Überraschung: Katzen-Content

Ausnahmsweise ...



(süße Kätzchen sollen Pageviews bringen, aber das ist mir eigentlich egal ... Süße Kätzchen sind vor allem süße Kätzchen :-) )

gefunden bei Boing Boing: Surprised kitten is surprised

Wie soll man das Bankensystem umbauen?

Ich wollte den Artikel aus der Börse Online schon fast abtippen. Als Beweis dafür, dass manchmal doch ein brauchbarer Artikel in dem Heftchen steht. Es ist natürlich - wie fast immer - ein Interview. Irgendwie ist Börse Online ein Beispiel für meinungsfreien Teflon-Journalismus. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Wenig kontrovers. Irgendwie größtenteils langweilig. Aber manchmal werden wenigstens interessante Leute interviewt, die dann Meinungen vertreten, über die es sich lohnt etwas mehr nachzudenken.

Das Interview ist mit Richard Werner, einem Professor für International Banking an die Universität von Southampton. Werner kritisiert die aktuellen Konstruktion des Bankensektors massiv. Und zwar nicht nur so oberflächliche Dinge wie zu hohe Boni (das ist IMHO nur ein politische Ablekungsmanöver), sondern den Kern: Banken sind gewinnorientierte Unternehmen. Damit haben sie die Aufgabe, Gewinne zu erwirtschaften. Und wenn dieses Gewinnstreben am besten durch Spekulationen an den Finanzmärkten erreicht wird, vernachlässigen die Banken ihre eigentliche volkswirtschaftliche Aufgabe, die Versorgung der Wirtschaft mit Krediten.

Werner schlägt vor, den Banken mit Lizenzentzug zu drohen, wenn sie diese Aufgabe vernachlässigen. Die Banken haben schließlich durch den Staat mit dem exklusiven Zugang zu Notenbankgeld ein Privileg eingeräumt bekommen, für das der Staat auch eine Gegenleistung verlangen kann (und eigentlich muss!).

Börse Online findet die Drohung mit dem Entzug der Lizenz natürlich schon extrem. Ich nicht. Werner auch nicht, im Gegenteil: er findet das aktuelle System extrem.

Ich frage mich allerdings auch, ob man nicht besser auf eine andere Idee zurückgreift. Man trennt das Universalbankensystem wieder auf: Investmentbanken investieren (man kann auch sagen zocken), die Geschäftsbanken sorgen für Kredite. Die USA haben das ja auch versucht. Allerdings wurde die Trennung irgendwann Ende der 90er wieder aufgehoben (massives Lobbying der damaligen Citibank ging voraus, die den Versicherungskonzern Travelers kaufen wollte). Und richtig schlimm wurde es, als die US-Regierung 2004 beschloss, die Eigenkapitalrichtlinien für die Investmentbank abzuschaffen. Damit war der "Way to Desaster" eigentlich vorgezeichnet. Überraschend eigentlich nur, wie schnell es ging ...

Nach der Trennung bekommen die Investmentbanken keinen Zugriff mehr auf das Notenbankgeld, man entzieht ihnen also das Privileg, weil sie ja auch keine volkswirtschaftliche Funktion übernehmen. Die Investmentbanken sind dann eigentlich nur noch Dienstleister für Firmenübernahmen, IPOs, Auflage von Anleihen, Verwaltung von Fonds, etc. pp. Wenn sie spekulieren wollen, müssen sie sich das Geld von Anlegern holen, wie jeder (Hedge-)Fonds auch.

Die Geschäftsbanken hineggen kümmern sich um die normalen Kredite für Unternehmen und Verbraucher, wickeln den Zahlungsverkehr ab, vergeben Hypotheken, etc. Und weil sie das Geld in der Volkswirtschaft verteilen, bekommen sie auch weiterhin Zugriff auf die (preiswerten) Gelder von der Notenbank. Wird dieses Geld nur billig genug, werden die Banken es auch weiterverleihen.

Damit wird zumindest ein großes Problem vermieden: Wenn die Universalbanken entscheiden, dass man das Notenbankgeld lieber an der Börse anlegt, weil es dort mehr Rendite verspricht als bei einem Firmenkredit, kann die Notenbank Geld drucken wie bescheuert: Es kann immer noch die unsägliche Kombination aus Kreditklemme für die Realwirtschaft und Börsenhausse bis Börsenblase geben. Und das ist leider wohl das, was wir aktuell beobachten können ...

Nur zur Klarstellung: Die Trennung ist natürlich als alleiniger Faktor wenig hilfreich. Höhere Eigenkapitalanforderungen und strengere Überwachung muss es trotzdem noch geben.

FTD: "Ein untragbares System"

Oder handelt man sich mit der Trennung neue Probleme ein, die ich übersehe?

Zahl des Tages (29.11.09): 30

Inzwischen ist das Thema überall bekannt. Es gibt Banken, die zu groß sind. So groß, dass sie nicht mehr Pleite gehen können, ohne das gesamte Weltfinanzsystem mit in der Strudel zu reissen. Die Bank of England prägte dafür den Begriff "Large Complex Financial Institution" (LCIF). Ich befürchtete schon damals, dass man sich diesen Begriff merken müsse. OK, der Begriff LCIF setzte sich nicht wirklich durch, aber was damit gemeint war, schon, wenn auch eher unter dem Begriff "too big to fail".

Als ich zum ersten Mal darüber berichtete, was das aber noch ziemlich exklusives Wissen (was sich durch mein Schreiben an damals geschätzte 20 Leser auch nicht wirklich geändert hat ...). Und ich musste mir die Finger wund schreiben gegen die Leute, die damals meinten, man könne eines der Unternehmen einfach Pleite gehen lassen. (Die Banker hätten es schließlich verdient, die Pleite sei der Selbstreinigungsmechanismus der Marktwirtschaft, etc.). Ich hatte eher das Gefühl, dass das ein Experiment ist, auf das ich lieber verzichten würde. Zurecht: Die Rettung von Lehman wäre sicherlich billiger gewesen als nachher alle anderen retten zu müssen ... Aber genug der Besserwisserei ...

Damals (2007) waren es noch 16 Banken und Versicherungen:

ABN Amro, Bank of America, Barclays, BNP Paribas, Citigroup, Credit Suisse, Deutsche Bank, Goldman, HSBC, JP Morgan Chase, Lehman, Merrill, Morgan Stanley, RBS, Societe Generale, and UBS.
 
US-Immokrise: Ein paar Zahlen zu Verschuldung

Schon interessant, was aus denen geworden ist: ABN und RBS sind ganz oder fast ganz verstaatlicht, Merrill und Morgan Stanley wurden geschluckt, und mindestens die UBS, BoA, Citigroup und Credit Suisse hätten ohne Staatshilfe nicht überlebt. Und bei allen anderen hat der indirekte Bailout der AIG (die übrigens auf der Liste wie auch Bear Stearns fehlt) wohl maßgeblich geholfen, dass sie indirekt doch einen Bailout bekommen haben.

An diesem Wochenende kam eine neue Liste ans Licht. Erstellt hat sie das Financial Stability Board, das als Reaktion auf die Krise gegründet wurde. Das FSB soll eine länderübergreifende Kontrolle des Finanzsektors basteln und hat jetzt in einem der ersten Schritte die Institute herausgefiltert, die so wichtig, so international und so stark mit den anderen Instituten vernetzt sind, dass sie das weltweite Finanzsystem gefährden könnten.

Ingesamt geht es um


30

Firmen, davon 24 Banken und 6 Versicherungen.

Aus Deutschland sind zwei Firmen vertreten. Die Deutsche Bank dürfte dabei keine Überraschung darstellen, die Allianz schon. Diese steht in Deutschland wohl mehr für Solidität als jedes andere Unternehmen aus dem Sektor. Ebenfalls eine Überraschung, dass der weltgrößte Rückversicherer Munich Re fehlt genau wie die Commerzbank, die nach der Übernahme der Dresdner Bank fast so groß wie die Deutsche Bank ist.

Die gesamte Liste sieht laut Informationen der Financial Times so aus:

Aegon
JP Morgan
Allianz
Mitsubishi UFJ
Aviva
Mizuho
Axa
Morgan Stanley
Banca Intesa
Nomura
Bank of America
Royal Bank of Canada
Barclays
Royal Bank of Scotland
BBVA
Santander
BNP Paribas
Société Générale
Citigroup
Standard Chartered
Credit Suisse
Sumitomo Mitsui
Deutsche Bank
Swiss Re
Goldman Sachs
UBS
HSBC
Unicredit
ING
Zurich

Bereits verstaatlichte Unternehmen wie die AIG oder Fannie Mae und Freddie Mac fehlen irgendwie. Da die Ergebnisse nicht öffentlich sind, kann man leider nur spekulieren, warum (was ich jetzt aber nicht mache).

Alle 30 Firmen müssen jetzt einen Abwicklungsplan erstellen, in dem sie erklären müssen, wie das Institut im Fall der Fälle abgewickelt werden kann, ohne dabei bleibende Schäden für das Weltfinanzsystem zu hinterlassen. Das ist natürlich vergleichsweise utopisch. Immerhin haben schon kleinere Institute für hohe Wellen gesorgt. IMHO geht im Fall der Fälle nichts an einer Verstaatlichung vorbei.

Ob aus der internationalen Bankenaufsicht dann irgendwann mal mehr wird und die betroffenen Unternehmen wirklich strenger überprüft werden und/oder sich die Institute höheren Transparenz oder gar Eigenkapitalanforderungen unterwerfen müssen, wird man sehen. Das wäre natürlich zu hoffen, aber viel Hoffnung habe ich nicht. Selbst wenn man aktuell eine Chance hat, relativ strenge Regeln einzuführen, werden diese über die Jahre von den Lobbyisten nach und nach verwässert werden, bis sie wie vor der Krise wirkungslos sind. Wir werden das Märchen von "besserer Risikokontrolle" hören, die Gerüchte von der Verteilung der Risiken auf mehr Schultern durch neuartige Finanzinstrumente, etc. pp. Wie vor 2 Jahren auch ...

FTD: Aufsicht zielt auf 30 Finanzfirmen

Update (30.11.09):

Die Credit Suisse hat keine Staatshilfe bekommen. Ich habe sie oben aus der Liste gestrichen. Bei der Credit Suisse zeichnete die Kapitalerhöhung überwiegend Katar. Das ist zwar auch ein Staat, aber das zählt trotzdem nicht als Staatshilfe. Da habe ich bei der Credit Suisse irgendwas verwechselt. Sorry.

Update (01.12.09):

Club der Unsterblichen gefällt mir gut ...

Sueddeutsche.de: Einfach zu groß - der Klub der Unsterblichen

Zahl des Tages (28.11.09): 1

Das lässt mich die FDIC aber ganz schön im Regen stehen. 552 Banken auf der Problemliste und keine einzige wird dicht gemacht? Die FDIC-Mitarbeiter waren wahrscheinlich am langen Wochenende alle im Urlaub?!? Frechheit!

OK, dann nehme ich mal wieder was aus der Rubrik Vermischtes. Zahlen aus der Bankenbranche hatte ich ich gestern im großen Stile in ein Posting gesteckt.

