischen Löcher in den Bilanzen ...

NYT: Lloyds Said Set to Raise $38 Billion

Rebellmarkt: Fette Zeiten, oder auch nicht

Mega-Pleite in den USA: Capmark (21 Mrd. Dollar Assets)

Das ist dann mal wieder eine der Pleiten, die die FDIC nicht so nebenbei am Freitagabend abwickelt, sondern eine, über die noch das ganze Wochenende gefeilscht wird.

Capmark ist (wie im Artikel über die 7 Pleiten des Wochenendes schon angekündigt, siehe (Zahl des Tages (24.10.09): 128) insolvent. Capmark war einmal Teil von GMAC, der Finanztochter von General Motors. Knapp drei Viertel der Firma wurden 2006 von den Private Equity Investoren KKR, Goldman Sachs Group's Goldman Sachs Capital Partners und Five Mile Capital übernommen. Diese können sich das Investment jetzt abschminken.

Capmark ist einer der größten Hypothenvergeber im gewerblichen Immobilienmarkt in den USA, einen Markt, den ich ja schon länger kritisch sehe (siehe u.a. Zahl des Tages (20.10.09): -41%). Dort musste es angesichts der Preisrückgänge von über 40% irgendwann Pleiten geben und Capmark wird wohl auch nicht die letzte sein.

Capmark hat Assets in Höhe von 21 Mrd. Dollar und ist damit ein echtes Schwergewicht. Bei der FDIC findet sich noch nichts und ich bin noch nicht ganz sicher, ob ich die als Bankenpleite Nummer 129 zähle. Aber eigentlich spricht nichts dagegen. Pleite ist Pleite und da kann man ruhig mal wieder von der FDIC Zählung abweichen.

Reuters: Capmark Financial files for bankruptcy

Update (11:59):

Deutscher Artikel dazu:

FTD: US-Immobilienfinanzierer Capmark bricht zusammen

Zahl des Tages (25.10.09): 2.490.000

Ich hatte einen Hinweis schon getweetet, aber die FTD hat die Story am Wochenende nochmal wesentlich weiter ausgerollt und daraus ist jetzt ein richtig schönes Stück Wirtschaftskrimi an der Wall Street geworden. Und wenn dann noch einer der Allzeitfavoriten in diesem Blog, die HSH Nordbank drin vorkommt, naja, dann ist es mehr als einen kurzen Link wert. OK, die Zahl des Tages ist konstruiert, aber ich habe nichts besseres gefunden  ...

2.490.000 (2,49 Millionen) Dollar

Abfindung fordert ein ehemaliger Mitarbeiter der US-Niederlassung der HSH-Nordbank nach seiner fristlosen Kündigung. OK, nicht so bescheiden, wir sind an der Wall Street, er will auch noch 25 Millionen Schadensersatz. Wahrscheinlich wegen Rufschädigung, denn im Zusammenhang mit der Kündigung gab es auch Gerüchte über Sexskandale.


FTD: Durch die Hintertür der HSH



Wem das alles zu harmlos ist, dem empfehle ich die Handelsblatt Geschichte über Bernie Madoff. Darin wird jedes noch so blöde Klischee über Wall Street Banker bestätigt ...


Handelsblatt: Madoff: Lügen, Callgirls und Koks

Schon ein schöner Titel. Leider fehlen in der Überschrift noch die Namen JP Morgan, KPMG und einige andere. Ich habe mich ja schon damals gewundert, wie jemand einen so großen Betrug aufziehen konnte, ohne dass irgendwelchen anderen Parteien involviert waren ...

Update (26.10.09):

Sex, Drugs und Tote im Pool ...

FTD: Madoff-Vertrauter stirbt im Pool

Update 2 (26.10.09):

Der Tod war wohl doch natürlich:

Spiegel: Madoff-Freund ertrank nach Herzinfarkt

Zahl des Tages (24.10.09): 128

Sichere Bank für die Zahl des Tages am Samstag. Heute auch mal wieder richtig viele. Noch richtig Arbeit am Samstagabend ... Direkt 8 auf einen Schlag.

Allesamt relativ unspannend ... Aber die nächste dicke Pleite (10 Mrd. Dollar) kündigt sich schon an:

Marketwatch: Capmark Financial near bankruptcy: WSJ

Capmark ist ein ehemaliger Teil der GM Finanz-Tochter GMAC, der ein ziemlich großer Player am Markt für Hypotheken für gewerbliche Immobilien ist.

Dazu aber morgen mehr (wenn es spruchreif werden sollte), jetzt weiter im normalen Samstagsprogramms:


US-Bankenpleite Nr. 122

Name: Partners Bank,
Sitz: Naples, Florida,
Assets: 66 Millionen Dollar,
Käufer: Stonegate Bank, Fort Lauderdale, Florida
Schaden für die FDIC: 29 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 53 (rot).

PR-186-2009 Stonegate Bank, Fort Lauderdale, Florida, Assumes All of the Deposits of Partners Bank, Naples, Florida 

US-Bankenpleite Nr. 123

Name: American United Bank,
Sitz: Lawrenceville, Georgia,
Assets: 111 Millionen Dollar,
Käufer: Ameris Bank, Moultrie, Georgia
Schaden für die FDIC: 44 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 136 (rot).

PR-187-2009 Ameris Bank, Moultrie, Georgia, Assumes All of the Deposits of American United Bank, Lawrenceville, Georgia 

US-Bankenpleite Nr. 124

Name: Hillcrest Bank Lorida,
Sitz: Naples, Florida,
Assets: 83 Millionen Dollar,
Käufer: Stonegate Bank, Ft. Lauderdale, Florida
Schaden für die FDIC: 44 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 151 (rot).


PR-188-2009 Stonegate Bank, Fort Lauderdale, Florida, Assumes All of The Deposits of Hillcrest Bank Florida, Naples, Florida 

US-Bankenpleite Nr. 125

Name: Flagship National Bank,
Sitz: Bradenton, Florida,
Assets: 190 Millionen Dollar,
Käufer: First Federal Bank of Florida, Lake City, Florida
Schaden für die FDIC: 59 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 136 (rot).

PR-189-2009 First Federal Bank of Florida, Lake City, Florida, Assumes All of the Deposits of Flagship National Bank, Bradenton, Florida 

US-Bankenpleite Nr. 126

Name: Bank of Elmwood,
Sitz: Racine, Wisconsin,
Assets: 327 Millionen Dollar,
Käufer: Tri City National Bank, Oak Creek, Wisconsin
Schaden für die FDIC: 101 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 137 (orange)

Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 120 (rot).

PR-190-2009 Tri City National Bank, Oak Creek, Wisconsin, Assumes All of the Deposits of Bank of Elmwood, Racine, Wisconsin 

US-Bankenpleite Nr. 127

Name: Riverview Community Bank,
Sitz: Otsego, Minnesota,
Assets: 108 Millionen Dollar,
Käufer: Central Bank, Stillwater, Minnesota
Schaden für die FDIC: 20 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 205 (gelb)

Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 69 (rot).

PR-191-2009 Central Bank, Stillwater, Minnesota, Assumes All of the Deposits of Riverview Community Bank, Otsego, Minnesota


US-Bankenpleite Nr. 128

Name: First Dupage Bank,
Sitz: Westmont, Illinois,
Assets: 279 Millionen Dollar,
Käufer: First Midwest Bank, Stillwater, Minnesota
Schaden für die FDIC: 59 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 205 (gelb)

Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 69 (rot).

