Zahl des Tages (09.02.10): 90

Schöne Zahlenspielerei. Man nehme die beiden großen Defizite (bzw. in seltenen Fällen Überschüsse), die Länder haben können, nämlich die Leistungsbilanz und die Haushaltsbilanz. Daraus wird ein Wert berechnet. Auf die zweite Achse kommen die Kosten für die Kreditausfallversicherungen (CDS). Nicht sonderlich überraschend kann man darüber eine ziemlich gute Regressionsgerade berechnen.

Man sollte das nicht zuuuu ernst nehmen, trotzdem kann man daraus ein paar interessante Sachen ableiten. Zum Beispiel kann man den wirklichen Wert mit dem theoretischen der Regressionsgerade vergleichen.
Und dabei fange ich mit dem wichtigsten an: Wir sind Weltmeister ;-) Die CDS am Markt kosten 48 (hab ich ehrlich noch nicht so hoch gesehen), der theoretische Wert wäre aber nur 14(!).
Zweitbestes Land wären die Niederlande, drittbestes Land Finnland. Die Abweichungen der beiden letzten sind aber kleiner als die von Deutschland.

Deutlich bessere, also niedrigere CDS als theoretisch errechnet, hat Frankreich, die in der Theorie mehr als doppelt so teuer sein müssten.

Eine noch größere Abweichung haben die USA. In der Praxis kosten die CDS nur unwesentlich mehr als die von Deutschland, in der Theorie müssten die CDS satte

90 Punkte

höher notieren (dann 147). Woppa. Der Wert wäre dann deutlich höher als der theoretische Wert von 117 von Italien! Machen wir jetzt aus den PIGS die PUGS ;-) ?

Auch Großbritannien kostet deutlich zu wenig. Die Theorie würde die CDS 57 Punkte höher bei 158 Punkten sehen.

Die Eurozone insgesamt müsste nur 17 Punkte teurer sein.

Aus diesen drei Zahlen kann man versuchen, den Nachteil der Eurozone zu berechnen, die ja im Schnitt relativ fair bewertet ist, ganz im Gegensatz zu Großbritannien und den USA, die ja wesentlich zu billig sind. Dieser Nachteil liegt irgendwo in der Gegend von 55 Basispunkten.

Worauf das zurückzuführen ist? Die Eurozone hat zwar eine Währung, aber leider ohne eine einheitliche Politik, insbesondere ohne einheitliche Wirtschafts-, Steuer- und Fiskalpolitik. Griechenland ist daher der hoffentlich lehrreiche Warnschuss, der im besten Fall verhindern könnte, dass der nächste Problemfall ein Land in einer Größe ist, das nicht mehr "stützbar" ist. Bei Griechenland und Portugal sind Hilfen machbar, aber spätestens bei Spanien wird's kritisch, bei Italien wohl unmöglich.

FT Alphaville: The cost of eurozone disunion is 55bps, Deutsche says

Kommentare :

  1. Die EU hat zwar keine einheitliche Wirtschafts-, Steuer- und Fiskalpolitik, aber dafür eine einheitliche Glühbirnenpolitik. Vielleicht sollte man mal anfangen in größeren Dimensionen zu denken, anstatt sich mit kleinkarierten Eingriffen in das Privatleben der Bürger zu beschäftigen.

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  2. "Wenn Du eine Gerade brauchst, messe nur zweimal." -- alter Physiker-Grundsatz

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  3. @anonym:

    Tja, so ist die EU konstruiert. Die (doofe) Idee von Kohl war, erstmal eine Währung, der rest kommt von selbst. Die Währung kam, der Rest nicht.

    @Olaf:

    Naja, die Regression sieht doch ganz gut aus und ist doch ganz nebenbei von durchaus sinnvollen Einflussparametern abgeleitet.

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  4. Die Regressionsgerade lässt aber einen entscheidenden Punkt aus: die Leistungsbilanzüberschüsse werden von Privaten erwirtschaftet, für das Haushaltsdefizit muss der Steuerzahler aufkommen. Saldiert mag das Budgetdefizit locker durch den Leistungsbilanzüberschuss ausgeglichen werden, aber ich glaube nicht, dass die Privaten sich darum reißen werden für die Staatsschulden gerade zu stehen.

