Zahl des Tages (15.01.09): 4

Ich hoffe, ich habe noch nichts zu dem Thema geschrieben und meine Suchen fanden nur einen artverwandten Artikel, in dem es aber um Bankanleihen ging (Zahl des Tages (10.11.09): 4,7).

Die Ratingagentur Fitch hat sich die Finanzierungssituation der USA angeschaut. Dabei sind einige Sachen bekannt (es muss gespart werden, Ende 2011 könnte die Staatsverschulung auf 94% des BIPs steigen, etc.), eine Zahl war mir aber neu.

Die durchschnittliche Laufzeit der US-Staatsschulden liegt bei nur noch

4

Jahren. Sie ist damit noch kürzer als die 4,7 Jahre der Bankschulden aus meiner alten Zahl des Tages (siehe oben). Und selbst die gilt schon als kritisch.

Dass die durchschnittliche Restlaufzeit der US-Schulden wirklich sehr kurz ist, zeigt auch ein Vergleich mit anderen Schuldnern: Die Schulden des "Triple-A-Clubs" der Eurozone (also im wesentlichen Deutschland und Frankreich) laufen durchschnittlich 7 Jahre, die aus Großbritannien sogar 10.

Der Grund für die deutliche Verkürzung der Laufzeit der US-Staatsschulden ist natürlich einfach: Die Zinsen/Renditen für kurzlaufende Anleihen sind extrem niedrig. Bei einmonatiger Laufzeit sind es aktuell 0,02(!)%, bei dreimonatiger 0,05(!)%, bei einem Jahr 0,9%, bei 3 Jahren 1,5%, bei 4 Jahren 2,5%, bei 10 Jahren 3,7% und bei 30 Jahren 4,6%. Man sieht schnell, dass am kurzen Ende die Zinsen unglaublich niedrig sind, die Renditen waren sogar schonmal kurzfristig negativ.

Das Finanzministerium in den USA hat also ein nachvollziehbares Interesse daran, sich möglichst kurzfristig zu verschulden und tut das auch. Aktuell ist das auch alles kein Problem. Aber wehe wenn die Zinsen steigen! Dann gehen die Zinskosten für die kurzfristigen Schulden schnell nach oben, da man diese logischerweise oft refinanzieren muss.

Wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass die USA fast die halbe Neuverschuldung in 2009 direkt an die Fed verkauft haben und dieses Anleihen eigentlich nur darauf warten, auf den Markt zu kommen, kann man für langlaufende US-Staatsanleihen gar nicht skeptisch genug sein.
Sollten die USA zusätzlich nach einem Leitzinsanstieg am kurzen Ende wieder zu einer längerfristigen Verschuldung zurückkehren wollen, wird das für noch mehr Angebotsdruck bei den langlaufenden Staatsanleihen führen. Da möchte man als Anleger dann lieber nicht dabei sein.
Wobei man den 30-jährigen Bonds zugutehalten muss, dass die Zinskurve extrem steil ist und es durchaus sein könnte, dass einiges der obigen Überlegungen bereits in den Kursen eingepreist ist.

Telegraph: US must cut spending to save AAA rating, warns Fitch

Update (16.01.09):

matsch hat sich die Mühe gemacht und mal nach Zahlen für Deutschland gesucht. Danach lag die Duration (nicht exakt das gleiche wie die Restlaufzeit, aber bei so niedrigen Zinsen sehr ähnlich) 2008 bei 4,5 Jahren. Danach sind also "wir" Deutschen diejenigen, die für die vergleichsweise kurze Durchschnittlaufzeit des Euro-Triple-A-Clubs sorgen.

(Quelle)

Kommentare :

  1. Duration und durchschnittliche Restlaufzeit sind zwar nicht ganz dasselbe, aber die Duration der Bundesschuld liegt bei rund 4,5 Jahren (Stand 31.12.2007), mittlerweile wohl noch niedriger.

    Die Grafiken auf Seite 3 sind sehr aufschlußreich, insbesondere was den gewaltigen Brocken an kurzfristig zu refinanzierenden Schulden betrifft


    http://www.deutsche-finanzagentur.de/fileadmin/Material_Deutsche_Finanzagentur/PDF/Investor_Forum/2008_1_IF.pdf

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  2. Es ist ja jetzt schon so weit ,dass die Frage nicht mehr ist: "Wie viele Zinsen bekomme ich?", sondern: "Von wem bekomme ich mein Geld sicher zurück?"
    Bin mal gespannt wann die erste Auktion für Staatsanleihen offiziell scheitert.

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  3. @matsch:

    Danke für den Link. Dann sind also "wir" diejenigen, die für die vergleichsweise kurze Durchschnittlaufzeit des Euro-Triple-A-Clubs sorgen.

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  4. Ich hatte den Link parat, weil ich ihn vor kurzem andernorts gebraucht hatte ;)
    Was mich aber trotzdem stört, dass anscheinend keine aktuelleren Daten als die zum 31.12.2007 aufzutreiben sind.
    An sich wäre bei der Betrachtung der Restlaufzeiten der Median die weitaus bessere statistische Größe als der Durchschnitt. Mehr als 40% der Bundesschuld haben eine Restlaufzeit von weniger als drei Jahren, weitere 20% eine Restlaufzeit zwischen drei und fünf Jahren. Die extrem niedrigen Zinsen auf der kurzen Seite lassen es plausibel erscheinen, dass in den letzten zwei Jahren der Bund die kurzen Laufzeiten massiv ausgebaut hat.

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  5. Ergänzung: bei dem Brocken von 929 Mrd Bundesschuld zum 31.12.2007 handelt es sich nur um "handelbare Wertpapiere". Finanzierungsschätze mit Laufzeiten von 1 bzw. 2 Jahren sind nicht (börsen-)gehandelt. Volumen dürfte sich allerdings in Grenzen halten, da wohl hauptsächlich Privatanleger sich diese Dinger zulegen

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  6. Ergänzung Teil II:

    Bundesschatzbriefe natürlich nicht zu vergessen

    Die Emissionsplanung des Bundes für 2010 sieht 343 Mrd vor. Erstaunlich hoch der Anteil von Geldmarktpapieren mit Laufzeiten unter 1 Jahr.

    http://www.deutsche-finanzagentur.de/fileadmin/Material_Deutsche_Finanzagentur/PDF/Institutionelle_Investoren/Emissionsplanung_2010_dt.pdf

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  7. und weil ich so toll in Fahrt bin:

    auf den Seiten der Deutschen Finanzagentur erfährt man auch, dass die ans Privatpublikum begebenen Bundesschatzbriefe und Finanzierungsschätze ein verblüffend kümmerliches Emissionsvolumen haben. Hätte ich nie gedacht. 2010 stehen gerade mal 2,1 Mrd an Bundesschatzbriefen und Fianzierungsschätzen zur Tilgung an.

    Seite 10 der Pressemitteilung:

    http://www.deutsche-finanzagentur.de/fileadmin/Material_Deutsche_Finanzagentur/PDF/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen_2009_-_deutsch/pm_28_Emissionskalender_171209_dt.pdf

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  8. So, jetzt aber allerletzter comment. Versprochen! ;)

    Topaktuelle Zahlen zur Restlaufzeit der Bundesschuld: 55% des gegenwärtigen Schuldenstandes von 1054 Mrd sind kürzer als 4 Jahre


    http://www.deutsche-finanzagentur.de/fileadmin/Material_Deutsche_Finanzagentur/PDF/Schuldenstand/Kreditmarktmittel_Monat/2009-12-31.pdf

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