Selbst die 12,7% Minus in Griechenland noch gefälscht?

OK, dass die Griechen in allen Jahren vor und nach dem Euro Beitritt die Zahlen manipuliert haben, ist bekannt. In der Phase vor der Aufnahme hat Griechenland - nach der Revision - in keinem einzigen Jahr die Euro-Aufnahmekriterien nach Maastricht erfüllt.

Aber dass selbst die 12,7%, die ja auch erst nach dem Regierungswechsel im letzten Frühling mit einer Verdopplung entstanden sind, auch noch zu niedrig sein sollen, ist schon der Hammer ....

Haushaltsdefizit: Die griechische Tragödie ufert aus | FTD.de

Update (10:57):

Das die Marktteilnehmer aktuell bei der Einschätzung Griechenlands ziemlich unsicher sind, sieht man beim Vergleich der Risikoaufschlägen für Covered Bonds von griechischen Banken und von griechischen Staatsanleihen. Normalerweise sind Staatsanleihen immer das Nonplusultra an Sicherheit und haben daher die geringsten Risikoaufschläge. Nicht so in Griechenland. Dort werfen AAA-geratete Covered Bonds weniger Zinsen ab als die nur noch mit BBB+ (Griechenland jetzt auch bei S&P herabgestuft) Staatsanleihen.

Das ist selten, allerdings ist es nicht sooo überraschend, auch wenn die FTD darauf hinweist, dass das in Irland und anderen Länder nicht so sei. Stimmt, aber die anderen Länder sind eben auch nicht nur BBB+ bewertet. (Nach den neuen Ratingregeln von Standard & Poors (die glaube ich noch nicht gelten) kann ein Covered Bonds, also eine besicherte Anleihe, maximal 7 Stufen höher bewertet werden als das emittierende Institut. Das reicht in Griechenland aber aus, um die besicherten Anleihen noch auf AAA zu heben).

Für Staatsanleihen spricht die Liquidität und die Sicherheit, die ein Staat bietet, weil er Steuern erhöhen kann, für besicherte Anleihen sprechen die Sicherheiten. Wenn ein Covered Bond und eine Staatsanleihe aus dem selben Land beide Triple A geratet sind, wird die Staatsanleihe immer einen etwas niedrigen Zins abwerfen. Wenn aber zwischen dem Rating der Staatsanleihe und der besicherten Anleihe 7 Stufen liegen, tja, dann ist der Risikoaufschlag wohl wichtiger als der Abschlag durch die hohe Liquidität. Am Ende müssen die Sicherheiten ja auch was wert sein. Wenn hinter Pfandbriefen (die deutsche Form einer mit Hypotheken besicherten Anleihe) die jeweils 60% sichersten Werte einer Immobilie liegen, ist das halt ein Pfund. Die Immobilien bleiben auch immer was wert, während Staatsanleihen schonmal wertlos verfallen (gut, manchmal gibt es auch was, wenn auch nur wenig. Wenn Argentinien z.B. 25% des Nennwerts zurückzahlt, ist das eine so niedrige Quote, wie es sie wohl noch nie bei einem Pfandbrief gegeben hat).

Sooo überraschend ist das jetzt nicht ... Und auch dass das in Irland anders ist, ist logisch. Dort liegen zwischen Landesrating und AAA-bewerteten Covered Bonds auch nur zwei Ratingstufen. Die besseren Sicherheiten bei den Covered Bonds überwiegen hier den zinssenkenden Effekt durch die höhere Liquidität der Staatsanleihen noch nicht.

Ich hoffe, ich habe den Aspekt, der IMHO im FTD-Artikel fehlt, jetzt halbwegs verständlich erklärt.

FTD: Griechischer Anleihemarkt steht Kopf

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