Zahl des Tages (16.02.10): 4

Es ist für meine Stammleser keine wirklich überraschende Nachricht: Ich bin ein Fan von Gold und das aus einem großen Grund: Wir haben zu viele Schulden und die naheliegendste Lösung dafür ist Inflation. Inflationäre Zeiten waren bisher immer gut für Gold. (Auch wenn ich glaube, dass aktuell noch nicht klar ist, ob wir in den nächsten Jahren Inflation oder Deflation bekommen, siehe  Zahl des Tages (18.02.10): -16,6%).

Aber der Reihe nach, ich fange ja mit der Conclusio an ...

Beim ewigen Kampf zwischen Inflation und Deflation ist ja die herrschende Ansicht, dass eine stabile, aber niedrige Inflation das Optimum darstellt. Damit können Sparer leben, aber auch Arbeiter (weil die Löhne ja leicht mitsteigen).
Deflation hingegen wird allgemein als gefährlich angesehen. Warum ist Deflation eigentlich so schlimm? Die Theorie dahinter wird oft so dargestellt: Wenn die Preise fallen, schieben die Verbraucher Kaufentscheidungen in die Zukunft, weil man dann die Produkte ja billiger bekommt. Das wäre aber schlecht für die Wirtschaft. Dann sinken Löhne und/ohne Anzahl der Arbeitskräfte. Das senkt die Nachfrage erneut und dann müssen die Preise weitersinken und zack steckt man in der gefürchteten deflationären Spirale.

Ich teile diese Meinung nicht unbedingt, denn erstens ist das Gegenteil auch nicht gut (alles auf Schulden sofort haben zu wollen, wie wir gerade sehen) und zweitens gab es lange Phasen in der Geschichte, in denen sich Inflation und Deflation mehr oder weniger regelmäßig abwechselten, ohne dass sich die deflationären Phasen unbedingt als die schlimmeren herausstellten. Für mich liegt der Grund für die Vermeidung von Deflation woanders: Eine Wirtschaft, die vor allem auf Schulden basiert, braucht Geldentwertung, also Inflation, um die Schulden schleichend zu entwerten. Bei Deflation würden die Schulden immer mehr wert und damit würde jede Hoffnung auf Rückzahlung sterben. Aber das ist eher ein Thema für eine eigenes Posting.

Allgemein gilt Deflation also als unbedingt zu vermeiden. Daher ist das Team um den IWF Chefökonomen Olivier Blanchard jetzt zu der für viele ziemlich überraschenden Erkenntnis gekommen, dass man doch einfach das Inflationsziel (sofern die Notenbank denn eins hat) erhöhen solle. Blanchard schlägt als neue Richtgröße

4%

statt wie bisher etwa 2% vor.

Beim aktuellen Inflationsziel ist laut Blanchard der Abstand zur Deflation zu gering. Sobald nur leichte deflationäre Tendenzen auftreten, kann sich die Deflation sofort in wirklich (sprich sichtbar) sinkenden Preisen niederschlagen. Und dann kann die gefürchtete Spirale nach unten in Gang kommen.
Bei 4% bestünde aber ein viel größerer Puffer. Die Notenbank kann z.B. die Zinsen auf Null senken, was bei 4% einen extrem negativen Realzins ergäbe und das ist es, was die Wirtschaft antreibt. Aktuell liegt der Zins in den USA zwar bei nahezu Null, allerdings ist die Inflation auch sehr niedrig. Heute wurde die Kernrate der US-Verbraucherpreise zum ersten Mal seit 1982(!) mit einem Minus gemeldet (BLS: Consumer Price Index Summary) (das auch nochmal als Update zum These, dass der Kampf zwischen Inflation und Deflation noch lange nicht entschieden ist).

Bei sinkenden Preisen hat die Notenbank aber keine Chance mehr, für einen negativen Realzins zu sorgen. Der Zins kann ja nicht unter Null gehen, zumindest nicht der am freien Markt (es würde ja niemand sein Geld zur Bank bringen, wenn die Bank dann garantiert, dass man weniger zurückbekäme ...). Die US-Notenbank ist jetzt - wie die Japaner schon seit knapp 2 Jahrzehnten - am Ende. Deshalb haben die Amerikaner und Briten auch zum unkonventionellen Mittel des Quantitative Easings gegriffen, das direkt zwei Ziele erreichen sollte: a) Die Zinsen sollen schnellstmöglich auf breiter Front sinken und b) die Geldmenge soll möglichst stark steigen, damit es zu Inflation und bloß nicht zu Deflation kommt.

Bei einem höheren Inflationsausgangsniveau bräuchte man solche Tricks aber womöglich nicht. Wenn das normale Inflationslevel bei 4% läge und das Zinsniveau 2 oder 3% darüber, könnte die Notenbank im Notfall mit einem Nullzins einen deutlich negativen Realzins erzeugen und die Wirtschaft so viel kräftiger anschieben als aktuell. (Übrigens könnte man mit einem Jahr Nulllohnerhöhung auch sofort für 4% sinkende Reallöhne sorgen. Das wird den Gewerkschaften kaum gefallen ...)

Das naheliegende Kontra zu dieser Idee ist die natürlich Inflationsangst (vor allem in Deutschland mit zwei inflationsbedingten Währungsreformen), allerdings hat Blanchard an diesen Einwand natürlich gedacht. Blanchard hat daher versucht zu belegen, dass nicht die absolute Höhe der Inflation das Problem ist, sondern die Schwankungen in den Inflationserwartungen. Wenn also bei 4% Inflation 6% Zinsen gezahlt würden, die Löhne um 6% steigen und die Renten ebenfalls, was wäre daran schlechter als wenn bei 2% Inflation 4% Zinsen gezahlt würden und Löhne und Renten um 4% steigen würden (ich weiss, dass die Zahlen mit der Realität zu tun haben, es geht um Beispiele).

Ich muss gestehen, dass ich im ersten Moment auch geglaubt habe, dass Blanchard jetzt scheinbar durchgeknallt ist. Aber an der Idee, den Sicherheitsabstand zur Deflation zu erhöhen, ist natürlich was dran. Genau wie an der Idee, dass die Stabilität der Inflation wahrscheinlich wichtiger ist als die Höhe.
Aber ich muss trotzdem sagen, dass mir jede Politik, die der Notenbank noch mehr Macht einräumt, als diese eh schon besitzen, Angst macht. Mir wäre viel lieber, man bräuchte ein Konstrukt wie die Notenbank gar nicht erst. Aber damit wären wir bei einer goldgedeckten (oder wasweissichgedeckten, Hauptsache das wasweissich wächst nicht beliebig) Währung, bei der Zinsen und Geldmenge mehr oder weniger konstant wären. Was ich aber nicht für so schlimm halten würde. Ein wenig Deflation tut halt nicht weh. Computer und Software, eine Branche, in der seit Erfindung dieser Geräte die Preise fallen, wachsen jedes Jahr. Zufall, dass genau in dieser Branche die Firmen mit wenigen Schulden und viel Cash agieren (Microsoft, Apple, Oracle alle mit 20 oder 30 Mrd. Cash und quasi Null Bankschulden)?

