Vorschlag: Einspeisevergütung für EEG dynamisch und automatisch anpassen

Dass ich die Höhe der aktuellen Einspeisevergütung für Solarstrom für wesentlich zu hoch halte, habe ich ja bereits einige Male geschrieben, zuletzt hier: Zahl des Tages (05.01.10): 26%. Ich bringe nochmal eine kurze Zusammenfassung meiner Einschätzung (wer hier häufiger liest, kann die nächsten drei Abschnitte überspringen, dann kommt langsam mein Vorschlag):

Es wird auf einmal sehr viel Fotovoltaik gekauft, weil die Preise komplett eingebrochen sind. Auslöser sind hier vor allem die Chinesen, die massiv in Fabriken zur Herstellung von Solarzellen investiert haben. Jetzt drücken große Überkapazitäten die Preise nach unten (und ganz nebenbei noch die deutschen Hersteller aus dem Markt). (FAZ: Kein eitel Sonnenschein über Solaraktien, FTD:Neue Horrorzahlen aus der Solarbranche)

Für den Besitzer von Dachflächen bedeutet diese Gemengelage steigende Renditen. Der Preis für die Anschaffung sinkt, die Erlöse bleiben konstant. Es gibt im Moment für den Besitzer von (ungenutzten) Dachflächen wohl keine sinnvollere Kapitalanlage als eine eigene Fotovoltaikanlage (siehe auch: FAZ: Über 7 Prozent Rendite im Jahr, Börse Online kommt sogar auf 9%).

Aber soll das das Ziel der Fotovoltaik Förderung sein? Hohe, risikolose Renditen für Dachbesitzer? Oder sollte man nicht viel mehr erreichen, möglichst viel CO2 zu verhindern? Ich meine letzteres. Also muss die Einspeisevergütung runter, damit man mit der gleichen Menge Geld mehr CO2-freie Energie fördern kann.

Das hat sich inzwischen rumgesprochen. Politik und Wirtschaft diskutieren aktuell mal wieder heiß über die Höhe der zukünftige Einspeisevergütung. Die Solarindustrie bietet eine außerordentliche Senkung um 5% an (das war vor ein paar Monaten aber schonmal deutlich mehr). Das ist bei einem Fall der Preise von 26% im letzten Jahr und einer Kürzung der Vergütung um die normalen 9% natürlich viel zu wenig. Aber es wird halt verhandelt und die Solarindustrie wird kaum mit einer realistischen Forderung in die Verhandlungen gehen. Die Regierung denkt übrigens angeblich über eine außerordentliche Senkung um 30(!)% nach.

Ich halte aber die ganzen Diskussionen für total verfehlt. Warum andauernd über die Zahlen diskutieren, wenn scheinbar gar keine verlässlichen Zahlen vorliegen? Wieso muss eine Fachzeitschrift wie Photon die Zahlen zu den tatsächlich installierten Solaranlagen einsammeln und wieso liegen für 2009 nur grobe Schätzungen für die neu installierte Kapazität mit einer Spanne von 3 bis 4 Gigawatt vor? (Der Photon Link findet sich ebenfalls in Zahl des Tages (05.01.10): 26%).

Also muss der erste Schritt doch sein:

1.) DATEN SAMMELN.

Die Fotovoltaikanlagen werden zum großen Teil über Kredite der KfW finanziert. Damit kennt man die Kosten für die meisten Anlagen. Bei allen Anlagen, die nicht über die KfW finanziert werden, könnte die Rechnung für die Anlage mit der Installation des Stromzählers, mit dessen Hilfe der Energieversorger den eingespeisten Solarstrom zählt, eingereicht werden (vor mir aus könnte man das auch für alle Anlagen zentral über die Stromversorger machen). Dann hätte man einen vollständigen Überblick über die Kosten der Anlagen.

Als zweiten entscheidenden Datenpunkt brauche ich die Menge Strom, die die Anlage erzeugt. Diese Zahl liegt dem Stromversorger (in diesem Fall Abnehmer) über den Zähler ja vor. Auch diese Zahl wird an eine zentrale Stelle gemeldet.