Ich würde jetzt eigentlich gerne eine Frage stellen, was aber doof ist, wenn man die Antwort in der Überschrift schon sehen kann ... OK, dann drehe ich die Frage einfach um ...

Wie viele Überwachungskameras braucht man um

1

Straftat aufzuklären? Die Antwort ist überraschend: Man benötigt eintausend (!) Kameras. Es gibt glaube ich wenig Maßnahmen, die mit höherem Aufwand weniger Erfolg bringen.

Wir werden rund um die Uhr überwacht, ob im öffentlichen Raum oder privat (Telefon, Konto, demnächst Maut...) und der Erfolg der Maßnahmen ist komplett zweifelhaft.

Und an alle, die das alles nicht für kritisch halten: Die Kontenüberwachung sollte auch gegen Steuerbetrüger und ähnlich reiches "Gesocks" eingesetzt werden (in der Phase, in der es politisch durchgesetzt wurde), jetzt werden die meisten Überwachungsmaßnahmen gegen Hartz IVler eingesetzt ...

Datenschutzalltag: Teures Sicherheitsgefühl: 1000 Videokameras klären 1 Straftat auf

Zahl des Tages (27.11.09): -8.200.000.000

Kaum geht der Large Hedron Collider wieder in Betrieb, tauchen auch wieder die schwarzen Löcher in den Bankbilanzen auf ;-)

"Großes Bankenlöcher-Update" sollte der Artikel erst heißen, aber da ich noch keine Zahl des Tages gefunden habe, muss ich den Artikel noch kurz umwidmen ... Er bleibt trotzdem ein Roundup der News der letzten Tage rund um die Banken, die ich wichtig fand, aber nicht einzeln kommentieren konnte. Spannend vor allem, dass die Zahlen fast zeitgleich aus so vielen unterschiedlichen Quellen kamen.

Der IWF kann sich gut vorstellen, dass erst die Hälfte der Verluste in den Bankbilanzen öffentlich geworden ist. Und dabei sprechen wir immerhin von mehr als einer Billionen Dollar. Achtung, das ist nicht die Gesamtsumme, sondern die bereits sichtbaren Verluste. Es droht also eine weitere Billion (oder noch mehr).

Handelsblatt: Hälfte der Bankenverluste noch nicht aufgedeckt

Auch die Bundesbank befürchtet in den Bilanzen der deutschen Banken 90 Milliarden Euro bisher unrealisierter Verluste, die bis Ende 2010 anfallen könnten:

Handelsblatt: Es drohen weitere Milliardenabschreibungen

Standard and Poors meint, dass die Banken "horribly" zu wenig Eigenkapital hätten. S+P hat dazu versucht eine risikogewichtete Eigenkapitalquote zu errechnen. Bei der Risikogewichtung wird berücksichtigt, dass bestimmte Assets kein Risiko beinhalten und dafür dann auch kein Eigenkapital gehalten werden muss, für andere hingegen doch.

Danach ergibt sich folgende Liste:

Mizuho Financial (2,0%),
Citigroup (2,1%) *,
UBS (2,2%) *,
Sumitomo Mitsui (3,5%),
Mitsubishi (4,9%),
Allied Irish (5,0%),
DZ Deutsche Zentral (5,3%),
Danske Bank (5,4%),
BBVA (5,4%),
Bank of America (5,8%),
Deutsche Bank (6,1%),
Bank of Ireland (6,2%),
Caja de Ahorros Barcelona (6,2%) und
UniCredit (6,3%). Top übrigens die HSBC bei 9,1%.

Creditwritedowns: Quelle Surprise! Most Big Banks Lack Capital

Allerdings musste S&P schon wieder zurück rudern, wenn auch nur in zwei Fällen: UBS und Citigroup haben nämlich in der Zwischenzeit viel Kapital eingesammelt, was in der S&P Analyse (Stichtag 30.6) nicht enthalten war. Nach der Kapitalerhöhung liegt die UBS bei 7,2%, die Citigroup bei 6,1%.

Trotzdem kann keine Entwarnung gegeben werden: Eigenkapitalquoten unterhalb von 6% müssen als nicht ausreichend gelten. Die japanischen Banken sehen somit gar nicht gut aus ...

FT Alphaville: S&P reverses on its “UBS is below average” bank capital model claim

oder auf Deutsch:
FTD: S&P knickt vor Banken ein

Als Einknicken würde ich das nicht bezeichnen, weil das einen Druck von außen impliziert. Es war eher ein klarer Fehler (veraltete Daten) von S&P.

Und dann noch eine Zahl:

Die FDIC hat die Liste der Problembanken mal wieder überarbeitet. Die Zahl kam hier schon einige Male, aber sie steigt immer noch weiter. Inzwischen ist der Wert auf

552

Banken geklettert.

552 Banken haben also nach Ansicht der FDIC zu wenig Eigenkapital oder zu viele Schulden (Immobilien, Kreditkarten) schlechter Qualität oder beides auf einmal ... Für mich bedeutet das vor allem, dass das Samstagsposting noch für einige Zeit gesichert sein dürfte ;-)

Weil ich die Anzahl der Problembanken aber schon ein paar Mal auf den Thron gehoben habe, nehme ich mal eine andere Zahl. Diese war zwar in ähnlicher Form (als Quote, siehe Grafik unten) auch schonmal Zahl des Tages hier, aber ein negativer Wert ist immer gut ... Die Bilanz der FDIC wies am Ende des dritten Quartals ein Loch von

8.2000.000.000 (8,2 Milliarden) Dollar

auf. Am Ende des 2. Quartal stand dort noch ein Plus von 10,2 Milliarden. In der Quote gibt das die folgende Grafik:



Der amerikanische Einlagensicherungsfonds ist also leer. Mehr als leer.

FT Alphaville: FDIC’s insurance in the red, ‘problem banks’ hit 16-year high

Das waren ganz schöne viele schlechte Nachrichten auf einmal.

Ich wünsche trotzdem ein schönes Wochenende, auch wenn ich kein Musikposting habe ...

Was bedeutet die Pleite von Dubai?

Hmm, da bau ich gerade einen Artikel zur Lage in Dubai zusammen, da sehe ich, dass der Nobelpreisträger Krugman zwei der drei Links (den von Roubini und Buiter) auch in einen Artikel gepackt hat.

Da übe ich mich in Demut und verweise nur auch den:
Rashomon in the desert - Paul Krugman Blog - NYTimes.com

Die Anmerkung, dass ich eher zu einer Kombination von 1) und 3) neige, klemme ich mir dann aber doch nicht. OK, den Rest auch nicht.

Buiter hat natürlich Rest, wenn er schreibt, dass nicht Dubai Pleite gegangen ist, sondern eine Firma, die zwar zufällig diesem Gemisch aus Staat und Herrscherfamilie gehört. Er bittet trotzdem, da zu unterschieden. (2)

Roubini hingegen befürchtet eher eine Kettenreaktion mit weiteren Staatspleiten (1)

Punkt 3 von Krugman ist übrigens die Interpretation: Hmm, eine neue Situation. Keine Ahnung, was da passiert.

Zu den von Buiter angesprochenen Unsicherheiten, was im Falle des Falles mit den Sicherheiten des Kredits passiert, kann ich einen alten Artikel aus dem Handelsblatt empfehlen, der schon seit Mai in meinen Lesezeichen mit dem Tag to_blog steckt und auf den ich schon immer mal hinweisen wollte:

Handelsblatt: Islam-Investments bergen ganz eigene Risiken
(leider inzwischen nur noch nach Registrierung lesbar).

Übrigens: Weiss jemand, ob die Aktion von Dubai World jetzt ein Default im Sinne der CDS ist?

Update (30.11.09):

Weil der Handelsblatt Artikel nicht mehr online ist, ein anderer Artikel, die die Probleme bei den Islam-Bonds (Sukuks) im Allgemeinen und im Speziellen ganz gut beschreibt:

FT Alphaville: The issue of shariah compliance and the Nakheel sukuk

Ich fasse das mal ganz kurz (mglw. zu kurz, pardon my ignorance, ich werden die Dinger nicht anfassen, das ist ja Intransparenz zum Quadrat) zusammen:
Im Islam gibt es ein Zinsverbot. Dahinter steckt die Idee, dass man keine Zinsen nehmen darf, nur wenn der eine Geld hat, das der andere braucht. Man darf aber sehr wohl Zinsen nehmen für das Risiko. Wenn man also eine 5-jährige Anleihe nimmt und diese bei einem mittelprächtigem Schuldner 7% bringt, beim Staat aber nur 3%, dann dürfte man bei einer Sharia-konformen Anleihe den Risikoanteil von 4% durchaus nehmen, den Anteil für das sicherere Geldverleihen (3%) aber nicht. In der Praxis wird das dann beim Hauskauf so gelöst, dass die Bank das Haus kauft und dem Bewohner vermietet. Damit trägt die Bank dann auch das Risiko für das Haus mit.

Bei einer Anleihe führt das dazu, dass es keine besicherten Anleihen geben darf. Sobald also hinter der Anleihe z.B. die Palmeninsel als Sicherheit steckt, kann man den Zins der Anleihe auch mit viel gutem Willen nicht mehr als reinen Risikozins ansehen. Damit ist die Anleihe nicht mehr shariakonform.

Übrigens hat der neue Chef-Volkswirt der Citigroup Willem Buiter (schon oft hier verlinkt) auch mal was über die islamischen Bonds geschrieben. Er hält die dahinterliegenden Prinzipien für so spannend, dass er sich durchaus vorstellen kann, dass man die Idee auch für "normale" westliche Anleihen übernehmen kann.

Maverecon: Islamic finance principles to restore policy effectiveness

Ich glaube ich mache aus dem Komplex noch mal einen eigenen Artikel.


Dubai Pleite und niemand hat's geahnt?

FAZ heute:

"Dass Dubai einem Offenbarungseid so nahe kommen würde, hatte schon deswegen niemand erwartet, weil das schwerreiche Nachbaremirat Abu Dhabi in diesem Jahr stets eingesprungen war, um dem ölarmen Nachbarn Dubai unter die Arme zu greifen."

FAZ: Aus heiterem Himmel in Not

egghat damals:

"Und richtig dumm ist, dass der Investor Dubai World, der hinter diesen Projekten steht, schon mit 60 Mrd. Dollar verschuldet ist. Ohne die Hilfe des Nachbarns Abu Dhabi wäre Dubai schon Pleite.
Ich bin mir sicher, dass die Dubai-Geschichte als eine der großen Blasen in der Geschichtsbüchern eingehen wird ... Oder wie soll das noch gut ausgehen? OK, ein Ölpreis von 200 Dollar je Barrel könnte hilfreich sein ..."

Zahl des Tages (22.10.09): 50%

mehr noch hier: Suche nach Dubai

(jaja Eigenlob stinkt, aber wenn das jemand mit "niemand hat's geahnt" so herausfordert ...)

Update (19:13):

Die deutschen Banken sind übrigens mit ungefähr 10 Mrd. Euro in Dubai engagiert ...