PR-192-2009 First Midwest Bank, Itasca, Illinois, Assumes All of the Deposits of First Dupage Bank, Westmont, Illinois 

Musik zum Wochenende: Gunter Gabriel

Nein, ich verlinke es nicht ... Oder das ... Ich weigere mich ...

Nein lieber das ...



Oder das:

Zahl des Tages (23.10.09): 5.570.000

Der US-Immobilienmarkt mal wieder ... Wie so häufig ist die Zahl zwei Blicke wert, denn auf den ersten Blick sah es gut aus, auf den zweiten leider nur weniger gut ...

Heute wurden die Verkäufe von existierenden Einfamilienhäusern im September veröffentlicht. Diese kamen mit annualisiert


5.570.000 (5,57 Millionen).

Das war ein Plus von 9,4% im Vergleich zum Vormonat. Und ebenfalls im Vergleich zum Vorjahr (+9,2%).

32% der Immobilien ging an Erstkäufer, also genau an die Leute, die 8.000 Dollar Steuergutschrift bekommen.

Der Median-Preis einer Immobilien sank weiter um gut 8% im Vergleich zum Vorjahr. Das hat aber nicht unbedingt mit weiter sinkenden Immobilienpreisen zu tun, sondern mehr mit der Zusammensetzung der verkauften Immobilien: 21% kosteten weniger als 100.000 und weitere 49% bis zu 250.000 (also 70% unter 250.000 Dollar). Die 8.000 Dollar dürften durchaus wichtig gewesen sein.

Auf der Angebotsseite gab es ebenfalls gute Nachrichten. Das Angebot in Monatsumsätzen sank auf 7,8 Monate und damit den niedrigsten Wert seit 2,5 Jahren. Das sind aber nur die bekannten Zahlen. Wie groß das Schattenangebot ist, weiss im Moment niemand. Analysten, die schätzen, dass das wirkliche Angebot doppelt so hoch ist, sollte man durchaus ernst nehmen.

Marketwatch: Existing-home sales rise 9.4% to 5.57 million pace

Oder direkt von der Quelle:

Realtor.org: Big Rebound in Existing-Home Sales Shows First-Time Buyer Momentum

Die wirklich schlechte Nachricht am Ende will euch Barry Ritholtz bringen. Er weist nämlich darauf hin, dass die Umsätze im September gegenüber dem August gesunken sind.

Barry? Hallo? Du schreibst seit einem halben Jahr, dass die Umsätze immer nur gestiegen sind, weil die Umsätze im ersten Halbjahr saisonbedingt *immer* steigen und man mit dem Vorjahr vergleichen müsse. Jetzt im zweiten Halbjahr (in dem die Umsätze saisonbedingt wieder fallen) fängst du auf einmal an nicht mehr mit dem Vorjahr zu vergleichen, sondern mit dem Vormonat? Das ist B.S.! Plain and simple B.S. Genauso wie die NAR die Daten ins Positive "spint", spinst du die nun ins Negative. Die Umsätze waren im September höher als im Vorjahresmonat (übrigens sowohl Sept. 2008 und Sept. 2007). Und das ist entscheidend!

The Big Picture: Existing Home Sales FALL in September 2009

Ist das nicht schön? Keine schlechte Nachricht vor dem Wochenende ... (also keine, die neu wäre. die möglichen Belastungsfaktoren aus der einmaligen Steuergutschrift und dem Schattenangebot bleiben ja gültig, sinder aber eben nicht neu).

Update (20:37)

Bei Calculated Risk findet sich eine weitere Einschätzung zu den Daten:

Calculated Risk: Existing Home Sales: More Activity, Little Achievement

Und auch den gewohnten Artikel mit allen schönen Charts im Überblick findet man dort:

Calculated Risk: Existing Home Sales Increase in September


Grafik des Tages: US Dollar vs. Weltbörsen

Keine Angst, das wird keine neue Serie. Ich hab ja auch schon häufig genug ausreichend mit der Zahl des Tages zu tun ...


Ich hatte den Zusammenhang schon beim Ausbruch der Krise mit großem Erstaunen zur Kenntnis genommen. Aber irgendwie mit einem Kopfschütteln verdrängt. Jetzt in der Erholung passiert aber genau das gleiche und eigentlich ist es dann Zeit für einen Erklärungsversuch. Nur habe ich keinen, der mit plausibel erscheint.

Worum geht es? Um die geradezu unglaublich hohe Korrelation von Weltbörsen und dem Dollar. Steigt der Euro, steigen die Börsen und umgedreht:

gefunden im aktuellen Devisenkompass von HSBS Trinkaus (darin auch noch eine ganz interessante Analyse zu Lettland)

In der Krise wurde das mit dem Versuch der Amerikaner erklärt, das Geld aus dem Ausland zurückzuholen. Man benötige das jetzt halt selber. Allerdings fand ich es schon letzten Herbst etwas seltsam, dass gerade der Auslöser der Krise mit einer starken Währung dafür quasi belohnt wird.


Die Schwäche des Dollars danach finde ich allerdings logisch. Es gibt jetzt halt viele Dollars und das senkt den Preis (oder den Kurs wie man an der Börse sagt).






FTD mit unglaublichem Erkenntnisgewinn

Ich zitiere:

"Zuletzt galten passiv gemanagte Indexfonds als Maß aller Dinge. Nun aber zeigt sich, dass Anleger mit aktivem Management besser fahren - vorausgesetzt, sie erwischen die richtigen Produkte"

FTD: Passive Produkte haben weniger Erfolg
Ach was? In echt?

Das Problem ist halt nur, den einen Fonds von 5 zu finden, der besser als der Markt ist. Und zwar den, der in den nächsten 9 Monaten (oder dem gewünschten Anlagezeitraum) besser ist als der Index.

Ok, genug geflamet, hinter dem Artikel steckt eine durchaus interessante (wenn auch nicht sonderlich relevante) Information: aus dem 1 von 5 ist 2009 ein 3 bis 4 zu 5 geworden. Die jetzige Erholung ist also von der Mehrzahl der aktiven Fonds besser genutzt worden als von den passiv verwalteten Fonds.

Ob allerdings eine Betrachtung über 9 Monate Sinn macht, wage ich zu bezweifeln. Irgendwie wirkt der Artikel von Wolf Brandes (dem G&J Fondsspezialisten, schreibt auch für Börse Online) wie ein Rahmen für ein paar Sprüche von Fondsmanagern, die erzählen dürfen, wie toll ihr aktives Management war.

Der Einleitungsparagraph ist schon verdammt hohl. Genauso gut könnte ich schreiben, dass man jeden Tag dem heißen Tipp von wallstreet online oder irgendwelchen obskuren Telefonhotlines hinterherrennen soll, weil das eine bessere Rendite gibt, wenn man der Hotline oder dem Guru hinterher rennt, der in den letzten 9 Monaten richtig lag.

Das Problem ist nur: Wie finde ich den Guru, der in den *nächsten* 9 Monaten richtig liegt ...

Zahl des Tages (22.10.09): 50%

In Dubai kommen in den nächsten zwei Jahren 3 Millionen Quadratmeter neuer Bürofläche auf den Markt. Das ist schwierig einzuordnen, eine Zahl hilft: Das aktuelle Angebot beträgt 3,25 Millionen qm. Das Angebot verdoppelt sich also in etwa. Dumm nur, dass die Nachfrage nicht steigt. 2011 wird in Dubai mit einem Leerstand von

50% 

gerechnet.