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  5. @matsch:

    Die ganze Betrachtung greift eigentlich zu kurz. In Deutschland steht dem Defizits des Staats ja ein größeres Vermögen der Privaten im Ausland gegenüber. Anders ausgedrückt: Deutschland hat, wenn man Schulden (überwiegend Staat) und Vermögen (überwiegend privat) gegenüber stellt, keinerlei Auslandsschulden. Im Gegenteil: Das ergibt sogar einen Überschuss. Das war in Japan auch lange so (weiss nicht, ob das noch so ist). Was ich sagen will ist folgendes: Die Leistungsbilanz ist eigentlich nicht der richtige Parameter. Nicht einhaltlich und auch nicht zeitlich (was sagt mir ein Leistungsbilanzdefizit im Jahr 2010 wenn das vorher 3 Jahrzehnte im Plus war? Nicht viel.)

    Aber die DeuBa hat für die Studie auf jeden Fall die Parameter genommen auf die die Marktakteure achten. Auch wenn es bessere gäbe ...

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  6. Wie wäre es wenn jemand mal die Argumente bringt, warum eine einheitliche Wirtschafts-, Steuer-, und Finanzpolitik so wichtig ist? Ich mag es nicht wenn immer was behaupet wird, ohne das es Argumente dazu gibt.

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  7. Also nehmen wir mal an, ein Land macht einfach hemmungslos Schulden und kümmert sich nicht um die Steuereinnahmen und ist am Ende Pleite und muss von den anderen Euro-Ländern gerettet werden. Nur mal so angenommen ...

    Also ich erkenne daraus schon eine gewisse Pflicht, sich ähnlich zu verhalten wie die anderen ...

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  8. hübsche Grafik.

    Ich denke, dass der "starke" Korrelation (aka lineare Abhängigkeit) zwischen den beiden Variablen da ist. Jedoch gibt wahrscheinlich hunderte von "aber"s, also irgendwelche anderen Variablen die bei beiden Variablen auch mit reinspielen. Daher musst du eigentlich die Warum-Frage stellen, wenn ein paar Schuldner/Länder nicht ganz perfekt auf der (inferenztheoretisch wackeligen) Regressionsgerade sitzen. Das sind dann die anderen hunderte von Variablen die in dieser Modellwert wegapproximiert wurden (Es wird wohl nur zum geringen Anteil Rauschen sein).

    Ich würde mal die Größe mit rein. Eine USA kann sich noch so sehr verschulden, deren BIP ist einfach groß genug als Sicherheit für zukünftige Steuereinzahlungen. Oder wie sieht es mit der inländischen Kreditversorgung aus? Wie viel griechische Banken mag es geben, die (aus sentimentalen Gründen) einen gewaltigen Teil der griechischen Staatsanleihen zeichnen mögen?

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  9. Ich habe heute noch eine schönere Zahlenkette, über die man aber keine Regressionsgerade legen kann. Außerdem sind genau die Sachen drin, die in dieser Version fehlen. z.B. die Nettovermögensposition gegenüber dem Ausland.

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  10. wg. gemeinsamer Politik

    Ich meine, warum schadet das dem Kurs des Euros so sehr? Und warum sollen die CDS für die anderen EU-Staaten desswegen höher sein. Griechenland ist doch eigentlich das Problem seiner Gläubiger und eine Angelegenheit des IWF.

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  11. Warum der Euro fällt, kann ich dir nicht sagen. Die Reaktionen der Börse sind oft nicht logisch.

    Wenn man mal etwas freier an die Sache rangeht: Was würde passieren, wenn Griechenland aus der Eurozone fliegt? Ein paar Gläubiger hätten ein Problem. Die fängt man auf, aber lässt Griechenland trotzdem aus der Eurozone heraus. Nur jetzt - BANG - ist die Eurozone doch *stärker* als vorher! Man stelle sich eine Eurozone vor, die im Kern der alte DM-Block ist: D + BeNeLux +Austria + Dänemark + Frankreich. Wenn das nicht die härteste Währung der Welt (nach den Chinesen, wenn die denn wollten) wird, dann weiss ich es nicht.

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  12. > Warum der Euro fällt, kann ich dir nicht sagen. Die Reaktionen der Börse sind oft nicht logisch.

    Genau das meine ich auch, ich sehe keinen logischen Grund. Vor allem, wenn die EU-Staaten helfen würden und dazu mehr Geld drucken müsste das eher zum Sinken des Kurses führen als die Verweigerung der Hilfe. Ein sinkender Eurokurs macht doch nur Sinn, wenn man glaubt Deutschland wird austreten oder man wird viel Geld drucken.

    Sonst bleibt IMHO nur noch die Theorie, dass die Wirtschaft in der EU nicht mehr so sehr wachsen wird, weil alles auf Verschuldung basierte und damit nun Schluss ist.

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  13. Man sollte auch bedenken, dass die Kaufkraftparität bei etwa 1,20 liegt. Bei 1,35 ist der Dollar also imme rnoch unterbewertet ...

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