Zahl des Tages (04.02.2010): 216


Scheinbar schießen sich die Anleihehändler auf das nächste Land nach Griechenland ein. Zumindest sinken dort die Anleihekurse und die Aktien (-3,5%) und im Gegenzug steigen die Kosten für Kreditausfallversicherungen (CDS). Um wen geht's? Natürlich um eins der sogenannten "Schweine" PIGS und zwar um das P: Portugal.

Die CDS für portugiesische Staatsanleihen sind gestern um 21 Punkte auf

216 Basispunkte,

also um mehr als 10%, gestiegen.

Auch die CDS auf Griechenland (das "G" von PIGS) stiegen um 20 auf 410 Punkte, die von Spanien (das "S") um 16. Die Kursnotierungen sind alle von gestern. Heute ging es wohl noch weiter nach oben, zumindest ist der Gesamtindex für westeuropäische Staatsanleihen noch weiter von 93 auf über 100 Basispunkte gestiegen.

Im Fall von Portugal gab es eine neue Nachricht: Das Emissionsvolumen einer Staatsanleihe wurde von 500 auf 300 Millionen Euro gekürzt. Grund für die Kürzung war nicht ein Lottogewinn der portugiesischen Regierung ;-), sondern schlicht und einfach mangelnde Nachfrage. Um eine größere Emission platzieren zu können, hätten die Portugiesen deutlich höhere Zinsen bezahlen müssen. Und dazu waren sie nicht bereit.
Skeptisch sind die Anleger, weil die Sparbemühungen der portugiesischen Regierung angesichts des hohen Haushaltsdefizits für nicht ausreichend gehalten werden. Auch ist noch nicht klar, wie die Portugiesen die im Mai fällige Anleihe im Wert von knapp 6 Milliarden Euro refinanzieren wollen.

Es gab allerdings auch vergleichsweise gute Nachrichten. Spanien freute sich über eine hohe Nachfrage nach den neuen Anleihen, die etwa 4,6 mal so hoch war wie das Angebot. Allerdings musste mit einer Rendite von 2,63% deutlich mehr als im Dezember geboten werden, als Spanien seine Anleihen noch für nur 2,14% an den Mann bringen konnte. Positiv auch, dass Moody's das Toprating AAA für Spanien gestern bestätigte.

Weitere neue Nachrichten gibt es nicht. Kurstreiber ist vor allem die Angst. Die Anleger befürchten eine Kettenreaktion, sollte Griechenland Probleme bei der Refinanzierung bekommen. Daher wollen sich viele Anleger einfach nur noch absichern, kaufen fleissig CDS und achten dabei nicht in erster Linie auf den Preis. Hauptsache Sicherheit, koste es, was es wolle.

Dass die Anleihemärkte nicht ganz so kritisch reagieren, sieht man am Abstand der Rendite zwischen den Bundesanleihen und portugiesischen Anleihen. Diese haben einen Renditevorsprung von gut 150 Basispunkten, was etwas niedriger ist, als es die CDS erwarten lassen. Viel besser ist das allerdings nicht und der Renditeabstand hat inzwischen das höchste Niveau seit März 2009 erreicht.

Es bleibt spannend ...

FT Alphaville: Sovereign CDS is spreading

FTD: Portugal löst Investorenpanik aus 

Update (05.02.2010):

Ale kleines Update, warum die Finanzmärkte die Sparanstrengungen Portugals als "nicht ausreichend" bewerten:

FTD: Portugals Parlament durchkreuzt Sparpläne

Update 2 (05.02.2010)

Schlusskurs der portugiesischen CDS war übrigen gestern Abend 228. Griechenland erreichte ein neues Hoch bei 428 und Spanien bei 171.

FT Alphaville: This little sovereign went to market…

Und noch ein paar Überlegungen dazu von der BNP Paribas:

FT Alphaville: That Grεεk CDS trιggεr


 

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