Zahl des Tages (05.01.10): 26%

Bezeichnend, wenn der Lobbyverband der Solarindustrie selber eine Senkung der Einspeisevergütung vorschlägt. Es sind also nicht nur Spinner wie ich, die von der Atommafia unterwandert sind, sondern sogar die Solarzellenhersteller ;-)

Nein, es gibt in diesem Punkt IMHO keinen Diskussionsbedarf. Die Vergütung ist aktuell zu hoch und stellt im Moment vor allem eine Subvention für Dachflächenbesitzer dar. Der Umwelt hilft es nur wenig, weil wir Milliarden für eine Technologie ausgeben, die Strom im Promillebereich produziert (OK, inzwischen etwas mehr).

Ich greife mal auf eine Studie des RWI zurück, die ich hier immer schonmal abtippen wollte:

Vergütungen für Solarstrom bei Eintreffen der optimistischen Prognose von Sarasin (2007)
2000 bis 2010

Jahr
Solarstrom
Zuwachs
Vergütung
Vergütung pro Jahr
Über 20 Jahre
Über 20 Jahre real
Mrd. kWh
Mrd. kWh
Cent/kWh
Mill.
Mrd.
Mrd.
2000
0,06
0,06
50,62
32,4
0,65
0,62
2001
0,12
0,05
50,62
26,3
0,53
0,49
2002
0,19
0,07
48,09
34,6
0,69
0,64
2003
0,31
0,13
45,69
57,1
1,14
1,03
2004
0,56
0,24
50,58
123,4
2,47
2,18
2005
1,28
0,73
54,53
395,3
7,91
6,86
2006
2,00
0,72
51,80
371,9
7,44
6,33
2007
3,05
1,05
49,21
517,3
10,35
8,60
Kumulierte Vergütung bei Auslaufen des EEG 2007:
31,18
26,75
2008
4,36
1,31
46,75
614,3
12,29
10,04
2009
5,97
1,60
44,41
712,1
14,24
11,41
2010
7,84
1,88
42,19
791,4
15,83
12,44
Kumulierte Vergütung bei Auslaufen des EEG 2010:
73,54
60,64

Kumulierte Vergütung bei Auslaufen des EEG 2010: 73,54 60,64
Erläuterungen:
Spalte 1: Tatsächlicher Ausbau von 2000 bis 2006 (BMU 2007b: 14). Ab 2007 Daten aus Sarasin (2007: 19).
Spalte 2 gibt die daraus resultierenden jährlichen Zuwächse an Solarstrom an.
Spalte 3: Einspeisevergütungen laut EEG 2000 und EEG-Novelle 2004.
Spalte 4: Produkt von Spalte 2 und 3.
Spalte 5 stellt das Zwanzigfache der Spalte 4 dar.
Spalte 6 gibt den Barwert der Vergütungen aus Spalte 5 an.

Diese Tabelle stammt aus einer alten Analyse des RWI, deshalb wurde auch der Stand eines theoretischen Auslaufens des EEG Ende 2007 in die Tabelle eingearbeitet. Dazu kam es aber bekanntlich nicht (und das war auch gut so).
Es gab eine Aktualisierung dieser Studie, die ich aber nicht vorliegen habe, die mit aktuelleren Zahlen auf jetzt 77 Mrd. Euro Solarschulden kommt (siehe Zahl des Tages (24.08.09): 77.000.000.000). Aber auch auf Basis der alten Rechnung kann man schon ein paar interessante Fakten erkennen.

1.) Auch wenn die Studie viel kritisiert wurde, ist an der Rechnung im Kern mehr Wahres drin als den Freunden der Solarenergie lieb sein kann. Denn die Annahmen stellen sich als deutlich zu verhalten heraus. Der massive Preisverfall bei den Solaranlagen von

26%

in 2009 hat zu extrem guten Renditen für die Betreiber geführt. Bei zu hälftig über Kredite finanzierten Kleinanlagen beträgt die Rendite satte 18%, bei voll über Eigenkapital finanzierten auch noch wunderbare 9%. Das ist verdammt viel Rendite in einer Zeit, in der der EZB-Leitzins bei einem und die Rendite von Bundesanleihen bei gut 3% liegt.

