Das mag ich. Eine schöne große Zahl des Tages, die im Kern nichts mit der Wirtschaft zu tun hat, sondern mit einem anderen Thema, das hier nur am Rande (also in den Linktipps) eine Rolle spielt.
Die Bertelsmann Stiftung (von der man halten kann, was man will, vor allem wenn man weiss, dass an der Studie auch das ifo Institut mitgeholfen hat) hat versucht zu berechnen, welche Kosten die Problemschüler verursachen, die am Ende der gesamten Schulzeit den Wissensstand eines durchschnittlichen Grundschülers noch nicht erreicht haben, sprich nicht vernünftig schreiben, lesen und rechnen können. Dabei geht es immerhin um jeden fünften(!) Schüler. In einer wissens- und technologiegetriebenen Welt stehen die natürlich auf verlorenem Posten.
Übrigens sind die Problemschüler der Grund für das schwache Abschneiden Deutschlands in den PISA Studien. Die deutschen Schüler sind im oberen Drittel nämlich gut, in der Mitte auch akzeptabel, aber am unteren Rand (also bei den Problemschülern von oben) ist Deutschland im PISA Vergleich extrem schwach. Das zieht das Gesamtergebnis nach unten.
Natürlich ist es schwierig zu beurteilen, wie die Zahl errechnet wurde. Zum Beispiel ist es IMHO utopisch anzunehmen, dass mit einer besseren Bildung die Probleme von alleine verschwinden. Es wird auch nachher noch niedrig qualifizierte Jobs geben und es gibt auch bei ausreichend qualifizierten Arbeitskräften Arbeitslosigkeit (z.B. bildet das Handwerk schon immer zu viele Arbeitskräfte aus und die stehen nach der Ausbildung trotz der Ausbildung regelmäßig auf der Straße). Trotzdem: Dass in der Schule ausgebildete Hartz-IV-Empfänger teuer werden, dürfe wohl unumstritten sein.
Die Bertelsmann-Stiftung hat versucht, den Schaden durch das mangelhafte Bildungssystem für die nächsten 80 Jahre auszurechnen:
Auf
2.800.000.000.000 (2,8 Billionen) Euro
soll sich der Schaden insgesamt belaufen.
Leider ist die deutsche Bildungspolitik eines der am vollständigsten durchideologisierten Themen in der öffentlichen Diskussion. Während der CDU als Antwort meistens nur das dreigliedrige Schulsystem einfällt, berufen sich die "Sozen" immer auf das Patentrezept Gesamtschule, PISA hätte die Überlegungheit der Gesamtschule schließlich bewiesen.
Dabei lässt sich aus den Ergebnissen der PISA-Studien streng statistisch überhaupt nichts ableiten. Es gibt einfach zu wenige Messpunkte für Länder mit mehrgliedrigen Schulsystemen. Mit den Niederlanden und Österreich gibt es zwei Länder mit mehrgliedrigem Schulsystem im oberen Drittel, mit Deutschland ein Land in der Mitte und mit Italien eines im unteren Drittel. Was zum Teufel soll ich statistisch jetzt daraus ableiten? Außer dass man mit einem mehrgliedrigem Schulsystem gut sein kann oder auch nicht. Wie bei einem eingliedrigem auch, die ja den Rest in allen drei Dritteln ausmachen.
Genauso könnte ich über die Zahlen gehen und den Anteil von Privatschulen und den Lernerfolg vergleichen und komme dann wahrscheinlich darauf, dass Privatschulen besser sind und wir einfach nur mehr Privatschulen brauchen. Ich bezweifle aber, dass die Befürworter der Gesamtschule dieses Ergebnis akzeptieren, auch wenn ich mit der methodisch exakt gleichen Methodik vorgehe. Sie liefert halt das falsche, sprich unerwünschte Ergebnis. (Übrigens ist innerhalb von Deutschland der einzige signifikante Parameter für die PISA-Ergebnisse der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund. Der zweite Parameter, der aber bereits einen viel geringerem Einfluss hat, ist die Klassengröße. Alle anderen Faktoren gelten als statistisch nicht signifikant).
Ich glaube, das erste Grundproblem ist, dass der Staat einfach nicht genug Geld in die Bildung steckt. Ohne diese Grundentscheidung für mehr Bildungsausgaben wird sich gar nichts ändern. Das heisst zu allererst: Ganztagsschulen. Und zwar für alle, kostenlos, über alle Schuljahre und mit Betreung durch richtige Lehrer (und nicht durch engagierte Eltern oder Sportvereine).
Dann glaube ich, dass die Struktur des Schulsystems zweitrangig ist. Gut, die Hauptschule ist defakto tot. Wenn nur noch weniger als 10% der Schüler dahin gehen, kann die Schule nicht funktionieren. Das ist eine Restschule, die auch durch engagierteste Pädagogen nicht mehr zu retten ist. Also geht es in Richtung zweigliedriges Schulsystem: Realschule, die bis zur 10. Klasse geht und mit der mittleren Reife endet und ein Gymnasium, das nach 12 Jahren mit dem Abitur endet.
