Ex-US-Finanzminister Paulson weiss, wer Schuld ist (Tipp: er war's nicht ...)

Ja klar, natürlich nicht die Wall Street, nicht die US-Regierung, nicht die USA. Nein, die Briten waren es! Weil deren Regierung der britischen Bank Barclays den Kauf von Lehman Brothers untersagt hat!

Die Briten sind aber auch sooooo gemein, dass die dieses Fass ohne Boden
den Amerikanern nicht abgekauft haben.

Es ist auch sooooo gemein, dass eine britische Privatbank dieses Risiko namens Lehman Brothers nicht in die eigenen Bücher genommen hat. Ein Risiko, das der amerikanische Staat natürlich nicht gehen konnte und auch keine amerikanische Bank. Häh?

Und übrigens: Was hätte das geändert? Wären dann die Hypotheken alle wieder werthaltig gewesen? Der Giftmüll auf einmal allerfeinste Recycling-Ware? Die Immobilienpreise nie zu hoch? Der US-Verbraucher nicht zu hoch verschuldet? Der ganze Finanzsektor nicht mindestens um den Faktor zwei, wenn nicht gar drei, zu hoch gehebelt? Die Ratingagenturen nicht unfähig gewesen? Alles wäre in Butter gewesen, wenn Barclays Lehman gekauft hätte?

Dass Hank Paulson ziemlich durchgeknallt ist, zeigt dann auch die zweite ans Licht gekommen Verschwörungstheorie aus dem bald erscheinenden Buch: Die Russen sollen bei China angefragt haben, ob sie vor der Olympiade massenhaft US-Anleihen verkaufen wollten, um Amerika unter Druck zu setzen. Die Chinesen sind darauf nicht eingegangen. Schuld sind hier natürlich auch die Russen und nicht die Amerikaner, die sich bis zur Halskrause verschuldet haben.

Wenn man sich immer noch fragt, wie es zu der Krise kommen konnte und dabei auf "Gier" tippt, liegt man glaube ich falsch. Es ist schlimmer. Die an der Wall Street sind komplett durchgeknallt. Unzurechnungsfähig. Hoffentlich nicht auch strafunfähig ...

Und das gilt nicht nur für die jetzigen Leader an der Wall Street (vgl. Spiegel: "Banken verrichten Gottes Werk"), sondern auch die davor (siehe dazu auch Colbert zur Finanzkrise (nanhörung) - At his very best!)

Wer hart im Nehmen ist, kann sich ja mal das Buch antun: On the Brink: Inside the Race to Stop the Collapse of the Global Financial System  und dann berichten. Ich hafte aber nicht, wenn die Lektüre bleibende Schäden hinterlassen sollte ;-)

FTD: "Die Briten haben uns abgezockt"

Update (14:34)

Passt wie auf's Auge zum Text (schon die 2. Zahl des Tages, die ich heute so verschenke ...)

Spiegel:Goldman-Sachs-Chef erhält 100-Millionen-Bonus

F***ing coole 100 Millionen Dollar Bonus für ein Jahr Arbeit ...

Update (02.02.10):

"Ich habe sie (meine Frau) gebeten für mich zu beten"

Man beachte für wen die Frau beten soll. Nicht für die Welt, nicht für die USA, nicht für die richtige Entscheidung, sondern "für mich".

„Am Abgrund“ – Memoiren eines Finanzministers

Kommentare :

  1. Ich wundere mich ja immer wieder, wenn die Pleite der Lehmann Brothers, als Start/Ursache der Finanzkrise genannt wird. Die Finanzkrise hat für mich eigentlich schon am 30.06.2007 (diesen Tag hatte ich mir im Kalendar markiert) angefangen, als zwei Fonds von Bear Stears dicht gemacht haben.

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  2. Das erklärt so einiges - man muss verrückt und größenwahnsinnig sein um reich zu werden.
    Gruß dm

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  3. Und ich wundere mich mit zunehmendem Lebensalter darüber, wie sehr man diese schier unglaubliche Chuzpe, Dreistigkeit, das Schleifen zivilisatorischer Standards nur noch mit resignativem Achselzucken zur Kenntnis nimmt, die einen vor zehn, fünfzehn Jahren noch fassungslos gemacht hätten und ich jeden Eid darauf geschworen hätte, dass dies nicht möglich wäre wenn man nicht eine Revolte riskieren möchte. Eine Finanzoligarchie - die nicht mal Unternehmer sind, sondern Arbeitnehmer, die sich von niemanden daran gehindert ihre Luxusarbeitsverträge auf den Leib schneidern - kann sich Hunderte und Aberhunderte von Milliarden aufs Privatkonto überweisen ohne dass irgend etwas passiert.

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  4. @m106: ACK. Die Krise fing früher an.Lehman hat diese nur beschleunigt und vertieft. Runtergegangen wäre es aber auch ohne die Lehman Pleite.

    @dm: Sieht so aus

    @matsch:

    Meinen Tweet zu Ex-Wallstreetlern in der Obama Regierung gesehen. Dann glaubst du an nix mehr.