Update (27.11.09):

Schön übrigens Barclays Capital. Als am 4. November die Ratingagentur Moody's das Rating von einigen Dubai-Institutionen senkte, empfahl Barlays Capital antizyklisch dagegen zu halten und riet zum Kauf. Autsch.

FT Alphaville: Barclays Capital ‘change their view’ on Dubai

Zahl des Tages (26.11.09): 2.800.000.000.000

Das mag ich. Eine schöne große Zahl des Tages, die im Kern nichts mit der Wirtschaft zu tun hat, sondern mit einem anderen Thema, das hier nur am Rande (also in den Linktipps) eine Rolle spielt.

Die Bertelsmann Stiftung (von der man halten kann, was man will, vor allem wenn man weiss, dass an der Studie auch das ifo Institut mitgeholfen hat) hat versucht zu berechnen, welche Kosten die Problemschüler verursachen, die am Ende der gesamten Schulzeit den Wissensstand eines durchschnittlichen Grundschülers noch nicht erreicht haben, sprich nicht vernünftig schreiben, lesen und rechnen können. Dabei geht es immerhin um jeden fünften(!) Schüler. In einer wissens- und technologiegetriebenen Welt stehen die natürlich auf verlorenem Posten.

Übrigens sind die Problemschüler der Grund für das schwache Abschneiden Deutschlands in den PISA Studien. Die deutschen Schüler sind im oberen Drittel nämlich gut, in der Mitte auch akzeptabel, aber am unteren Rand (also bei den Problemschülern von oben) ist Deutschland im PISA Vergleich extrem schwach. Das zieht das Gesamtergebnis nach unten.

Natürlich ist es schwierig zu beurteilen, wie die Zahl errechnet wurde. Zum Beispiel ist es IMHO utopisch anzunehmen, dass mit einer besseren Bildung die Probleme von alleine verschwinden. Es wird auch nachher noch niedrig qualifizierte Jobs geben und es gibt auch bei ausreichend qualifizierten Arbeitskräften Arbeitslosigkeit (z.B. bildet das Handwerk schon immer zu viele Arbeitskräfte aus und die stehen nach der Ausbildung trotz der Ausbildung regelmäßig auf der Straße). Trotzdem: Dass in der Schule ausgebildete Hartz-IV-Empfänger  teuer werden, dürfe wohl unumstritten sein.

Die Bertelsmann-Stiftung hat versucht, den Schaden durch das mangelhafte Bildungssystem für die nächsten 80 Jahre auszurechnen:

Auf

2.800.000.000.000 (2,8 Billionen) Euro

soll sich der Schaden insgesamt belaufen.

Leider ist die deutsche Bildungspolitik eines der am vollständigsten durchideologisierten Themen in der öffentlichen Diskussion. Während der CDU als Antwort meistens nur das dreigliedrige Schulsystem einfällt, berufen sich die "Sozen" immer auf das Patentrezept Gesamtschule, PISA hätte die Überlegungheit der Gesamtschule schließlich bewiesen.
Dabei lässt sich aus den Ergebnissen der PISA-Studien streng statistisch überhaupt nichts ableiten. Es gibt einfach zu wenige Messpunkte für Länder mit mehrgliedrigen Schulsystemen. Mit den Niederlanden und Österreich gibt es zwei Länder mit mehrgliedrigem Schulsystem im oberen Drittel, mit Deutschland ein Land in der Mitte und mit Italien eines im unteren Drittel. Was zum Teufel soll ich statistisch jetzt daraus ableiten? Außer dass man mit einem mehrgliedrigem Schulsystem gut sein kann oder auch nicht. Wie bei einem eingliedrigem auch, die ja den Rest in allen drei Dritteln ausmachen.
Genauso könnte ich über die Zahlen gehen und den Anteil von Privatschulen und den Lernerfolg vergleichen und komme dann wahrscheinlich darauf, dass Privatschulen besser sind und wir einfach nur mehr Privatschulen brauchen. Ich bezweifle aber, dass die Befürworter der Gesamtschule dieses Ergebnis akzeptieren, auch wenn ich mit der methodisch exakt gleichen Methodik vorgehe. Sie liefert halt das falsche, sprich unerwünschte Ergebnis. (Übrigens ist innerhalb von Deutschland der einzige signifikante Parameter für die PISA-Ergebnisse der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund. Der zweite Parameter, der aber bereits einen viel geringerem Einfluss hat, ist die Klassengröße. Alle anderen Faktoren gelten als statistisch nicht signifikant).

Ich glaube, das erste Grundproblem ist, dass der Staat einfach nicht genug Geld in die Bildung steckt. Ohne diese Grundentscheidung für mehr Bildungsausgaben wird sich gar nichts ändern. Das heisst zu allererst: Ganztagsschulen. Und zwar für alle, kostenlos, über alle Schuljahre und mit Betreung durch richtige Lehrer (und nicht durch engagierte Eltern oder Sportvereine).

Dann glaube ich, dass die Struktur des Schulsystems zweitrangig ist. Gut, die Hauptschule ist defakto tot. Wenn nur noch weniger als 10% der Schüler dahin gehen, kann die Schule nicht funktionieren. Das ist eine Restschule, die auch durch engagierteste Pädagogen nicht mehr zu retten ist. Also geht es in Richtung zweigliedriges Schulsystem: Realschule, die bis zur 10. Klasse geht und mit der mittleren Reife endet und ein Gymnasium, das nach 12 Jahren mit dem Abitur endet.

Die Idee der CDU-Regierung in NRW, die das Schulsystem so umgebaut hat, dass man auf dem Gymnasium nach der 9. und an Real- und Hauptschule nach der 10. Klasse den gleichen Stand erreicht haben soll, damit sich dort nochmal eine Wechselmöglichkeit auftut, ist nicht so dumm und kann durchaus funktionieren. Wobei das Wechseln sowieso eher die Ausnahme sein wird, es wird ja nicht auf einmal jeder Abitur machen.

Und noch eine Sache ist glaube ich klar: Das Trennen der Schüler nach dem 4. Schuljahr ist zu früh. Es fehlen bis zu diesem Zeitpunkt zwei grundlegende Sachen: Das logisch-abstrakte Denken, das in der Mathematik erst dann wirklich beansprucht wird, wenn auf einmal x und y in den Rechnungen auftauchen (passiert an der Grundschule nicht) und die erste Fremdsprache (bzw. zweite für manche ausländischen Kinder ...) richtig mit Schrift und allem drum und dran. Erst danach kann man eigentlich sagen, wie sich die Kinder auf dem Gymnasium schlagen werden. Die 6-jährige Grundschule in Berlin könnte sinnvoll sein.

Und ach ja: Kostenlose Kitas und zwar auch wieder für alle und mit Deutsch als Standardsprache müssten vor der Schule ebenfalls für mindestens ein besser zwei Jahre Pflicht sein. Kinder, die in der ersten Klasse der Grundschule kein Deutsch sprechen, verlieren bereits dort den Anschluss (klar, es gibt Ausnahmen, aber die sind selten).

Spiegel: Risikoschüler kosten den Staat Billionen Euro

Was meint ihr? Andere Idee? Gibt es in anderen Bundesländern Konzepte, die spannend sind? Oder Ideen, die noch niemand umgesetzt hat?

Update (12:58)

26.11 muss es natürlich in der Überschrift heißen.

Update (29.12.):

Einen Artikel bei Telepolis wollte ich zum Thema schon lange nachschieben. Was hiermit erledigt wäre:

Telepolis: Marodes deutsches Bildungssystem erzeugt 2,8 Billionen Euro Folgekosten

Darin eine kritische Analyse der Hintergünde, sowohl der Auftraggeber, wie der Studiendurchführer (arbeitet auch am ifo Institut) wie auch der Annahmen. Durchaus lesenswert.

Zahl des Tages (25.11.09): 68.500.000.000

Die heutige Zahl des Tages soll nur als Gedächtnisstütze dafür dienen, wie wir Normalsterbliche informiert werden. Daher zum besserem Memorisieren auch - Weltpremiere - mit Video ;-)

Es geht um eine alte Zahl, aber eine deren Auslöser von der Politik immer und immer wieder geleugnet wird.

Es gab nämlich doch mehr als einen Bank-Run in Großbritannien. Also nicht nur den bekannten Fall Northern Rock (und auch da wurde es erst im Nachhinein klar ... Notenbank rettet englische Bank), sondern auch bei der RBS und bei HBOS. Die RBS gehört heute zu mehr als drei Viertel dem britischen Steuerzahler, die HBOS wurden mit Lloyds gemerget und ist ebenfalls fast zur Hälfte im Staatsbesitz.

Zwischenzeitlich wurden die RBS und die HBOS, ohne irgendeine öffentliche Information oder Legitimation, über 61 Milliarden Pfund, umgerechnet etwa

68.500.000.000 (68,5 Milliarden) Euro,

von der britischen Notenbank zur Verfügung gestellt.

OK, man ist nach der Krise abgestumpft. Die WestLB gliedert 85 Mrd. aus, HRE und AIG bekommen dreistellige Milliardensummen vom Staat, etc. pp. Aber mal eben heimlich eine Summe Geld zur Verfügung stellen, die als Haushaltsdefizit (damals) noch eine Rekordsumme gewesen wäre, hat schon was ...

FT Alphaville: Bank secretly lent RBS, HBOS £61.6bn

Also merken: Wenn Politiker sagen, dass es etwas nicht gibt, was es nicht geben darf, dann ist das etwa so glaubwürdig wie hier: Move along, there's nothing to see:



Update (22:42)

Jetzt auch im Spiegel:

Spiegel: England verteidigt Geheimhilfen für marode Banken

In eigener Sache: Zahl des Tages

Habe in letzter Zeit zweimal den Hinweis bekommen, dass die Überschriften zur Zahl des Tages Mist seien, weil man immer erst im Artikel mitbekommt, ob das interessiert oder nicht. Dass ist natürlich Absicht nach dem Motto "Interesse wecken" und da ich nirgendwo kastrierte Feeds anbiete (es ist immer alles Volltext) sieht man doch eigentlich drei Zeilen weiter worum es geht. Scheinbar sehen das aber einige anders, weil sie wahrscheinlich anders RSS-Feeds und Blogs konsumieren als ich (Google Reader rulez). Und sollte die nichtssagende Überschrift Leser abschrecken, würde ich das eher ändern.

Daher meine Frage:

i) Wie lest ihr? Website? RSS-Reader? Twitter? Woanders?
ii) Seht ihr nur die Überschrift oder den gesamten Text?
iii) Kurze Überschrift: Ja/Nein/egal

Zahl des Tages (24.11.09): 85.000.000.000

Heute gab es geradezu eine seltene Flut von Zahlen, die alle des Throns würdig gewesen wären. Zweimal BIP-Zahlen, die ich so mir nichts dir nichts in normalen Postings verbraten habe, der Case-Shiller-Index (auch schon verbraten), das US-Verbrauchervertrauen, der ifo Index, eine neue Troubled-Banksliste der FDIC, höhere Verluste bei der Bayern-LB und nicht zuletzt News aus der rheinischen Heimat. Die picke ich mir dann auch mal heraus ...