Die Idee der CDU-Regierung in NRW, die das Schulsystem so umgebaut hat, dass man auf dem Gymnasium nach der 9. und an Real- und Hauptschule nach der 10. Klasse den gleichen Stand erreicht haben soll, damit sich dort nochmal eine Wechselmöglichkeit auftut, ist nicht so dumm und kann durchaus funktionieren. Wobei das Wechseln sowieso eher die Ausnahme sein wird, es wird ja nicht auf einmal jeder Abitur machen.
Und noch eine Sache ist glaube ich klar: Das Trennen der Schüler nach dem 4. Schuljahr ist zu früh. Es fehlen bis zu diesem Zeitpunkt zwei grundlegende Sachen: Das logisch-abstrakte Denken, das in der Mathematik erst dann wirklich beansprucht wird, wenn auf einmal x und y in den Rechnungen auftauchen (passiert an der Grundschule nicht) und die erste Fremdsprache (bzw. zweite für manche ausländischen Kinder ...) richtig mit Schrift und allem drum und dran. Erst danach kann man eigentlich sagen, wie sich die Kinder auf dem Gymnasium schlagen werden. Die 6-jährige Grundschule in Berlin könnte sinnvoll sein.
Und ach ja: Kostenlose Kitas und zwar auch wieder für alle und mit Deutsch als Standardsprache müssten vor der Schule ebenfalls für mindestens ein besser zwei Jahre Pflicht sein. Kinder, die in der ersten Klasse der Grundschule kein Deutsch sprechen, verlieren bereits dort den Anschluss (klar, es gibt Ausnahmen, aber die sind selten).
Spiegel: Risikoschüler kosten den Staat Billionen Euro
Was meint ihr? Andere Idee? Gibt es in anderen Bundesländern Konzepte, die spannend sind? Oder Ideen, die noch niemand umgesetzt hat?
Update (12:58)
26.11 muss es natürlich in der Überschrift heißen.
Update (29.12.):
Einen Artikel bei Telepolis wollte ich zum Thema schon lange nachschieben. Was hiermit erledigt wäre:
Telepolis: Marodes deutsches Bildungssystem erzeugt 2,8 Billionen Euro Folgekosten
Darin eine kritische Analyse der Hintergünde, sowohl der Auftraggeber, wie der Studiendurchführer (arbeitet auch am ifo Institut) wie auch der Annahmen. Durchaus lesenswert.
Das mag ich. Eine schöne große Zahl des Tages, die im Kern nichts mit der Wirtschaft zu tun hat, sondern mit einem anderen Thema, das hier nur am Rande (also in den Linktipps) eine Rolle spielt.
Die Bertelsmann Stiftung (von der man halten kann, was man will, vor allem wenn man weiss, dass an der Studie auch das ifo Institut mitgeholfen hat) hat versucht zu berechnen, welche Kosten die Problemschüler verursachen, die am Ende der gesamten Schulzeit den Wissensstand eines durchschnittlichen Grundschülers noch nicht erreicht haben, sprich nicht vernünftig schreiben, lesen und rechnen können. Dabei geht es immerhin um jeden fünften(!) Schüler. In einer wissens- und technologiegetriebenen Welt stehen die natürlich auf verlorenem Posten.
Übrigens sind die Problemschüler der Grund für das schwache Abschneiden Deutschlands in den PISA Studien. Die deutschen Schüler sind im oberen Drittel nämlich gut, in der Mitte auch akzeptabel, aber am unteren Rand (also bei den Problemschülern von oben) ist Deutschland im PISA Vergleich extrem schwach. Das zieht das Gesamtergebnis nach unten.
Natürlich ist es schwierig zu beurteilen, wie die Zahl errechnet wurde. Zum Beispiel ist es IMHO utopisch anzunehmen, dass mit einer besseren Bildung die Probleme von alleine verschwinden. Es wird auch nachher noch niedrig qualifizierte Jobs geben und es gibt auch bei ausreichend qualifizierten Arbeitskräften Arbeitslosigkeit (z.B. bildet das Handwerk schon immer zu viele Arbeitskräfte aus und die stehen nach der Ausbildung trotz der Ausbildung regelmäßig auf der Straße). Trotzdem: Dass in der Schule ausgebildete Hartz-IV-Empfänger teuer werden, dürfe wohl unumstritten sein.
Die Bertelsmann-Stiftung hat versucht, den Schaden durch das mangelhafte Bildungssystem für die nächsten 80 Jahre auszurechnen:
Auf
2.800.000.000.000 (2,8 Billionen) Euro
soll sich der Schaden insgesamt belaufen.
Leider ist die deutsche Bildungspolitik eines der am vollständigsten durchideologisierten Themen in der öffentlichen Diskussion. Während der CDU als Antwort meistens nur das dreigliedrige Schulsystem einfällt, berufen sich die "Sozen" immer auf das Patentrezept Gesamtschule, PISA hätte die Überlegungheit der Gesamtschule schließlich bewiesen.