Damit hätten wir dann eine zentrale Instanz, an die alle neuen Fotovoltaikanlagen gemeldet werden und dort lägen allen Daten über Kosten und Einnahmen der Anlagen vor.

Dann kann man sich im zweiten Schritt Gedanken über eine automatische, dynamische Anpassung machen.

2.) Automatisches, dynamisches Anpassungsverfahren für die Höhe der Einspeisevergütung:

Ziel:

Die Förderung sollte so konstruiert werden, dass man immer die optimale Menge Fotovoltaikanlagen fördert. Und die optimale Menge heißt nicht, so früh wie möglich so viel wie möglich zu fördern (auch wenn Politiker das gerne meinen, aber was interessieren die sich schon für die für Stromrechnung, die die nächsten 20 Jahre nach oben getrieben wird ...). Man muss immer bedenken, dass die Fotovoltaik-Anlagen im nächsten Jahr wieder etwas preiswerter sind und man mit der gleichen Menge Geld mehr installierte Flächen fördern und mehr CO2 verhindern kann. Gleichzeitig darf man aber auch nicht zu wenig fördern, damit die Industrie ins Laufen kommt bzw. am Leben bleibt.

Mein Vorschlag:

Wir haben heute langfristig festgelegte konstant sinkende Vergütungen für den eingespeisten Strom.  Aktuell sinkt die Vergütung um 9% pro Jahr. Manchmal sinken die Preise aber langsamer, manchmal (wie im Moment) aber schneller. Diese 9% entsprechen also nur in Ausnahmefällen dem Preisverfall. Eigentlich ist die Zahl immer (manchmal mehr, manchmal weniger) falsch.

Dass diese konstante Senkung nicht funktioniert, erkennt man ja schon an den permanenten Diskussionen über die Höhe. Jedes Mal wollen die CDU (und die FDP) senken, jedes Mal schreien die Grünen, dass das quasi der Untergang des Abendlandes sei.

Es geht aber auch anders: Wenn man in Schritt 1 die nötigen Daten gesammelt hat, lassen sich einfach Kosten und Ertrag einer jeden Solaranlage errechnen.


Jetzt misst man einfach 12 Monate, schaut sich den Ertrag an und rechnet diesen auf 20 Jahre hoch. Dann schaut man sich die Anschaffungskosten an und berechnet die voraussichtliche Rendite. Diese kann sich in einem gewissen Renditeband (z.B. 3 bis 6%) bewegen. Den Preistrend der Anlagen interpoliert man in die Zukunft und senkt anschließend die Vergütung entsprechend. (Sollten Anlagen teurer werden, könnte die Vergütung übrigens auch steigen).

Man könnte auch weggehen von Renditeüberlegungen und auf technologischer Basis argumentieren. So machen es z.B. de Japaner bei der Energieffizienz von Kühlschränken. Die Anforderungen steigen dort immer weiter. Weil die Regierung nicht weiss (ein Eingeständnis, das ich gerne mal in Deutschland hören würde), welche Verbesserungen in der Zukunft auf den Markt kommen werden, ob das kostengünstig ist und (ebenfalls wichtig) der Kunde das Produkt dann auch kaufen will, werden die Anforderungen an die Energieffizienz automatisch erfasst. Für jedes Kühlschrankmodell wird der Stromverbrauch gemessen und die Menge der verkauften Geräte erfasst. Daraus kann man dann errechnen, wie viel Strom im Schnitt die (z. B.) 30% energieeffizientesten Geräte verbrauchen. Diese sind offenbar Stand der Technik, trotzdem bezahlbar und werden gekauft. Diesen Verbrauch schreibt man dann als zukünftigen Maximalwert in (z.B.) 3 Jahren fest. Es werden also im Laufe der Zeit die jeweils schlechtesten 70% einfach verboten.

Ähnliches ginge bei Fotovoltaikanlagen auch. Man misst einfach die effektiven Kosten einer Fotovoltaikanlage und kappt die Förderung so, dass die jeweils 20, 30 oder 50 Prozent der teuersten Anlagen nicht mehr weiter gefördert werden.