Aber ich mache mir nichts vor. Mit der Überlegung, dass Deflation nix Schlimmes sei, stehe ich ziemlich weit neben allen Mainstreamüberlegungen. Auch wird man die aktuell schuldenbasierte Wirtschaft kaum vernünftig auf ein solches System umstellen können.

Und zum Schluss bin ich mir nicht einmal sicher, ob jetzt noch jemand bis hierher durchgehalten hat und ich die Ideen von Blanchard (und meine dazu) vernünftig und verständlich beschrieben haben. Wenn nicht, fragt. Dann bekommen wenisgten die Leute, die erst am Montag hier lesen, einen besseren Artikel ...

IWF: Rethinking Macroeconomic Policy (PDF!) Update (23:37) Sehe gerade, dass das Handelsblatt auch dazu was geschrieben hat: Handelsblatt: IWF will mit „Schnapsidee“ zu mehr Wachstum

Update (25.02.10):

Zwei Meinungen dazu:

i) Axel Weber (natürlich) dagegen: FTD: Der IWF spielt mit dem Feuer

ii) Patrick Welter: FAZ: Währungsfonds auf Irrwegen

Kommentare :

  1. Bei einer Deflation wird Geld zurückgehalten und teilweise sogar gehortet.Die Notenbanken können in so einem Fall nichts tun wenn die
    Wirtschaftsteilnehmer nicht bereit
    sind Geld auszugeben.Die Pferde müssen schon selber saufen :-)

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  2. Danke! Danke danke danke!

    Davon abgesehen, dass ich in Hilden wohne und wir mal einen trinken gehen sollten - Deine Deflationsgedanken sind genau meine:

    Wenn ich mir meine Ausgaben ansehe, so sind ca. 80% davon fest: Miete bzw. Tilgung plus Nebenkosten; Lebensmittel, Tanken, Sparen usw. Schon ist der Großteil des Geldes weg, ohne dass ich groß irgendwelchen Einfluss darauf habe. Warum (und wie?) sollte ich die Ausgaben verschieben?
    Der Rest: Urlaub, Auto, sonstige Investitionen (auch das Haus).
    Haus: Warum sollte ich die Aufnahme eines Riesenkredites, der mich über Jahrzehnte (sic!) verschuldet, an der heutigen Inflationserwartung festmachen?
    Auto: Ich kaufe mir ein Auto, wenn das alte kaputtgeht. Dass ein Auto in einem Jahr ein wenig billiger wird - geschenkt. Darauf warte ich nicht.
    Urlaub: Den nehme ich, wenn ich ihn brauche.
    Zudem: Selbst wenn wir eine Deflation von 5% annehmen, was laut vorherrschender Lehrmeinung katastrophal ist, so sind meine heutigen 100€ in einem Jahr 105€ wert. Juckt das irgendwen großartig? Hinzukommt: Wenn die Theorie glaubt, dass man Inflationserwartungen antizipiert, so muss man doch auch Deflationserwartungen antizipieren! Sprich: Da ich weiß, in einem Jahr weniger Gehalt zu haben - warum soll ich denn das Geld nicht gleich heute ausgeben?
    Viel Geschwurbel, allerorten.

    Gruß,

    Hardy

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  3. Juhuuuuu ich habe es bis ganz unten ausgehalten und kann der Meinung zustimmen, dass eine stabile Inflation nicht schlimm ist.

    Naja und ob ne Deflation jetzt gut oder schlecht ist, sieht man ja an Japan, da gibt es eigentlich nichts zu diskutieren. Hätten die Japaner nicht soviel exportiert, läge die Wirtschaft mittlerweile bestimmt komplett am Boden.

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  4. @M106:
    Bist Du sooo sicher, dass dem "kleinen" Japaner die Deflation schadet? <5% Arbeitslose, ein hoher Lebensstandard, immer die neueste Technik an Bord?
    Oder umgekehrt: Hat die Deflation nicht sogar vielleicht den Güterexport begünstigt?

    Gruß,

    Hardy

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  5. Wäre bei einer höheren Inflation denn unsere tolle private Rentenversicherung noch finanzierbar?

    Und belohnt eine höhere Inflation nicht diejenigen, die Schulden machen und "bestraft" diejenigen, die sparen?

    (Nur ein paar naive Fragen. Ich verstehe von Wirtschaft viel zu wenig.)

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  6. Vielen dank für den Beitrag egghat - Ich liebe Gedankenspiele zur Inflation und Deflation. Imo ist es sehr gefährlich die Inflationsziele anzuheben, weil damit die Inflationserwartungen steigen und dadurch wesentlich leichter außer Kontrolle geraten können (wenn die infl. erwartungen zwischen sagen wir -1 und 5% schwanken ist das ja noch ok, aber wenn sie dann sagen wir zwischen 1 und 7% schwanken können endet das imo wesentlich leichter im Chaos ). Außerdem weiß man dann dass es fast zu 100% zu Geldentwertung kommen wird und das schlauste ist dann einfach schulden bis zum umfallen zu machen - sowas endet dann imo im fiasko. Ich denke auch dass dabei der Bürger wesentlich schlechter abschneidet, weil diese Erwartungen ja schwer gemessen werden können. Dann wird ihm bei der nächsten Lohnrunde sein Gehalt um 4% erhöht die Preise steigen aber um 6% und er ist schlechter dran. Dass sich Gewerkschaften mit solchen Sachen schlecht durchsetzen können haben sie oft bewiesen und weil die meisten die Preise nehmen wie sie sind (solange sie nicht unverhältnismäßig sind)wird der Bürger bei einer hohen inflation unabhängig von den Erwartungen schlecht abschneiden....

    Imo haben gefährlich hohe Deflation und Inflation unterschiedliche Ursprünge. Deflation entsteht MEINER MEINUNG NACH wenn über Schulden misgewirtschaftet wurde und man sich fragt wo man das Geld herbekommen soll (man baut ein Haus für 1m obwohl es 500m wert ist. die 1m muß trotzdem zurückgezahlt werden -> woher soll das Geld kommen? ) Inflation entsteht wenn die Geldmenge explodiert. Diese Art von Deflation mit Inflation zu bekämpfen ist imo nur mit Wirtschaftswachstum möglich. Ohne dem vernichtet man sich so nur die Währung...

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  7. Moin Egghat, ich hab das tatsächlich einige Fragen. Vorab aber zu dem IMF Paper "Rethinking Macroeconomic Policy" von Blanchard et al. Ein besserer Titel wäre gewesen "An Apology From The IMF For Bullshitting The World". Na ja, besser spät als nie.

