Das Lohnabstandsgebot muss gewahrt bleiben!

Die Aussage hört man häufig aus dem Mündern intelligenter und weniger intelligentere Leute ...

Dumm nur, wenn man dabei so tut, als wäre das ein Forderung, die es erst umzusetzen gilt, und nicht um eine Tatsache, die bereits die Realität ist. Ich habe das als Update auf meinen Artikel Hartz IV - Kombilohn - BGE schon gepostet. Jeder, der heute Hartz IV bekommt UND arbeitet hat mehr als derjenige, der Hartz IV bekommt und nicht arbeitet. Die Frage kann ausschließlich sein, ob der Abstand groß genug ist und in welchen Fällen er zu groß oder zu klein ist.

Wie Bildblog gezeigt hat (Bildblog: Wie sich alle mit Hartz IV verrechnen), darf jeder Hartz IVler die ersten 100 Euro seines Einkommens komplett behalten, 20% vom Lohn bis 800 Euro und 10% vom Lohn bis 1200 Euro. Bei 1.000 Euro also 100+0,20*700+0,10*200=260 Euro. Das alles ganz ohne Tricks. Damit hat der arbeitende Hartz IVler schon mehr Geld als der nicht arbeitende.

Heute wird eine Berechnung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes rumgereicht, die es (im Gegensatz zur weitgehend ignorierten Blogosphäre) auch breit in die Presse schafft. Dank sei dem Herrn für einen guten Presseverteiler ;-)

Spiegel: Studie widerspricht Westerwelles Hartz-IV-Polemik

Glücklicherweise gibt es die Studie auch komplett zum Download und man kann sich die ganzen Beispielrechnungen im Detail anschauen und sich auch die Folgerungen des Paritätischen Gesamtverbands ungefiltert durchlesen:

Die Expertise „Damit sich Arbeit lohnt. Expertise zum Abstand zwischen Erwerbseinkommen und Leistungen nach dem SGB II“ (PDF!)).

Das empfehle ich auch jedem!

Der Paritätische Wohlfahrtsverband sieht daher auch keine wirklichen Probleme bei Alleinverdienern, auch nicht mit Kind. Problematisch sind jedoch Verheiratete mit Kind(ern) und (wenn gleich etwas eingeschränkter) ohne Kind. Bei letzteren vor allem, weil diese erst ihre Ersparnisse mit Hartz IV verrechnen müssen, also keine Aufstockung bekommen, so lange sie noch "Vermögen" haben.

Westerwelle diskutiert also größtenteils über ein Fantom.

Nur in einem Punkt gibt der Paritätische Wohlstandsverband ihm Recht: Der jetzige System, bei dem teilweise außerhalb von Hartz IV (Wohngeld, Kindergeld) und teilweise innerhalb von Hartz IV aufgestockt wird, ist ziemlich chaotisch und intransparent. Offenbar so intransparent, dass man mit völlig falschen Behauptungen Politik machen kann und selbst renommierte Blätter wie die FAZ (die ihren falschen Artikel übrigens nicht korrigiert hat) drauf reinfallen.

Sagte ich schonmal, dass ich ein Kombilohn-Modell mit sozialer Aufstockungskomponente für sehr überlegenswert halte? Ich glaube schon ...

Westerwelle geht es wahrscheinlich eh nur um eins: Aufmerksamkeit erregen, sich als Kämpfer für den gerechten Steuerzahler profilieren und dann am Ende Hartz IV senken. Bei mir hätte sich Westerwelle profilieren können, wenn er außer der Kritik auch einen Plan in der Tasche gehabt hätte. Der Mann ist nämlich jetzt an der Regierung und nicht mehr in der Opposition. Und nur Meckern reicht da nicht mehr aus ...


Kommentare :

  1. pfund taucht ab01 März, 2010 18:39

    Britisches Pfund auf Talfahrt

    01.03.2010 | 16:39 | (DiePresse.com)

    Noch nie gab es so viele Verkaufspositionen auf das britische Pfund. Dieses brach auf 1,48 Dollar ein und war so billig wie seit zehn Monaten nicht mehr. Experten erwarten einen Kursrutsch bis auf 1,40 Dollar.
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    Das britische Pfund brach am Montag um bis zu drei Prozent auf 1,4784 Dollar ein und war damit so billig wie seit zehn Monaten nicht mehr. Zum Euro fiel das Pfund auf ein Drei-Monats-Tief von 1,0930 Euro. Auslöser dürften die Sorgen vor einem politisches Patt bei den Parlamentswahlen im Frühjahr sowie schwache Konjunkturdaten sein.

