Schade, dass mir niemand solche Studien zuspielt;-)
Heute gab es mal wieder eine der sagenumwobenen Studien der EU-Komission. Darin gab es auch schonmal äußerst üble Schätzungen über die Verluste, die den europäischen Banken noch drohen. Mehr als Gerüchte waren das aber nie. Alles wurde dementiert, etc. pp. Die Studie, um die es hier geht, wird aber morgen veröffentlicht. So geheim ist die also nicht ...
Bereits heute berichtet die FTD über diese Studie, in der untersucht wurde, wie solide die Haushalte in den europäischen Ländern sind. Und auch wenn sie es nicht so direkt sagt, geht es auch darum, ob die Länder den Hebel nochmal umlegen können ...
Danach gehören fast die Hälfte der 27 EU-Staaten zur Hochrisikoklasse, gekennzeichnet durch zu hohe Staatsverschuldung UND zu hohe Neuverschuldung.
Die Liste der
13
Staaten:
Spanien,
Niederlande,
Griechenland,
Irland,
Slowakei,
Slowenien,
Malta,
Zypern
und die Nicht-Euro-Mitglieder
Großbritannien,
Rumänien,
Tschechien,
Lettland und
Litauen.
Da sind aus meiner Sicht viele erwartete bei (
Spanien,
Großbritannien,
Irland,
Litauen, Lettland), aber auch ein paar, die ich nicht unbedingt erwartet hätte (u.a Niederlande, Malta, Tschechien, Slowenien).
Die großen G7-Mitglieder Deutschland und Italien liegen in der Gruppe mit mittlerem Risiko. Als nahezu ungefährdet gelten Schweden und Finnland.
Ob Schweden angesichts des starken Engagements in
Lettland noch lange auf dieser Liste steht, darf man durchaus bezweifeln.
Die Kommission erwartet bis 2014 einen Schuldengesamtstand über die gesamte EU von 100% des BIPs. In Irland und Großbritannien könnten die Schuldenstände auch bis auf 200% des BIPs steigen.
Und da hätte ich jetzt mal 'ne Frage: Gibt es in der Geschichte einen Staat, der sich - ohne die Pleite zu erklären wie Argentinien oder Megainflation - aus so einer Situation gerettet hat? Also von 200% Staatsverschuldung wieder runter auf einen "normalen" Stand von 50% oder weniger?
Ich argumentiere immer dagegen, wenn behauptet wird, dass die USA bei 80% Pleite sind und den Point of no return bereits überschritten haben. Denn die USA hatten nach dem 2. Weltkrieg schon deutlich über 100% Staatsverschuldung. Und auch Belgien lag am Anfang der Eurozone im dreistelligen Bereich. Das geht also.
Aber von 200% nochmal zurück auf normal?
Update (14.10.09)
Es ist übrigens auch ein Land
nicht auf der Hochrisikoliste, das ich dort eigentlich erwartet hätte: Belgien. Die sind nur mit Hängen und Würgen in die Eurozone gekommen (zu hohe Staatsverschuldung) und haben überdies noch einen ziemlich großen Finanzsektor, der bereits massive staatliche Rettungsaktionen benötigte (u.a Fortis).
Das kann man durchaus als positives Zeichen werten: a) Konsolidierung ist möglich und b) Rettungsaktionen müssen den Staat nicht überfordern. Es kann sich aber auch schlicht um eine Fehleinschätzung der EU Kommission handeln.
Update 2 (14.10.09):
Es war zu befürchten. Die FTD macht aus der "13" die im Onlinejournalismus scheinbar unvermeidbare Klickstrecke: 13 nichtssagende Bilder aus den 13 Ländern. Daneben Texte wie "Zypern. Blick auf den Hafen von Paphos im griechischen Teil Zyperns: Die Insel wird als Hochrisikostaat eingestuft, obwohl sie zu den Euro-Ländern gehört, die noch die Bedingungen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes einhält."
Jetzt würde mich natürlich interessieren, warum Zypern trotzdem auf der Liste steht. Die Antwort bleiben die Profijournalisten aber leider schuldig.
FTD: Die Hochrisikoländer
Update (14.10.09):
Danke an den anonymen Tippgeber. Sowohl Großbritannien als auch Frankreich hatten nach dem 2. Weltkrieg eine Schuldenlast von über 200% und haben sich wieder erholt:
UK Deficit (als Chart) oder inkl. Frankreich in Tabellenform als PDF:
Stockholm Reconstructed (PDF)
Update (15.10.09):
Das Handelsblatt bringt noch ein paar andere Zahlen aus der Studie. Ohne Änderung in Deutschland steigt der Schuldenstand bis 2030 auf 102% und bis 2040 auf 152%. In Großbritannien bis 2030 auf 270% und 2080(!) auf 780%.
