US-BIP Q04/09: +5,7%

Woah. Auch wenn das nur die Vorabschätzung ist und die Zahl nach unten korrigiert werden sollte, bleibt das eine positive Überraschung. Marketwatch meint in einer ersten Analyse, dass der Lageraufbau 2/3 des Zuwachs ausgemacht habe.


Trotzdem fragt man sich langsam, wie die US-Notenbank den Nullzins weiter rechtfertigen will. Die geben, wie von mir oft befürchtet, wieder zu lange und zu viel Gas und legen damit die Basis für die nächste Krise. Die dieses Mal wohl Inflation bedeuten könnte.

Marketwatch: U.S. 4Q GDP up 5.7% on swing in inventories

(habe leider keine Zeit für eine tiefere Analyse).

Ein kurzer Nachtrag noch: Größtes BIP-Plus seit 6 Jahren.

Update (30.01.10):

In den Zahlen steckt nicht mehr viel Spannendes. Es war ein Wachstum, das massiv durch den Lageraufbau nach oben verzerrt wurde. Das Wachstum ohne diese Komponente lag bei nur 2,3%. ABER auch 2,3% sind ein solides Wachstum.
Edward Harrison weist auch darauf hin, dass die Real Disposable Incomes steigen (+2,1% in Q-04). Die Amerikaner haben also wieder mehr Geld in der Tasche und bei der hohen Verschuldung kann nur das zu höherem Konsum führen. Und daran hängt das US-BIP ja zu mehr als 70%.

Creditwritedowns: GDP up 5.7%, fastest rate since 2003

Noch eine andere Analyse, die im Ton etwas pessimistischer ist, aber am Ende kann ich auch bei selbst 2,3% nicht wirklich pessimistisch werden.

Econbrowser: Strong GDP growth with weak fundamentals

Kommentare :

  1. Glaubt das jemand ?
    Mit zig mehr Arbeitslosen die sich alle über erhebliche lohn und Gehaltssteigerungen freudedn und millionen von Zwangsversteigerungen wird das GDP auf wundersame Weise in die Höhe gepuscht, natürlich besser wie erwartet ( dsie spin Doctoren lassen grüssen )
    Früher fing meine Oma immer so an. Hinter den sieben Bergen....
    gruss georg

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  2. Die Zinsen bleiben solange bei Null bis die Banken dadurch genug Geld verdient haben, dass sie die weiterhin drohende Abschreibungen aus dem Immo-Bereich und anderswo abfangen können. Und das könne noch ne Weile dauern. Meinte gestern der CIO der Credit Suisse in Mannheim. Mal sehen ob er recht behält.

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  3. > Die dieses Mal wohl Inflation bedeuten könnte.

    Sollte man nicht Preisinflation und Geldinflation unterscheiden? Wenn mehr Geld "gedruckt" wird als die Wirtschaft wächst ist das immer Geldinflation.

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  4. @georg:

    Ja ich glaube. Wenn 2/3 aus dem Lageraufbau kommen, ist das sowieso nur temporär. Und auf die niedrigen Lagerbestände habe ich die letzten Quartale immer hingewiesen. Das ist also schon logisch, dass die irgendwann wieder hochgefahren werden.

    @Marc:

    Das ist natürlich der Hintergrund. An den niedrigen Zinsen verdienen sich die Banken eine goldene Nase und damit sollen sie ihre Bilanz sanieren. Dieser indirekte Weg birgt aber die Gefahr, dass die Notenbank noch schlechter reagieren kann, weil sie nicht mehr weiss, ob die Banken jetzt noch sanieren oder schon wieder fleissig verleihen. Ich würde das nur direkt machen. Also a) Bilanz sanieren und b) Zinsen hoch.

    @SvenS:

    Ja muss man. Aber ich weiss noch nicht, wo die Inflation entsteht. Rohstoffe? Immobilien? Aktien? Bonds? Oder mal ausnahmsweise bei den Preisen im Warenkorb.

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  5. @egghat
    Das die Banken so saniert werden *sollen* halte ich für falsch. Die Zentralbanker wie auch die Politiker wissen sich nur nicht anders zu helfen als mit niedrigen Zinsen. Man ist dort zu sehr auf Monetarismus gepolt.

    Das mit der Inflation ist mehrschneidig und nicht monokausal. Ich habe meinen Versuch den Wikipedia-Artikel dahingehend zu verbessern aufgrund der Gegenwehr des Monetaristen dort vor Ort aufgegeben.