    (1) Wir haben zu viele Schulden.
    Wer sagt das? Ab wann hat ein Staat zu viele Schulden? Ab 3% Defizit/BIP und 60% Schulden/BIP? Zwei Zahlen die ausgewählt wurden, um bei einer willkürlich angesetzten Inflationsrate und einem herbeigebeteten jährlichen Wirtschaftswachstum einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren zu können.

    War das Staatsdefizit der USA Ende WW2 zu hoch? Kam danach das finanzielle Armageddon? In den 221 Jahren hatten die USA 1x (!) keine Schulden und 7x einen ausgeglichenen oder positiven Haushalt. Den Rest der Zeit Defizite und wachsende Schulden. Haben die USA 1x ihre Schulden nicht bedient?

    (2) Die Inflationsängste der Deutschen.
    Sind diese Ängste begründet? Die durchschnittliche Inflationsrate in Deutschland 1948-1998 war 2,8% (BuBa). Das heisst die Deutsche Mark hat in 50 Jahren ca. 75% ihrer Kaufkraft verloren. War Deutschland 1998 ärmer als zum Beispiel 1960?

    (3) Es gibt eine gute Deflation.
    Wirklich? Das Computer Beispiel wird immer gern genommen. Fallende Preise sind nicht gleich Deflation. Zu "guten" fallenden Preisen kommt es, wenn Unternehmen aufgrund von Produktivitätszuwächsen, Techno-Fortschritt, etc. diese in Form von geringeren Preisen an Konsumenten weitergeben. Deflation sind "böse" fallende Preise wenn all other things equal.

    Wird die Deflationsspirale von abwartenden Konsumenten gestartet? 2007-2008 wohl eher vom hoch verschuldeten privaten Sektor, der seine Schulden liquidieren möchte und damit verbunden der geringeren Umlaufgeschwindikeit des Geldes. Nach Irving Fisher "Debt Deflation"

    Mir fallen noch viele Fragen ein (Gold Standard), aber ich möchte dich nicht überstrapazieren. Auf jeden Fall sortiere ich deinen Beitrag unter "A gold bug and deficit terrorist wants to destroy the economy" ein.

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  8. Eigentlich ist ja schon ein Widerspruch an sich, das Geld massenhaft aus dem Nichts erzeugt werden kann und dann auch noch immer wertvoller werden soll.

    Deflation haben wir doch jetzt, weil immer mehr Schulden abgeschrieben werden müssen.

    Das Geld hinter dem noch Kredite stehen die bedient werden, wird wertvoller.

    Das Geld hinter denen Kredite stehen, die nicht mehr bedient werden, ist wertlos geworden und für diese ist der Staat als Bürge eíngetreten.

    Inflation schafft Überkapazitäten.
    Deflation ist die Vernichtung von Überkapazitäten.

    Die Geldmenge wird also aufgebläht oder eingeschrumpft, um die Wirtschaft zu steuern.

    Wenn die Geldmenge konstant wäre, würde sich dann nicht der Markt konsequent nach Angebot und Nachfrage richten?

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  9. Das Problem fängt doch schon damit an, dass man meint, sich für das mutmaßlich kleinere Übel entscheiden zu müssen. Wieso sollte man vom Ziel der Wertererhaltungsfunktion des Geldes abweichen, nur weil man sich aus theoretischen Überlegungen heraus auf die Seite von Inflation oder Deflation hat schlagen lassen !?
    Das Inflationsziel von um die 2% ist meines Erachtens bereits Kompromiss genug, 4% wären Anzeichen, dass man die Werterhaltung der Währung aufgegeben hat.
    Man sollte nicht vergessen, dass die Berechnung genügend Spielräume bietet, die offizielle Inflationsrate "anzupassen".

    Früher als Kind musste ich einen Teil meines Taschengeldes "zwangssparen", was mir widerstrebte, weil einem Kind heutiger Konsum meist wichtiger ist als Konsummöglichkeiten in der Ferne.
    Wenn die Notenbank in der Rezession durch niedrige Leitzinsen den Geld- und Kapitalmarkt dahingehend beeinflussen will, dass eine reale Geldentwertung stattfindet, ist das im Ergebnis eine Enteignung oder ein "Zwangskonsumieren", mit vergleichbaren Ineffizienzen wie beim Zwangssparen.


    Zwangssparen. Zwangskonsum. Der Zwang, die Wirtschaft über Geldpolitik lenken zu wollen.
    Eine stetige Zwangssituation ist nicht nur nicht gut, sie ist meist sogar schlecht.
    Wie sich staatl. geförderte Sparprodukte wie die Riesterrente in einem initiierten inflationären Umfeld überhaupt legitimieren ließen, sei mal dahingestellt.

    Gruß Mike

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  10. Inwiefern der Rückschritt zu einer (gold)gedeckten Währung einen Fortschritt darstellen soll, ist mir nie ersichtlich.
    Vielleicht kannst Du den Vorteil, den Du darin siehst einmal erläutern, egghat ?
    Wir reden ja hier nicht von einem Land in Afrika, bei dem sich vielleicht sogar eher eine Deckung mit Nahrungsmitteln anbieten würde.

    Man wünscht sich eine Währung, an der keine Notenbank und kein Politiker herumexperimentieren kann.
    Tatsächlich würde aber auch ein solches (gold)gedecktes System Eingriffe erfordern, da die Menge des umlaufenden Geldes entsprechend dem Wachstum der Realwirtschaft wachsen muss. Andernfalls würde das Wirtschaftswachstum erdrosselt oder die "böse" Deflation erzeugt.

    Was wäre, wenn man alles Gold der Welt zu Münzen pressen würde bzw jeder Geldschein gegen eine bestimmte Menge Gold gewechselt werden könnte?
    Weil keine neuen Münzen mehr geprägt werden bzw kein neues Gold hinterlegt werden könnte, würde jede Erhöhung der produzierten Gütermenge zu Deflation führen.

    Würde man eine Papierwährung dem Werte nach mit Gold decken wollen, müsste der Goldpreis im Zeitablauf entsprechend der Geldmengenerhöhung steigen.
    Das scheint mir wenig sinnvoll zu sein. Vergleichbares haben die Amis doch mit ihren Häusern gemacht: Scheingewinne monetisiert.

    Im Resultat hat man als Halter einer (gold)gedeckten Papierwährung auch nur die Gewissheit, dass einem eine bestimmte wertmäßige Menge Gold gehört, wobei der Goldwert durch staatl. Eingriffe beeinflusst ist.
    Insofern basiert eine bloße Papierwährung wie auch eine physisch gedeckte Währung auf Vertrauen in Akzeptanz des Geldes als Zahlungsmittel und Vertrauen in die Wertstabilität.