Diese automatischen Anpassungen könnte man jährlich oder quartalsweise machen. Die Abwägung ist dabei höhere Planungssicherheit (wer gibt heute einen Auftrag für eine Anlage, wenn er nicht weiss, was er in drei Monaten dafür als Vergütung bekommt) gegenüber möglichst schneller Anpassung an sinkende Preise.

Ob man den technologischen (schlechteste Anlagen raus) oder den finanziellen (keine zu hohe oder zu niedrige Rendite) Ansatz bevorzugt, ist am Ende Wurscht. Beide Ansätze können funktionieren.

So ein Verfahren hätte IMHO nur Vorteile:

Bessere Datenlage,
genauere Anpassung,
schnellere Anpassung und
(endlich) ein Ende der nervtötenden Diskussionen über das EEG.

Aber genau der letzte Punkt ist der große Nachteil: Die Politiker würden überflüssig ... Und genau deshalb wird das wohl nicht kommen ... Oder gibt es irgendwo im deutschen Verordnungdschungel ein System, das sich automatisch an irgendwas anpasst? Ein Steuersystem oder Hartz IV, das sich an der Inflation orientiert? OK, bei der Rente hat man den demografischen Faktor eingeführt. Aber nur, um den beim ersten Wirken wieder auszusetzen.

Man muss als Politiker halt irgendwas machen. Man stelle sich vor, die kalte Progression würde abgeschafft und die Steuerfreibeträge mit der Inflation steigen. Einfach so. Ohne dass jemand dafür was machen muss. Dann kann die FDP sich nicht mehr auf die Schulter klopfen und als Steuersenkungspartei profilieren. Oder man stelle sich vor, Hartz IV würde mit der Inflation steigen. Wer bräuchte dann noch die Linke? Deshalb macht man als Politiker alle Systeme starr und wenn man an der Macht ist, dreht man an den Rädchen, die sich auch völlig von alleine in den letzten Jahren gedreht haben könnten. Genug der Abschweifung.

Kommentare :

  1. http://www.ecb.int/pub/pdf/scplps/ecblwp10.pdf

    This ECB-paper is a real gem ... see e.g. page 31:

    "The recognition of a unilateral right of secession by the drafters of the Lisbon Treaty inevitably
    prompts the following question: if Member States are to have the right to secede voluntarily,
    should there not be a possibility for their fellow Member States to expel them from the EU if their
    participation were to be deemed undesirable or prejudicial by their partners and if the latter were
    to fail to persuade them to withdraw from the EU or EMU voluntarily?"

    http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2010/01/ezb-denkt-uber-euro-austritt-nach.html

    Die Europäische Zentralbank hat ein Papier mit dem Titel veröffentlicht "RÜCKZUG UND AUSSCHLUSS AUS DER EU UND EMU". Offensichtlich macht man sich ernsthaft darüber Gedanken, was bisher völlig tabu war, den freiwilligen Ausstieg oder sogar Zwangsausschluss eines Mitglied aus der EU und der Währungsunion. Das kann kein Zufall sein, wo doch die ClubMed Länder und speziell Griechenland völlig bankrott sind und unter dem Euro fast zerbrechen.

    Das Papier untersucht die Sezession und den Rauswurf aus der Europäischen Union (EU) und der Wirtschafts und Währungsunion (EMU). Darin kommt man zum Schluss, ein Ausstieg aus der EU ist rechtlich möglich, auch schon vor der Ratifizierung des Lissabon-Vertrags, wäre aber kontrovers und einmalig. Ein Verbleib in der EU bei gleichzeitigen Ausstieg aus dem Euro ist rein rechtlich nicht vorstellbar. Obwohl indirekt möglich, ist der Rauswurf eines Mitgliedlandes aus der EU oder EMU rechtlich kaum zu machen.

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  2. Ja,warum nicht?
    Aber das Abschaffen oder nur das anpassen von Subventionen ist immer enorm schwierig. Das Geschrei der Solardachbesitzer wäre riesig.

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  3. Das EEG garantiert die Einspeisevergütung für 20 Jahre. Alle Änderungen, die jetzt beschlossen werden, gelten also nur für die neuen Anlagen irgendwann in der Zukunft. Daran will ich auch nicht rütteln.

    Aber man muss den Fehler der Vergangenheit nicht beliebig lange weitermachen ...