Die WestLB wird die erste deutsche Bank, die das vom SoFFin geschaffene Mittel der Bad Bank nutzen wird. Papiere im Gesamtwert von satten


85.000.000.000 (85 Milliarden) Euro

wird die WestLB in die neue Bad Bank auslagern. Das ist etwa ein Drittel der gesamten Bilanz. Die Haftung dafür übernehmen die Eigner, also die Sparkassen in NRW und das Land NRW, allerdings "nur" bis zu einer Gesamtsumme von bis zu 17,5 Milliarden Euro, max. 4 Mrd. davon übernehmen die Sparkassen. Die Haftung für das Land NRW beträgt also nur das alberne Sümmchen von zwei Jahren Haushaltsdefizit.

Die Bad Bank erhält 3 Mrd. "Startkapital" von der WestLB und dazu noch weitere Garantien von 1 Mrd. Euro von den Sparkassen, darunter auch 200 Millionen von den anderen Landesbanken.

Die danach hoffentlich gesundere RestLB (Arbeitstitel von mir ;-) ) hat danach dummerweise kein Eigenkapital mehr, daher beteiligt sich der SoFFin mit einer Art Wandelanleihe im Volumen von bis zu 4 Milliarden Euro, die unter gewissen Umständen in Eigenkapital (als Aktien) umgetauscht werden kann.


Handelsblatt: WestLB bekommt eine ZukunftFTD: WestLB - Chance für Schäuble

Ist das jetzt eine gute Lösung? Ich weiss nicht. Auf jeden Fall wird es eine teure Lösung für den Steuerzahler ... Und der zahlt sowieso ...

Update (25.11.09)

Zwei Meinungen bzw. Meinungssammlungen dazu:

FAZ: Rettungsfahrplan findet breite Zustimmung

Spiegel: EU könnte WestLB Rettung torpedieren

Case-Shiller US-Hauspreisindex 09/09: +0,3% Vm (-9,4% Vj)

Ein Plus ist ein Plus ist ein Plus ...

Das Plus im Case-Shiller-City-20-Index (Basis für die Immowette) von 0,3% im September ist aber zugegeben nicht sonderlich groß. Im August waren es noch 1,2%, im Juli sogar 1,6% (nach +1,4 und +0,5% in den zwei Monaten davor).
Aber immerhin ist es das fünfte Plus in Folge und damit hat sich das Minus im Jahresvergleich auf jetzt -9,4% verringert und liegt damit zum ersten Mal seit langem wieder im einstelligen Bereich.

Die Breite im Index hat sich deutlich verschlechtert. Von den 20 relevanten Regionen konnten nur noch 9 ein Plus verzeichnen, eine lag unverändert und 10 im Minus.

Zum Quartalsende gab es auch wieder eine landesweite Berechnung, die über die 20 Regionen hinausgeht. Diese weicht aber nur geringfügig vom City-20- und dem City-10-Index ab. Das landesweite Minus im Jahresvergleich lag bei -8,9%, der City-20 bei -9,4%, der City-10 bei minus 8,5%.

Home Prices Show Sustained Improvement through the Third Quarter of 2009 According to the S&P/Case-Shiller Home Price Indices(PDF)

US-BIP Q03/09 (beta): +2,8 (nach +3,5)

Heute ist Tag der BIP Zahlen ...

Auch in den USA gab es die 2. Schätzung (die eigentlich die erste richtige ist, die erste gilt offiziell als Vorabschätzung) der Wirtschaftsleistung im 2. Quartal. Nachdem die Vorabschätzung mit 3,5% Plus kam, wurden jetzt nur noch 2,8% Plus errechnet. Damit hatten die USA und Deutschland ein ähnliches Wachstum zu verzeichnen.

Weiterhin kommt ein großer Teil (1,45 Prozentpunkte) aus den Automobilverkäufen (Abwrackprämie à la Cash for Clunkers). Auffällig auch, dass der Preisdeflator gesenkt wurde (von 1,6% auf 1,4%). Das vergrößert im Gegenzug das BIP-Plus.

Leider ist das vollständige PDF auf der Website noch nicht verlinkt, dort liegt noch die Version von der Vorabschätzung. Darin könnte man mehr über die Unterschiede zwischen Vorab- und zweiter Schätzung finden, was durchaus interessant sein könnte, denn die Korrektur ist doch relativ groß. Wenn ich darin heute Abend noch was finde (oder ihr ...), reiche ich das nach.

Von der Quelle:

BEA.gov: GROSS DOMESTIC PRODUCT: THIRD QUARTER 2009 (SECOND ESTIMATE)

D-BIP Q03/09 (beta): +0,7%

Die zweite Schätzung für das BIP in Deutschland im 3. Quartal kam heute mit einem Plus von 0,7% gegenüber dem Vorquartal und bestätigte damit die erste Veröffentlichung (D-BIP Q03/09: +0,7%). Gegenüber dem Vorjahr bleibt das Minus mit 4,7% weiterhin ziemlich groß, es sieht allerdings weniger schlimm aus als noch in den ersten beiden Quartalen (-6,4 bzw. -7,0%) zuvor.

In den Details zeigen sich ein paar kleinere Überraschungen. Der private Konsum, der noch im 2. Quartal die Wirtschaftsleistung stabilisierte, lieferte im 3. Quartal einen negativen Wachstumsbeitrag, was wohl vor allem dem Auslaufen der Abwrackprämie geschuldet ist. Wobei der Topf für die Abwrackprämie erst im Laufe des Quartals leer wurde, das 4. Quartal wird also das erste ganz ohne Abwrackprämie und dürfte daher wohl noch schwächer werden.

Auch gingen 1,5% des Plus (also mehr als das Gesamtplus) allein auf den Lageraufbau zurück. Ein Effekt, der nicht nachhaltig ist, weil man die Lager nicht beliebig aufstocken kann bzw. will. Die These, dass die aktuelle Aufwärtsbewegung (noch?) nicht mehr ist, als das berühmte Pendel, das nun wieder etwas zurückkommt, scheint nicht ganz unplausibel zu sein.

FTD: Schwacher Konsum bremst Erholung der Wirtschaft

oder direkt von der Quelle:

Destasis: Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 3. Quartal 2009 

Update (14:19)

Damit es nicht zu pessimistisch wird: Es bleibt trotzdem beim größten Plus seit 6 Quartalen.

Zahl des Tages (23.11.09): 6.100.000

Die Immowette läuft, deshalb muss ich die Zahl auch noch bringen, selbst wenn sie niemandem entgangen sein dürfte, weil sie die Wall Street heute auf ein neues Jahreshoch gehievt hat ...

Die Umsätze von existierenden Immobilien sind im Oktober um

10,1%

gegenüber dem Vormonat oder 23,5% gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen und liegen jetzt wieder bei annualisiert

6.100.000 (6,1 Millionen) pro Jahr.

Damit setzt sich der Aufwärtstrend weiter fort. Wenn Barry Ritholtz die Zuwächse zum Vorjahr "unimpressive" findet, muss ich widersprechen. Der Wert vom Oktober liegt deutlich näher an den Werten von 2005 und 2006 als an den Werten von 2007 und 2008. Auch der Lagerbestand in Monaten, die Zahl die ich für die wichtigste halte, hat sich weiter verbessert. Mit nur noch

7,0 Monaten

(Vormonat 8,0) ist der Wert jetzt wieder in der Normalzone angekommen.

OK, die Aufwärtsbewegung findet weiterhin vor allem am unteren Ende bei den ganz preiswerten Immobilien statt, wo auch der Steuervorteil von 8.000 Dollar besonders stark zu Buche schlägt. Und ja, das Schattenlager kommt noch dazu.

Trotzdem gewinne ich die Wette ;-)

The Big Picture: Existing Home Sales (SA) Surge on Cheap Condos

oder direkt von der (wenig objektiven) Quelle:

NAR: Existing-Home Sales Record Another Big Gain, Inventories Continue to Shrink




Diese und mehr Grafiken hier:
Calculated Risk: Existing Home Sales Graphs

What should Google do? And what should *we* do?

Sorry für die Off-Topic Unterbrechung ...

Die meisten werden es mitbekommen haben: Rubert Murdoch (Wall Street Journal, Times, etc. pp.) plant Gerüchten zufolge eine Allianz mit Microsoft. Und zwar möchte Murdoch Google von der Indizierung der eigenen Inhalte ausschließen, im Gegenzug das selbe aber der Suchmaschine Bing von Microsoft erlauben - natürlich gegen einen Haufen Geld. Damit möchte sich Murdoch einen neuen Finanzierungsweg eröffnen. Microsoft hingegen käme eine Schwächung von Google sehr zugegen. Und eine Schwächung von Google wäre es auf jeden Fall, denn bisher geht man zu Google, weil man dort alles und zwar am besten findet (und natürlich zum Teil auch aus Gewohnheit). Hört sich für beide -erstmal- wie eine klassische Win-Win-Situation an.

Auf der anderen Seite bekommt z.B. das Wall Street Journal geschätzte 30% des Traffics direkt über Google. Murdoch sagt natürlich, dass er auf diesen Traffic verzichten kann, weil der eh kein Geld einbringt. Aber der kann mir erzählen was er will: Er wird das trotzdem merken. Insgeheim will Murdoch sowieso am liebsten Geld von beiden: Microsoft UND Google. Allerdings kann eigentlich keiner von beiden wollen, dass sie diese Büchse der Pandora öffnen und demnächst für alle Inhalte Geld bezahlen müssen.

Murdoch wird auch sehen, dass er nicht soooo viel eigenen, tollen Content hat. Heute schickt Google viele Leute auf das WSJ, obwohl es die Nachricht bei Yahoo, Bloomberg, etc. auch gibt.

Was würdet ihr, mal angenommen ihr wäret Googler, machen? Mitbieten? Ignorieren und hoffen, dass Murdoch vor die Wand fährt und Leser und Geld verliert und Microsoft zwar ein paar Nutzer gewinnt, diese aber auch kein Geld bringen?

Ganz nebenbei: Sollte das restliche Internet auch darauf reagieren? Sollten Blogger und andere Leute, die heute für die wertvollen Links zum WSJ sorgen, nicht vielleicht auch einfach Angebote boykottieren, die auf derartige Paywalls setzen? Wobei eine Aussperrung des Google Suchroboters dem normalen Nutzer ja nur indirekt schmerzen würde, ich diese aber eigentlich für fragwürdiger halte als eine für alle gleiche Sperrung bzw. Öffnung der Angebote.

Spiegel: Murdoch droht Debakel bei Google-Boykott

Zahl des Tages (22.11.09): -42,9%

Das wird jetzt, zumindest für's Erste, eine Zahl, die ich jeden Monat wieder auf's Neue auf den Thron heben kann ... (vergleiche Zahl des Tages (20.10.09): -41%).

Am Freitag gab es neue Zahlen zur Preisentwicklung bei Gewerbeimmobilien in den USA. Im September sanken die Preise gegenüber dem Vormonat um 3,9%. Damit beträgt das Gesamtminus vom Hoch im Oktober 2007 nun beeindruckende

42,9%.