Dummerweise werden nicht nur für viel Geld wahrscheinlch leer stehende Bürotürme gebaut, gleichzeitig sind auch die Mietpreise im freien Fall. Teilweise können die Mieter beim Umzug mehr als die Häfte ihrer alten Miete sparen.

Und richtig dumm ist, dass der Investor Dubai World, der hinter diesen Projekten steht, schon mit 60 Mrd. Dollar verschuldet ist. Ohne die Hilfe des Nachbarns Abu Dhabi wäre Dubai schon Pleite.
Ich bin mir sicher, dass die Dubai-Geschichte als eine der großen Blasen in der Geschichtsbüchern eingehen wird ... Oder wie soll das noch gut ausgehen? OK, ein Ölpreis von 200 Dollar je Barrel könnte hilfreich sein ...

Handelsblatt: Dubai steht leer

Update (23.10.09):

Noch ein Artikel zu Dubai:

Handelsblatt: Dubai: Vom Übermorgenland zur Bettenburg

Flashnews: Nokia verklagt Apple wegen Patentverletzung durch's iPhone

Durch das iPhone seien mindestens 10 Patente verletzt. Und schließlich müsse man zahlen.


Ich schätze, das wird wieder so eine Nummer wie die Qualcomm vs. Nokia Klage. Dauer: 10 Jahre oder so.


Macht die Firma Nokia nicht wirklich sympathischer.


Mein Tipp an Apple: 10 Mrd. Euro Kredit aufnehmen, Nokia kaufen und abwickeln ;-)


http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704224004574489221111114540.html

US Frühindikatoren 09/09: +1,0%

Wieder ein Zeichen für eine stabile Aufwärtsbewegung der US-Wirtschaft. Im September stieg der Index der Frühindikatoren um 1%. Es ist der 6. Anstieg in Folge. Das Gesamtplus liegt inzwischen bei 5,6%.

Auch die Breite ist positiv (8 von 10 Subindikatoren sind im Plus) und es sind nicht nur die finanzmarktorientierten Unterindikatoren, die Wachstum anzeigen (wie noch am Anfang der Aufwärtsbewegung).

Einige halten die Frühindikatoren für einen nutzlosen Indikator, ich allerdings nicht. Denn dadurch, dass der Frühindikator aus 10 unterschiedlichen Indikatoren zusammengerechnet wird, gibt dem doch eine gewisse Zuverlässigkeit.

Auch wenn der Frühindikator die letzte Rezession deutlich schlechter angezeigt hat als der Schreiber dieser Zeilen ;-) Die Frühindikatoren waren während meiner ganzen Rezessionswette nämlich nur einige wenige Monate im Minus und das nur leicht. Während die Frühindikatoren also so etwas wie eine Stagnation anzeigten, steckte die US-Wirtschaft in Wirklichkeit in der größten Krise seit 80 Jahren.



Marketwatch: U.S. leading indicators up 1% in September


US Frühindikatoren weiter rauf: 07/09 +0,6%



Zahl des Tages (21.10.09): 40%

Die verlinkte Seite ist mir wie viele Gold- und Silberbugsseiten etwas zu nah an den Verschwörungstheorien, trotzdem will ich daraus die Zahl des Tages herauspicken.

JPMorgan soll

40%

aller Silber-Shorts an der Comex halten.

Ich möchte jetzt weniger auf die alte Idee heraus, dass die Märkte für Silber und Gold total verfixt sind, weil das extrem schwierig zu beurteilen ist. Zu unübersichtlich agieren die größten Investoren in diesen Märkten: Die Notenbanken. Trotzdem glaube ich, dass an dem Gerücht, dass der Markt genau wie Anfang der 80er Jahre sehr einfach zu cornen (also in die Enge zu treiben) ist, mehr dran ist als viele zugeben wollen. Wenn hier ein Investor im großen Stile Kaufoptionen erwirbt (welche Anteile man erwerben kann, sieht man oben) und dann die Einlösung der Optionen vernehmen sollte, wird kaum jemand die entsprechenden Mengen liefern können.

Hmmm, jetzt habe ich doch schon wieder mehr geschrieben als ich wollte: Worauf ich eigentlich hinaus wollte: Die Spekulationsneigung der großen Player an der Wall Street ist genau so hoch wie vor der Krise. Es hat sich nichts geändert. Die Banken sind mit riesigen Mengen Steuergeldern gerettet worden und machen weiter wie zuvor. Und verdienen sich dämlich. Eigentlich sind das alles Hedgefonds im Bankenmantel. Mit staatlicher Versicherung gegen die Pleite.

Gold & Silver Daily: JPMorgan Holds 40% of All Silver Short Positions - Oct 17, 2009

Update (22.10.09):

Zum Thema Spekulationsneigung heute ein Artikel in der FAZ, dessen Titel schon den Ton des Artikels ankündigt:

FAZ: Willkommen im neuen Casino

Griechenland sollte Haushaltsdefizit auf 3,7% senken ...

... und scheitert ... und zwar grandios. Es werden dann 6% an die EU gemeldet, was schon deutlich zu viel ist. Dann wird die Regierung abgewählt und jetzt sind es - über Nacht - plötzlich 12 bis 13%. Mehr als in den USA (da waren es 9,9%). Auch völlig unverständlich, da das BIP 2009 nur mit einem vergleichsweise harmlosen Minus von gut 1 Prozent erwartet wird.

Grund für das "überraschende" Minus sind mangelhafte Statistiken. Ich verteile dafür meinen "Dümmste Ausrede des Jahres Award" (TM) für 2009. Die Griechen melden schon seit Jahren notorisch falsche Zahlen nach Brüssel. Das glaubt kein Mensch mehr.

Was macht die EU jetzt? Nix außer meckern. Geldstrafen wären zwar möglich, aber Ländern, die nicht mit dem Geld auskommen zusätzlich noch Geld wegzunehmen, ist irgendwie kontraproduktiv und so sinnvoll wie Geldstrafen für Hartz-IV-Empfänger.

FAZ: Griechenlands Defizit plötzlich verdoppelt

Übrigens ist das der Grund, warum IMHO langfristig der Euroraum auseinanderfliegen wird. Die PIGS-Staaten (Portugal, Italien, Griechenland, Spanien) kommen mit einer starken Währung einfach nicht klar. (Inzwischen muss man eigentlich zumindest Irland noch mit auf die Liste setzen).

Zahl des Tages (20.10.09): -41%

Der gewerbliche Immobilienmarkt in den USA macht das, was der "private" Immobilienmarkt wohl auch noch machen würde, wenn der Staat nicht massiv mit Steuervergünstigungen und billigen Hypotheken nachhelfen würde: Er fällt und zwar immer noch ziemlich schnell ...

Im August ging es bei den Immobilienpreisen für Büros etc. wieder um satte 3% nach unten. Vom Preishoch aus errechnet sich inzwischen ein Gesamtminus von

41%.

Man muss den Indikator von Moody's aber mit etwas Vorsicht betrachten, denn es wurden nur 73 Transaktionen im August beobachtet, was eigentlich zu wenig ist, um daraus einen allgemeingültigen Index zu berechnen.