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  4. Warum sollten die Stromversorger ein Interesse daran haben, die eingespeiste Strommenge korrekt zu melden?

    Die Solardachbesitzer sind aus Sicht der Energiekonzerne lästige Konkurrenten, die sie auch noch fördern müssen.
    Wenn den Konzernen ein Mittel in die Hand gegeben wird, die Höhe der Förderung zu steuern, dann werden sie das in ihrem Sinne nutzen.

    Siehe auch: http://www.leuschner.business.t-online.de/energie-chronik/070301.htm

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  5. Den Stromzähler können aber zwei Seiten ablesen. Außerdem bekommen die Kunden Geld von den Stromkonzernen. Was soll der Stromversorger daran manipulieren? Also welches Interesse hat er, irgendwas zu manipulieren, wenn das Geld eh fließt (und das fließt, der Solaranlagenbesitzer können es ja kontrollieren).

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  6. Das bezog sich auf die Idee, von den Stromversorgern genaue Daten über die Anzahl der installierten Geräte / durchschnittliche Effizienz der installierten Anlagen zu bekommen und diese zur Grundlage der Berechnung der Förderung zu machen.

    Dein erstes Modell (Wirtschaftlichkeitsberechnung) ist davon nicht beeinträchtigt; Deine zweite Idee schon, da die Stromversorger hier die Statistik der installierten Geräte manipulieren und somit die Förderung senken können.

    Klar wird der einzelne Stromzähler von beiden Parteien abgelesen. Was in der Gesamtheit aber installiert ist und wieviel Strom das liefert, weiß der einzelne Betreiber nicht.

    Man könnte natürlich zu elektronischen Einspeisezählern übergehen und deren Daten durch eine dritte Partei abfragen und zusammenfassen. Das ist aber aus Datenschutzgründen zumindest fragwürdig, der ja bereits in der Diskussion befindliche elektronische (ans Netz angeschlossene) Stromverbrauchszähler verstößt aus meiner Sicht sogar gegen die Verfassung. Warum soll ein Stromversorger jederzeit wissen dürfen, wieviel Strom ich gerade verbrauche?

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  7. Versteh ich nicht. Es kann doch jeder einzeln seine Auszahlung kontrollieren. Also muss der Stromversorger das Geld auch zahlen. Das Geld fleißt also.

    Der Stromversorger könnte jetzt nur bei einer Anfrage der Bundesregierung eine falsche Menge melden. Das Geld fliesst aber trotzdem.

    Aber eine Falschmeldung kann eine einfache Buchprüfung herausfinden. Im Moment würde ich mir aber ehrlich gesagt keine Sorgen darüber machen, dass die bösen Stromkonzerne die Zahlen falsch melden (dagegen hilft ein einfaches Gesetz mit hoher Strafe). Im Moment würde ich mir eher Gedanken darüber machen, dass die Politiker zu blöd sind, die Zahlen überhaupt erstmal zu sammeln ...

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  8. Ach so: Der Datenschutzaspekt von intelligenten Stromzählern ist ein interessantes, aber ganz anderes Thema ...

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  9. Genau um die Meldung bei einer Anfrage an die Bundesregierung (oder welche Behörde auch immer bei Deinem Vorschlag die Höhe der Förderung festlegt) ging es mir.

    Und von kreativer Buchführung hab ich noch nie etwas gehört, nein, nein, so etwas gibt es sicher nicht!

    (Filed under: Energiekonzerne/ENRON)

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  10. Kreative Buchführung kann man aber aufspüren.

    Außerdem gibt es im Bereich Regenerative Energien eh schon interne Verrechnung. Sonst müssten die Stromkonzerne im Norden ja den ganzen teuren Windstrom abnehmen und eon würde den billigen Atomstrom vertickern. Also muss eon gemäß des Marktanteils auch teuren Windstrom von den "Nordstromwerken" abnehmen. Kurz: Es gibt die Verrechnung, es gibt die Zahlen, es gibt auch die Prüfung (oder meinst du Eon glaubt den Nordstromwerken das einfach)?

    Kurz: Ich sehe da kein großes Problem. Das ist lösbar.

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