Zahl des Tages (11.02.10): 884%

Mist, da dachte ich, ich hätte eine total geheime Zahl gefunden habe, da kramt der Barry die auch raus ...

Analysten haben versucht, die Verschuldung von Staaten zu berechnen. Aber nicht nur auf die normale Art und in die (gefälschten ;-)) Haushalte der Staaten geguckt, sondern auch versucht, die gesamten Lasten, also auch die zukünftigen Kosten durch Sozialleistungen und Pensionsverpflichtungen.
Dann sieht das ganze nämlich noch viel übler aus.

Interessanterweise ist Spanien in dieser Berechnung vergleichsweise gut. Schlecht steht Griechenland dar. Dort beträgt die Verschuldung inkl. der ganzen Nebenhaushalte und Zukunftslasten satte


884%


des BIPs.


In Polen liegt der Wert übrigens noch höher und zwar bei etwa dem Fünfzehnfachen(!) des BIPs. Wer also (wie z.B. ich) geglaubt hat, dass der Point of no Return bei Staatsschulden von etwa einem BIP noch nicht überschritten ist, muss wohl nochmal neu nachdenken ...

The Big Picture: Indebtedness of Various Sovereigns

Leider finde ich die Originalstudie jetzt nicht, die reiche ich morgen früh nach. Im Büro habe ich den Link. Da kann man sich auch die ganzen Berechnungsgrundlagen durchlesen und die Studie dann durch den Kakao ziehen ....

Update (12.02.10):

So hier die Originalstudie:

CATO: Measuring the Unfunded Obligations of European Countries (gokhale-NCPA-319.pdf)


Land "Zukunftsschulden"
Polen 1550%
Slowakei 1149%
Griechenland 875%
Slowenien 758%
Lettland 619%
Tschechien 590%
Frankreich 549%
Finnland 539%
Niederlande 522%
Litauen 497%
Portugal 491%
Estland 455%
Großbritannien 442%
EU-25 Durchschnitt 434%
Schweden 430%
Deutschland 418%
Österreich 409%
Irland 405%
Luxemburg 376%
Dänemark 382%
Italien 364%
Belgien 296%
Spanien 244%

Schon überraschend, *wie* anders die so errechnete Liste aussieht ...

Der angebliche Pleitekandidat Spanien gehört auf einmal zu den seriösesten Staaten Europas. Und Polen, das als einziges Land in der EU ohne ein Quartal mit BIP-Minus durch die Rezession gekommen sind, liegt ganz am Ende ...

Wie schon gestern gesagt, sollte man solche Untersuchungen immer mit einer gehörigen Portion Skepsis aufnehmen. Die "Defizite", die hier errechnet werden, vernachlässigen ja die Steuermöglichkeiten, die der Staat hat.
Um mal ein ganz plattes Beispiel zu bringen: Wenn ein Staat ein teures Sozialsystem hat, sorgt das zwar in einer solchen Berechnung für hohe Zukunftslasten, allerdings steckt in einem solchen System eben auch ein riesiges Sparpotenzial. Auch auf der Einnahmeseite gibt es Potential. Griechenland zum Beispiel bräuchte seine Steuerquote "nur" auf den EU-Durchschnitt zu erhöhen und hätte schon so die schlimmsten Haushaltslöcher gestopft. Klar, die politische Durchsetzung solcher Maßnahmen ist nicht einfach, mir geht es auch eher darum zu betonen, dass die sehr wirksam sind ...

Kommentare :

  1. @egghat: danke für den Originallink

    Sozialversicherungszusagen (Renten + Krankenversicherung) über einen langen Zeitraum als Schattenbilanzen durchzurechnen mag ja einen evtl. intellektuellen Nährwert haben, aber mit einigen Annahmen über Demographie, Migration und Steuer- und Sozialpolitik über einen Zeitraum > 20 Jahre kann ich dir fast jeden beliebigen Prozenzsatz an "Verschuldung" ausrechnen.

    Die Quelle ist ein erz-republikanischer "think(?)"-Tank vergleichbar mit INSM oder anderen Riesterrente-Schönrechnern.

    Rechne das ganze z.B. mal für Deutschland mit kompletter Rentenversicherungspflicht für alle (incl. Unternehmer und Beamte)ohne Beitragsbemessungsgrenze durch, schon dürfte z.B der deutsche Prozentwert etwas anders aussehen.

    Ansonsten zum Thema Staatshaushalte:

    http://danskeresearch.danskebank.com/link/ResearchEuroland040110/$file/ResearchEuroland_040110.pdf

    Auch ohne "Schattenhaushalts-Panik" werden die nächsten Jahre spannend/sportlich genug

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  2. Mir geht's auch weniger um die Höhe, die bei den Berechnungen herauskommen, sondern viel mehr darum, dass einige Länder auf einmal ziemlich gut aussehen (wer hätte Spanien und Italien besser als den EU-Schnitt gesehen? Die Italiener haben doch noch die Rente mit 60, oder?) und einige in Osteuropa (die eigentlich mit einem unbelasteten Sozialstaat gestartet sind) ziemlich schlecht.

    Dass solche langfristigen Rechnungen extrem wacklig sind, ist klar. Wer will schon eine Geburtenrate über die nächsten 20 Jahre schätzen?!? Wie will man den (für das alternde Europa viel wichtigeren) Effekt der Einwanderung seriös schätzen? Oder gar das Wirtschaftswachstum.

    Es gibt übrigens eine ähnliche Rechnung von einem Institut aus Deutschland für Deutschland, die einmal mit der Rente ab 65 und mit der Rente ab 67 gemacht wurde. Das gab IIRC eine Reduzierung der Lasten durch Renten und Pensionen von 60 oder 80% im BIP. Leider finde ich das nicht wieder.

    Wichtig sind IMHO drei Dinge: a) Es gibt Belastungen, die in den offiziellen Staatshaushalten nicht auftauchen, weil sie dort nicht bilanziert werden (wie z.B. Pensionsverpflichtungen in Unternehmen) und b) diese Lasten sind meistens deutlich höher als die offiziell ausgewiesene Staatsschulden und c) die Reihenfolge der Solidität der Staatsfinanzen wird wild durcheinander gewürfelt.

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  3. Hi Egg, du bei UBS wurden in 2 jahren 300 mrd abgehoben und die gibt es noch , wie kann es sein ? Bei Lehman wurden 9% abgehoben und die gingen pleite

    Denn nach wie vor leidet die Bank unter einem massiven Vertrauensverlust ihrer Kundschaft. Diese zog aus der Vermögensverwaltung im vierten Quartal netto 56,2 Mrd. Franken ab, mehr als in jedem anderen Quartal des vergangenen Jahres. Insgesamt summieren sich die Abflüsse für 2009 damit auf 147,2 Mrd. Franken.

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  4. @hans:

    Naja, bei der UBS dürfte der Großteil aus der Vermögensverwaltung stammen. Das Geld gehört der UBS eh nicht, sondern den Kunden. Die übertragen das an jemand neuem. Der neue verdient dann das Geld, die UBS nicht mehr.

    Es ist in diesem Fall halt kein Liquiditätsabfluss wie bei Lehman. Zumindest der überwiegende Teil der Abflüsse. Ganz nebenbei ist das auch zeitlich anders. Wenn du eine Bank über 5 Jahre abwickelst, gibt es auch keine/wenig Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten. Machst du die Nummer in 2 Tagen, ist Schicht im Weltfinanzsystem ...

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