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  11. @Susanne
    "Wenn die Geldmenge konstant wäre, würde sich dann nicht der Markt konsequent nach Angebot und Nachfrage richten?" Gute Frage! Im folgenden ein super vereinfachtes Beispiel warum das wahrscheinlich keine so gute Idee ist ;-)

    Unsere Volkswirtschaft ist eine Insel mit 10 Unternehmen. Die Geldmenge sind 1.000.000 Kauri-Muscheln (KM). Das Geld ist gleich verteilt, soll heissen jedes Unternehmen hat 100.000KM. Jedes Quartal machen unsere Helden einen Deal und verkaufen ihre Ware für 100.000KM an ein anderes Unternehmen.

    Das heisst das nominale Brutto Island Produkt ist 10 x 4 x 100.000KM. Also 4.000.000KM. Oder anders gesagt: das BIP ist die Geldmenge mal der Geschwindigkeit von Geld. In unserem Fall ist die Geschwindigkeit 4. (Egghat mag ja die 4 ;-)

    Aber unserer Inselbewohner sind nicht auf den Kopf gefallen und erhöhen die Produktivität. Auf einmal macht jeder einen Deal jedes Monat. Also haben wir jetzt ein BIP von 12.000.000KM. Alle sind Happy. Die Geschwindikeit des Geldes ist jetzt 12.

    Jetzt wird's kompliziert. Zwei Kinder unserer Helden starten ihr eigenes Business und sind sofort erfolgreich. Sie machen auch 100.000KM Deals jedes Monat. Das potentielle BIP wäre jetzt 14.400.000. Wäre es wenn die Geschwindigkeit des Geldes jetzt 14,4 wäre. Ist sie aber nicht. Die ist immer noch 12.

    Unser BIP bleibt also Geldmenge 1.000.000KM mal Geschwindigkeit 12. Das heisst unsere jetzt 12 tapferen Unternehmer machen im Schnitt 1.000.000KM pro Jahr statt 1.200.000KM. Das heisst jedes Unternehmen macht auf einmal nur 83.333 pro Monat. Und obwohl die Wirtschaft eigentlich gewachsen ist, glauben unsere 12 Pappnasen sie sind in einer F#+cking Recession.

    Aber unsere schlaue Insel-Zentralbank durchschaut natürlich das Problem und erhöht die Geldmenge um 20%. Dann haben wir auf unserer fiktiven Insel ein BIP von 14.400.000KM. Capito? Crazy oder? Die Zentralbank muss die Nachfrage nach Geld neutralisieren. Wer will noch eine Kauri-Muschel?

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  12. @Stefan

    Die Amerikaner haben zwar nach dem Zweiten Weltkrieg ein enormes
    Staatsdefitzit gehabt, aber dieses durch Wirtschaftswachstum wettgemacht! Während der großen Depression ist das Verhältnis Schulden/BIP in die Höhe geschnellt - nicht etwa weil neue Schulden gemacht wurden, sondern weil das BIP drastisch gefallen ist. Die Lektion daraus: Schulden sind immer fix oder wachsen, während die Wirtschaftsleistung variabel ist. Man nimmt heutzutage bereits automatisch wachstum an und wenn das BIp nur um 2-3% zurückgeht entstehen Paniken an den Finanzmärkten & Aktiva verlieren 20-50% an Wert...
    Dauerwachstum spielts halt auf unserer endlichen Erde nunmal nicht...
    Du hast gemeint die USA haben bisher immer die Schulden gezahlt - die Zeiten wandeln sich aber und imo kann man aus dieser Geschichte nicht 100% sagen, dass sie es in Zukunft tun werden. (Das Hendl bekommt vom Bauern ein Leben lang (99,9% der Zeit) Futter bis es eines Tages geschlachtet wird...)

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  13. an Stephan

    Wenn aber nun die schlaue Zentralbank den Mehrbedarf an Kauri-Muscheln einfach nicht nachkommt, wird dann die einzelne Kauri-Muschel nicht wertvoller, weil es einfach nicht mehr Muscheln gibt. Also eigentlich schon wieder Deflation.

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  14. @Kbx
    Sehr richtig. Und genau das ist mein Punkt. Diese ganze Schulden und Defizit Hysterie ist völlig daneben. Wir haben gerade eine grausliche Rezession "hinter" uns. D.h. die automatischen Stabilisatoren wie Arbeitslosengeld, Essensmarken, etc. klinken sich ein und die Defizite steigen. Wenn die Wirtschaft sich wieder stabilisiert und die Arbeitslosigkeit zurückgeht ist der Effekt vice versa. Jetzt gibt es scheinbar einige, die diesen stabilisierenden Effekt nicht wünschenswert finden. Deren Präferenz ausgeglichene Staathaushalte und eine Arbeitslosigkeit von 25% sind. Diese Personen sind meiner Meinung nach Defizit-Terroristen.

    Dein Hendl-Vergleich? Na ja. Ein Staat mit FIAT Geld kann nicht Pleite gehen. Aber diese Diskussion würde den Rahmen sprengen. Und was das Wachstum betrifft: kann es endlos sein? Keine Ahnung. Das wird momentan heiss hin und her diskutiert.

    @Susanne
    Ja, unsere Insel wäre dann in einer Deflation. Die Kauri-Muschel wäre dann wertvoller insofern du mehr für eine KM kaufen kannst. Das Problem ist leider: Weil die Kauri-Muschel immer wertvoller wird und du eine vernünftige Insulanerin bist, gibst du heute weniger KM aus, weil du morgen noch mehr dafür kaufen kannst.

    Mit anderen Worten: die Gesamtnachfrage auf unserer Insel sinkt. Ohne Nachfrage sinkt aber auch das Angebot. Wenn das Angebot sinkt dann steigt die Arbeitslosigkeit. Und wenn weniger Insulaner arbeiten, dann sinkt die Nachfrage. Und unsere Insel ist mitten drin in der Deflations-Spirale.

    Der Wohlstand einer Gesellschaft besteht aus den Waren und Dienstleistungen, die sie produziert. Und der Wert deines Geldes besteht darin, dass du diese Waren und Dienstleistungen damit kaufen kannst. Wenn in einer Deflation das BIP ständig zurückgeht, dann ist dir mit einer immer wertvolleren Kauri-Muschel nicht wirklich gedient.

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  15. Meine Hochachtung Stephan, Deine Einsichten teile ich vollkommen. Diejenigen die es verstanden haben, dass Geld nichts anbetungswürdiges an sich hat sondern lediglich Mittel zum Zweck ist, haben verstanden. Das Ziel muß Wohlstand und sozialer Frieden lauten (die meisten Vermögen bestehen ja sowieso nicht aus Bargeld). Deshalb ziehe auch ich lieber 5% Inflation der 5% Arbeitslosigkeit (=Deflation) vor.

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  16. @Stephan
    Danke für Deinen letzten Beitrag!

