Zahl des Tages (11.01.10): 282.625.000

Tolle Meldung. 133 Millionen spart der Staat jetzt, weil er nicht wie vereinbart 50 Millionen Dosen, sondern nur noch 34 Millionen Dosen Schweinegrippeimpfstoff Tamiflu Pandemrix dem Pharmariesen GlaxoSmithklineBeecham abkaufen muss. Darüber hinaus gibt es noch eine Einlagerung von 9 Millionen Dosen, die beim Pharmakonzern gelagert werden und anschließend ins Ausland verkauft werden. Durch die Reduzierung spart der Staat (genauer die Länder) 133 Millionen Euro. So weit die allgemeine Aussage.

Aber angesichts der ausgebliebenen Katastrophe, die übrigens nicht ganz unerwartet kommt, muss man sich IMHO eher fragen, was denn mit den

282.625.000 (282,6 Millionen) Euro

ist, die der Staat für die 34 Millionen Impfdosen ausgeben hat (wenn diese Dosen genau so viel gekostet haben, wie die abbestellten. Außerdem ist mir unklar, wie die 9 Millionen berechnet werden, aber es geht eh nicht um die genaue Zahl).

Es wurden bisher 18,6 Millionen Dosen ausgeliefert (wurden die auch verwendet oder ist die Hälfte "schlecht" geworden?). Es sollen noch die restlichen Dosen bis 25 Millionen ausgeliefert werden. Aber an wen eigentlich, lässt sich noch jemand impfen? Angesichts der mageren Gefährdungslage berechnet das Robert-Koch-Institut schon gar keine aktualisierte Karte der Grippefälle mehr:




Ich kann den positiven "Geld gespart" Spindoktor-Kram nicht wirklich teilen, IMHO haben wir ganz schön viel Geld dem Pharmakonzern unnötig in den Hals geworfen.

Dahinter steckt wahrscheinlich die gleiche Überlegung der Politiker wie sie diese so häufig vornehmen: Bloß was machen, damit nachher niemand sagen kann, man hätte nichts gemacht. Keine Nacktscanner aufbauen birgt die Gefahr, dass es einen Terroranschlag gibt. Diese Gefahr gibt es zwar sowieso (und selbst wenn das Flugzeug sicher ist, kann man einen ICE in den Luft jagen), aber ohne Nacktscanner gibt es nach einem Anschlag immer jemanden, der sagt, dass es mit Nacktscanner nicht dazu gekommen wäre. Und dann wird die Verteidigung eines Neins zu Nacktscannern schwierig.

Deshalb kommt es so häufig zu politischen Entscheidungen, die sich nachher als schwachsinnig herausstellen. Die werden nur aus der Angst getroffen, in dem Fall des Eintretens der Katastrophe doof dazustehen. Egal wie unwahrscheinlich die Katastrophe ist.

Focus: Länder kaufen weniger Impfstoff und sparen 133 Millionen Euro

Ansonsten gilt mein Tweet von vor ein paar Tagen:

Finanzkrise 2008 überlebt, die Schweinegrippe 2009 und Daisy 2010. Ich muss ein Glückspilz sein :-)

Update (23:22):

Kaum veröffentlicht, schon findet man die Zahl, die verzweifelt gesucht wurde.

Ursprünglich sollten 416,5 Millionen bezahlt werden. Jetzt werden 133,3 Millionen gespart. Macht 283,2 Millionen, die insgesamt ausgeben werden. Die Rechnung von oben stimmt aso fast genau (Selber-Auf-Die-Schulter-Klopf).

Den Satz "Da nun jedoch eine statt der ursprünglich vorgesehenen zwei Impfungen ausreicht, drohten die Länder auf dem Impfstoff und den Kosten sitzen zu bleiben" habe ich sonst aber nirgendwo gelesen. *Das* soll jetzt der Grund sein und nicht die Tatsache, dass niemand zu Impfung geht?!? Ich bin verwirrter als vorher ...

Tagesschau: Länder haben Schwein gehabt

Update (12.01.10):

Der Impfstoff heißt Pandemrix, nicht Tamiflu.

Kommentare :

  1. Nur kurz der Richtigkeit halber.
    Der Impfstoff heisst "Pandemrix". "Tamiflu" ist das Antibiotikum wenn man sich die böse Seuche schon eingefangen hat.

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  2. Ich gebe dir vollkommen recht zu der Panikmache und ich bin der selben Meinung, dass das genau so bei den Politikern funktioniert.

    Ich glaube einzig und allein die Hemmschwelle für Anschläge steigt mit zunehmender Überwachung. Irgendwas in die Luft jagen kann man aber trotzdem ohne Überwachung genauso gut wie mit einem Überwachungsstaat.

    (Es reicht doch wenn man ein gemobbter Schüler ist der Chemie gut kann ...)

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  3. @Maschinist:

    Danke für den Hinweis. Habe ich verbessert.

    @Anonym:

    In Israel sind die Flughäfen sicher. Dann wurden Busse in die Luft gesprengt. Jetzt sind auch die Busse sicher (überall Kontrollen). Wenn die Terroristen nicht mehr in den Bus reinkommen, fahren sie eben mit einem Auto neben den Bus und zünden dann. Hat ganz nebenbei noch den Vorteil, dass ein Auto problemlos 100 Kilo Sprengstoff transportieren kann.

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  4. Zur Sicherheitsdebatte an Flughäfen kann ich Bruce Schneiers Artikel Is aviation security mostly for show? übrigens wärmstens empfehlen.

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  5. Tamiflu ist doch kein Antibiotikum. Diese setzt man gegen Bakterien ein, aber doch nicht gegen Viren.

    Wie man mit sehr unwahrscheinlichen, aber potentiell katastrophalen Ereignissen umgehen soll, ist sicher :-) eine sehr schwierige Frage. Ich fauler Sack habe nicht mal den schwarzen Schwan gelesen, kann also nur so enden:

    Allen recht getan ist eine Kunst die niemand kann.

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  6. @mylli:

    Die größte Gefahr bei diesem ganzen Gehampel um die Schweinegrippe ist, dass wenn das Virus irgendwann mal wirklich gefährlich wird, sich niemand mehr impfen lässt, weil es wieder alle für einen Witz halten.

    Es gab aber dieses Jahr keinerlei Anzeichen, dass die Schweinegrippe gefährlicher wird als die normale. Und daher gibt es auch keinen Grund, sich impfen zu lassen, wenn man sich sonst auch nicht gegen die normale Grippe impfen lässt.

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  7. Ist der Rechtschreibfehler im zweiten Satz Absicht? ("Scheinegrippeimpfstoff").

    Übrigens meinte vor ein paar Tagen ein THW-Mitglied, daß die Dramatisierung von Daisy in den Medien genau diesen Effekt hätte: Die Leute decken sich mit Vorräten ein, stellen fest, daß das alles unnötig war und wenn dann mal wirklich ein schwerer Schneesturm kommt, hört niemand mehr auf die Warnungen.

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  8. Tippfehler korrigiert. Danke für den Hinweis.

    Bei Pandemieexperten ist genau die gleiche Meinung zu hören: Wenn man dauernd warnt, wird irgendwann keiner mehr hören. Egal ob es gefährlich ist oder nicht ...

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