Unterschätzen sollte man die Zahl trotzdem nicht. Das WSJ schrieb mal, dass die Hypotheken (ob indirekt (als verbrieftes Wertpapier) oder direkt) etwa 1,7 Billionen Dollar ausmachen (Quelle: WSJ: Commercial Property Faces Crisis) (ich hatte sogar 3 Billionen im Kopf, finde die Zahl aber nicht wieder).

Da reichen bereits kleinere Verluste, um das Eigenkapital der Banken komplett aufzusaugen. Aber dann ändert man halt die Buchführungsrichtlinien nochmal ...

Calculated Risk: Moody’s: CRE Prices Off 41 Percent from Peak, Off 3% in August

Kleines Update zum Galleon Hedgefonds Insider Skandal

Laut Wall Street Journal haben die Anleger bereits mehr als ein Drittel (1,3 von 3,7 Mrd. Dollar) der gesamten Anlagesumme zurückgefordert.

WSJ: Galleon Clients Abandon Ship

Das könnte natürlich für kräftigen Druck auf die von Galleon gehaltenen Aktien sorgen. Die Liste der größten Positionen, sowohl nach Anteil an der Firma als auch nach Höhe des Investments, findet sich hier:

As Galleon Investors Flee, Some Tech Stocks Could Suffer

Update (14:52)

Bei den Konzernen (aktuell IBM und Intel) rollen auch schon die ersten Köpfe:

Spiegel: US-Konzerne beurlauben verdächtige Top-Manager

Update (21.10.09)

Der Fonds wird abgewickelt ...

FTD: Mutmaßlicher Betrüger schließt seine Hedge-Fonds

Zahl des Tages (19.10.09): 650.000.000.000

Am Wochenende gab's hier ja (fast) nur gute Nachrichten, gute Musik und ein schönes Video. Also alles wieder bereit für die nächste Horrorzahl ...

650.000.000.000 (650 Milliarden) Euro

sollen die problematischen Assets in den Bilanzen der deutschen Banken noch ausmachen. Das ist natürlich so unglaublich viel, dass die Banken damit eigentlich alle den Laden zuschließen müssten (bzw. der Staat das Ruder übernehmen müsste).

Die Berechnungen kommen von der US-Bank Merrill-Lynch. Spitzenreiter in der Liste sind - wen überrascht das noch - die Landesbanken.

Die WestLB hat von den kritischen Assets im Gesamtwert von 30 Mrd. Euro erst 4% abgeschrieben. Die LBBW hat erst 11%, die HSH Nordbank 18%. Selbst die Commerzbank soll erst 26% abgeschrieben haben.

Es könnten noch weitere massive Verluste auf die deutschen Banken, die dann direkt (bei den Landesbanken) oder indirekt beim deutschen Steuerzahler landen werden.

Handelsblatt: Merrill-Lynch-Studie: Milliarden-Wertberichtigungsbedarf bei deutschen Banken

Hat jemand genauere Zahlen aus dem Spiegel Bericht? Also zum Beispiel auch die Summen der einzelnen Banken?

Zahl des Tages (18.10.09): 20.000.000

In diesen Zeiten is das eigentlich keine Summe mehr, über die man sich besonders aufregen würde. Aber wenn man das dumpfe Gefühl nicht los wird, dass hier (mal wieder) nur die Spitze des Eisbergs zu Tages zu treten scheint, ist es dann doch eine Zahl des Tages.

Es geht um das älteste Gewerbe der Welt, äh seit es Börsen gibt: Insidertrading. Das (natürlich verbotene) Ausnutzen von geheimen Informationen, bei denen über informelle Treffen bestimmten Teilnehmer an der Wall Street Informationen zugespielt werden, die andere erst ein paar Minuten, Stunden oder Tage später erfahren. (Damit alle Marktteilnehmer die Informationen gleichzeitig erhalten, wurden extra Lösungen wie die Adhoc-Mitteilung geschaffen, die dann über viele Kanäle gleichzeitig an die Öffentlichkeit gebracht werden).

Einen solchen Insiderskandal hat jetzt wieder einmal die Wall Street. Verwickelt sind darin 3 Mitarbeiter des Hedgefonds Galleon und des Hedgefonds New Castle und drei Manager von IBM, McKinsey und Intel, die alle 6 bereits angeklagt wurden Die Informationsquellen sollen aber auch bei Google, Hilton, AMD, Sun und einigen anderen gesessen haben (die komplette Liste findet sich im Marketwatch-Artikel).

Es wurden unrechtmäßige Gewinne von mindestens

20.000.000 (20 Millionen) Dollar

erwirtschaftet. Nun drohen bis zu 20 Jahren Haft.

Die Ermittler der SEC ist sogar der Meinung, dass der gesamte Erfolg des Hedgefonds auf Insiderinformationen beruht hätte und lässt sich mit den Worten "Raj Rajaratnam is not a master of the universe, but rather a master of the Rolodex" zitieren. Dem ist nichts hinzuzufügen.

FTD: Rekordbetrug an der Wall Street
Spiegel: US-Börsenmilliardär drohen 20 Jahre Haft
Marketwatch: Sweeping insider-trading case rocks Galleon

Update (19.10.09)

Apropos Spitze des Eisbergs ...

Bloomberg: U.S. Said to Target Wave of Insider-Trading Cases After Galleon 

Update 2 (19.10.09):

Auf Deutsch:
Handelsblatt: Insider-Skandal in den USA weitet sich aus

Update 3 (19.10.09):

Aufgeflogen ist das ganze übrigens durch einen Insidertipp:

Spiegel: Wie Millionen-Trader Rajaratnam aufflog

Aber das ist die Rache dafür, wenn man asozial mit seinen Mitarbeitern umgeht:

Spiegel: Fordern, schimpfen, feuern

Und die SEC ist mit richtig harten Methoden (Telefonüberwachung en masse) gegen die Insider vorgegangen. Zum ersten Mal übrigens.

FTD: USA gehen mit Anti-Mafia-Strategien gegen Insiderhandel vor
FT Alphaville: Rajaratnam alert: Be afraid, be very afraid?

HSH Nordbank hat bei Omega nicht nur die BAFin, sondern auch die BNP belogen

Als kleines Update zur Omega Story (siehe Kurzlinkschleudering zur HSH Nordbank) kommt heute die Information, dass die HSH Nordbank das Geschäft mit Omega 55 nicht nur vor der BAFin verstecken wollte, sondern auch dieses Verstecken vor dem Geschäftspartner BNP Paribas versteckt hat. Die BNP Paribas hat nämlich aktiv darauf gedrängt, dass das ganze Vorgehen ordnungsgemäß der BAFin vorgelegt werden muss. Die HSH Nordbank hat das dann auch zugesagt, aber gaaaanz schnell wieder vergessen.

In einem Geschäft direkt zwei Seiten gleichzeitig besch****en zu wollen, ist ziemlich wahnsinnig. Größenwahnsinnig, landesbanktypisch eben.

Tagesschau.de: E-Mails verraten HSH Nordbank

Ist Sarrazin nur in eine (von der Bundesbank aufgestellte) Falle getappt?

Schöner Artikel in der FAZ, in dem einige der Vorgänge beschrieben werden, die im Vorfeld der Veröffentlichung des Interviews von Sarrazin passierten.

Die zwei interessantesten Informationen:

i) das Interview war kein Schnellschuss und wurde im Vorfeld überarbeitet und Formulierungen abgeschwächt und teilweise Passagen gestrichen (hach, hätte ich gerne die Urspringsversion mal gelesen ...)
ii) Bundesbankvorstand Weber, der sich nachher so aufregte, kannte das Interview vor der Veröffentlichung (siehe Update).