Dabei lässt sich aus den Ergebnissen der PISA-Studien streng statistisch überhaupt nichts ableiten. Es gibt einfach zu wenige Messpunkte für Länder mit mehrgliedrigen Schulsystemen. Mit den Niederlanden und Österreich gibt es zwei Länder mit mehrgliedrigem Schulsystem im oberen Drittel, mit Deutschland ein Land in der Mitte und mit Italien eines im unteren Drittel. Was zum Teufel soll ich statistisch jetzt daraus ableiten? Außer dass man mit einem mehrgliedrigem Schulsystem gut sein kann oder auch nicht. Wie bei einem eingliedrigem auch, die ja den Rest in allen drei Dritteln ausmachen.
Genauso könnte ich über die Zahlen gehen und den Anteil von Privatschulen und den Lernerfolg vergleichen und komme dann wahrscheinlich darauf, dass Privatschulen besser sind und wir einfach nur mehr Privatschulen brauchen. Ich bezweifle aber, dass die Befürworter der Gesamtschule dieses Ergebnis akzeptieren, auch wenn ich mit der methodisch exakt gleichen Methodik vorgehe. Sie liefert halt das falsche, sprich unerwünschte Ergebnis. (Übrigens ist innerhalb von Deutschland der einzige signifikante Parameter für die PISA-Ergebnisse der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund. Der zweite Parameter, der aber bereits einen viel geringerem Einfluss hat, ist die Klassengröße. Alle anderen Faktoren gelten als statistisch nicht signifikant).
Ich glaube, das erste Grundproblem ist, dass der Staat einfach nicht genug Geld in die Bildung steckt. Ohne diese Grundentscheidung für mehr Bildungsausgaben wird sich gar nichts ändern. Das heisst zu allererst: Ganztagsschulen. Und zwar für alle, kostenlos, über alle Schuljahre und mit Betreung durch richtige Lehrer (und nicht durch engagierte Eltern oder Sportvereine).
Dann glaube ich, dass die Struktur des Schulsystems zweitrangig ist. Gut, die Hauptschule ist defakto tot. Wenn nur noch weniger als 10% der Schüler dahin gehen, kann die Schule nicht funktionieren. Das ist eine Restschule, die auch durch engagierteste Pädagogen nicht mehr zu retten ist. Also geht es in Richtung zweigliedriges Schulsystem: Realschule, die bis zur 10. Klasse geht und mit der mittleren Reife endet und ein Gymnasium, das nach 12 Jahren mit dem Abitur endet.
Die Idee der CDU-Regierung in NRW, die das Schulsystem so umgebaut hat, dass man auf dem Gymnasium nach der 9. und an Real- und Hauptschule nach der 10. Klasse den gleichen Stand erreicht haben soll, damit sich dort nochmal eine Wechselmöglichkeit auftut, ist nicht so dumm und kann durchaus funktionieren. Wobei das Wechseln sowieso eher die Ausnahme sein wird, es wird ja nicht auf einmal jeder Abitur machen.
Und noch eine Sache ist glaube ich klar: Das Trennen der Schüler nach dem 4. Schuljahr ist zu früh. Es fehlen bis zu diesem Zeitpunkt zwei grundlegende Sachen: Das logisch-abstrakte Denken, das in der Mathematik erst dann wirklich beansprucht wird, wenn auf einmal x und y in den Rechnungen auftauchen (passiert an der Grundschule nicht) und die erste Fremdsprache (bzw. zweite für manche ausländischen Kinder ...) richtig mit Schrift und allem drum und dran. Erst danach kann man eigentlich sagen, wie sich die Kinder auf dem Gymnasium schlagen werden. Die 6-jährige Grundschule in Berlin könnte sinnvoll sein.
Und ach ja: Kostenlose Kitas und zwar auch wieder für alle und mit Deutsch als Standardsprache müssten vor der Schule ebenfalls für mindestens ein besser zwei Jahre Pflicht sein. Kinder, die in der ersten Klasse der Grundschule kein Deutsch sprechen, verlieren bereits dort den Anschluss (klar, es gibt Ausnahmen, aber die sind selten).
Spiegel: Risikoschüler kosten den Staat Billionen Euro
Was meint ihr? Andere Idee? Gibt es in anderen Bundesländern Konzepte, die spannend sind? Oder Ideen, die noch niemand umgesetzt hat?
Update (12:58)
26.11 muss es natürlich in der Überschrift heißen.
Update (29.12.):
Einen Artikel bei Telepolis wollte ich zum Thema schon lange nachschieben. Was hiermit erledigt wäre:
Telepolis: Marodes deutsches Bildungssystem erzeugt 2,8 Billionen Euro Folgekosten
Darin eine kritische Analyse der Hintergünde, sowohl der Auftraggeber, wie der Studiendurchführer (arbeitet auch am ifo Institut) wie auch der Annahmen. Durchaus lesenswert.
Zahl des Tages (26.11.09): 2.800.000.000.000