Ein Ende scheint noch nicht in Sicht. Weder gibt es staatliche Stützungsmaßnahmen, noch nimmt das Tempo des Preisverfalls ab. Zwar ist der Gewerbeimmobilienmarkt um einiges kleiner als der Markt für privaten Immobilien, aber bei fast 43% Preisrückgang ist auch ein Markt, der "nur" einige Billionen schwer ist, ziemlich wichtig ...

Calculated Risk: Moody's: CRE Prices Off 43% from Peak

Erhoben werden die Zahlen von Moody's und dem MIT. Die Methodik ist die gleiche wie beim Case-Shiller-Index, den es aber nicht für Gewerbeimmobilien gibt. Bei beiden Indizes werden wiederholte Verkäufe protokolliert. Man schaut also nicht nur, welche Immobilien verkauft wurden, sondern man berücksichtigt insbesondere die Preise der letzten, vorletzten, etc. Transaktion. Damit verhindert man, dass die Statistik verfälscht wird, weil sich die Marktzusammensetzung verändert. Wenn also in einer Krise vor allem niedrigpreisige Häuser verkauft werden, kann bei einer anderen Berechnung die Statistik ein zu großer Preisrückgang ausgewiesen werden. Genau die gleiche Verfälschung kann in Boomphasen auftreten, wenn alle teure Immobilien kaufen und eine einfache Statistik einen zu starken Preisanstieg errechnet. Das verhindert man, wenn man immer die gleichen Immobilien miteinander vergleicht. (mehr dazu hier: Moodys/REAL Commercial Property Price Index (CPPI))

Angesichts des massiven Preiseinbruchs muss man geradezu überrascht sein, dass man nicht mehr von Pleite gegangenen Immobilienfonds, platzenden Krediten, etc. liest.

Aber vielleicht läuft das eher unterhalb des Wahrnehmungsradars und führt eher zu Auswirkungen wie diesen:

Handelsblatt: Axa-Immobilienfonds macht erneut dicht

Immobilienfonds weit geschlossen ...

Damit sind jetzt 6 der ehemals 12 geschlossenen offenen Immobilienfonds wieder dicht, nachdem 2 der 8 zwischenzeitlich wieder geöffneten Fonds wieder geschlossen wurden. Die anderen 4 haben erst gar nicht versucht, sich wieder zu öffnen ...

Zahl des Tages (21.11.09): 148

Samstag, das Übliche. Wobei nur eine einzige Bank und dazu noch eine kleine nicht mehr als normal gelten kann ...

US-Bankenpleite Nr. 148

Name: Commerce Bank of Southwest Florida,
Sitz: Fort Myers, Florida,
Assets: 80 Millionen Dollar,
Käufer: Central Bank, Stillwater, Minnesota
Schaden für die FDIC: 24 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 183 (gelb).
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 46 (rot).

FDIC: Central Bank, Stillwater, Minnesota, Assumes All of the Deposits of Commerce Bank of Southwest Florida, Fort Myers, Florida

Musik zum Wochenende: Talk Talk

Ich wollte eigentlich nur einen Song verlinken, aber wie so häufig lieferte mir die große Assoziationsmaschine direkt einen Haufen weiterer Videos, darunter dieses absolut brilliante Konzert von Talk Talk.

In Teil 8 "Such a Shame":



Am Anfang von Teil 7 das Ende von "It's my life", das auch Jüngere als mehr oder weniger grauenhafte Coverversion kennen (wobei der Song so gut ist, dass man den gar nicht wirklich schlecht machen kann):



Am Anfang von Teil 6 das Ende von "Living in another world":



Und weil das der Song war, den ich suchte, verlinke ich den auch nochmal in der Albumversion:



Die Mundharmonika rockt in dem Stück, etwas was dieses Instrument ziemlich selten macht ...

Mir fällt gerade auf, dass der November mit tambourinelastiger Musik gefüllt wird ... (siehe Musik zum Wochenende: Mazzy Star)

Die späteren Sachen von Talk Talk (Spirit of Eden) oder die eine (? gibt es mehr als eine) Platte von Mark Hollis solo sind zwar noch "novemberiger", sprich viel akustischer und jazziger und nicht einmal ansatzweise massenkompatibel.

Talk Talk: The Rainbow von Spirit of Eden" (hat 24 Bewertungen bei Amazon, davon 24 mal 5 Punkte! (das dürfte auch selten sein)):



Mark Hollis: Inside Looking Out



In den Kommentaren bei Youtube ist mir aufgefallen, dass mehr als einmal ein Vergleich zu Radiohead gezogen wird. Durchaus passend finde ich!

Wie immer der Affiliate Link zu Amazon:

Talk Talk bei Amazon

Das Konzert gibt es auch als DVD (Talk Talk - Live at Montreux 1986), die erste Best-Of mit den nicht geremasterten Versionen kostet gebraucht 0,01 (+3 Euro Porto): Natural History-Very Best of.. Das ist drin, oder?

Wem Talk Talk nicht gefällt und den Blues bevorzugt, der kann sich hier sein Do-it-Yourself Blues Starter Kit zusammenbauen ;-) :

The Big Picture: HOW TO SING THE BLUES … by Stretch Melon Clinton

Zahl des Tages (20.11.09): -0,00%

Eine Zahl des Tages ohne einen genauen Wert ist natürlich irgendwie doof, aber dieser Datenpunkt ist dann doch zu außergewöhnlich, um ihn auszulassen ...

In den USA sind gestern die Renditen von US-T-Bills mit Laufzeit bis zum Januar in den negativen Bereich gerutscht, den ich jetzt einfach mal mit

-0,00%

kennzeichne. 3-Monats-T-Bills bringen aktuell 0,01%(!) Zinsen und 6-Monats-T-Bills 0,13%. Letzteres ist der niedrigste Wert aller Zeiten, niedriger als zum Höhepunkt der Krise.

Negative Renditen machen natürlich gar keinen Sinn: Ich lege Geld fest und bekomme am Ende garantiert (wenn auch nur minimal) weniger zurück. Ich verzichte im Vergleich zum Bargeld auf Liquidität und bekomme als Belohnung weniger Geld. Häh?

Beobachter führen den Effekt auf "Window Dressing" (Fenster schmücken) zurück. Die Banken möchten zum Jahresende Bilanzen präsentieren, die so solide wie möglich aussehen. Einen Parameter, bei dem kurzfristige Staatsanleihen besser aussehen als Bargeld, kenne ich allerdings nicht (und dann wäre die Begründung unlogisch).

Ich könnte mir eine andere Ursache vorstellen: Die Banken wollen ihr Bargeld verstecken. Sie wollen nicht, dass man bei einer Analyse der Bilanz zur Erkenntnis kommen kann, dass die Banken in Liquidität schwimmen, die ihnen von den Notenbanken zur Verfügung gestellt wird. Das Problem: Die Banken bekommen das Geld, um es in die Wirtschaft weiterzuverleihen. Denn das ist die volkswirtschaftliche Aufgabe des Bankensektors und dieser Aufgabe werden die Banken aktuell kaum gerecht. Auf der einen Seite schimmen die Banken im Geld, auf der anderen Seite stöhnt die Realwirtschaft über eine Kreditklemme (und die Politiker schauen dämlich zu).

Es gibt auch andere Erklärungsversuche, die teilweise schon zum Höhepunkt der Krise geliefert wurden, als es schonmal negative Renditen am ganz kurzen Ende gab. Diese fan ich aber damals schon unlogisch (oder habe sie vielleicht auch nicht verstanden), deshalb habe ich mir jetzt einfach mal eine eigene Theorie ausgedacht :-)

FT.com: Short-term US interest rates turn negative 

gefunden über
FT Alphaville: Short-term US rates turn negative

Eines kann unabhängig von allen richtigen oder falschen Erklärungsversuchen als gesichert gelten: Normal ist die Lage an den Finanzmärkten noch lange nicht.

Zahl des Tages (19.11.09): 14,41%

Ich hatte eigentlich schon ein andere Zahl des Tages vorbereitet, aber die ist so unbeobachtet an der "Konkurrenz" vorbeigeflogen, dass ich die auch noch für's Wochenende aufsparen kann :-)

Heute gab es mal wieder neue Zahlen über die schlechten Hypotheken in den USA. (Ich hatte am Dienstag fast schon vor, die Zahl einer einzelnen Bank zu nehmen, aber habe kurz vorher noch mitbekommen, dass es heute die gesammelten Zahlen von allen Hypothekenbanken gibt).

Natürlich gibt es hier einen neuen Negativrekord zu vermelden:

Ende des dritten Quartals 2009 wurden (nicht saisonbereinigt) 9,94% der Hypotheken nicht mehr pünktlich bedient. Das waren 1,08 Prozentpunkte mehr als im Vorquartal. Wer jetzt meint, huch, jede 10. Hypothek nicht mehr bedient, das ist ja viel, unterschätzt die Krise. Denn zu den 9,94% kommen noch einmal 4,47% Hypotheken, die aktuell in der "Foreclosure" (vergleichbar Zwangsvollstreckung) stecken. Das macht insgesamt

14,41%,

die nicht mehr pünktlich (oder gar nicht mehr) bedient werden. Das ist also mehr als eine von sieben Hypotheken.

Natürlich sind eine Menge Hypotheken dabei, die schon seit einiger Zeit in diesem Haufen stecken. Allerdings reduziert sich die Rate der neu dazukommenden Hypotheken auch nicht. 1,42% aller Hypotheken wurden im 3. Quartal dem Haufen hinzugefügt, im Vorquartal waren es noch 1,36%, im Vorjahresquartal 1,07%.

Der Berg ist also nicht nur deshalb so groß, weil die letzten Quartale so schlecht waren, der Berg wird auch noch immer höher und zwar (noch?) mit einer zunehmenden Geschwindigkeit.

Das liegt auch an der Zusammensetzung, die ich in einem älteren Posting schonmal auseinandergenommen habe (Zahl des Tages (21.08.09): 13,16%). Es sind nämlich insbesondere die Prime Hypotheken, bei denen die Ausfälle stärker zunehmen (1,14% vs. 1,01% Neuzugänge), während bei den Subprime die Neuankömmlinge 3,76% nach 4,13% ausmachten, also leicht gesunken sind.

Meine Immowette gewinne ich trotzdem ;-)

Marketwatch: Delinquencies, foreclosures break record

oder direkt von der Quelle:

MBA: Delinquencies Continue to Climb in Latest MBA National Delinquency Survey

Update (20.11.09):

Calculated Risk hat wie immer eine etwas tiefere Analyse und außerdem die Zahlen schön in einem Chart zusammengefasst:

Calculated Risk: MBA Forecasts Foreclosures to Peak in 2011

Das Hoch bei den Hypothekenausfällen soll also frühestens in einem Jahr erreicht werden. Ein kräftiger Aufschwung der Immobilienpreise ist vorher eigentlich nicht vorstellbar. Für mich ist allerdings auch kein kräftiger Abschwung mehr vorstellbar, sonst hätte ich ja nicht gewettet.