FAZ: Weber, Sarrazin und die Sandkuchenförmchen

Da bietet sich natürlich die Interpretation an, dass Weber einen Konkurrenten oder unliebsamen Mitarbeiter in eine Falle tappen lassen wollte, um ihm Kompetenzen zu beschneiden oder möglicherweise ganz los zu werden.

Es kann aber auch einfach sein, dass die FAZ an einer Legendenbildung pro Sarrazin mitarbeitet, dem Kämpfer gegen Politcal Correctness. Oder die FAZ die Bundesbank bzw. ihre politischen Abgesandten nicht mehr mag.

Oder was meint ihr?

Update (18.10.09):

Die Bundesbank hat dementiert, dass sie den Inhalt des Interviews abgesegnet hat. Das ist aber IMHO ein wachsweiches Dementi. Denn es ging ja eher darum, ob Weber das Interview kannte. Und die Bundesbank hat auch nur dementiert, dass sie den Inhalt des Interviews nicht abgestimmt hat. Das schließt aber nicht aus, dass sie das Interview kannte und und schließt auch nicht aus, dass die den Inhalt nicht kannte. Die Bundesbank hat den Inhalt nur nicht abgesegnet...

DerWesten.de: Bundesbank: Interview mit Sarrazin nicht abgestimmt

Zahl des Tages (17.10.09): 121

Glück gehabt, Zahl des Tages gerettet, der Ticker geht weiter ...


US-Bankenpleite Nr. 121

Name: San Joaquin Bank,
Sitz: Bakersfield, California,
Assets: 775 Millionen Dollar,
Käufer: Business Bank, Ontario, California
Schaden für die FDIC: 103 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer.
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 192 (rot).

FDIC: Citizens Business Bank, Ontario, California, Assumes All of the Deposits of San Joaquin Bank, Bakersfield, California

Sowas könnte ich ja stundenlang gucken ...

... und da ja Wochenende ist:

Super-Slow-Mo-Alarm:



gefunden über: Kottke.org: Bullets are slow

Lesetipps zum Wochenende

Ein paar Tipps für einige etwas längere Artikel abseits des täglichen Nachrichtenstress, die IMHO die Lektüre an einem herbstlichen Wochenende lohnen.

1.) Zu den Wirtschaftsnobelpreisen und über was die beiden Gewinner eigentlich so geforscht haben:

FAZ: Wofür es 2009 den Nobelpreis gab

(mit der Berichterstattung zu dem Thema bin ich eigentlich nicht wirklich zufrieden, auch wenn die FAZ das IMHO am besten beschrieben hat. Hat jemand einen etwas ausführlicheren, aber gut verständlicheren Artikel irgendwo gefunden? Ich ergänze das gerne).

2.) Ein lesenswerter Artikel von Edward Harrison zum Thema Gier: Creditwritedowns: Greed is not good

Darin erwähnt ein weiterer Artikel, der ein Auszug aus einem Buch (The Trouble with Markets: Saving Capitalism from Itself) ist:

Telegraph.co.uk: Greed isn't good – it's dangerous

Mir fällt bei dem Titel immer das Frankie-Goes-To-Hollywood-Cover "War. What is it good for? Absolutely Nothing!" ein, nur mit Greed anstelle von War und ich bekomm das jetzt nicht mehr aus dem Kopf. Mist.

3.) Auch passend zum Thema Gier/Werte/Nobelpreisträger ein Beitrag von Joseph E. Stiglitz.

FTD: Unser Wertesystem gerät aus den Fugen

4.) Und zum Schluss nochmal was Englisches. Auch wenn der Artikel etwas älter ist, lohnt sich eine Verlinkung (wollte ich immer mal verlinken, da war der Artikel aber verschwunden):

Rolling Stone: Inside The Great American Bubble Machine 

Ein Artikel über Goldman Sachs und wie die Firma es immer wieder schafft, Krisen zu überleben und nachher stärker zu sein als je zuvor (siehe Quartalsgewinn von dieser Woche). Aber das ist auch nicht sehr schwierig, wenn die Drähte zwischen Finanzministerium und Goldman Sachs so kurz sind wie aktuell. Das Personal wechselt ja geradezu regelmäßig die Seiten ...

Dazu auch noch ein Link (gerade von Edward Harrison getweetet): Clusterstock: Goldman Sachs Is Robbing Us Blind

5.) Noch nicht genug Lesestoff? OK, die 4 Bücher, die der Buchzusammenfassungsdienst GetAbstract zu den 4 besten Büchern im Bereich Wirtschaft/Börse/Finanzen gewählt hat (Get Abstract Book Award 2009):

Akerlof, Shiller: Animal Spirits: Wie Wirtschaft wirklich funktioniert (hab ich ja schon mehrmal empfohlen)
 
Niall Ferguson: Der Aufstieg des Geldes: Die Währung der Geschichte

Ludwig Siegele und Joachim Zepelin: Matrix der Welt: SAP und der neue globale Kapitalismus

Miriam Meckel, Christian Fieseler, Christian Hoffmann: Verkauft und nichts verraten: Kommunikation im Zeitalter sich wandelnder Finanzmärkte

Daneben gibt es noch ein paar Bücher auf der Nominierungsliste, die ich jetzt aber nicht alle einzeln verlinke, da sie im FTD-Artikel stehen. Ihr wisst ja wo der Link zur Unterstützung notleidender Blogger ist (auch wenn meine Umsatzstatistik bei Amazon diese These nicht bestätigt ...)

FTD: Von der Renaissance zur Matrix

Musik zum Wochenende: Ólafur Arnalds

Es lag ja nahe, dass ich als bekennender Sigur Ros Fan irgendwann auch das hier verlinke, aber der Herbst schreit geradezu nach solcher Musik ...

Und wenn es dazu noch ein derart tolles Video gibt, tja, dann muss ich es hier mal bringen ...

Ólafur Arnalds - Ljósið

Zahl des Tages (16.10.09): 34,6

OK, die Zahl ist von gestern. OK, die Zahl fällt eher in die Kategorie "drittklassig". Aber ich bringe die trotzdem, weil man daran ein Phänomen sehr schön festmachen kann.

Der New York Fed "Empire State Manufacturing" Stimmungsindikator kam gestern mit einem Wert von

34,6.

Da wohl kaum jemand den Wert richtig einordnen kann, ein paar Erläuterungen. Der Indikator misst die Stimmung im produzierenden Gewerbe im Bereich der New York Fed. Der Indikator signalisiert mit einem positiven Wert positive Stimmung und umgekehrt.

Marketwatch: New York factory index at highest level in five years
Fed of New York: Empire State Manufacturing Survey

Der Wert von 34,6 ist der höchste seit 5 Jahren. Und das ist der Punkt, auf den ich hinaus möchte.

Die Experten streiten noch, ob die Krise bereits zuende ist und ob wir nochmal einen (oder mehrere) Rücksetzer bekommen. Die Stimmung hingegen ist besser als sie es seit 2004 jemals war. 2004 boomte die Wirtschaft. 2005 boomte die Wirtschaft. 2006 boomte die Wirtschaft. 2007 boomte die Wirtschaft (ok, nicht mehr so ganz ...). Und jetzt bei 1,x% Wachstumsprognose für 2010 und einer ausaufernden Staatsverschuldung und dem völlig ungelösten Problem des Deleveragings ist die Stimmung schon wieder so gut?