2.) Solche Renditen bleiben natürlich nicht geheim und sprechen sich herum. Und was haben die Deutschen gemacht? Logisch: Solaranlagen wie irre gekauft. Statt wie in der Studie erwartet 1,6 Gigawatt wurden 3 bis 4 installiert. Auch 2008 wurde wohl über 50% mehr als von der RWI-Studie erwarteten Leistung installiert (also nicht 1,3, sondern wohl eher knapp 2 GW). (NB: Ist es nicht erschreckend, dass der Bundesregierung nicht einmal für 2008 verlässliche Zahlen vorliegen? Vielleicht noch schlimmer: Dass die Regierung überhaupt kein Interesse daran zeigte und die einzige vernünftigen Zahlen von einem Fachmagazin kommen? Siggy played guitar und didn't care about the numbers like the spiders from mars ;-))

3.) Auch wenn die Einspeisevergütung gesenkt wurde (oben noch 44,41 Cent, gesenkt im EEG2009 auf 43,01), griff das für 2008 eh noch nicht. Ab 2009 dürften wir für die 2008 installierten Anlagen gut 900 Millionen Euro für jedes des kommenden 20 Jahre bezahlen (OK, eins haben wir hinter uns). Aus den in der Studie erwarteten gut 12 Mrd (abdiskontiert gut 10) dürften also eher insgesamt 18 (abdiskontiert etwa 15) Milliarden geworden sein.
In 2009 sieht das natürlich noch schlimmer aus. Bei 43 Cent und 3 Gigawatt (es könnten auch 4 werden) ergeben sich 1,29 Milliarden Euro, die wir für die nächsten 20 Jahre jährlich bezahlen dürfen. Das macht 25,8 Milliarden Euro, abdiskontiert immer noch gut 20 Mrd. Euro.
Grob über den Daumen geschätzt, haben die Politiker in den zwei letzten Jahren die Solarschulden also in etwa verdoppelt. Respekt!

Ändern wird sich daran erst einmal nichts. Am 13. Januar soll zwischen Politik und Wirtschaft verhandelt werden und dann möglicherweise außerplanmäßig im Sommer die Vergütung reduziert werden. Man muss aber kein Skeptiker sein, wenn man davon ausgeht, dass spätestens wenn sich eine Senkung zum Juli abzeichnet, nochmal 2 oder 3 Gigawatt hinzukommen werden, die mit viel zu hohen Vergütungssätzen belohnt werden. Selbst bei der um 9% gesunkenen Vergütung von gut 39 Cent lohnt sich die Installation immer noch. Vor allem bei den aktuellen Niedrigzinsen.
Wenn die CDU-FDP Regierung irgendwas auf die Kette bekommen hätte (hat sie IMHO aber noch nicht, das war ein Komplettausfall bisher), wäre das schon zum im Januar passiert. Aber dass auch die Koalition wieder Milliarden sinnlos verpulvert, scheint auch nach der Kürze der Legislaturperiode wieder festzustehen ...

Anhörung: Solarbranche schlägt Kürzung ihrer Subventionen vor - Unternehmen - Industrie - Handelsblatt.com


Solarserver: Neue Zahlen: Photovoltaik-Zubau 2008 höher als bislang bekannt; fast zwei Gigawatt nachgewiesen, bis zu vier Gigawatt für 2009 erwartet
Photon: 2008 in Deutschland 1.933 MW installiert

http://egghat.blogspot.com/search/label=solarenergie

(Ich hoffe Blogger frisst die Tabelle nicht)

Update (06.01.09):

Die Verbraucherzentrale fordert auch eine kräftige Absenkung der Einspeisevergütung um 30%.

Wenn das Handelsblatt allerdings den Preisverfall auf niedrigere Lohnkosten in China zurückführt, irrt es sich aber. Die Hauptursache dafür sind die Überkapazitäten.

Handelsblatt: Für die Solarbranche brechen trübe Zeiten an

Kommentare :

  1. Du immer mit Deinem kaum versteckten Neid auf die grenzenlosen Geldscheffelmöglichkeiten der Dachflächenbesitzer... ;-)

    Im Netz gibt es eine Seite (oder mehrere), wo Du Dachflächen pachten kannst. Frag doch mal die Dachflächenbesitzer in Deiner Nachbarschaft, ob Sie Dir ihr Dach für 20 Jahre verpachten. Dann setzt Du eine Photovoltaik-Anlage drauf und wirst unglaublich reich. ;-)

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  2. Also ich komm mit meiner Überzeugungsarbeit nicht einmal bei meinen Eltern und Schwiegereltern weiter ... Die Dächer sind noch frei. Völlig unverständlich IMHO.

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