Update 2 (20.11.09):

Eine wunderschöne Grafik, die sehr sauber belegt, wie stark der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Hypothekenausfall ist:

Calculated Risk: States: Seriously Delinquent Mortgages vs. Unemployment Rate

Bis auf zwei Staaten eine fast perfekte Regesssion ...

Macht es Sinn, ein "Blog-Wort des Jahres" zu wählen?

Sollen wir ein Blog-Wort des Jahres wählen? Wer auch immer wir ist.

Jede Interessensvertretung wählt heutzutage ein Wort des Jahres, vergibt die Zitrone des Jahres, etc. Warum soll da die Blogosphäre nicht auch mitmachen?

Das Wort sollte sich natürlich um das Internet, Blogs, die Menschen darin, Aktionen, die daraus entstanden sind, etc. drehen.

Drei Vorschläge hätte ich auch:

a) Internetausdrucker
b) Zensursula (nicht zuletzt einer der Begriffe, an der sich eine 2-Prozent-Partei hochgezogen hat)
c) undallesoyeah (So sinnfrei wie der Wahlkampf, hat's aber immerhin bis in die Tagesthemen geschafft)

Ich hätte jetzt eigentlich auch noch was aus dem Bereich Finanzen, aber da fällt mir kein Begriff ein, der *als Begriff* den ganzen Wahnsinn auf den Punkt bringen würde. Ein Stresstest, der ja kein Stresstest war, wäre so ein Kandidat. Spiegelt den Wahnsinn gut wider, aber eben nicht im Begriff allein. Aber das Blog-Wort des Jahres muss ja nicht aus dem Bereich Finanzen kommen.

Weiteres Problem: Mit meinen 200 Lesern kann ich natürlich nix reissen. Da müssten die Basics, Lobos, Knüwers, Häusslers, DonAlphonsos (der ist  wahrscheinlich der einzige, der hier manchmal reinschaut, aber findet die Idee garantiert doof), etc. der Welt schon mitmachen.

Kennt die jemand?
Kommt man über Tweets an die Herren heran?

Update (23:33)

matsch schlägt Bonus-Auszahlung (oder ähnliches) vor
Pat "das Licht am Ende des Tunnels"
und ein Anonymer: "gleichgeschaltete Systemmedien"

Allerdings ist das (Haupt-)Problem der mangelnden Öffentlichkeit noch nicht gelöst ...

TV Tipp: 20:15 Eins Extra: Der große Crash

Das könnte den ein oder anderen von Euch interessieren. Es geht um 1929-1932, also das was man Weltwirtschaftskrise nennt. Und hoffentlich nicht bald die erste Weltwirtschaftskrise ...

EinsExtra, 19.11.2009, 20.15 - 21.00 (45 min.)

Der große Crash - Die Wirtschaftskrise 1929 in Deutschland

Wenn es eine Wiederholung sein sollte und jemand die Sendung schonmal gesehen hat und die empfehlen oder davon abraten kann ---> Kommentar hinterlassen.

US-Hausbaubeginne 10/09: -10,6%

Noch ein Blick auf den US-Immobilienmarkt spät am Abend, auch weil er die Zahl des Tages quasi unterstreicht (Zahl des Tages (17.11.09): 17,2). Die Stimmung bei den (potenziellen) Bauherren ist nicht gut.

Im Oktober sind die Neubaubeginne auf annualisiert 529.000 gefallen. Damit nähert sich die Zahl nicht weiter der Normalzone, sondern wieder der Desasterzone.

Zumindest ist das die gängige Interpretation. Ich hingegen bin davon überzeugt, dass weniger Neubaubeginne gut für den Immobilienmarkt sind. Jede Reduzierung auf der Angebotsseite tut dem angeschlagenen Immobilienmarkt gut.

Für das BIP ist die sinkende Bauleistung natürlich nicht gut ...

Calculated Risk: Housing Starts Decline Sharply in October

Zahl des Tags (18.11.09): 9,71%

Die fallende Kreditqualität der Schuldner ist in diesem Blog schon lange ein Thema (u.a. Zahl des Tages (13.4.09): 6). Auch habe ich mir schon ein paar Mal Gedanken gemacht, was das für die Aktienbewertungen bedeutet:
Damit haben die Bilanzen in nur gut 20 Jahren eine beeindruckende Kehrtwende gemacht: Ausgehend von intransparenten Bilanzen, in denen hohe stille Reserven schlummerten, kam es im Rahmen einer Transparenzinitiative zum Heben der stillen Reserven, was dann so weit getrieben wurde, dass die Bilanzen jetzt so ausgehöhlt sind, dass wir jetzt wieder intransparente Bilanzen haben, nur dass jetzt Verluste versteckt werden.
(Zahl des Tages (04.09.09): 10,2%)

Das will ich daher nicht alles wiederholen. Noch einmal eine Zahl des Tages in diesem Zusammenhang zu bringen, kann allerdings nicht schaden.

Gestern gab es neue Zahlen von Standard & Poors zur Qualität der Schuldner und vor allem der Ausfälle. Danach sind bis zum Karnevalsbeginn (11.11) weltweit

243

Schuldner mit Anleihen im Gesamtwert von

573.000.000.000 (573 Milliarden) Dollar

ausgefallen. Zum Vergleich: 2008 gingen nur 126 Gläubiger Schuldner Pleite, allerdings größere, denn das Gesamtwolumen betrug 433 Milliarden.

Auf alle Gläubiger Schuldner von Nicht-Investment-Qualität gerechnet betrug die Ausfallrate im Oktober

9,71% (Vormont 9,59%, Tief 0,79% Herbst 2007)

Es ist also in den letzten 12 Monaten fast jeder 10. Anleihenemittent mit Junk Qualität auch wirklich ausgefallen.

(Es fielen übrigens garantiert auch wieder ein paar Gläubiger Schuldner aus, die S&P vorher noch auf Investmentqualität hatte. Beim letzten Mal waren 87% von S&P vorher als Junk geratet. Immerhin 13% hatten also vorher offiziell (fehlerhafterweise) Investmentqualität und fielen trotzdem aus. S&P betont die Zahl nachvollziehbarerweise nicht besonders ...)

Das Geld ist natürlich nicht weg, einen Teil werden die Schuldner Gläubiger im Normalfall noch eintreiben können, in den meisten Fällen wohl durch eine Umschuldung mit teilweisem Forderungsverzicht.

Es zeichnet für die nächsten Monate sich eine leichte Besserung ab. Die Anzahl der "Weakest Links", der am stärksten gefährdeten Schuldner mit Ratings von B- oder schlechter, ist vom Hoch bei 300 im April auf 251 gesunken. Allerdings geht der überwiegende Anteil des Rückgang auf die ausgefallenen Schuldner zurück.

Aber immerhin: Es kommen nicht unendlich viele weitere neue Schuldner von schlechter Qualität hinzu. Der Berg wird langsam abgetragen ... S&P erwartet in einem Jahr daher "nur" noch eine Ausfallrate von 6,9%. Immerhin etwas ...

S&P: Global Corporate Default Rate Rises To 9.71% In October 2009, Article Says

Update (19.11.09):

Dank an Scooby, der mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass direkt mehrmals Gläubiger und Schuldner vertauscht war ...

Zahl des Tages (17.11.09): 17,2

Mal wieder ein kurzer Blick auf eine Zahl vom US-Immobilienmarkt, die eigentlich nicht so wichtig ist, aber ein derart langes Verharren auf historischen Tiefs hat dann doch wieder eine Aussagekraft.

Der heutige Index für das Verbrauchervertrauen von potenziellen Hausbauern kam nur mit nur

17,2 Punkten

und verharrte damit auf den gleichen niedrigen Niveaus wie in den letzten Monaten.

Spannend wird der Wert, weil die erwartete Erholung mal wieder ausgeblieben ist. Vom Vormonatswert 18 aus sollte es eigentlich auf 20 nach oben gehen. Dann gab es aber ein Minus (das am Ende gar keins war, weil der Vormonat auch auf 17,2 nach unten korrigiert wurde).

Man muss aber anmerken, dass die Zahl verfälscht sein könnte, da zum Zeitpunkt der Umfrage die Verlängerung der Steuergutschrift von 8.000 Dollar für Erstkäufer von Immobilien noch nicht beschlossen war (Zur Steuergutschrift UTS #6: Boden am US-Immobilienmarkt durch Erstkäufer?).
Der Wert könnte sich also dann im nächsten Monat dann endlich doch nach oben bewegen. Warten wir's ab ...

The Big Picture: Nov NAHB survey but includes tax credit uncertainty

Update (23:34)

Hier ein paar Grafiken:
Calculated Risk: NAHB: Builder Confidence Flat in November

Immobilienfonds weit geschlossen ...

Sorry Stanley Kubrick ...

Das Thema Schließung von offenen Immobilienfonds war im letzten Herbst hier schon Thema (Noch zwei (und noch zwei (und noch zwei)) Immo-Fonds dicht). Die Wiedereröffnung der meisten Fonds habe ich dann nur noch teilweise gebracht (Zahl des Tages (03.02.09): (12-02=) 10). Zum Glück war das genau der, um den es heute geht ...

Der offene Immobilienfonds Degi International muss nämlich nach der Wiederöffnung Anfang Februar heute wieder schließen, weil die Abflüsse zu hoch waren.

Richtig kräftig wurden die Abflüsse als der (ebenfalls geschlossene) Konkurrent P2 Value eine Abwertung um gut 10% vornehmen musste. Da die Degi keinen starken Vertriebspartner hat, konnte der Neuverkauf die Abflüsse nicht aufwiegen. Und schnell Immobilien zu Geld machen, ist halt nicht so einfach ... Das Grundproblem von offenen Immobilienfonds: kurzfristige Anleger, die in langfristige, illiquide Anlagen investieren. Im Normalfall geht das gut, aber wenn zu viel Zuflüsse oder vor allem Abflüsse da sind, dann halt nicht ....

Handelsblatt: Milliarden-Fonds geschlossen


ThyssenKrupp verkauft mehr Schrott

Ha, Aktion clevere Überschrift ;-)

Es geht nämlich nicht um Schrott, also Eisen und Stahl, sondern um Schrottanleihen. Heute hat Standard & Poors die Anleihen von ThyssenKrupp von BBB- (der letzten Stufe mit Investmentqualität) um eine Stufe auf BB+ herabgestuft. Der Ausblick bleibt auf stabil, man muss also für's Erste nicht mit einer weiteren Herabstufung rechnen.

Auslöser ist der kräftige Vorsteuerverlust von 2,4 Mrd. Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr und die Aussichten, die nicht so dolle sind. Zwar ist der Abwärtstrend gestoppt, aber ein Aufwärtstrend käme ThyssenKrupp jetzt ganz gelegen.

ThyssenKrupp betont, dass die Liquidität und Kreditlinien im Gesamtvolumen von 9,8 Milliarden Euro gesichert seien und keine kurzfristigen Probleme drohen. Bei der nächsten Refinzierung muss ThyssenKrupp (sofern sich das Rating bis dahin nicht wieder verbessert) aber mit höheren Zinsen rechnen. In einer so kapitalintensiven Branche wie dem Stahl ist das nicht ganz unwichtig ...

Spiegel: Rating-Agentur stuft ThyssenKrupp auf Ramsch-Status herab

买黄金!