    Die Linken haben mit immer schon vom Militärisch-Industriellen-Komplex erzählt. Naja, hat ein paar Jahre gedauert, bis ich gemerkt habe, dass die Recht haben. ABER inzwischen ist es noch viel schlimmer: Das, was die Militärs eingestielt haben, war so erfolgreich, dass das jetzt alle Branchen kopieren. Öl war mit Bush am Ziel. Die Finanzindustrie ist mit Obama am Ziel und der Pharma-Healthcare-Bereich ist inzwischen auch kurz davor, in Washington einen so starken Einfluss zu erreichen, dass der nie mehr wirklich von der Politik in die Mangel genommen wird. Am Ende werden wir von ein paar Marionetten regiert und die Figuren dahinter sind von ein paar oligopolischen organisierten Industrien bezahlt.

    Klingt bitter, gell? Und ich hätte vor 10 Jahren auch nicht geglaubt, dass ich sowas mal sage ...

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  5. egghat,

    die meisten deiner mit Sicherheit absolut lesenswerten Links klicke ich gar nicht an, weil das Skandalöse, das schier Unfassbare, wegen Gewöhnung und vieljähriger Abstumpfung, mir nicht viel mehr als ein Achselzucken entlocken würde. Ist halt so. Und ich bin damit ja nicht allein, (fast) jeder hat sich daran gewöhnt.

    Auf anderen Feldern lässt sich durchaus ähnliches beobachten. Hättest Du vor zehn Jahren schwören mögen, dass sich keine westliche Zeitung traut, die Mohammed-Karikaturen zu drucken, der Zeitungsleser, der sich die rührend harmlosen Bildchen nicht in den Weiten irgendwo im Internet beschafft hatte, sich den Gegenstand der muslimischen Raserei wortreich beschreiben lassen musste, weil die Zeitungen so gotterbärmlich feige waren (und es immer noch sind) ihrer Informationspflicht nachzukommen?

    Wenn man ich das mal so ein bisschen Revue passieren lasse, dann kann man sich vorstellen, was die Massen mit sich alles anstellen lassen bzw. sie dazu bringen kann 'verrückte' Dinge zu tun ...

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  6. und was dem ganzen die Krone aufsetzt: sie tun es nicht einmal heimlich und verstohlen, sie tun es frei und ungeniert und mit Bekennerstolz, mit kaum verborgener Lust am Demütigen einer Öffentlichkeit.
    Seht, wir sind die Könige der Welt, wir nennen Wahrheit 'Lüge' und Lüge 'Wahrheit' und wenn es morgen opportun erscheint, dann werden wir die ersten sein, die schreiben, dass Meinungsfreiheit 'Meinungsterror' ist und dringend Grenzen braucht.

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  7. Sehr schön geschrieben. Paulson wird aber noch getopt von einem "Experten", der in Davos gesagt hat, die Konsumenten seien Schuld an der Krise:
    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/top-thema-in-davos-manager-buhlen-um-vertrauen;2520887
    Viele Grüße
    de

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  8. Der Konsument. Klar, wer sonst. Bei der Finanzkrise hat ja auch der amerikanische Verbraucher die Schuld, weil der sich einfach nicht gegen die Angebote der Bank gewehrt hat.
    Ja, sicherlich hat er eine Mitschuld, aber kann man ernsthaft erwarten, dass ein Durchschnittsami mit 60.000 Dollar Einkommen genau die Produkte kapieren kann, deren Auswirkungen die Experten mit 600.000 Jahreseinkommen nicht verstanden haben? Ich glaube nicht.

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  9. Also, so kommt man mit der Suche nach dem, der die Schuld an der Finanzkrise trägt, nicht weiter.

    Bin mal gespannt wer nachher als Schuldiger auserkoren wird. Mein Tipp sind ja die Banker.

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  10. Nee, die können es nicht sein. Die tun nur Gottes Werk ...

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  11. Wer hat Schuld?
    In erster Linie immer noch die wachstumsbesessene Politik und mit ihr im Verbund die ergebenen Notenbanken, namentlich natürlich die FED und ganz besonders Greenspan, die seit zwanzig Jahren Geldpolitik für die Finanzmärkte machen und nicht Geldpolitik für die Realwirtschaft. Alles, was sie tun, geschieht wegen der Finanzmärkte. Die Notenbanken schütten die Finanzwirtschaft mit Geld zu, auch wenn sie wissen, dass nur 10% davon in der Realwirtschaft ankommen. Dass die verkommene Kaste der Finanzmanager diese erstklassige Gelegenheit nicht verstreichen lässt, ist ihnen nicht zu verdenken.

    Die Politik will Wachstum für reife Volkswirtschaften haben mit Raten, die einfach nicht mehr möglich sind, weil die Politik permanent in Versuchung ist, den Leuten zu versprechen es könnte wieder so schön werden wie in den 60er und 70er Jahren. Das ist natürlich nicht möglich und deswegen versucht man es auf betrügerische Weise, zumindest um die Masse eine Zeit lang zu täuschen. Die Politik fordert eine überzogene Geldmengenexpansion und gleichzeitig (zu) niedrige Zinsen. Das meiste Geld fließt dann eben, weil in der Realwirtschaft nicht gebraucht, in die Finanzmärkte. Mit allen Folgen.

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  12. Gaaanz unten drunter liegt natürlich die Geldpolitik von Alan Greenspan. Da stimme ich zu.

    Nach der Politik der letzten 25 Jahre muss man ganz klar sehen, dass dieses Geldsystem genau so zusammenbrechen wird wie alle anderen vorher auch. Das muss nicht morgen passieren, aber es wird passieren.

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