Ich glaube, dass wir gerade ein Überschießen des Optimismus in der Wirtschaft wie auch der Börse sehen. Das ist die Reaktion auf den überbordenden Pessimismus im letzten Winter und Frühjahr. Man hat den Absturz vermieden und man freut sich des Lebens. Auch wenn das Leben vor dem drohenden Absturz eigentlich schöner war.

Kostolany hat mal ein schönes Bild für das Verhältnis zwischen Börse und Wirtschaft geprägt: Die Börse sei wie ein Hund und die Wirtschaft sein Herrchen. Der Hund würde mal 15 Meter vorweglaufen, dann zum Herrchen zurückkommen, dann mal zum Schnuppern 10 Meter hinter dem Herrchen stehenbleiben, dann wieder zum Herrchen kommen.

Die Börse und die Stimmung (wobei die Börse eben auch viel Stimmung ist) schwanken also immer stark um die eigentliche fundamentale Entwicklung herum. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir gerade eine solche durch Optimismus getriebene Übertreibung sehen. Aber vielleicht sehen wir auch bereits jetzt schon wieder den Anfang der nächsten großen Blase und es kommt gar kein Rücksetzer mehr ...

Handelsblatt: Schon wieder eine Blase an der Wall Street

Handelsblatt: Roubini warnt vor der großen Blase

Washington Post: Pearlstein: Don't Reinflate the Old Bubbles


Was meint ihr?

Bank of Amerika Chef bekommt Gehalt gestrichen, ABER ...

... er darf seinen Abschiedsabfindungspaket im Mindestwert von knapp 70 Millionen Dollar behalten. Inklusive Aktienoptionen könnten es sogar bis zu 120 Millionen Dollar werden.

Es werden also öffentlichkeitswirksam 1,5 Millionen Grundgehalt + Boni kassiert, an den Rest geht aber keiner ran. Grund: Die Ansprüche stammen aus der Zeit, als es das Gesetz gegen überhöhte Vergütung bei Banken mit Staatshilfe noch nicht gab. OK, es wird jetzt auf die Pauke gehauen (FTD: "Er muss sogar um die Höhe seiner Rente bangen"), aber ich glaube nicht, dass es eine rechtliche Handhabe gibt.
 
WSJ: Czar Blocks BofA Chief's Pay 
FTD: Ken Lewis geht ohne Gehalt und Bonus
Spiegel: Chef der Bank of America kassiert fette Abfindung

Man kann da halt nicht viel machen. Vertrag ist Vertrag und auch auf "kleinerer" Ebene hat gestern ein Investmentbanker der Commerzbank seinen Bonus von 4,5 Millionen Euro vor Gericht erfolgreich durchgeklagt.

Commerzbank: Banker besiegt Commerzbank im Bonusstreit
Moralisch ist das Alles natürlich überhaupt nicht nachvolllziehbar ...

Zahl des Tages (15.10.09): 937.840

Wird mal wieder Zeit, einen Blick auf den US-Immobilienmarkt zu werfen. Für das abgelaufene dritte Quartal wurden in den USA


937.840

Foreclosures (Zwangsversteigerungen) gemeldet. Das sind 5% oder 48.000 mehr als im Vorquartal und 23% mehr als im Vorjahresquartal. Es war der schlechteste Quartal aller Zeiten (was aber nicht viel heisst, weil die Statistik erst seit ein paar Jahren erechnet wird).

Für das Gesamtjahr werden nun 3,5 Millionen Foreclosures erwartet, 1,2 Millionen oder etwa 50% mehr als 2008.

Man sieht aber, dass die Steigerungsrate abnimmt. Wenn man die einzelnen Monate betrachtet, sieht es noch ein wenig besser aus. Der Juli gab es das bisherige Hoch. Im August ging es leicht runter, im September sogar etwas stärker (4%).

Für eine Entwarnung ist es aber zu früh. Allein die hohe Arbeitslosigkeit schließt eine schnelle Erholung aus.

Meine Wette gewinn ich trotzdem :-)

RealityTrac: U.S. FORECLOSURE ACTIVITY INCREASES 5 PERCENT IN Q3

Dow 10.000!

Wow! Der gleiche Stand wie 1999. Geile Rendite ... Und hat ja auch keine Nerven gekostet und man konnte immer ruhig schlafen und der Dollar hat in der Zeit auch nichts verloren ...

Der DAX war übrigens schon im Juli 1998 über 6.000. Wer damals investiert hat, liegt also im Minus. Und das obwohl bei der Berechnung des DAX die Dividenden berücksichtigt werden.

Genug Salz in die Wunde der Optimisten gestreut, schätze ich ...

Ach ne, es gab ja auch noch ein wenig Inflation in den letzten gut 10 Jahren ...
 
Marketwatch: Dow at 10,000? Wake me when it's 14,000

Update (22:28)

Der Gag scheint beliebt zu sein ...

FTD: Hart im Nehmen

Zahl des Tages (14.10.09): 140.000.000.000

Eine Zahl, die mir zugegeben die Sprache verschlägt.

Nur ein Jahr nach der Krise (wobei sich viele noch gar nicht sicher sind, dass die Krise schon vorbei ist) wollen sich die Banker an der Wall Street

140.000.000.000 (140 Milliarden) Dollar

genehmigen.

Das wären sogar  Milliarden Dollar mehr als 2007, dem letzten Boomjahr vor der Krise.

FAZ: Auf dem Weg zu neuen Rekordboni

Aber was will man erwarten? Die Notenbanken pumpen billiges Geld ohne Ende in die Wirtschaft und das landet wie immer am schnellsten an der Börse. Und schon verdienen sich die Leute dort wieder dämlich. Ohne dass sie wirklich was können. Die Gewinne entstehen nicht durch eigene Leistung, sondern überwiegend durch billiges Geld.

Was abläuft, sieht man auch schön am Quartalsgewinn von 3,6 Millionen Milliarden Dollar bei JP Morgan.

Die Politik hat halt den perfekten Rundum-Bailout gebaut und soll jetzt bloß nicht jammern.

FAZ: JP Morgan überrascht mit Milliardengewinn

Update (15.10.09):

Kommentar zu den Boni in der FAZ: Die Bonusparty geht weiter

Update 2 (15.10.09):

Goldman Sachs hat etwa 12,4 Mrd. Dollar Rohertrag, wovon "nur" ca. 3,2 Mrd. als Reingewinn übrig bleiben. Was erklärt einen großen Teil des Unterschieds? Die Boni, die in der Bilanz verschämt als Rückstellungen für Lohnzahlungen auftauchen. Satte 5,4 Mrd. waren das bei Goldman Sachs, als 43% des Rohertrags.

Da sage nochmal jemand, Hedgefonds wären teuer. 20% Gewinnbeteiligung sind gegen die Beteiligung der Banker ja geradezu harmlos. Vor allem, weil die Boni auch in schlechten Jahren nur vergleichsweise harmlos gekürzt werden.

FTD: Goldman Sachs enttäuscht trotz Milliardengewinns

gefunden über Boersennotizbuch: Boni für 43% der Netto-Erträge?

Wirtschaftsbuch des Jahres? Reinhart/Rogoff - This Time is different

Gerald Braunberger, FAZ Autor und selber erfolgreicher Buchautor (Keynes für jedermann: Die Renaissance des Krisenökonomen) sieht ein neues Standardwerk für die Betrachtung der Wirtschaftskrisen in den letzten 8 Jahrhunderten.

