Zahl des Tages (26.02.10): 1,00

Neues aus dem Casino: ALL IN gegen den Euro

Letzten Monat gab es ein -damals geheimes- Treffen, in dem sich einige große Hedgefondsmanager, u.a. Soros, getroffen haben.

Einziges Thema dabei: Der Euro.
Das Ziel: Den Euro auf Parität zum Dollar zu drücken, also ein Wechselkurs von Euro/Dollar von

1,00.

Aktuell müssen noch etwa 1,35 Dollar für einen Euro bezahlt werden.

Das stinkt natürlich zum Himmel. Denn Absprachen unter Marktteilnehmern sind eigentlich nicht erlaubt. Vor allem nicht, wenn es darum geht, gemeinsam irgendwas gemeinsam unter Druck zu setzen. Das ist schlicht Manipulation!

Aber irgendwie scheinen die Apologeten der freien Märkte das nicht verstanden zu haben. Das Handelsblatt nennt das tatsächlich "nicht verwerflich oder gar illegal" und öffnet somit der Marktmanipulation Tür und Tor.

Wenn die Orderabteilung von Goldman Sachs den Händler anruft und sagt, hej, wir haben ne große Kauforder für Aktie xy vorliegen und der Händler die Aktien schonmal vorkauft und dem Kunden etwas teurer weiterverkauft, ist das verbotenes Frontrunning. Wenn ein Mitarbeiter einer Firma Insiderinformationen verwendet und frühzeitig kauft (oder verkauft), ist das verboten. Wenn sich Abermilliarden Dollar verwaltende Hedgefondsmanager sich treffen und ihre Strategie absprechen, soll das legal sein?

Die Finanzbranche (und noch schlimmer auch die sie beobachtenden Journalisten) scheinen immer noch der Meinung zu sein, dass alles, was nicht explizit verboten ist, automatisch erlaubt ist. Da geht es nur ums Geld, um den Career Trade.

Genug über die Presse gerantet, zurück zum Thema:

Die europäischen Politiker machen es den Hedgefondsmanagern allerdings auch einfach. Die eiern rum, diskutieren, denken über schwachsinnige Hilfen nach, statt für Klarheit (und zwar schleunigst) zu sorgen: Eine EU-Garantie für neue Griechenland-Bonds.
Und die Griechen sind auch nicht gerade hilfreich. Dort scheint man vor allem bemüht zu sein, die Schuld anderen in die Schuhe zu schieben, statt mal selber was zu fixen (How NOT to win friends and influence people).

Das ganze erinnert natürlich an die Anti-Pfund-Spekulation von George Soros 1992, mit der Soros das Pfund aus dem ECU trieb und damit 1 Milliarde verdient haben soll. Allerdings ist der Markt Euro-Dollar wesentlich größer und zwar nicht nur um ein paar Prozent, sondern um ein paar Faktoren. Selbst wenn sich da viele große zusammentun, könnte die Spekulation trotzdem ins Leere laufen.

Übrigens ist natürlich auch die Information über das Treffen absichtlich öffentlich geworden. Die Hedgefondsmanager, die beim Treffen dabei waren, haben sich bereits positioniert und den Gewinn für die ersten Cents in die gewünschte Richtung bereits eingefahren (wenn auch bisher nur als Buchgewinn). Jetzt "leakt" man die Information über das Treffen, hofft auf weitere Verunsicherung auf der Gegenseite und (noch wichtiger) auf Trittbrettfahrer, die auf die Spekulation aufspringen und ebenfalls den Euro verkaufen.

Geheimes Treffen: Hedge-Fonds nehmen Euro ins Visier - Finanzen - Fonds + ETF - Fonds-Nachrichten - Handelsblatt.com

WSJ: Hedge Funds Try 'Career Trade' Against Euro

Update (14:06)

FTD dazu (aber nix Neues drin, man kann ja nur vom WSJ abschreiben ...)

FTD: Hedge-Fonds hecken Euro-Attacke aus

Und zur Idee, dass die Nachricht über das Treffen absichtlich geleakt ist, ein passender, grundsätzlicher Artikel von Abnormal Returns:

Abnormal Returns: Everybody talks their book, everybody.

Geldverwalter reden nie im Vorfeld über ihre Positionen, sondern immer erst, wenn diese steht. Sie würden sich die eigene Rendite zerstören, wenn sie zu früh informieren. Also kann man immer davon ausgehen, dass Fondsmanager mit der Aussage "wir kaufen aktuell" immer "wir haben bereits gekauft" meinen.

Update (01.03.10):

Die Spekulanten nehmen jetzt auch das Pfund ins Visier. Vielleicht haben sie meinen Artikel gesehen ;-) Der kleine Markt Pfund/Dollar macht eine Spekulation viel erfolgsversprechender. Und stabiler als der Euro ist der britische Peso garantiert nicht.

Handelsblatt: Spekulanten wetten jetzt auch gegen das Pfund

Kommentare :

  1. Ganz einfach: Alle Finanzminister der EU müssen den Dollar wie bekloppt shorten und dann die EZB veranlassen, den Leitzins schlagartig auf 10% zu heben.

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  2. Alternativ könnte man die Spekulanten auch in den Markt laufen lassen, ohne zwischendurch permanent Informationen raussickern zu lassen, an einer Lösung arbeiten und dann am Sonntag völlig überraschend eine wirkliche Lösung präsentieren, die umfassend, schlüssig und niemand geahnt hat.

    Aber das wird nicht passieren und die Spekulanten werden wie immer früh genug Wind bekommen, um ihre Positionen (mit Gewinn) glatt zu stellen ...

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  3. Spekulaten dieser Größenordnung erhalten ihre Informationen nicht durch raussickern. Sie besitzen die Politik.

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  4. Und die Presse ...
    Der Gross von Pimco schreibt sich ja auch immer die Märkte schön, wo er drin ist und die schlecht, in denen er short ist ...

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  5. Ich glaub ab Frühjahr passiert was Anschlag oder Krieg , danach wird der Dollar ziemlich abdüssen ,

    Die Experten meinten auch Öl wird auf 200 gehen und DAX sollte bei 8000 sein ^^

    alles ruhig bleiben

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  6. herrlich,passend zum Thema bzw. es wird immer absurder:
    Ackermann reist nach Athen (angeblich um zu helfen) und seine Jungs wetten parallel dazu auf den Staats-Bankrott:

    Weiter unter Schwachsinn im Quadrat

    Waren die DB Jungs beim Hedge-Fonds-Treffen auch dabei?

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  7. hätte nie gedacht das ein paar fondsmanager alleine den markt manipulieren können

    habe noch eine gute quelle für news zu etfs gefunden

    http://www.etf-indexfonds.de

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  8. 1. Was spricht eigentlich gegen einen schwachen Euro? Viele Exportnationen machen dafür teure Verrenkungen (z.B. Japan und China), wir haben unseren Club Med ...
    2. Mein Arbeitsplatz würde jedenfalls mächtig sicherer -> Export!
    3. Nebenbei: Warum sinkt die Börse bei sinkendem Euro?

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  9. Ich weiss auch nicht ...

    Der Smart Investor schrieb "Danke Griechenland". Und die Kaufkraftparität liegt bei 1,20. Sprich danach die der Euro immer noch überbewertet. Slow down and think it over

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