Großbritanniens Bankensektor gehört nicht mehr zu den weltweit stabilsten

Das hat heute die Ratingagentur Standard & Poors gesagt. Wörtlich:
"We no longer classify the United Kingdom (AAA/Negative/A-1+) among the most stable and low-risk banking systems globally"
Die Börse in London ging auf Talfahrt. Auch wenn das wenig überraschend war. Denn der britische Finanzsektor hat ja doch Einiges durchgemacht, Bankpleiten und -verstaatlichungen inklusive.

Und noch weniger überraschend war die Nachricht, wenn man weiss, dass es eigentlich nur eine Wiederholung einer Meldung vom letzten Dezember war. Schon damals sortierte S&P das britische Bankensystem nur noch in die drittstabilste Klasse ein. Aber am 21.12.2009 waren wohl schon alle in den Weihnachtsferien ...

FT Alpaville: A poor UK-market reaction to S&P!

Derweil feuert Pimco Chef Bill Gross in seinem Februar Ausblick weiter auf Großbritannien (siehe auch hier: Zahl des Tages (11.01.10): 90%): Die britischen Staatsanleihen GILTs lägen auf einem Bett aus Nitroglycerin, Großbritannien solle bloß gemieden werde, eine Abwertung der Währung ist möglich und werde dann wohl auch gemacht:
" the UK is a must to avoid. Its Gilts are resting on a bed of nitroglycerine. High debt with the potential to devalue its currency present high risks for bond investors. In addition, its interest rates are already artificially influenced by accounting standards that at one point last year produced long-term real interest rates of 1/2 % and lower."
Den letzten Satz verstehe ich allerdings nicht. Accounting Standards? Was soll denn da anders sein als in den anderen Ländern und wie soll das die Zinsen senken?


Zwischendrin wäre der Report aber ein gefundenes Fressen für weissgarnix, denn es wird eine McKinsey Studie zitiert, die die Höhe der Schulden eines Landes und die anschließende Wirtschaftsentwicklung beim Schuldenabbau untersucht hat. 
Die Ergebnisse mögen spannend sein (hat die Studie zufällig jemand?), allerdings ist die zitierte Größe als Basis ziemlicher Quark. McKinsey hat einfach die Schulden des Staats und die Schulden der Bürger addiert. Dass sich diese Schulden aber "aufheben", wenn ein Inländer die Anleihen "seines" Staats hält, fehlt da irgendwie. Eigentlich müsste doch die Auslandsverschuldung wichtiger sein und selbst die reicht nicht aus, denn dagegen müssten auch noch die Auslandsvermögen gerechnet werden (was für Deutschland am Ende übrigens ein Plus ergibt).

Ich will jetzt nicht so weit gehen wie weissgarnix und Schulden daher zu einem reinen Verteilungsproblem machen, allerdings ist ein einfaches Aufaddieren der Schulden auch nicht korrekt ...

Übrigens ist das Ergebnis der McKinsey Studie, dass das Deleveraging nach der Krise (also der Schuldenabbau und die Haushaltskonsolidierung erst 2 Jahre nach der Krise beginnt (also jetzt, siehe auch Obamas Ausgabenbeschränkung) und dann 6 bis 7 Jahre anhält und das Wachstum drückt. Das sind übrigens IMHO die 6-7 Jahre, die die Keynesianer in ihren "das Konjunkturprogramm hat doch gewirkt"-Überlegungen vergessen ...


Der Ausblick ist übrigens wie so oft sehr lesenswert.



Bill Gross - Investment Outlook - February 2010 - The Ring of Fire


1 Kommentar :

  1. ich kann dazu nur sagen - wer den ratingagenturen glaubt ist selber schuld.

    ich zweifle stark, dass die überhaupt eine ahnung haben von dem was die da machen.

    jeder sollte sich lieber selber seine gedanken machen und diesen ratings nichts abgewinnen. da glaub ich einem buchmacher ja noch mehr.

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore