Zahl des Tages (18.02.10): -16,6%

Ich weiss, dass die meisten meiner Leser (zumindest diejenigen, die Kommentare hinterlassen) relativ fest davon überzeugt sind, dass wir Inflation bekommen werden. Weil die Notenbanken so viel Geld drucken. Die anderen Leser sind fest davon überzeugt, dass nach dem Platzen der größten Kreditblase aller Zeiten nur eine Deflation folgen kann.

Dumm nur, dass ich Euch für beides genügend Nachrichten liefern kann und darin jeder massenhaft Argumente für seine Theorie findet. Mich lässt diese wirre Nachrichtenlage immer noch naja wirr zurück. Ich weiss einfach immer noch nicht, ob wir Inflation oder Deflation bekommen. Der Kampf ist IMHO immer noch nicht entschieden. Ich glaube, dass es im Wesentlichen eine Timing-Frage ist bzw. wird. Bleiben die Notenbanken zu lange auf dem Gaspedal, gibt es sicher Inflation. Ich glaube allerdings nicht, dass sie schon zu lange auf dem Gaspedal stehen (vielleicht stehen sie im Fall des Nullzinses in den USA etwas zu fest auf dem Gaspedal, aber selbst darüber lässt sich diskutieren).

Heute kam mal wieder eine schöne Zahl für die "Deflationisten". Das Platzen von Kreditblasen löst üblicherweise eine Deflation vor allem aus einem Grund aus: Die Banken müssen Kredite abschreiben (wie z.B. die US-Immobilienkredite). Damit fehlt den Banken Eigenkapital und dann können die Banken nicht mehr so viele Kredite vergeben wie vorher. Da Banken ein Mehrfaches ihres Eigenkapitals an Krediten ausstehen haben (der berühmte Hebel), führt eine Reduzierung des Eigenkapitals zu einer mehrfachen Reduktion des Kreditmenge und damit der Geldmenge.

Bis hierhin ist das der normale Ablauf in einer Wirtschaftkrise. Jetzt kommt dieses Mal aber noch die Besonderheit hinzu, dass die Banken mit extrem hohen Hebeln in die Krise gekommen sind. Die Banken sind also nicht nur gezwungen, die Verluste auf Kredite zu verarbeiten (ich nenne das mal passiv), sondern müssen ebenfalls aktiv ihre Kreditmenge reduzieren, um die Hebel wieder auf ein halbwegs vernünftiges Niveau zu senken.

Die neue Bilanzrichtlinien (Kredite müssen nicht mehr so schnell abgeschrieben werden), die Garantien des Staats (Kredite müssen u.U. gar nicht mehr abgeschrieben werden) und einige kleinere Sachen sollen dieses notwendigen Anpassungsschritt verzögern und zeitlich strecken, weil eine Deflation sonst sicher wäre (ganz nebenbei ist die Streckung auch der Grund, warum die Frage vom Anfang des Artikels noch nicht beantwortet werden kann). So richtig wirksam ist das aber alles nicht ...

Die US-Banken haben die Neukreditvergabe seit Januar um etwa 100 Mrd. Dollar reduziert. Das entspricht einer Jahresrate von

-16,6%.

So schnell sank das Volumen der Bankkredite noch nie. Seit Ausbruch der aktuellen Krise gingen die Bankkredite um 740 Milliarden Dollar oder 10% zurück. Die Geldmenge M3 in den USA (die offiziell ja nicht mehr berechnet wird), sinkt laut Shadowstats mit 5,6%.

Es gibt zwar viele mögliche Kritikpunkte an den Zahlen (z.B. taugen die von Shadowstats was?), allerdings bin ich mir relativ sicher, dass die ganzen geldpolitischen Maßnahmen im Moment noch unkritisch sind, weil auf der anderen Seite die Bankkredite so stark zurückgehen. Beides zusammen hebt sich wahrscheinlich zum großen Teil auf.

Ob wir dann am Ende Inflation oder Deflation bekommen, hängt vielmehr davon ab, wann und wie die Notenbank den Fuß von der Bremse nimmt. Oder ob sie es überhaupt kann.

Telegraph: US bank lending falls at fastest rate in history

Kommentare :

  1. erste Einschätzung : Inflationspanik bei mir

    eben bei

    http://www.zerohedge.com/article/daily-highlights-21810

    Burger King to raise the price of its $1 double cheeseburger to $1.19 starting in April.

    :-)
    etwas ernsthaftere Anaylse evtl. später

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  2. Erst Deflation. Dann beabsichtigte schleichende Inflation. So 4-5%. Ganz nach dem neuen IMF Credo von Olivier Blanchard.

    Und sicher nicht die Hyperinflation von Peter Schiff und Marc Faber. Der Faber ist sich ja 100% sicher das die USA Zimbabwe Niveau erreichen wird. Wenn ich so was les würd ich als Investor als erstes mal seinen Newsletter abbestellen.

    Apropos IMF. Mit ihrem Stolz stehen sich die EU und ECB echt selbst im Weg. Der IMF wär ideal für die Hellenen. Die Burschen in Washington haben sich praktisch selbst neu erschaffen. An IMF with an unideological human face.

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  3. Der Kampf ist IMHO immer noch nicht entschieden. Ich glaube, dass es im Wesentlichen eine Timing-Frage ist bzw. wird.
    Da bist du nicht allein: http://humblestudentofthemarkets.blogspot.com/2010/02/inflation-or-deflation-cancer-or-heart.html

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  4. Hallo egghat!

    geiler Beitrag. Die wesentlichen Zusammenhänge sehr schön zusammengefasst.

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  5. Zur Sache Banken und Kredite habe ich hier etwas zum Staunen:

    http://www.economist.com/blogs/freeexchange/2010/02/bank_assets

    Ansonsten sehe ich den Ablauf Deflation-Inflation ähnlich (ich meine: bin ähnlich unsicher, wann...)

    Grüße

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