    "Deren Präferenz ausgeglichene Staathaushalte und eine Arbeitslosigkeit von 25% sind. Diese Personen sind meiner Meinung nach Defizit-Terroristen."

    Viel prägnanter kann man es kaum ausdrücken.
    Das Real-Experiment mit dieser Strategie können wir ja im Moment in Griechenland, Portugal, Spanien und Irland beobachten ( mit massiven Haushaltskürzungen, Lohnkürzungen, Streichungen von Sozialleistungen).
    Die konjunkturellen und Wachstums-Effekte dieser Maßnahmen stelle ich mir - vorsichtig formuliert - interessant vor; genauso die Auswirkungen auf die Steuereinnahmen dieser Länder.
    Warten wir mal ab, bis die deutsche Export-Wirtschaft schreit, weil der Export nach Südeuropa den Bach runter geht.

    Für längere Texte und Analysen hab ich mir mal ein Beispiel an unserem verehrtem Gastgeber hier genommen und selber angefangen, ein Blog zu basteln (grad im Entstehen begriffen ).
    Passend zum Thema hier findet sich ein erster Text unter:
    Print or Die

    @all
    Über einen Besuch und evtl. Kommentar würd ich mich freuen.

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  17. @Stephan:

    Hmmm, meine Aussage ist im Kern nur eine: Eine Deflation ist nur dann schlimm, wenn die Schulden zu hoch sind. Man stelle sich vor, die USA (oder von mir aus die Welt) würden bei den aktuellen Schuldenständen durch eine Deflation mit dadurch steigenden Schulden konfrontiert. Also darf es jetzt keine Deflation geben. Dann ist Schicht, denn wir haben schnell weltweit Kredite die so "unter Wasser" sind wie jetzt die US-Hypotheken.

    In Zeiten, die ich als "Normal" bezeichnen würde, bin ich allerdings der Meinung, dass eine Deflation nicht schlimmer ist als eine Inflation. Die Diskussion ist aber müßig, denn wir haben keine "normalen" Zeiten. Jetzt wäre eine Deflation tödlich.

    Ansonsten sind deine Fragen zu viele, weil ich noch ne Zahl des Tages suchen muss ... Ich kann dir aber versichern, dass die auch hier schon gestellt wurden. Auch wenn ich für viele keine Antworten habe. Im Fall der USA und der Schuldenhöhe habe ich genau auf die Höhe der Schulden nach dem 2. Weltkrieg schonmal hingewiesen. Damals waren aber die Verbraucher kaum verschuldet. Die USA (Staat) hatte seine Schulden also im Inland. Da war eine Sanierung relativ einfach: Steuern auf die Zinsen und ein generell hohes Steuerniveau und dann kommt man raus aus der Nummer. Heute liegen aber spürbare Teile der Schulden im Ausland und noch viel schlimmer bei geostrategischen "Gegnern" . Die kann man nicht einfach besteuern. Eine Sanierung ist also eine ganz andere Aufgabe als damals.

    OK, ein Punkt noch: Wir haben Deflation. Nicht nur bei Computern, sondern z.B. auch bei Lebensmitteln und auch bei den Löhnen. Diese steigen seit 20 Jahren langsamer als die Durchschnittsinflation. Ich nenn das jetzt mal Real-Deflation. Was wäre jetzt anders, wenn wir eine stabile Geldmenge hätten und in paar Bereichen etwas Inflation ist und in manchen etwas Deflation. Wir haben jetzt bei angenommen 2% Lohnwachstum auch ein paar Bereichen, in denen die Preise langsamer wachsen als die Löhne (Real-Deflation) und ein paar, in denen sie schneller wachsen (Real-Inflation). Und? Ändert das was?

    Ich glaube, dass dieses ganze Geldmengenzeugs überbewertet wird. Was ich gefährlich finde, sind Politiker und Notenbanken, die dadurch geschaffene Macht nicht richtig benutzen.

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  18. @Mike:

    Wieso muss die Geldmenge steigen wenn wie Wirtschaft wächst? Es könnten ja auch "einfach" die Preise fallen ...

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  19. @Terra€
    Simon Johnson hat das ganze heute mit seinen 6 Fragen an einen der Mega-Defizit-Terroristen Axel Weber schön auf den Punkt gebracht:

    "More broadly, Germany and Mr. Weber have been central in building a version of the Bretton Woods fixed exchange rate system within Europe. The entire burden of adjustment is placed on deficit countries (talk to Greece); it is considered beyond the pale to even suggest that German fiscal policy may be too tight, that Germany needs to expand domestic demand, or – heaven forbid – that Germany’s intention to export its way back to growth (with a current account surplus, in their view) is not exactly a model of enlightened economic leadership."

    OK. Mit dem Draghi wird das nix. Jetzt können wir nur hoffen, dass der Kelch Weber an uns vorbei geht.

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  20. @Egghat
    Hmmm .. das mit der Geldmenge ist scheinbar nicht angekommen? Aber egal, find du mal deine Zahl des Tages!

    Wegen der Schulden der USA ans Ausland. Ich formuliere es mal plakativ: Du schickst mir ein Blatt Papier auf dem Egghat IOU steht und im Gegenzug schick ich dir 10.000 Bücher und CDs bestellt bei Amazon Courtesy Stephan. Who is better off?

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  21. Wenn wir nur ein Geschäft machen und ich nie mehr CDs von dir kaufen will und ich anonym bleibe und mir niemand einen Schlägertrupp vor die Türe schicken kann, ich. Denn dann ich zahle ich die Schulden einfach nicht zurück.

    Ansonsten ist die Frage nicht so einfach zu beantworten ...

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  22. Ach so: Zu Weber etc. Es gibt ZWEI Seiten der Medaille. Es macht keinen Sinn, darauf zu beharren, dass es nur eine gibt.
    Natürlich hat Deutschland eine Mitschuld, weil wir zu "konservativ" sind. ABER Griechenland hat auch eine Mitschuld. Und ich bin dummerweise der Meinung, dass hier nicht der Zwerg Griechenland die Musik bestimmen sollte, sondern der alte DM-Block.

    Und dass die Euro-Block NICHT der Verursacher der globalen Ungleichgewichte ist, muss ich nicht betonen (EU ist leicht negativ). Kurz: In der internationalen Sichtweise ist der EU-Block nicht übermäßig wettbewerbsfähig. Ich sehe daher auch nicht den großen Änderungsbedarf für die deutsche Politik. Sondern für die griechische ...

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  23. @Stephan
    danke für den Tip zu Weber

    @all
    Ich hab die Frage des neuen EZB-Chefs mal etwas aufbereitet. Weiteres unter :

    EZB-Chef: Pest, Cholera oder schlimmeres...

