Zahl des Tages (07.02.10): -10%

Tja, es war spät, es war zu viel Bier im Spiel und ich wettete: Die US-Immobilienpreise gemessen am Case-Shiller-Index werden vom Hoch aus nicht mehr als 40% sinken. Just nach Abschluss der Wette drehten die Preise und stiegen eine ganze Zeit lang, bevor sie in der letzten Schätzung wieder leicht zu sinken begonnen haben. Aktuell beträgt das Minus vom Höhepunkt aus gut 29%. Vielleicht sinken die Preise noch für längere Zeit und dann würde meine Wette tatsächlich nochmal knapp ...

Zumindest sieht das eine neue Studie des Urban Land Institutes so. Diese erwartet wie auch schon Moody's Economy.com einen weiteren Rückgang der US-Immobilienpreise bis zum endgültigen Tief um

10%.

Die Auslöser sind die bekannten:

* viele Hypotheken sind unter Wasser (Ende 2010 könnten das bis zu 40%(!) aller Hypotheken betreffen)
* die Arbeitslosigkeit ist hoch
* die Hilfsprogramme für (eigentlich überschuldete) Hypotheken greifen nicht

All das wird nicht nicht nur für deutlich steigendes Angebot sorgen, sondern auch für sinkende Nachfrage.

Übrigens ist die Studie auch langfristig relativ skeptisch für den US-Immobilienmarkt. Trotz eines weiteren deutlichen Bevölkerungsanstiegs in den USA von aktuell 308 auf 438 Millionen wird die Nachfrage nicht voll auf die Immobiliennachfrage durchschlagen. Zu tief sei die Verunsicherung durch die aktuelle Immobilienkrise. Immobilien haben das Image als sichere und rentable Anlage für einige Jahrzehnte verloren. Kein Wunder: Wer einmal erlebt hat, wie die Eltern ihre Immobilie nicht mehr verkaufen konnten, wird später bei seinem eigenen Kauf entsprechend vorsichtig sein. Kurz: Die Mietwohnung wird auch in den USA wieder zu einer ernstzunehmenden Alternative. Die Anzahl der Amerikaner, die im Eigentum wohnen, wird wohl vom historischen Höchststand bei 69% im Jahr 2004 mittelfristig deutlich zurückgehen.

ULI: Housing in America: The Next Decade

Update (22:55)

Ach so, zwei interessante Punkte noch aus dem langfristigen Teil der Prognose:

a) Die "normalen" Weißen werden 2050 nicht mehr die Mehrheit der US-Bevölkerung stellen. Sie sind zwar mit 48% noch die größte Bevölkerungsgruppe, aber eben nicht mehr die Mehrheit.
b) Die Demographie (auch in den USA wird die Bevölkerung altern) wird zu einem deutlichen Trend aus den Vororten zurück in die Städte führen. Langfristig könnten also Mietwohnungen in den Städten zu den Gewinnern gehören.

Kommentare :

  1. Genau, wie ich es erwarte bzw. erwartet habe, als ich die Wette angenommen habe! Die Steuergutschrift der US-Regierung kann man als Cheat betrachten :>

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  2. Jaja, klar sind das alles "Cheats" - künstlich niedrige Hypothekenzinsen über Fannie und Freddie, Hypothekenmodifikationen für säumige Schuldner, Steuergutschriften, etc. pp.

    Nur war das alles bekannt, als ich die Wette angeboten habe und das war der Grund, warum ich auf eine Stabilisierung gesetzt habe. Ohne die staatlichen Hilfen wären die Preise auf jeden Fall und auch ohne Zwischenerholung durch die 40% und vielleicht noch weiter gesunken. Man muss ja sehen, dass wir gerade erst bis auf den langfristigen Trend zurückgefallen sind. Ein deutliches Überschießen wäre mehr als normal gewesen ...

    Ich fände es übrigens vergleichsweise lustig, wenn die Preise doch noch über die 40% Marke sinken sollten, nur nicht mehr im abgesprochenen Zeitfenster ... Dann hätte ich die Wette genauso quer gewonnen, wie ich die davor verloren habe. Ausgleichende Gerechtigkeit quasi ...

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  3. Ja sie waren bekannt, aber ich muss zugeben, dass ich den Effekt der "Cheats" ein wenig unterschätzt habe.

    Ich hatte nur damit gerechnet, dass die Preise durch die "Cheats" nur langsamer fallen, aber nicht steigen.

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  4. Jetzt fallen sie ja auch wieder ...

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  5. Ich habe übrigens den Effekt der verstaatlichten Fannie und Freddies überschätzt. Ich habe fest damit gerechnet, dass die den Markt mit billigsten Hypotheken fluten. Ist aber nicht wirklich passiert. Stattdessen scheinen den albernen 8.000 Dollar Steuergutschrift ziemlich entscheidend gewesen zu sein.

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