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  2. Hmm in der Firma in der ich arbeite, laufen auch jede Menge Leiharbeiter (andere firmeninterne Bezeichnungen: "Pd-ler", "Knechte", "Leihsklaven") herum, ich war auch mal einer davon.
    Das Problem von denen ist, dass sie mit ihren 7,30 € pro Stunde gerade so viel verdienen, dass sie kein Harz4 mehr bekommen.
    Allerdings bekommen Harz4ler automatisch deutlich mehr Kindergeld etc. und kommen dann über den Monatslohn eines Leiharbeiters.
    Das nächste Problem eines Leiharbeiters ist, dass sie nahezu zwingend ein Auto fahren müssen, um flexibel ihre teils weit verzweigten, verschiedenen Arbeitsstätten aufsuchen zu können. Wenn man jetzt also die Kosten für ein Auto noch damit einrechnet, kippen diese ganzen Wohlfühlrechnungen - da nützt auch die Pendlerpauschale wenig.
    Weitere Nebenjobs anzunehmen ist auch kaum möglich, da man ja nicht weiß, in welcher Firma, wie lange und in welcher Schicht man in der nächsten Woche arbeiten "darf".

    Ich kann jedem nur empfehlen, sich mal mit denen Leuten "da unten" direkt zu unterhalten anstatt staubige Statistiken zu wälzen. ;)

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  3. @Syndrom

    Erstens geht es hier um den Lohnabstand, nicht die absolute Höhe. Zweitens wird das Kindergeld auf Hartz IV angerechnet und kommt nicht oben drauf. Ganz im Gegensatz zu den Leuten, die kein Hartz IV bekommen. Die dürfen das Kindergeld behalten und genau das macht auch den Abstand aus.

    Es gibt den Fall nicht, dass jemand mit Hartz IV, der arbeitet, weniger oder gleich viel hat als jemand der Hartz IV hat und nicht arbeitet. Die Frage ist höchstens, ob der Abstand groß genug ist.

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  4. Ich lese Deinen Blog regelmäßig und muß Dir mal ein Kompliment aussprechen...

    ...und Westerwelle geht es nur um eines: Seine Klientel aus der Schußlinie und Diskussion zu bringen!

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  5. @Syndrom
    Und zu Egghat noch ergänzt: und wenn die noch mehr verdienen dann kommen zum Kindergeld noch die Ausschöpfung der Freibeträge hinzu.

    Zitat:"Kinder reicher Eltern können sich freuen: Ab Januar kommen sie besser weg, als Kinder normal- und geringverdienender Eltern."
    http://www.n-tv.de/ratgeber/steuernrecht/Besserverdiener-bekommen-mehr-article581911.html

    @Egghat
    Ich hoffe, Du hast nicht überlesen, daß Herr Schneider faktisch einen Mindestlohn bei 6€ festsetzt:

    «Schneider bezweifelte jedoch die Gerechtigkeit von Löhnen unter sechs Euro. "Ob sie etwas mit einem wie auch immer gearteten Leistungsprinzip zu tun haben, geschweige denn mit irgendeinem Gerechtigkeitsideal, muss klar verneint werden."»

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  6. Ich bin ja bei meinen Überlegungen zum Kombilohn auch immer von 5 Euro Mindestlohn ausgegangen plus den sozialen Komponenten. D.h. die 5 Euro würde es nur für die geben, die nicht alleine verdienen (also dazuverdienen) und keine Kinder haben.
    Aber da bin ich auch nicht pingelig. Über 6 Euro lasse ich mich mit reden. Nur nicht über 10. Denn das wird Arbeitsplätze vernichten.

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  7. @syrnlins:

    Danke für das Lob.

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  8. Ich denke, dass die ganze Gesetze (z.B. 1500 Seiten SGB) einfach viel zu pingelig klein klein geregelt sind.

    Wenn ich dass mal aus der Welt der Finanzkontrakte sehe (=Regelungen über Geldzahlungen) und mit den staatlichen Leistungen vergleiche (=Regelungen übere Geldzahlungen), dann ist jede n-squared Verbriefung mit allerlei Derivate noch immer simpler als all diese Sozialgesetze und -vorschriften. Kein Wunder dass da immer Ungereihmtheiten rauskommen, komische Sonderfälle entstehen, Leute sich ungerecht behandelt fühlen.

    Vielleicht wäre es echt besser all diese Gesetze und Vorschriften wegzuschmeißen und so ein Grundeinkommen einzuführen. Dann hätte man auch das Rentenproblem elegant gelöst, und Bürokratiekritik wäre größtenteils entsorgt. Das ist zwar Utopia, aber der aktuelle Sozialstaat ist nur ein Stückchen weniger utopisch.

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