    (Stephan, ich hab mir den Ausdruck "Mega-Defizit-Terrorist" mal geborgt)

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  24. @Stefan

    zu den Defizit Terroristen: Irgendwie scheint nie der richtige Zeitpunkt zum sparen da zu sein. Wenn die Wirtschaft brummt genießen es die Politiker als Wohltäter aufzutreten und sich mit Schulden zu profilieren. Ich habe noch nie einen Politiker erlebt, der gesagt hat : "So Leute uns geht es prima, wir sollten für schlechte Zeiten was zurücklegen" (im Sinne der 7 fetten und 7 mageren Kühe/Jahre aus der Bibel). Dass der Staat jetzt stabilisierend eingreifen muß ist klar, nur irgendwann ist das Maß halt voll....

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  25. Ich kann KBX nur zustimmen.

    Ich sehe die Regierungen nicht, die auf der Klaviatur von Sparen (in guten Zeiten, wann sonst?) und Ausgeben (in schlechten Zeiten) virtuos spielen.

    Und ich sehe die Notenbanken nicht, die auf der Klaviatur mit hohen und niedrigen Zinssätzen vernünftig spielen. Die Zinsen werden quasi immer zu spät angehoben, die Bubbles werden ignoriert (weil es ja immer irgendwo einen Markt gibt, der noch kritisch/wacklig ist und weswegen man vorsichtig bleiben muss). Und dann muss zu schnell und zu stark angehoben werden. Und dann bricht die Wirtschaft wieder weg. Wir haben einen immer schneller werdenden Wechsel von Boom nach Bust und zurück. Sollte die Notenbank nicht eigentlich stabilisieren?!? Angesichts meiner Diagnose muss man verstehen, dass ich vor noch mächtigeren Notenbanken (und darauf läuft der durch höhere Inflation vergrößerte Puffer zur Deflation hinaus) ein wenig Angst habe.

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  26. @egghat

    wieso willst Du im System einer gedeckten Währung bei Wirtschaftwachstum die Preise "einfach" fallen lassen, wo doch im jetzigen Papiergeldsystem angeblich gerade diese Deflation den Grund allen Übels darstellt ?

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  27. Ich sehe die Probleme von fallenden Preisen vor allem auf der Kreditseite. Wenn Preise fallen, fallen auch Gewinne und damit auch die Chance, einen Kredit zurückzahlen zu können. *Da* liegt das Hauptproblem von fallenden Preisen, nicht in der (postulierten) Kaufzurückhaltung.

    Ich will eigentlich nur auf eines hinaus: Die Überlegungen von Blanchard kann man auch in die andere Richtung machen. Wenn also die Preise um 2% fallen und die Löhne um 2% fallen, verhält sich der Verbraucher ziemlich genauso als wenn die Preise um 2% steigen und die Löhne ebenfalls. Geld ist nur eine Verrechnungsgröße. Warum soll Geld nicht auch einfach mal mehr wert werden können?

    Ich spekuliere darüber, weil eine (vernünftig) gedeckte Währung solche deflationären Zeiten mit sich bringen wird. Die Geldmenge kann ja nicht einfach mit einem Fingerschnipp erhöht werden. Ich meine nur, dass das solange nicht schlimm ist, wie die Wirtschaft nicht komplett auch Schulden basiert.

    Jetzt basiert die Wirtschaft aber auf Schulden. Und dann ist eine Deflation tödlich, weil die Werte sinken, aber die Schuldenhöhe nicht. Von daher ist es eh theoretisch, sich über eine gedeckte Währung Gedanken zu machen. Die kann es erst geben, wenn das ungedeckte Papiergeldsystem gecrasht ist (wann auch immer das sein mag; bisher gab es in der Geschichte auf jeden Fall noch keine Papierwährung, die gehalten hat)

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  28. @Egghat
    Puhhh ... zu den letzten Kommentaren von KBX und dir könnte man ein kleines Taschenbuch schreiben. (Kopfschüttel ;-)

    Daher nur eine Frage: "Bisher gab es in der Geschichte auf jeden Fall noch keine Papierwährung, die gehalten hat." Welche FIAT Währung ohne Bindung/Konvertibilität genau meinst du, die jetzt Geschichte ist, da sie nicht gehalten hat? Ich bin sehr gespannt?

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  29. stichpunktartig und ungeordnet nur mal einiges aufgezählt

    - gegen Inflation sollte der Bürger grundsätzlich mißtrauischer eingestellt sein als vor den Gefahren der Deflation, da der Staat als größter Schuldner wie auch einige große Player ein massives Interesse daran haben

    - Deflation gab es bislang nur alle paar Jahrzehnte mal, in mikroskopisch kleiner Dosierung von vielleicht -0,7%. Inflation ist der Regelzustand

    - die Gefahren einer Deflation mit Raten von -1% oder im Extremfall vielleicht von -2% werden aufgebauscht. Sinkende Preise gibt es auf vielen Märkten, so wie es auf noch viel mehr Märkten steigende Preise gibt, im Durchschnitt ergibt sich daraus dann eine Inflationsrate von sagen wir mal 2,5%. Ist das deswegen ein Drama?

    - Das beängstigende an Inflation wie auch an Deflation ist in erster Linie die Ungewißheit, die Unberechenbarkeit. Wenn wir von vornherein wüßten, die Inflation beträgt stets und immer genau 5%, dann kann sich jeder darauf einstellen. Genauso bei einem Goldstandard. Lasst doch die Preise Jahr für Jahr 1% sinken. Was soll daran schlimm sein, wenn jeder weiß, dass die Geldpolitik durch Staat und Notenbank nicht mehr manipuliert werden kann?

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  30. och ja, und nicht zu vergessen:

    Inflation wird dank hedonischer Preisberechnung systematisch zu gering ausgewiesen. Demnach darf man getrost annehmen, dass es in der westlichen Welt in keinem (bedeutenden) Land in den letzten 50 Jahren jemals ein Jahr mit sinkendem Preisniveau jenseits der Wahrnehmungsschwelle gab

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  31. Irgendwie verstehe ich das mit der Deflation anders.

    Deflation haben wir doch jetzt, weil es immer weniger Geld gibt. Alle haben weniger Geld, sind weniger kreditwürdig, können weniger ausgeben also stagniert die Wirtschaft.

    Der Zinsanteil und staatliche Abgaben die jedes hergestellte Kosumgut belasten sind höher geworden. Eigentlich müssten die Preise steigen, sie sinken aber weil jedes Unternehmen versucht seine Waren noch effizienter herzustellen. Unter anderem werden Löhne gekürzt und Mitarbeiter entlassen. Die Menschen haben wieder weniger Geld.
    Das ist doch die Deflationsspirale, die laut Lehrbüchern um ein vielfaches gefährlicher ist als eine Inflationsspirale.

    Schulden in Form von Krediten die nicht mehr zurückzahlbar sind, wie auch z.B. Staatsschulden gibt es genug. Diese belasten, lähmen und ersticken letzendlich die Wirtschaft.