Handelsblatt: EU warnt vor schwerer Schuldenkrise
Schade, dass mir niemand solche Studien zuspielt;-)
Heute gab es mal wieder eine der sagenumwobenen Studien der EU-Komission. Darin gab es auch schonmal äußerst üble Schätzungen über die Verluste, die den europäischen Banken noch drohen. Mehr als Gerüchte waren das aber nie. Alles wurde dementiert, etc. pp. Die Studie, um die es hier geht, wird aber morgen veröffentlicht. So geheim ist die also nicht ...
Bereits heute berichtet die FTD über diese Studie, in der untersucht wurde, wie solide die Haushalte in den europäischen Ländern sind. Und auch wenn sie es nicht so direkt sagt, geht es auch darum, ob die Länder den Hebel nochmal umlegen können ...
Danach gehören fast die Hälfte der 27 EU-Staaten zur Hochrisikoklasse, gekennzeichnet durch zu hohe Staatsverschuldung UND zu hohe Neuverschuldung.
Die Liste der
13
Staaten:
Spanien,
Niederlande,
Griechenland,
Irland,
Slowakei,
Slowenien,
Malta,
Zypern
und die Nicht-Euro-Mitglieder
Großbritannien,
Rumänien,
Tschechien,
Lettland und
Litauen.
Da sind aus meiner Sicht viele erwartete bei (
Spanien,
Großbritannien,
Irland,
Litauen, Lettland), aber auch ein paar, die ich nicht unbedingt erwartet hätte (u.a Niederlande, Malta, Tschechien, Slowenien).
Die großen G7-Mitglieder Deutschland und Italien liegen in der Gruppe mit mittlerem Risiko. Als nahezu ungefährdet gelten Schweden und Finnland.
Ob Schweden angesichts des starken Engagements in
Lettland noch lange auf dieser Liste steht, darf man durchaus bezweifeln.
Die Kommission erwartet bis 2014 einen Schuldengesamtstand über die gesamte EU von 100% des BIPs. In Irland und Großbritannien könnten die Schuldenstände auch bis auf 200% des BIPs steigen.
Und da hätte ich jetzt mal 'ne Frage: Gibt es in der Geschichte einen Staat, der sich - ohne die Pleite zu erklären wie Argentinien oder Megainflation - aus so einer Situation gerettet hat? Also von 200% Staatsverschuldung wieder runter auf einen "normalen" Stand von 50% oder weniger?
Ich argumentiere immer dagegen, wenn behauptet wird, dass die USA bei 80% Pleite sind und den Point of no return bereits überschritten haben. Denn die USA hatten nach dem 2. Weltkrieg schon deutlich über 100% Staatsverschuldung. Und auch Belgien lag am Anfang der Eurozone im dreistelligen Bereich. Das geht also.
Aber von 200% nochmal zurück auf normal?
Update (14.10.09)
Es ist übrigens auch ein Land
nicht auf der Hochrisikoliste, das ich dort eigentlich erwartet hätte: Belgien. Die sind nur mit Hängen und Würgen in die Eurozone gekommen (zu hohe Staatsverschuldung) und haben überdies noch einen ziemlich großen Finanzsektor, der bereits massive staatliche Rettungsaktionen benötigte (u.a Fortis).
Das kann man durchaus als positives Zeichen werten: a) Konsolidierung ist möglich und b) Rettungsaktionen müssen den Staat nicht überfordern. Es kann sich aber auch schlicht um eine Fehleinschätzung der EU Kommission handeln.
Update 2 (14.10.09):
Es war zu befürchten. Die FTD macht aus der "13" die im Onlinejournalismus scheinbar unvermeidbare Klickstrecke: 13 nichtssagende Bilder aus den 13 Ländern. Daneben Texte wie "Zypern. Blick auf den Hafen von Paphos im griechischen Teil Zyperns: Die Insel wird als Hochrisikostaat eingestuft, obwohl sie zu den Euro-Ländern gehört, die noch die Bedingungen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes einhält."
Jetzt würde mich natürlich interessieren, warum Zypern trotzdem auf der Liste steht. Die Antwort bleiben die Profijournalisten aber leider schuldig.
FTD: Die Hochrisikoländer
Update (14.10.09):
Danke an den anonymen Tippgeber. Sowohl Großbritannien als auch Frankreich hatten nach dem 2. Weltkrieg eine Schuldenlast von über 200% und haben sich wieder erholt:
UK Deficit (als Chart) oder inkl. Frankreich in Tabellenform als PDF:
Stockholm Reconstructed (PDF)
Update (15.10.09):
Das Handelsblatt bringt noch ein paar andere Zahlen aus der Studie. Ohne Änderung in Deutschland steigt der Schuldenstand bis 2030 auf 102% und bis 2040 auf 152%. In Großbritannien bis 2030 auf 270% und 2080(!) auf 780%.
Handelsblatt: EU warnt vor schwerer Schuldenkrise
Zahl des Tages (13.10.09): 13