Es ist IMHO eine der Nachrichten, die am meisten unterschätzt werden: Die Änderung der Einschätzung des Golds durch die Chinesen.

Bis 2003 war der private Besitz von Gold in China komplett verboten. Nur die Goldproduzenten und -verbraucher (Elektronik-Industrie) und die Notenbank durften Gold besitzen.

Jetzt hingegen berichtet das Staatsfernsehen über Gold und Silber und informiert die Chinesen von der Vorzügen eines Investments in Edelmetallen. China wirbt also quasi für den Erwerb von Edelmetallen.

Eine komplette Kehrtwende in 6 Jahren!

Dass die Chinesen in den letzten Jahren verstärkt auf Rohstoffe setzen (vor allem in Afrika) ist ja hinreichend bekannt. Daher ist es natürlich konsequent, wenn nicht nur die chinesischen Firmen, der Staatsfonds und die Notenbank verstärkt in Rohstoffe investieren, sondern auch der normale Bürger mit ins Boot geholt wird. Immerhin liegt die Sparquote in China extrem hoch (40%). Die Chinesen haben also richtig viel Geld und wenn die erst mal anfangen, Gold zu kaufen, geht der Preis durch die Decke.

Ich würde diese Idee noch weiter denken. Die Chinesen haben schon vor einiger Zeit die Dollarfalle erkannt, in die sie getappt sind. China hat daher ein großes Interesse, seine Abhängigkeit vom Dollar zu verringern. Dazu wird einmal die Schiene über den IWF und die Sonderziehungsrechte gefahren (Zahl des Tages (03.09.09): 50.000.000.000) und andererseits die Rohstoffschiene. Dabei sind die Edelmetalle nur ein Teil der Rohstoffschiene, die Chinesen kaufen auch rund um die Welt Rohstoffreserven auf: in Afrika, in Australien, in Südamerika und sogar direkt vor der Haustüre der USA im Golf von Mexiko.

IMHO haben die Chinesen einen klaren Plan: Sie legen sich jetzt Rohstoffvorräte in ungeahnten Volumina an. Damit und über die Sonderziehungsrechte des IWF senken sie ihre Abhängkeit vom Dollar (Die SZR sind ja an einen Währungskorb gebunden, in dem der Dollar nur 44% beträgt). Sinkt der Dollaranteil weit genug (man kann die Rohstoffe als Hedge gegen den Dollar verstehen), werden die Chinesen versuchen, eine neue Weltwährung zu etablieren, am wahrscheinlichsten auf Basis der Sonderziehungsrechte des IWF. Unter Umständen (aber nicht sicher) wird ein Teil Gold (oder vielleicht sogar Öl, ist schließlich der wichtigste Rohstoff der Welt) dazugemischt. Das ist klarerweise keine Entwicklung, die sich über 2, 3 oder 5 Jahre vollziehen wird, sondern eher über 2 Jahrzehnte. Zumindest in normalen Zeiten, wobei sich die Entwicklung durch eine drohende Überschuldung der USA auch stark beschleunigen könnte.

Ein anderer Grund, warum Gold trotz des Kursanstiegs spannend ist: Peak Gold. Im Zusammenhang mit Öl ist der Begriff schon bekannt, weniger bekannt, dass auch die Goldförderung höchstwahrscheinlich den Höhepunkt schon überschritten hat. Man soll das nicht überbewerten, denn die Nachfrage nach Gold ist schon seit Jahren höher als die Förderung. Gedeckt wird die Lücke durch Verkäufe der Notenbanken. Wichtig aber sich zu merken, dass auch bei vielen neuen Minen die Förderung nicht mehr signifikant steigen wird: Es werden einfach gleichzeitig zu viele alte Minen - vor allem in Südafrika - geschlossen.
Das ist alles nicht Neues, aber Peak Gold ist ein guter Aufhänger, unter dem die Massenmedien einen neuen Goldhype starten könnten. Sollte Inflation wieder ein Thema werden, halte ich einen solchen Hype für sehr wahrscheinlich. Schließlich ist der Frick jetzt Goldexperte.

Ein anderers Indiz: Der größte Goldförderer Barrick schließt seine Vorabverkäufe von Gold. Barrick hat etwa 3 Jahre seiner Goldförderung im Voraus verkauft. Solche Vorabverkäufe nutzen Goldförderer als Finanzierungsquelle, weil das Geld ja bereits heute fließt. Wenn Barrick das jetzt ändert, kann das zwei Gründe haben: a) Barrick braucht diese Finanzierung nicht mehr und/oder b) Barrick rechnet mit steigenden Goldpreisen und kauft daher lieber heute zu 1.100 Dollar die Kaufoptionen zurück und verkauft das echte Gold in zwei Jahren zu 1.500.

Telegraph: Barrick shuts hedge book as world gold supply runs out

Nachvollziehbarerweise machen die Chinesen ihre Pläne nicht öffentlich. Auch die Goldvorräte werden nicht sauber veröffentlicht. Zwar gibt es eine monatliche Statistik, aber diese ist nicht sehr aufschlussreich: Bis zum März hatte die chinesische Notenbank monatelang unverändert 19,29 Millionen Feinunzen Gold, im April plötzlich 33,89 Millionen. Seitdem ist der Wert wieder unverändert. Es kann aber als sicher gelten, dass die Goldreserven Chinas steigen.


People's Bank of China: Gold & Foreign Exchange Reserves

Hmm, eigentlich wollte ich nur über die Änderung der chinesischen Einstellung zum Gold schreiben, jetzt ist es doch eher ein Rundumschlag zum Thema Gold geworden.
Und ach so: Die Überschrift heisst: Kauft Gold! (auch wenn Google Translate das schon leicht anders zurück übersetzt).

Update (18:26)

Eine sehr positive Einschätzung zum Gold von Marc Faber, der sich vorstellen kann, dass Gold nie mehr unter 1.000 Dollar je Unze fallen wird. Mich machen solche Einschätzungen aber immer skeptisch, weil mir das zu viel Optimismus enthält.

Die Videos:





Und wem Videos zu zweitaufwändig sind, hier eine sehr schöne Abschrift der wichtigsten Aussagen von Marc Faber:

Marc Faber: "I don’t think that you’ll see gold below $1,000 per ounce probably ever"

Zahl des Tages (16.11.09): 580.000.000.000

Heute mal wieder in die Schublade mit den richtig großen Zahlen grabbeln ...

AlphaValue hat eine Studie über die Pensionszusagen bei 430 europäischen Firmen durchgeführt. Danach haben die europäischen Firmen eine Unterdeckung in den Pensionszusagen von 300 Mrd. Euro zusätzlich zu den 280 Mrd., die in den Bilanzen für jeden ersichtlich sind. Insgesamt geht es also um

580.000.000.000 (580 Milliarden) Euro.

Das entspricht 9% der Marktkapitalisierung der Unternehmen.

Leider kommt man nicht an die Details der Studie. Daher kann ich auch nicht beurteilen, ob die Überschrift des Guardian stimmt, die von "Britain" redet, oder der Text, der mehrmals von europäischen Firmen spricht.
Auch kann man leider nicht erfahren, ob die zusätzliche Lücke, die AlphaValue errechnet hat, vor oder nach den Änderungen der Annahmen zur Berechnung der Pensionen gilt. Die Unternehmen haben nämlich daran gedreht: Es wurde sowohl die Erwartung für das Lohnwachstum in der Zukunft gesenkt (von 3,7% auf 3,6%) wie auch die Renditeprognose erhöht (von 5,38 auf 5,57%). Aber ich schätze mal, dass die Lücke von AlphaValue genau diese Änderung wieder herausgerechnet hat.
  
Falls die Studie jemand greifbar hat ... Oder einen anderen, detaillierteren Artikel darüber findet ... Bitte her damit!

Telegraph: Pension deficits in Britain underestimated by £268bn
siehe dazu auch:

Zahl des Tages (12.10.09): 1.000.000.000.000

Krise kostete US-Pensionsfonds 2000 Milliarden Dollar...

Japan-BIP Q03/09: +4,8%

Das ist natürlich ein annualisierter (sprich auf's Jahr hochgerechneter) Wert, trotzdem ist das Plus kräftig und das höchste seit Jahren. In der europäischen Berechnungsweise (gegenüber dem Vorquartal, nicht annualisiert) beträgt das Plus 1,2% und liegt deutlich über dem deutschen Plus (0,7%) oder dem europäischen (0,5%).

Das Plus lag auch deutlich über den Erwartungen, die bei nur etwa der Hälfte lagen. Ebenfalls überraschend: Der private Konsum leistete einen wichtigen Wachstumsbeitrag. Wie in Deutschland auch, zeigt sich der japanische Verbraucher überraschend unbeeindruckt von der tiefen Krise. Ich habe allerdings Zweifel, dass das so bleibt. Die bereits wieder abschwächenden Indikatoren für das Verbrauchervertrauen signalisieren nichts Gutes ...

Spiegel: Japans Wirtschaft wächst wie seit Jahren nicht

Handelsblatt: Japanische Wirtschaft deutlich im Plus

Noch ein Lesetipp zum K1-Hedgefonds

War wohl alles gar nicht so schwierig festuzustellen, dass der Fonds vor allem ein großes Lügengebäude war.

Ein private Wirtschaftsdetektei hat bereits nach kurzer Zeit massivste Zweifel an K1 angemeldet. Die Firmenstruktur war nicht schlüssig (mehrere Firmensitze, unglaublich komplexe Verschachtelung), die 75 Zielfonds, in die der Dachfonds investierte, waren nicht auffindbar (nicht ein einziger), und am besten: Nicht einmal den Dachfonds gab es.

Die ganze Story hier:
FTD: Der Mann, der Bernie Madoff übertrumpfte

Zahl des Tages (15.11.09): 15%

Es war tendenziell ein Link, der auch gut und gerne einer unter vielen in einem "Lesetipps zum Wochenende" hätte werden können. Das habe ich am Freitag aber nicht fertig bekommen und da ich sonst nichts Spannendes gefunden habe, hebe ich die Zahl jetzt auf den Thron.

Wenn man von Firmen hört, die große Teile des Handels an der Börse beherrschen, denkt man zuerst an Goldman Sachs, JP Morgan und die anderen Großkopferten der Wall Street. Wenn aber eine Firma namens Getco, von der auch Börseninteressierte noch niemals was gehört haben, satte

15%

des Handelsvolumens an den US-Börsen verursacht, ist das schon einen zweiten Blick wert.

