Zahl des Tages (11.01.10): 90%

Weil das ja gerade umgeht ... (u.a. bei fefe und mir auch zweimal persönlich zugetragen), gebe ich auch noch etwas Senf dazu.

Der aktuelle Marktausblick von Pimco hat einige Wellen verursacht. Nicht sonderlich überraschend, immerhin ist Bill Gross der Manager des größten Rentenfonds der Welt und wahrscheinlich auch bald des größten Fonds der Welt überhaupt (etwa 200 Mrd. Dollar Volumen).

Die Anmerkungen zu den Käufern der US-Staatsanleihen haben einige aufgeschreckt, allerdings habe ich auf die Tatsache, dass die Fed ungefähr das halbe Staatsdefizit des Jahres 2009 aufgekauft hat, bereits kurz vor Weihnachten schon hingewiesen (Zahl des Tages (21.12.09): 2.210.000.000.000). Dass im Gegenzug China nur noch 10% gekauft hat, ist daher logisch.

Die Zahlen zu Großbritannien sind ganz interessant, aber spannender finde ich das noch aus einer anderen Sichtweise. Die Bank of England hält aktuell etwa 178 Mrd. Pfund an britischen Staatsanleihen (Bank of England: Summary of Quarterly Bulletin 2009 Q4 - Complete issue (PDF!)). In Bezug auf die Gesamtverschuldung (über 850 Mrd. Pfund) entspricht das gut 20%. In Bezug auf alle Gilts etwa ein Drittel (nicht alle Schulden sind ja in Gilts). In Bezug auf die Neuverschuldung von 2009 (etwa 200 Mrd. Pfund) macht das sogar ungefähr


90%.

Während die Notenbank der USA also "nur" etwa die Hälfte der Neuverschuldung in die eigenen Bücher nehmen musste, war in Großbritannien die Notenbank quasi der einzige (oder besser gesagt letzte) Abnehmer für die neuen Schulden. Der Ausstieg der Notenbank aus dem Quantitative Easing (Geld drucken hört sich wohl nicht so schön an) in Großbritannien dürfte somit noch um einiges schwieriger werden als in Amerika.

Ganz interessant sind übrigens die in der Pimco Januar Prognose genannten Zahlen zur Staatsverschuldung von Merrill Lynch. Man kann schön erkennen, wie die Staatsverschuldung von Großbritannien und den USA von "deutlich unterhalb des G20-Durchschnitts" auf "deutlich oberhalb" schießt. Ebenso deutlich erkennt man, wie solide die Emerging Markets im Vergleich zu den alten Volkswirtschaften wachsen.

Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung und erwartete Änderung

Haushaltsdefizit (% des BIPs)
Staatsverschuldung (% des BIP)

07
09
10e
14e
07
09
10e
14e
Australien
1.5
-4.3
-5.3
-1.1
10
17
23
28
China
0.9
-3.9
-3.9
-0.8
20
20
22
20
Frankreich
-2.7
-8.3
-8.6
-5.2
64
78
85
96
Deutschland
-0.5
-4.2
-4.6
0.0
63
79
85
89
Indien
-4.4
-10.4
-10.0
-5.7
81
85
86
79
Italien
-1.5
-5.6
-5.6
-5.3
104
116
120
129
Japan
-2.5
-10.5
-10.2
-8.0
188
219
227
246
U.K.
-2.6
-11.6
-13.2
-6.8
44
69
82
98
USA
-2.8
-12.5
-10.0
-6.7
62
85
94
108
G-20
-1.0
-7.9
-6.9
-3.7
62
75
80
86
Advanced
-1.9
-9.7
-8.7
-5.3
78
99
107
118
Emerging
0.3
-5.1
-4.1
-1.3
37
39
40
36

Source: BofA Merrill Lynch Global Research, IMF

Aber noch ein Punkt hat mich dazu gebracht, diesen Bericht von Pimco zu verlinken. Und zwar die Worte von Bill Gross zum Zustand der amerikanischen Demokratie, die in den Worten:

"What amazes me most of all is that politicians can be bought so cheaply."

gipfeln. Das ist wirklich starker Tobak! Nicht, dass die Gedanken neu wären, interessant ist wer sie sagt.

"Conceived with the vision of liberty and justice for all, we have descended in the clutches of corporate and other special interests to a second world state defined by K Street instead of Independence Square. Our government doesn’t work anymore, or perhaps more accurately, when it does, it works for special interests and not the American people." (K Street ist die Straße in Washington, in der die Lobbyverbände und Think Tanks sitzen).


"Public records show that combined labor, insurance, big pharma and related corporate interests spent just under $500 million last year on healthcare lobbying (not much of which went to politicians) for what is likely to be a $50-100 billion annual return."

Man stelle sich vor, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank stellt sich hin und sagt der staunenden Öffentlichkeit, dass die Demokratie in Deutschland nur noch Spezialinteressen diene und die Politiker eh alle gekauft seien. Der Aufstand möchte ich hören. Dabei sieht es hier nur ein wenig besser aus als in den USA.

 
Investment Outlook - BillGross - January 2010


Kommentare :

  1. Wenn sowas in DE gesagt werden wuerde, dann bekaeme das keiner mit, weil alle noch Bauer-Sucht-Frau gucken.

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  2. Naja, immerhin gibt es Leute in Deutschland die sogar mitbekommen, wenn das jemand in den USA sagt.

    Ganz so pessimstisch wäre ich nicht.

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  3. Und noch ein Fun-Fact, mit dem man Leute aus den Socken hauen kann, die Wirtschaft für langweilig und gleichzeitig unglaublich mysteriös finden.. yay! :/

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  4. Wenn man dann das noch mit den Infos aus "Money as debt" (http://www.youtube.com/watch?v=vVkFb26u9g8) zusammenfügt, wird da ein Schuh draus. Vor allem auch, warum jährlich von der EZB eine Inflationsrate von 2% und ein Wirtschaftswachstum angestrebt wird. Und weil eben sonst keiner bereit ist, Schulden zu machen, macht es der Staat und erschafft so neues Geld. Ich schaue ja persönlich gerade nach Griechenland, wie sich das dort entwickeln wird.

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  5. Ich wäre mir da gar nicht so sicher das es bei uns überhaupt besser aussieht. Klar hört man dies immer und überall, wird aber schwer fallen dies adäquat zu begründen.

    Grüße,

    KP

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  6. ... bin zwar etwas spaet dran, aber vielleicht findet sich ja noch jemand, der zu der frage etwas sagen kann. Die relativ guenstige Entwicklung der "Schwellenlaender". Spielen dafuer steuerliche Erleichterungen eine Rolle?
    Thanks im voraus
    G. Schoenbauer

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  7. @KP

    Die deutschen Schulden sich noch beherrschbar. Bei den griechischen bin ich mir da nicht mehr so sicher ... Da ist schon ein Unterschied.

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  8. @G. Schoenbauer:

    Steuern? Ich glaube nicht, dass das der entscheidende Faktor ist. Die Länder mit Exportüberschüssen halten sich relativ gut, die anderen nicht. Wobei auch aus der Reihe jemand fliegen würde: Japan.

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  9. ... thanks fuer die Antwort, entspricht auch meiner Laien-Sicht.
    G. Schoenbauer

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