Peak-Oil: Wird es das vielleicht nie geben?

Ich habe schon vor einiger Zeit im Smart Investor einen Artikel von William Engdahl gelesen, in dem er die These vertrat, dass das Rohöl der Welt nicht aus Ablagerungen biologischer Reste entstanden ist (so wie wir es in der Schule gelernt haben), sondern im Erdinneren entsteht. Der Clou daran: Das sogenannte abiotische Öl wäre quasi unendlich vorhanden, denn es würde dann ja nicht aus Hunderte von Millionen Jahren alter Ablagerungen stammen, sondern dauernd neu entstehen. Damit könnte man die Idee von Peak-Oil auch direkt in die Rundablage befördern.

In Russland scheint die These vom abiotischen Erdöl durchaus üblich zu sein. Aber wer sollte ein Interesse haben, diese Theorie zu unterdrücken. Klar: Die Erdölkonzerne und die Rohstoffhändler, die nur mit dem drohenden Ende die immer noch hohen Erdölpreise rechtfertigen.

Das ganze ist natürlich sehr umstritten und ziemlich nahe an Verschwörungstheorien. Daher halte ich mich mit einer Wertung zurück und empfehle den meiner Meinung nach sehr gelungenen 3sat Beitrag. Eine halbe Stunde Qualitätsfernsehen, die sich nicht nur für Rohstofffans lohnt. Man stelle sich vor, die Menschheit könne unbegrenzt Öl verbrennen und den CO2 Ausstoß weiter erhöhen ...

3sat hitec - Öl - und doch kein Ende?

Kommentare :

  1. Ich habe mit der Theorie nur eine Schwierigkeit. Wenn das vorhandene Öl in den letzten hundert Millionen Jahren durch irgendwelche Prozesse im Erdinneren entstanden ist, ist das OK. Wie kommt man aber darauf, dass die Erde die täglich benötigten 14 Milliarden Liter nachproduziert?

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  2. @rr:

    Es muss ja nicht heissen, dass die komplette Ölförderung täglich wieder ersetzt wird. Aber ein Teil wäre ja schon interessant ... Vor allem weil die Theorie im Moment im Mainstream als kompletter Murks angesehen wird (womöglich sogar zu Recht).

    @Usedomspotter:

    Ich hoffe, mein Disclaimer (ich enthalte mich der Meinung, Verschwörungstheorie) war deutlich genug. Ich kann das nicht beurteilen. Interessant finde ich das trotzdem.

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  3. Ich lese gerade eine Biografie von Cagliostro, sowas hätte zu dem auch gut gepasst. ;-)

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  4. Hallo egghead,

    zu diesem Thema folgende Links, die eine sachliche Argumentation pro Peak Oil bieten:

    http://gregor.us/mexico/post-peak-mexico/

    und

    http://www.aspousa.org/index.php/newsletters/peak-oil-review/file-library/?dl_cat=6

    LG,
    Tomj

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  5. Ich habe Probleme mit solchen Verschwörungstheorien, vor allem die abiotische geistern seit ca 1 Jahr verstärkt durch die Blogosphäre:

    Ölländer wie Mexiko, USA!, GB, Norwegen die alle im Decline sind, werden doch nicht freiwillig auf die Förderung der unendlich nachfließenden Ölmassen verzichten, nur um ein paar Ölspekulanten hohe Gewinne zu sichern.

    Ganz im Gegenteil, vor allem das amerikanische Wirtschaftsmodell basiert auf der Verfügbarkeit von billiger Energie.

    Desweiteren, einfach nur geologisch: Wenn das Zeug permanent nachgeliefert werden würde, würde es genauso wie bei Magma (= Vulkane) an vielen Stellen permanent sprudelnde Ölquellen geben, die seit Jahrmillionen Öl an die Oberfläche fördern. Praktisch Ölvulkane, die einmal entzündet dann Jahrtausende durch brennen.

    Und wenn tatsächlich geringe Mengen irgendwo abiotisch entstehen würden - das wäre für die Wissenschaft interessant, aber wirtschaftlich komplett irrelevant.


    Abiotisches Öl paßt gut zum "Klimaschwindel", endlos Öl damit ich meine Rostlaube mit gutem Gewissen soviel fahren kann wie ich will.

    Das hatten wir schonmal in den 80ern, "Mein Auto fährt auch ohne Wald", als in einer konzertierten Aktion(Emmissionsvorschriften, Filtereinbau überall) das Waldsterben gestoppt werden konnte, trotz dieser Widerstände.

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  6. Wie kommt es dann zu versiegenden Ölfeldern von gigantischen Ausmaßen, aus denen nie wieder ein Tropfen gefördert werden kann. Alles sehr dem neuen russischen Geist verpflichtet, scheint mir.

