Was machen eigentlich die geschlossenen offenen Immobilienfonds?

Abwerten ...

Sie waren hier ja ein paar Mal Thema. Die offenen Immobilienfonds, die nach kräftigen Abflüssen geschlossen werden mussten. Die Fondsanbieter wiesen natürlich daraufhin, dass das nur aus Liquiditätsgründen erfolgt ist und mögliche Abwertungen nicht der Grund dafür seien ...

OK, glatte Lüge, zumindest was einen Fonds betrifft. Und bei mindestens einem weiteren erwartet die Börse ähnliches.

Eigentlich war der zweite schon ein Anlass für ein Posting. Der MORGAN STANLEY P2 VALUE (DE000A0F6G89) Immobilienfonds hat schon eine Abwertung von knapp 14% im letzten Sommer hinter sich. Dadurch sank der Preis von knapp 54 auf gut 46 Euro (Morgan Stanley: Unabhängiger Sachverständigenausschuss schließt Neubewertung ab).

Die Börse hält von der neuen Bewertung aber nur wenig. Der aktuelle Kurs an den Fondsbörsen, wo der Fonds im Gegensatz zum direkten Handel mit dem Emittenten noch gehandelt werden kann, sieht den Kurs nochmal deutlich niedriger. Hamburg stellt zum Beispiel heute 39,80 zu 40,60. Das sind also nochmal ungefähr 13% weniger als der offizielle Rücknahmekurs (der aber nur auf dem Papier steht, denn Morgan Stanley nimmt ja nicht zurück ...). Im Chart ist die blaue Kurve der offizielle Kurs, die schwarze Kurve der Kurs von der Fondsbörse.





Jetzt könnte der Kurs natürlich nur unter Druck sein, weil hier Anleger verkaufen müssen und das nur über die Fondsbörse machen können. Das wäre dann eine schöne antizyklische Investmentidee. Ich habe einen ähnlichen Stunt mal mit dem Grundbesitz Invest (heißt inzwischen anders) der Deutschen Bank gemacht. Hier konnte ich mir einfach nicht vorstellen, dass die Deutsche Bank bei einem Immobilienfonds, der hauptsächlich in Deutschland investiert hat, so hohe Abwertungen vornehmen muss wie derAbschlag an den Börse ausmachte (damals über 10%). Und selbst wenn sich die DWS derartig stark verrechnet hätte, bestand noch durchaus die Möglichkeit, dass die DWS das Minus auf die eigene Kappe nimmt. Gut, das war am Ende nicht notwendig, denn die Neubewertung der Immobilien des Fonds führte sogar zu einem Plus.

Im aktuellen Fall wäre ich aber vorsichtiger. Denn ein weiterer (halb)offener Immobilienfonds, der aktuell geschlossen ist, hat gestern ebenfalls eine kräftige Abwertung bekannt gegeben. Der DEGI Global Business hat gestern sein Immobilienvermögen um 13,8% reduziert. Weil das Immobilienvermögen zu etwa 40% über Kredite finanziert ist (also etwa 1,6fach gehebelt ist), sinkt der Wert der Fondsanteile sogar um 21,6%. Privatanleger tangiert das nicht direkt, weil der Fonds nur für Großanleger gedacht ist (deshalb "halboffen"). Indirekt könnten Privatanleger aber trotzdem über Dachfonds beteiligt sein.

Sicherheit kommt so auf jeden Fall nicht zurück in den eh stark verunsicherten Markt der Immobilienfonds. Wenn in einem Fonds der DEGI Immobilien stecken, die "auf einmal" fast 14% abgeschrieben werden müssen, ist dort bestimmt nicht nur ein Fonds so falsch bewertet, sondern es sind garantiert auch noch andere Fonds (und wahrscheinlich auch noch andere Fondsgesellschaften) betroffen ...
Sofort denkt man natürlich an einen Fonds aus dem gleichen Haus, der "zufällig" auch schon zum zweiten Mal geschlossen ist, den Degi International (ISIN: DE0008007998). Wissen tut man da natürlich noch nichts. Ich möchte auch nur sagen, dass das zwar eine spannende antizyklische Investmentidee sein könnte, mir die Nummer aber zu heiss wäre ...

FTD: Immobilienfonds schockiert mit Rekordabwertung 

Mehr zum Thema bei mir:
Immobilienfonds weit geschlossen ...
Zahl des Tages (03.02.09): (12-02=) 10
Noch zwei (und noch zwei (und noch zwei)) Immo-Fonds dicht

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