    Eine Inflation ist eigentlich nichts anderes als unfreiwilliger Gläubigerverzicht durch Entwertung des Geldes.

    Eine Deflation kann nur durch steigende Wirtschaftsleistung oder durch Gläubigerverzicht beendet werden.

    Der Widerspruch in sich ist doch, dass wir eigentlich immer mehr Geld (Schulden) haben, aber immer weniger kaufen können, weil die Kosten für das Geld steigen.

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  32. @Stephan:

    Bisher (bis 1973) waren die Währungen nicht so frei wie jetzt. Also macht es keinen Sinn, wenn man jetzt reine Papierwährungen betrachtet. Bisher ging der Währungsverfall immer anders: Man hat die Währung an irgendwas gebunden und dann die Bindung nach und nach (meistens war der Anlass ein Krieg, den es zu finanzieren gab) abgeschwächt. Dem Gold Silber oder Kupfer beigemischt, etc. Und irgendwann war Ende und dann war ne neue Währung fällig.

    Bei Papierwährungen ist natürlich immer die Frage, wann Geld nichts mehr wert ist. Muss man jetzt Peseten, Lira (türkisch oder italienisch) als gescheitert und wertlos bezeichnen? Wenn zwischendrin mal drei Nullen gestrichen werden müssen? Als Erfolgsmodell würde ich diese Währungen auf jeden Fall nicht bezeichnen.

    9 gescheiterte Währungen

    Und das mal im Vergleich zu irgendwas, das was wert ist. Sei es ein Sack Reis, Öl, Gold, etc. Der Wert von Papierwährungen nähern sich auf Sicht immer dem Wert des Papiers an ...

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  33. @Egghat
    Lassen wir's gut sein. Das bringt nix. Du stellst eine Behauptung auf und lieferst dann eine Erklärung die mit der Behauptung nichts zu tun hat.

    Ein nationale Währung gebunden an ein Edelmetall oder eine andere Währung (currency peg) ist kein FIAT Geld. Der Staat kann dieses Geld nicht ex nihilo kreieren.

    Eine Diskussion ist dann absurd, wenn in einem Beitrag gejammert wird, dass unser heutiges FIAT Geld keinen echten Gegenwert wie Gold oder US$ hat.

    Und im nächsten Beitrag kommen Beispiel von Hyperinflation für Währungen, die auf Goldstandard oder US$-Peg basierten. Das ist Zeitverschwendung.

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  34. Liebe Leute,

    langsam bekomme ich den Eindruck, unsere Diskussion hier hat sich irgendwie festgefahren und ich versuch für mich grad rauszubekommen, woran das eigentlich liegt, bzw. wo wir aneinander vorbeireden.

    erste Vermutung: wir arbeiten hier alle (ich nehm mich nicht aus) locker mit relativ unscharfen bzw. nicht klaren Definitionen wie Inflation/Deflation/Stagflation/Depression/was-auch-immer.

    Die klassisch genannten Inflationsursachen(Wikipedia Eintrag reicht schon) kann ich im Augenblick kaum erkennen:

    Lohn-Kosten: sieht irgendjemand gigantisch inflationäre Lohnabschlüsse?

    überlastete Produktions-Kapazitäten, so daß Unternehmen Preiserhöhungen durchziehen können? Ja wohl auch eher nich in Sicht.

    Entwicklung bei Groß- und Einzelhandelspreisen? Auch eher auf dem Weg nach unten und ich rinnere mich an Preischlachten bei Aldi,LIDL & Co

    Was ich eher sehe, sind steigende Arbeitslosigkeit ( z.T durch Kurzarbeit verdeckt ), tendenziell sinkende Löhne (1€-Jobs, Zeitarbeit), sinkende Steuereinnahmen und sinkende Sozialversicherungseinnahmen, mangelnde Binnennachfrage und nicht so schöne Aussichten für den Export. Ich sag jetzt mal bewusst nicht Deflation, sondern der Begriff Depression(stendenzen) triffts m.E. besser (googeln nach Hoover und Brüning ist aufschlussreich).

    Wo kommt also das "Gefühl" her, daß alles immer teurer wird?

    Dazu bietet sich einmal ein Blick an in den Warenkorb, der bei uns zur Inflationsberechnung genommen wird: die beste Darstellung finde ich das
    Preis-Kaleidoskop Statistisches Bundesamt (Achtung plug-in erforderlich) , auf dem man übersichtlich erkennen kann, was eigentlich teurer und billiger geworden ist.

    Primär inflationär wirksam werden teurere Rohstoffimporte (z.T. aufgrund von Wechselkursänderuingen € zu $), solang wir Öl+Gas in $ bezahlen, z.T. noch kommunale Gebührenerhöhungen und steigende Medikamenten- und Versicherungs-Preise. Ich muss sagen, manche Entwicklungen waren mir selber nicht so klar, (aber ich fühl mich irgendwie bestätigt, seit vielen Monaten auf Dollarkurs und Ölpreisentwicklung zu schauen, ich such mal noch ne Grafik zur Ölpreisentwicklung).

    Ansonsten ist natürlich interessant, was nicht im Warenkorb ist. (Krankenkassenbeiträge, kommunale Steuern, was fällt noch so ein?)
    Soviel erstmal zum Begriff Inflation.

    unser zweites Problem scheint mir hier die Rolle von Zentralbanken, deren Aufgaben und Möglichkeiten zu sein. Dazu später noch mehr.

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  35. @Stephan:

    Wenn du eine Währung, die an den Dollar gebunden ist in den selben Topf wirfst wie eine Währung, die mit realen Goldreserven hinterlegt ist, dann wäre es in der Tat mal Zeit für eine Begriffsklärung von "Fiat Money".

    Und wie kommst du auf die Idee, dass ich behaupte, eine goldgedeckte Währung sei eine "Fiat Währung"? Das ist es doch gerade NICHT.

    ?!?

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  36. Lieber @Egghat

    Ich habe Gold (Hyperinflation Weimar) und US$-Peg (Default: Argentinien) angeführt, um diese Währungen gegenüber einer echten FIAT Währung abzugrenzen. Aber du hast Recht, es besteht Bedarf den Begriff FIAT Geld zu definieren. Vielleicht können wir dann effektiver diskutieren.

    Was ist FIAT Geld?

    In einem FIAT Währungssystem hat die monetäre Einheit definiert durch den Staat keinen intrinsischen Wert. Sie ist weder in eine andere Einheit konvertierbar (i.e. Gold) noch an eine andere Einheit gebunden (i.e. US$). Der Wert der Währung ergibt sich aus der Tatsache, dass sie die einzig akzeptierte monetäre Einheit ist um staatliche Steuern und Abgaben zu bezahlen.

    Ein FIAT Währungssystem hat Konsequenzen. Unter anderem das der Staat per definitionem immer seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann. Denn er ist der Issuer der Währung. Ich nehme mal an du kommst aus der Finanzecke? Und wirst jetzt sofort sagen: aber The Mighty Bond Market.