Das Buch, das Braunberger empfiehlt, hat allein durch den Titel "This time is different" schon alle meine Sympathien (wobei ich immer dachte, es hieße "This time it's different"). Das sind schließlich die teuersten vier Worte eines Investors.

Das Buch stammt von Carmen M. Reinhart und dem bekannten Ökonomen Kenneth M. Rogoff (ehemals Chefvolkswirt beim IWF, jetzt Professor in Harvard), von denen hier auch schonmal eine Studie verlinkt war (Zahl des Tages (05.02.09): 35,5%). Eine Lesetipp übrigens dafür (wahrscheinlich ist die Studie ein"Abfallprodukt" des Buchs). Auch Rogoffs Meinung, dass der Euro nicht langfristig überleben wird, war hier bereits Thema (Irgendwann wird der Euro exlodieren).

Leider gibt es das Buch bisher nur auf Englisch.







Und für alle, denen das Thema nicht heiß genug ist und die den Autoren immer noch nicht trauen, auch noch der Link zur Besprechung in der FAZ:
FAZ: Acht Jahrhunderte voller Finanzkrisen

Update (14.04.2010):

Das Buch erscheint jetzt in wenigen Tagen auch auf Deutsch:




gefunden über TAZ: Der Was-passiert-dann-Staat über Twitter - Emmatante

Zahl des Tages (13.10.09): 13

Schade, dass mir niemand solche Studien zuspielt;-)

Heute gab es mal wieder eine der sagenumwobenen Studien der EU-Komission. Darin gab es auch schonmal äußerst üble Schätzungen über die Verluste, die den europäischen Banken noch drohen. Mehr als Gerüchte waren das aber nie. Alles wurde dementiert, etc. pp. Die Studie, um die es hier geht, wird aber morgen veröffentlicht. So geheim ist die also nicht ...

Bereits heute berichtet die FTD über diese Studie, in der untersucht wurde, wie solide die Haushalte in den europäischen Ländern sind. Und auch wenn sie es nicht so direkt sagt, geht es auch darum, ob die Länder den Hebel nochmal umlegen können ...

Danach gehören fast die Hälfte der 27 EU-Staaten zur Hochrisikoklasse, gekennzeichnet durch zu hohe Staatsverschuldung UND zu hohe Neuverschuldung.

Die Liste der

13

Staaten:

Spanien,
Niederlande,
Griechenland,
Irland,
Slowakei,
Slowenien,
Malta,
Zypern
und die Nicht-Euro-Mitglieder
Großbritannien,
Rumänien,
Tschechien,
Lettland und
Litauen.

Da sind aus meiner Sicht viele erwartete bei (Spanien, Großbritannien, Irland, Litauen, Lettland), aber auch ein paar, die ich nicht unbedingt erwartet hätte (u.a Niederlande, Malta, Tschechien, Slowenien).

Die großen G7-Mitglieder Deutschland und Italien liegen in der Gruppe mit mittlerem Risiko. Als nahezu ungefährdet gelten Schweden und Finnland.

Ob Schweden angesichts des starken Engagements in Lettland noch lange auf dieser Liste steht, darf man durchaus bezweifeln.

Die Kommission erwartet bis 2014 einen Schuldengesamtstand über die gesamte EU von 100% des BIPs. In Irland und Großbritannien könnten die Schuldenstände auch bis auf 200% des BIPs steigen.

Und da hätte ich jetzt mal 'ne Frage: Gibt es in der Geschichte einen Staat, der sich - ohne die Pleite zu erklären wie Argentinien oder Megainflation - aus so einer Situation gerettet hat? Also von 200% Staatsverschuldung wieder runter auf einen "normalen" Stand von 50% oder weniger?

Ich argumentiere immer dagegen, wenn behauptet wird, dass die USA bei 80% Pleite sind und den Point of no return bereits überschritten haben. Denn die USA hatten nach dem 2. Weltkrieg schon deutlich über 100% Staatsverschuldung. Und auch Belgien lag am Anfang der Eurozone im dreistelligen Bereich. Das geht also.

Aber von 200% nochmal zurück auf normal?

Update (14.10.09)

Es ist übrigens auch ein Land nicht auf der Hochrisikoliste, das ich dort eigentlich erwartet hätte: Belgien. Die sind nur mit Hängen und Würgen in die Eurozone gekommen (zu hohe Staatsverschuldung) und haben überdies noch einen ziemlich großen Finanzsektor, der bereits massive staatliche Rettungsaktionen benötigte (u.a Fortis).
Das kann man durchaus als positives Zeichen werten: a) Konsolidierung ist möglich und b) Rettungsaktionen müssen den Staat nicht überfordern. Es kann sich aber auch schlicht um eine Fehleinschätzung der EU Kommission handeln.

Update 2 (14.10.09):

Es war zu befürchten. Die FTD macht aus der "13" die im Onlinejournalismus scheinbar unvermeidbare Klickstrecke: 13 nichtssagende Bilder aus den 13 Ländern. Daneben Texte wie "Zypern. Blick auf den Hafen von Paphos im griechischen Teil Zyperns: Die Insel wird als Hochrisikostaat eingestuft, obwohl sie zu den Euro-Ländern gehört, die noch die Bedingungen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes einhält."
Jetzt würde mich natürlich interessieren, warum Zypern trotzdem auf der Liste steht. Die Antwort bleiben die Profijournalisten aber leider schuldig.

FTD: Die Hochrisikoländer

Update (14.10.09):

Danke an den anonymen Tippgeber. Sowohl Großbritannien als auch Frankreich hatten nach dem 2. Weltkrieg eine Schuldenlast von über 200% und haben sich wieder erholt:


UK Deficit (als Chart) oder inkl. Frankreich in Tabellenform als PDF: Stockholm Reconstructed (PDF)

Update (15.10.09):

Das Handelsblatt bringt noch ein paar andere Zahlen aus der Studie. Ohne Änderung in Deutschland steigt der Schuldenstand bis 2030 auf 102% und bis 2040 auf 152%. In Großbritannien bis 2030 auf 270% und 2080(!) auf 780%.

Handelsblatt: EU warnt vor schwerer Schuldenkrise

Kurzlinkschleudering zur HSH Nordbank

Es gehen gerade einige neue Informationen zur HSH Nordbank durch die Medien. Weil das aber alles woanders schon ganz gut zusammengefasst und erläutert ist, will ich nur einen Punkt betonen: Es handelt sich nicht um neue Verluste, sondern um Verluste, die bereits im Desaster-Abschluss von 2008 (2,8 Mrd. Euro Miese) berücksichtigt sind. Die Frage ist also "nur", wer verantwortlich ist und ob das Geschäft möglicherweise sogar illegal war.

