Weitere Staatspleiten voraus ...

Wieso Rogoff Jamaika (Erste Staatspleite: Jamaika!) nicht mitzählt und meint, es hätte bisher keine Staatspleite gegeben, verstehe ich nicht ganz. Aber egal.

Auf jeden Fall geht Kenneth Rogoff, der eines der besten Bücher über Finanzkrisen geschrieben hat (Wirtschaftsbuch des Jahres? Reinhart/Rogoff - This Time is different), von weiteren Staatspleiten aus. Die Frage nach dem "ob" ist für ihn beantwortet, schwierig ist nur zu sagen, wann es jemanden trifft und wen es trifft.

Der Auslöser sind jetzt die steigenden Renditen für die Anleihen. Damit werden die Schulden zunehmend unfinanzierbar. Es ist halt eine andere Nummer, wenn die Griechen statt 3% nun 6% auf ihre Schulden von insgesamt etwa 300 Mrd. Euro zahlen müssen. Auch wenn sich dieser Effekt nur nach und nach durch den Schuldenberg frisst, ist der Zeitpunkt doch absehbar, wann der griechische Haushalt unter der Zinslast ersticken wird.

Deshalb würde ich auch dort die Hilfen ansetzen lassen: Über Garantien für die neuen Schulden. Das ist fair, hilft den Griechen sofort und kostet die Garantiegeber im guten Fall gar kein Geld.

Im schlechten Fall kostet die Garantie allerdings richtig viel, nur kann man mit einer Kündbarkeit der Garantie den Griechen auch die ganze Zeit genügend Druck machen. Wenn das nicht reicht, muss man sich eh was anderes überlegen. Und dazu hat man dann ja Zeit.

Die man nutzen kann, um zum Beispiel über ein Ausstiegsszenario aus der Eurozone nachzudenken. Ein paar Überlegungen zu dem Thema hat sich Nouriel Roubini gemacht: The Option of Last Resort: A Two-Currency EMU

Roubini schlägt einen Spaltung des Euro vor, in einen starken Euro und einen schwachen. Die Länder des Südens bekommen den schwachen Euro, die anderen den starken. Die Schulden der Länder mit dem schwachen Euro bleiben im starken Euro (keine Verluste für die Anleihehalter). Die (Export-) Wirtschaft der Schwach-Euro-Staaten profitiert aber von den neuen Exportmöglichkeiten durch die international gestiegene Wettbewerbsfähigkeit.

Ich halte die Idee für nicht so dumm. Ich frage mich nur, wie die Länder des schwachen Euros jemals wieder aus der Schwach-Euro-Zone herauskommen sollen. Je größer und damit wirksamer die Abwertung des Schwach-Euros wird, desto schwieriger wird naturgemäß die Rückkehr zum Stark-Euro. Ich befürchte, dass die Annahme von Roubini, diese Lösung temporär machen zu können, der Knackpunkt ist, an dem alles scheitert.

FTD: Rogoff sagt Staatspleiten voraus

Kommentare :

  1. Hallo egghat,

    interessante Gedankengänge! Es wäre sicher auch hilfreich, sich Indikatoren anzuschauen, die dem Auslöser einer Schuldenkrise vorgelagert sind.

    Für den amerikanischen Markt gibt es von Aswath Damodaran zeitnahe Untersuchungen zur historischen Entwicklung von Marktrisikoprämien sowie zu deren Güte als Schätzer des Marktrisikos. Damodaran untersuchte die Korrelation zwischen impliziten Marktrisikoprämien und Default Spreads von Anleihen. Er kommt zu den folgenden Ergebnissen:

    1996 - 1999 entwickelten sich diese beiden Größen entgegengesetzt; die Marktrisikoprämien sanken, während die Default Spread anstiegen. 2004 - 2007 stagnierten die Marktrisikoprämien und die Default Spreads fielen. Diese Entwicklungen waren Vorboten für gravierende Marktkorrekturen, nämlich für die Dot.com - Blase im Jahre 2000 sowie für das Platzen von Preisblasen in 2008.

    Möglicherweise ergibt sich daraus ja eine "Zahl des Jahres"!

    "This Time is different" habe ich mir bestellt. Danke für den Hinweis.

    Schöne Grüße
    Eric Schreyer

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  2. Rogoff geht in seinem Buch *viel* weiter zurück. Ich weiss nicht, ob man aus Zahlen seit 1996 irgendwas ableiten kann. Das scheint mir zu kurzfristig zu sein. Generell sind statistische Untersuchungen über die richtig großen Wirtschaftskrisen schwierig, weil es davon eigentlich zu wenige gibt. Statistik funktioniert halt am besten in Normalzeiten.

    Bei Rogoffs Untersuchungen kommt übrigens raus, dass die Wahrscheinlichkeit recht hoch ist, dass die Krise a) noch nicht komplett vorbei ist und b) die anschließende Erholung nur langsam und stockend verlaufen wird.

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  3. Hallo zusammen,

    eine verkürze Version von Roggoff/Reinhart gibts auch hier zum reinlesen: http://www.economics.harvard.edu/files/faculty/51_This_Time_Is_Different.pdf

    Grüße

    Alex

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  4. Warum müssen die Anleihehalter immer besonders geschützt werden?

    Diese Griechenland- Anleihehalter haben diese doch selbst ausgewählt, in dem Wissen, dass diese riskanter sind.

    Für dieses Risiko gibt es auch höhere Zinsen.

    Und jetzt müssen diese besonders geschützt werden?

    Eine irre Welt!

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  5. Man könnte aber auch "neu" nachdenken und Rädern, die schon einmal erfunden wurden, ihren gebührenden Platz einräumen. Länder mit unterschiedlicher Leistungskraft in das Korsett einer einzigen Währung zu zwängen setzt schon etwas mehr Überlegung voraus, als im Falle des Euro geschehen.
    Die Zukunft liegt in Ideen, die Silvio Gesell mit der IVA (Internationale Valuta Assoziation) und Keynes mit dem Bancor exzellent ausgearbeitet haben.

    http://andycarl.soup.io/post/46359954/Ausgleich-der-WeltwirtschaftEine-bedeutungsvolle-Parallele-zwischen-Keynes

    Wer offenen Auges die Dezentralität und die starke Struktur eines Netzwerkes kennen und lieben gelernt hat, sollte dieses Denken auch auf Währungen übertragen können. Dann ist auch klar, dass neben einer Lösung für die Währung für den internationalen Handel, ein Netzwerk regionaler und zweckgebundener Währungen (Sozialanwartschaften usw.)die Zukunft so gestalten wird´, wie die Menschen und ihre geistige Schöpferkraft das notwendig machen.

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