Getco ist ziemlich geheimniskrämerisch. Was nicht gänzlich überrascht, sobald man weiss, dass Getco auf dem Feld des High Frequency Tradings agiert. Dazu habe ich schonmal ein paar Hinweise gegeben: Zahl des Tages (03.10.09): 43.000. Die 43.000 darin ist die Miete für einen Quadratmeter Fläche in einem der Rechenzentren, die die schnellste (sprich kürzeste) Verbindung zu den Rechnern der Börse haben. Denn das Ganze ist so extrem zeitkritisch, dass die Kabellänge entscheidend sein kann. Wer die Information als Erster bekommt, kann als Erster handeln und kann die Order auch als Erster platzieren. So wird versucht, kleinste Ineffizienzen in den Märkten auszunutzen. Insbesondere wenn es mehrere liquide Börsen gibt, an denen ein Papier gehandelt wird, gibt es immer - unter Umständen nur für Bruchteile einer Sekunde - Preisdifferenzen, die man ausnutzen kann. Auch wenn Privatanleger (fast) nur an den offiziellen Börsen handeln, gibt es für die richtig großen Player an der Börse noch eine Reihe rein elektronischer Börsen, an denen auch nur die großen Player große Positionen handeln. Dabei sparen sie vor allem die Börsengebühren.

(Übrigens könnte man hier noch kurz über *die* Geschäftsidee der letzten 20 Jahre sprechen: Gründung einer elektronischen Börse. Dazu stellt man die Technik, besorgt sich 3 oder 4 große Partner mit richtig großen Handelsvolumina, beteiligt diese an der neuen Börse, wickelt die Umsätze über die eigene Börse ab, präsentiert die unglaublichen Wachstumszahlen der Welt, erklärt der renommierten Börse die eigene Börse als riesige Gefahr, bietet sich zum Kauf an und kassiert beim Verkauf Hunderte von Millionen. Die etablierte Börse zieht den Umsatz auf die eigene Börse, will dafür natürlich mehr Gebühren haben und schon kann man wieder eine neue elektronische Börse gründen und die  Geschichte geht von vorne los ...)

Die Gewinne aus dem Bereich High Frequency Trading werden auf

21.000.000.000 (21 Milliarden) Dollar

jährlich geschätzt, einige Trading Firmen setzen über 1.000 Trades pro Sekunde ab. Die NASDAQ hat bestimmten Händlern schon eine bevorzugte Behandlung eingeräumt: Für höhere Gebühren bekommt man schnelleren Zugriff auf das System. Man sieht, dass das Phänomen nicht zu unterschätzen ist.

Der Forbes-Artikel nennt zwar die Probleme, betont den positiven Effekt aber (IMHO zu) stark: Durch die permanente Arbitrage sinkt der Spread (der Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs) und erhöht sich die Liquidität. Es gibt also auch für Normalanleger häufiger Kurse, die sogar besser sind. Auch wenn sich andere dabei eine goldene Nase verdienen, werden nicht zwangsläufig die anderen über den Tisch gezogen.

Zumindest geht so die Theorie. Spätestens wenn Teilnehmer wie Goldman Sachs, die auch Unmengen von Kundenorders abwickeln, beim HFT mitspielen, liegt der Verdacht sehr nahe, dass dort auch die Information über Kundenorders ausgenutzt wird. Denn wenn man weiss, dass gleich eine Kauforder ausgeführt werden soll, kauft man diese Aktie einfach schonmal selber. Dann steigt der Kurs um 1 oder 2 Cent, die Aktie wird wieder in den Handel gestellt und der Kunde kauft die Aktie dann zu diesem leicht höheren Kurs. Wirklich weh tut das dem Kunden nicht, aber wenn die Umsätze hoch genug sind, verdient sich der Broker dabei eine goldene Nase. Risikolos.

Andere Beobachter monieren die unglaubliche Effizienz der Handelssysteme, die beim HFT eingesetzt werden. Immerhin könnten bei einem Handelssystem, das "ausrastet" oder gehackt wird, in kürzester Zeit 100.000 falscher Orders den Markt fluten.

Man hätte dann das Gleiche wie beim Crash 1987. Damals sorgten die ersten Anfänge des computerisierten Börsenhandels dafür, dass bei fallenden Kursen immer weitere Stop-Loss-Limits ausgelöst wurden und weitere Verkaufsorders auf den Markt kamen. Diese Spirale drehte sich dann immer schneller und am Schluss lagen die Kurse 30% unter dem Vortag. So etwas Ähnliches könnte heute drohen, nur dass das theoretisch in wenigen Minuten passieren könnte ...

Forbes: The New Masters of Wall Street

Update (17.11.09):

Olaf von Traders Quest weist mich darauf hin, dass die Handelsbeschränkungen, die für die großen Börsen gelten (max. 30% Minus am Tag, im Laufe des Tages wird bei kleineren Einbrüchen bereits der Handel unterbrochen) auch für die elektronischen Börsen gelten. Es kann also dort nicht zu einem unkontrolliertem Absturz kommen, der weitergeht, auch wenn die normalen Börsen bereits dicht sind. Ob mich allerdings ein Minus von 30% in wenigen Minuten unbeeindruckt lassen würde, bezweifle ich dann doch ...

Zahl des Tages (14.11.09): 147

Samstag, das Übliche:

US-Bankenpleite Nr. 145

Name: Century Bank, Federal Savings Bank,
Sitz: Sarasota, Florida,
Assets: 728 Millionen Dollar,
Käufer: IberiaBank, Lafayette, Louisiana
Schaden für die FDIC: 344 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 23 (rot).
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 67 (rot).

PR-205-2009 IBERIABANK, Lafayette, Louisiana, Assumes All of the Deposits of Century Bank, Federal Savings Bank, Sarasota, Florida

US-Bankenpleite Nr. 146

Name: Orion Bank,
Sitz: Naples, Florida,
Assets: 2,7 Milliarden Dollar,
Käufer: IberiaBank, Lafayette, Louisiana
Schaden für die FDIC: 615 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 130 (gelb).
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 196 (rot).

PR-206-2009 IBERIABANK, Lafayette, Louisiana, Assumes All of the Deposits of Orion Bank, Naples, Florida

US-Bankenpleite Nr. 147

Name: Century Bank, Federal Savings Bank,
Sitz: Sarasota, Florida,
Assets: 134 Millionen Dollar,
Käufer: Sunwest Bank, Tustin, Kalifornien
Schaden für die FDIC: 27 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 156 (rot).

PR-207-2009 Sunwest Bank, Tustin, California, Assumes All of the Deposits of Pacific Coast National Bank, San Clemente, California 

Update (15.11.09):

Zu Orion (Pleite Nr. 146) gibt es noch ein paar interessante Informationen. Die Bank wusste, dass sie zu wenig Eigenkapital hatte und hat sich deshalb quasi selber das Geld zur Kapitalerhöhung gegeben. Dazu hat die Bank Strohmännern einen Kredit eingeräumt, obwohl sie keine Kredite mehr vergeben durfte. Diese Strohmänner haben der Bank dann Schrott abgekauft. Die Erlöse hat die Bank dann genutzt, um die Kapitalerhöhung der Mutter zu finanzieren. Ein Verantwortlicher der Bank hat das auf explizite Nachfrage allerdings abgestritten. Naja, der clevere Plan ist dann aber wohl doch aufgeflogen ...

Calculated Risk: Orion Bank CEO Had a Plan ...

Zahl des Tages (13.11.09): 45.000.000.00

Ich habe es ja für die alte Münchhausen-Geschichte gehalten, bei der sich der Baron von Münchhausen an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen hat. Eine gewisse Skepsis und Verwunderung über die geplante Aktion war schon in meinem ersten Artikel nicht zu übersehen: FDIC pumpt Banken an (die sie eigentlich retten soll).

Trotz meiner Verwunderung wird das jetzt aber wirklich so umgesetzt. Die amerikanischen Banken zahlen die Beiträge an die US-Einlagensicherung FDIC für drei Jahre auf einen Schlag.

Damit soll die Insolvenz der FDIC verhindert werden, deren Rücklagen nur noch wenige Promille der versicherten Assets ausmachen. Und das bereits am Ende des letzten Quartals, die (von mir fleissig protokollierten) Schäden durch weitere Bankpleiten dürften die Rücklagen der FDIC inzwischen auf Null (u.U. sogar noch weniger) reduziert haben.

Auch wenn ich mich frage, woher die Banken das Geld auf einmal haben, wollen diese jetzt zur Rettung der FDIC

45.000.000.000 (45 Milliarden) Dollar

auf einen Schlag überweisen.

Die Banken haben diese Variante wohl bevorzugt, weil damit die Erhöhung der Beiträge vom Tisch ist, was ansonsten wohl gedroht hätte. Das hätte natürlich besonders den Banken, die solide gewirtschaftet haben, überhaupt nicht gefallen.

Inwieweit das hilft, falls die Flut der Bankpleiten nicht abebben sollte, wird man sehen ...

FTD: US-Banken müssen eigene Einlagensicherung retten

Update (12:36):

Wie ich gerade im Wall Street Journal lese, werden die Beiträge ab 2011 doch erhöht, allerdings wohl nicht so stark, wie ohne diese Vorabzahlung.

WSJ: FDIC Moves on Plan to Replenish Coffers With Banks' Early Payments 

Also nochmal zur Quelle:

FDIC: FDIC Board Approves Final Rule on Prepaid Assessments

Im darin verlinkten PDF wird die Erhöhung der Beiträge bestätigt. Da ich die Berechnung nicht kenne, kann ich nicht beurteilen, wie stark die Erhöhung ist (10%, 50%, 100%?). Falls das jemand zufällig irgendwo lesen sollte, bitte Kommentar hinterlassen.

D-BIP Q03/09: +0,7%

Das ist in etwa das Plus, das von den Analysten erwartet wurde. Das Quartalsplus ist das größte seit 2 Jahren. Eine weitere kleine positive Nachricht: Auch das 2. Quartal wurde leicht um 0,1% auf +0,4% nach oben korrigiert. Etwas überraschend lieferte der private Konsum einen negativen Wachstumsbeitrag und das trotz des Sondereffekts durch die Abwrackprämie.

Das Plus von 0,7% wirkt im Vergleich zum Plus von 3,5% in den USA (US-BIP Q03/09: +3,5%) niedrig, was aber nicht stimmt, weil die deutsche Zahl das wirkliche Plus zum Vorquartal ausweist, während in den USA das Quartalswachstum auf 1 Jahr hochgerechnet (annualisiert) wird, pimaldaumen also viermal so hoch ausgewiesen wird.

Da kann man mal sehen, wie gut so ein kräftiger Einbruch wie im 4. Quartal 2008 und dem 1. Quartal 2009 (-3,5%) ist. Allein durch eine leichte Gegenbewegung bekommt man schon mehrere Quartal mit Wachstum frei Haus geliefert.

Das nützt freilich wenig: Im Vergleich zum 3. Quartal 2008 liegt das BIP immer noch 4,7% im Minus ...

FTD: Deutsche Konjunktur zieht kräftig an

Jon Stewart lacht über Günter Wallfraff

Da hat es Günter Wallraff tatsächlich bis zu Jon Stewart geschafft. Und gerechterweise als Lachnummer, denn es ist ja einfach nur dämlich, sich als Schwarzer zu verkleiden (in einer Qualität, die dem Kölner Karneval vielleicht angemessen wäre), um über Vorurteile in Deutschland zu recherchieren, statt einfach mal die Betroffenen zu fragen ...

The Daily Show With Jon StewartMon - Thurs 11p / 10c
Is Blackface Ever OK?
www.thedailyshow.com
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gefunden über:
Britcoms: If you want to learn about black experience in Germany:

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