Es geht um Giftmüll im Wert von 861 Euro, den die HSH Nordbank an die BNP Paribas verkauft hat. Damit hatte die HSH Nordbank den Müll aus der Bilanz und konnte Cash nachweisen. Gleichzeitig hat die HSH Nordbank eine Zweckgesellschaft namens Omega (das letzte ...) 55. Diese Firma übernahm das Risiko für weitere Abschreibungen auf den Giftmüll. Die BNP Paribas war also fein raus (sie hatte Schrott, aber der war gegen Kursverluste versichert). Für die Gesamtkonstruktion aus HSH Nordbank und Omega 55 hat sich nichts verändert, die musste schließlich weiter für Verluste auf den Giftmüll haften. Vorteilhaft war die Konstruktion nur, wenn man die HSH Nordbank allein betrachtet. Dort sah die Bilanz besser aus, weil die mögichen Verluste für Omega 55 tauchen nur unter dem Punkt "bedingte Zahlungsverpflichtungen" auf. Die Risiken waren also besser versteckt als bisher, möglicherweise so gut, dass die Bankenaufsicht diese Risiken nicht entdeckt hat.

Unter Umständen ist allein diese Verschleierungstaktik schon strafbar. Noch entscheidender ist, wer für die Geschäfte verantwortlich ist. Während in den letzten Tagen Nachrichten von neuen Verlusten bei der Londoner Tochter der HSH Nordbank (HSH Nordbank entdeckt bisher unbekannte Tochter ...) die Rede war, hat der NDR nun herausgefunden, dass der gesamte Vorstand in das Geschäft eingeweiht war. Bei einem Geschäftsumfang von 861 Millionen auch nicht wirklich überraschend ... Und das sogar gegen eine explizite Warnung aus der Risikokontrolle.

Damit wäre auch der heutige Chef Nonnenmacher informiert und involviert gewesen.
Und dann wäre er fällig. Eigentlich ist er schon überfällig ...

NDR: HSH-Chef genehmigte offenbar verlustreiches Geschäft
Tagesschau.de: Hütchenspieler in Nadelstreifen

Zur Erklärung des Geschäfts:

Tagesschau.de: "Omega 55" - mit Bilanztricks in die Katastrophe

Update (18:08):

Die Kreise, die die Affäre zieht, werden immer größer ... Die Verhaftung scheint aber eher im Zusammenhang mit der unbekannten Tochter zu stecken als mit der Omega 55 Story. Ist aber auch egal. Die Landesbanken sind ein Sumpf. Wahrscheinlich sind die normalen Banken auch nicht viel besser, wahrscheinlich werden diese nur nicht so kräftig durchforstet wie die Landesbanken und wir erfahren vom Sumpf nichts ...

FAZ: Betrugsfall in der HSH Nordbank zieht Kreise

Kunden räumen Konten leer - holländische DSB-Bank Pleite (UPDATE!)

Gestern hat zwar schon ein anonymer Kommentator sowas geschrieben, aber leider keine URL oder Ähnliches hinterlassen und eine schnelle Suche förderte auch nichts zu Tage. Da hab ich das unter Spinner abgeheftet, ein Risiko, das anonymen Postern natürlich besonders schnell droht (Tipp: Nicht anonym kommentieren).

Nun stellt sich das aber doch als richtige Nachricht und nicht als blöde Panikmache heraus: Die DSB Bank aus Holland ist Pleite, weil die Kunden in wenigen Stunden mehr als 600 Mio. Euro von den Konten geholt haben. Die DSB-Bank wurde jetzt von der Notenbank übernommen.

Auslöser für den Bank-Run waren Gerüchte, die sich im Nachhinein auch als richtig herausstellen, denn es gab am Wochenende tatsächlich Gespräche über eine Rettung der DSB-Bank. Die Verantwortlichen betonen natürlich, dass die Bank damals noch zu retten war. Nach der Abstimmung mit den Füßen erübrigt sich die Diskussion jetzt aber.

Die Bank war auch vorher schon umstritten. Am Anfang des Monats hat ein Verein von geschädigten Ex-Kunden (es ging wohl um überteuerte Kredite) den Kunden empfohlen, die Konten bei der DSB-Bank aufzulösen.

Jetzt ist natürlich unklar, ob diese Forderung den Untergang auslöste oder die Gerüchte vom Wochenende. Die Frage dürfte die Gerichte noch beschäftigen.

Die Kunden können sich ihr Geld (ob begrenzt oder nicht nicht ist mir nicht klar) am Geldautomaten abheben. Die Kassen blieben aber geschlossen. Höhere Beträge wird es also kaum geben. Bis 100.000 Euro sind die Konten versichert, das Geld kommt dann irgendwann von der Notenbank (oder wem auch immer). Bei Summen, die darüber hinausgehen, schauen die Kunden erstmal in Röhre. Wahrscheinlich muss dafür die Bank erst einmal komplett durchleuchtet werden, ein Insolvenzverfahren durchlaufen werden, o. ä.

Tagesschau.de: Rette sein Geld, wer kann

Der Besitzer der Bank ist übrigens auch Besitzer des AZ Alkmaar, dem niederländischen Meister und Ex-Verein von Bayern-Trainer Louis van Gaal.

Komisch, dass die Geschichte der FTD und dem Handelsblatt scheinbar keine eigene Geschichte wert ist. Schweigegelübde?

Der erste Erwähung gab es wohl in den Blogs der TAZ: DSB Bank könnte nun tatsächlich umfallen

Update (11:11):

Huch, die waren ja auch in Deutschland aktiv. Und darüber berichtet (fast) niemand?

Scheinbar gab es von der DSB-Bank vor allem einen sehr flexiblen Immobilienkredit, der auch direkt einen Preis absahnte. Scheinbar erst letzte Woche. Schleeeechtes Timing ...

Ein Einlagengeschäft scheint es in Deutschland nicht gegeben zu haben. In dieser Hinsicht dürften keine deutschen Kunden betroffen sein )außer sie haben das Geld in Holand angelegt). Informationen auf der Website gibt es aber keine ...

PlanetHome AG: Innovationspreis für unkomplizierte Immobilienkredite - Kreditinstitute zeichnen DSB-Flex-Kredit der DSB Bank aus

Mehr über die DSB-Bank auf deren Website: DSB-Bank.de

Update (13:26)

@wuschelig sortiert das übrigens in die Rubrik Flashmob ein ...

Update (14.10.09):

Es gibt übrigens keine Neuigkeiten auf der deutschen Website, auf der niederländischen steht immerhin schon "Noodregeling van kracht" (Notregel in Kraft).

Wenn jemand mehr Infos hat, was die Insolvenz konkret für die deutschen Kunden bedeutet, bitte her mit den Links.

Update 2 (14.10.09):

Jetzt hat auch das Wall Street Journal einen kurzen Artikel dazu:

WSJ: Shuttered Dutch Bank Says Potential Buyers Pulled Out

Btw: Deutsche Website der DSB-Bank unverändert ...

Update 3 (19.10.09:

Heute (eine Woche nach der Nachricht) berichtet das Handelsblatt zum ersten Mal in einem ausführlichen Artikel (kleinere Erwähungen gab es schon vorher) zu dieser nicht gerade kleinen Pleite (Bilanzsumme 8 Mrd. Euro) in einem direkten Nachbarland Deutschlands, das nicht einmal 60 Kilometer Entfernung vom Redaktionssitz beginnt ...

Handelsblatt: Bank bricht nach Kundenansturm zusammen

Und wo wir gerade dabei sind:

Die Website der DSB-Bank Deutschland bleibt unverändert:

"Zahlen & Fakten
Wir präsentieren hiermit einige Abschlüsse der DSB Bank für 2005, wie Sie durch die Geschäftsleitung vorbereitet und durch den Aufsichtsrat angenommen wurden. Die Abschlüsse für 2005 wurden durch den Wirtschaftsprüfer Ernst & Young geprüft."

2005(!!!)

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