    Ich hatte die Grafik mit den aktuellen Arbeitslosenzahlen der USA (Entwicklung seit 1971) bereits getwittert. Es geht erst einmal noch nach unten weiter. Wenn es nur ein Drittel Wachstum ist, es also nur weniger als 2% "echt" sind in einem Quartal dann dauert das noch eine Weile. Wenn man sich bei shadowstats SGS alternate ansieht bin ich eher geneigt dem Wert dort zu glauben.

    Grüße
    ALOA

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  6. @egghat

    Die Frage nach dem wie lange noch ist und bleibt die 100.000-Dollar-Frage. Aber ich denke zwei Quartale Superzinsen kriegen die Banken sicher noch "geschenkt". So richtig sind die Risiken schließlich nicht ersichtlich.
    Generell wäre eine Abtrennung von Bilanz sanieren und Zinspolitik sicher sinnvoll. Allerdings ist es über die Geldmenge doch am einfachsten und der Weg des geringsten Widerstands.

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  7. @ALOA

    Die Bankensanierung mittels Niedrigzinsen ist aber Usus. Das wird in jeder Krise und schon seit Langem so gemacht. Und es ist ja auch wirksam. Nur wird zu lange aufs Gaspedal getreten. Man will halt in 4 Jahren wiedergewählt werden. Und wenn man auf die Bremse tritt (wie Volcker Anfang der 80er) bekämpft manzwar erfolgreich die Inflation und legt das Fundament für 2 Jahrzehnte Wachstum, aber man ist den Job los ...

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  8. @Marc:

    Es ist eher die 2 Billionen Dollar Frage. und auf die weiss niemand die Antwort. Man versucht es trotzdem wieder und es wird auch diesmal schiefgehen. Bei 2% Kernwachstum (mehr bleibt ja nach Lagerbestandveränderung nicht übrig) ist zwar noch nicht alles toll, aber ein Grund für Vollgas in der Geldpolitik ist das auch nicht. Die Wirtschaftslage rechtfertigt die Niedrigstzinsen nicht mehr. Und ich halte es für problematisch, die Zinsen nur wegen der Banken so niedrig zu halten ...

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  9. Die Bankensanierung mittels Niedrigzinsen ist aber Usus.


    Das sich Banken über niedrige Zinsen sanieren ist Usus, da stimme ich zu. Ich habe lediglich mit der angeklungenen Intention meine Probleme. Ich glaube nicht, das Regierungen mit den Niedrigzinsen Banken sanieren wollen.

    Der Artikel von Heinsohn dazu war ganz nett:
    http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~EB615136E6B6D4C66A3635B0EBC001655~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Grüße
    ALOA

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  10. egghat, die werden werden weiterhin abgebaut, wenn auch 80% langsamer, der von dir erwartete lageraufbau kommt erst noch

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  11. @ALOA:

    Heinsihn hat sehr interessante und relevante Ideen. Aber meinst du, dass die Notenbankern sich danach richten? Kann ich mir nicht vorstellen.

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  12. Pauschalurteil: Banker sind Monetaristen welche meist denken das man über den Zentralbankzinssatz alles regeln kann. So eine kleine Krise kann den Glauben doch nicht erschüttern. Immerhin wird seit Jahrzehnten der Monetarismus gepredigt. Und natürlich kommen auch eben diese Monetaristen in Banken und Zentralbanken an die führenden Stellen (das sind ja auch Monetaristen-Jobs).

    Da zitiere ich doch Mal Schulmeister:

    Ökonomen, insbesondere Notenbanker, haben vergebliche Versuche unternommen, die für Transaktionszwecke relevante Geldmenge zu definieren, sie reichen von engen Begriffen wie der „Geldbasis“ (Banknoten und Münzen) oder der Geldmenge M1 (Geldbasis plus Girokonten) bis zum weiten Geldbegriff M3 (dieser umfasst auch Sparbücher). Doch auch dieses Geldkonzept ist nicht weit genug, und zwar aus folgendem Grund.
    Wenn heute jemand ein Girokonto, ein Sparbuch, Aktien und Anteile an einem Anleihenfonds besitzt, so kann er via Netbanking in Sekunden jedes dieser Finanzaktiva liquid machen und für Zahlungen verwenden. Möchte er sich etwa ein Auto kaufen, so kann er dafür mit Aktien oder Anleihen bezahlen. Wo aber lässt sich dann die Grenzen zwischen Geld und Finanzvermögen/Finanzkapital „verorten“? Gar nicht, weil es sie nicht (mehr) gibt.



    Und schon haben wir in meinen Augen das Dilemma der Theorie benannt welche für viele Handlungen verantwortlich zu machen ist.

    Grüße
    ALOA

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