    Das der Staat sein Geld in Form von Anleihen schöpft, ist eine freiwillige Selbstbeschränkung des Staates. Er muss das nicht tun. Und ich will jetzt auch gar nicht diskutieren, ob das der beste Weg ist ;-) Aber selbst bei Anleihen gilt. Der Staat kann über seine Zentralbank die gesamte Yield-Kurve bis Maturity steuern.

    Zusammenfassung: Du hast Angst vor Zentralbanken. Das verstehe ich sehr gut aus der Finanzperspektive. Ich hab Angst vor der Finanzperspektive, die zuerst die Bude abfackelt, dann das Haus mit Steuerzahlermitteln wieder aufbauen lässst und am Ende dem Steuerzahler mitteilt, dass er durch den Hausbau leider sehr verschuldet ist und bitte sehr den Gürtel ganz eng schnallen muss, denn sonst gibt's keine Kohle mehr. Für mich sind das Vandalen und die bekämpft man am besten mit Zentralbankern und dem Treasury Department.

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  37. Hier noch ein Link: "Unconventional Monetary Policies: An Appraisal" von der Bank For International Settlements. Ziemlich technisch, aber das sollte dem Bond Markt schon mal die Richtung zeigen.

    http://drop.io/hidden/dinh0ki0b1fval/asset/dW5jb252ZW50aW9uYWwtbW9uZXRhcnktcG9saWNpZXMtYW4tYXBwcmFpc2Fs%250ALXBkZg%253D%253D

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  38. Naja, das ist die gängige Defintion. Dann sind wir ja daccord. Deinen Satz zu meiner Einschätzung des Golds versteh ich trotzdem noch nicht, aber egal.

    Nee, pleitegehen kann ein Staat natürlich nicht. Zumindest im engeren Sinne. Er kann immer so viel Geld drucken, wie er zur Bezahlung seiner Schulden benötigt. Es sei denn, die Notenbank ist unabhängig und macht das nicht mit. Nur mal so als Einwand. Und wenn der Staat das Geld druckt, gibt es eine Monsterinflation und die Altersvorsorge der Bevölkerung ist im Eimer. Und dann gehen wir mal davon aus, dass die Regierung nicht wiedergewählt werden will und sich mal einfach eine Inflation erlauben kann. Und von Grenzen sehen wir auch mal ab und vergessen, dass man sich mit einer Graupenwährung im Ausland nix mehr kaufen kann. Also so'n überflüssigen Mist wie Öl.

    Tja dann kann man wirklich einfach Geld drucken ...

    Deinen letzten Absatz mit der Wut auf das jetzige System verstehe ich und würde ihn unterschreiben. Allerdings ist das IMHo genau eines der Argumente FÜR eine Währung, die aus dem Komglomerat Politik/Notenbank/Wirtschaft herausgeholt wird. Also z.B. durch eine Golddeckung. Nein, das ist keine Patentlösung und ursprünglich ging es mir ja auch gar nicht darum.

    Mir ging es viel mehr darum, dass man Blanchards Idee auch in die andere Richtung ziehen kann. 0% Inflation sind auch nicht schlimm, wenn diese Erwartung denn stabil ist. Aber eigentlich kann man die Diskussion auch beenden, denn bei der aktuellen Schuldenhöhe ist die Überlegung total theoretisch, denn eine Deflation bei 100%/BIP Schulden der Privaten und 80%/BIP Schulden des Staats wäre das Ende. Kann man schön in Japan sehen, die sich inzwischen auf mehr als 200% Staatsschulden im BIP geschossen haben. Die Diskussion ist nur relevant, wenn man mit einer schuldenlosen Wirtschaft nochmal neu starten könnte ...

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  39. @Egghat
    Jetzt sind wir schon einen Schritt weiter. Jetzt können wir über Inflation reden. Das war ja klar, dass das Argument kommt ;-)

    Wann gibt's in einem FIAT System Inflation? Wenn die aggregierte Nachfrage den Output überschreitet. Davon sind wir zur Zeit weit weit weg. Und das ist genau der Punkt. Zentralbanker können einschreiten wenn das mal der Fall ist.

    Ich will auf keinen Fall zurück zu Goldstandard etc. FIAT Money hat genau den Vorteil, den du als Nachteil siehst. Die Politik und die Notenbank hat die Macht. Zumindest in den USA. Und die können wir abwählen. Goldman Sachs können wir nicht abwählen.

    Die Crux an der ganzen Gschicht ist: Keynes hat zumindest in einem Punkt recht. Zuerst müssen die Politiker mal kapieren, dass sie neo-liberalen Mythen aufsitzen. Von wegen der Bond-Markt. "Practical men, who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influence, are usually the slaves of some defunct economist.”

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  40. Ich verstehe nicht, dass du meinst, in einem goldgedeckten System würden Banken mehr Macht haben als jetzt. Das sehr ich genau anders herum.

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  41. Ich habe absolut nicht den Eindruck als hätte die FED (und abgeschwächt auch die EZB) in den letzten 20 Jahren Geldpolitik gegen die Interessen des Staates und der Finanzindustrie gemacht. Deren Interessen sind deckungsgleich, zumindest was die Notenbankpolitik betrifft.

    Beide Sektoren profitieren massiv von der Geldschwemme und den fast immer auf viel zu niedrigem Niveau belassenen Zinssätzen.
    Beide brauchen eine lasche Geldpolitik. Darum sind sie auch bestens miteinander verknüpft und lassen einander nie im Stich.

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  42. Bernanke: Höheres Inflationsziel ist reizvoll, aber riskant

    WASHINGTON (Dow Jones)--Fed-Chairman Ben Bernanke hat sich zögerlich gegenüber dem Vorschlag des Internationalen Währungsfonds (IWF) gezeigt, wonach die Notenbanken künftig höhere Inflationsraten in Kauf nehmen sollten. Die Idee sei "nicht ohne Reiz", aber auch riskant bei der Bekämpfung der Inflation, sagte Bernanke am Mittwoch bei einer Anhörung vor Kongressabgeordneten. "Falls die Federal Reserve sagt, wir lassen die Inflation auf 4% steigen, wie können wir sicher sein, dass wir später nicht auf 5% oder 6% oder 7% gehen?", gab Bernanke zu bedenken.
    IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard hatte unlängst vorgeschlagen, die Notenbanken sollten sich höhere Inflationsziele setzen, um eine Wiederholung der schweren Rezession zu vermeiden. Notenbanken könnten "in normalen Zeiten" eine höhere Rate anvisieren, damit sie im Falle eines Schocks mehr Handlungsspielraum haben. Anstatt der üblichen 2% Inflation könne eine Jahresteuerung von 4% ins Auge gefasst werden.

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