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  7. kleiner Nachtrag:

    passend zum Thema lief letzte Woche ein sehr schöner, längerer (knapp 1,5 h, wenn ihr mal nen langweiligen So-Nachmittag habt) Beitrag auf Phoenix:

    Requiem für einen Rohstoff

    Ein netter Mensch hat ihn mitgeschnitten und häppchenweise vertubed:

    Teil 1 - Rest findet man dann

    Requiem für einen Rohstoff Teil 1

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  8. [Irgendwie verschwand mein erster Kommentar]:

    Herrlich, das ist ja noch fast besser als die "Erdentstehung vor 6000 Jahren" im Weltbild christlicher US-Fundamentalisten.

    Wenn man einfach mal nur die abiotische Entstehung wirtschaftlich relevanter Rohöl-Mengen annimmt und das für einen geologisch relevanten Zeitraum durchrechnet, komme ich (geschätzt ) auf eine Rohölkugel mit dem mehrfachen Durchmesser der Erde, wir müssten in dem Zeug quasi ersaufen/ersticken...
    Weitere Erläuterungen nötig?
    Oder soll ich annehmen, dass man die abiotische Entwicklung zeitgenau passend zum Peak Oil Zeitpunkt irgendwann zwischen 2005-2008 in Gang gesetzt hat?
    Sowas bitte wirklich für den 1.April aufheben...

    Erstzunehmendere Überlegungen zum Thema (meine Einschätzung) bei

    Oildrum
    ASPO International

    Wenn selbst die MSM-Presse das Thema in letzter Zeit immer öfter aufgreift ( zuletzt Wall Street Journal oder etwas versteckter in der ZEIT), wärs vielleicht mal nen längeren Text wert (schreibe gern mal etwas dazu)

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  9. a) Ich habe nie gesagt, dass ich dieser Theorie anhänge. Ich habe nur auf einen aus meiner Sicht guten Fernsehbeitrag hingewiesen, der gut in ein Thema einführt. Am Ende sagt der Wissenschaftler aus Oldenburg auch ganz klar, dass es ganz stinknormales Öl ist und es genau so biologisch ist wie alles andere Öl, das er vorher gesehen hat.

    b) Dass die Menge an Öl, die so entstehen würde, zu groß sein könnte, ist der Einwand, der mir auch als erstes kam. Allerdings kann man auch auf ähnliche Art und Weise gegen die biologische Entstehung vorgehen. Die dazu nötigen Mengen Biomasse und auch die Mengen Öl, die man aus einem Ölfeld pumpen kann, kann man ziemlich plausibel widerlegen (man darf nur nicht nachrechnen). Allerdings weiss ich wie viel des Weltenergieverbrauchs aus Kohle stammt und wie dick die Lagen Kohle sind, die man in den USA sogar im Tagebau abbaut und daher weiss ich sehr wohl, dass solche Mengen Energie (= ursprünglich Biomasse) über Millionen von Jahren entstehen können. Oder gibt es dafür etwa auch eine Theorie, die die abiotische Herkunft von Kohle nachweist`?

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  10. Abiotische Entstehung heißt ja nicht, dass man sich keine Sorgen darum machen müsse, Erdöl könnte zur Neige gehen. Damit wird nicht gesagt, jedes Jahr entstünden 30 Mrd Barrel neu.

    Manche Leute, gerade in linken Kreisen, sind felsenfest davon überzeugt, die Amerikaner wären nie auf dem Mond gewesen, die Twin Towers wären von Schorsch Dabbeljuh gesprengt worden, warum soll man es dann kategorisch für ausgeschlossen halten, Erdöl könnte vielleicht auch anderen als fossilen Ursprungs sein? Die abiotische Entstehungstheorie ist nicht so wahnsinnig neu. Die war in der Sowjetunion recht verbreitet.

    Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.

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  11. @egghat, ich denke niemand wollte Dir unterstellen, dass du an diesen Unfug glaubst.

    Deinen Hinweis auf die Fehleinschätzungen bei Größenordnungen kann ich nur unterstreichen. Ich hab mich letztes Jahr bei den Berichten von "gigantischen" Ölfunden (wo auch immer) herrlich amüsiert und mir dann immer ne Art disclaimer dazugedacht:

    Das gigantische neue Ölfeld ( 1 Milliarde Barrel ) deckt nach 5-7 Jahren Vorlaufzeit und Millarden-Investitionen den Welt-Öl-Bedarf bei einem täglichem Förderung/Verbrauch von 74-85 Mega-Barrel (je nachdem was man als Rohöl zählt , die 85 Mio. incl. Teersände und "liquid natural gas" ) den Bedarf tatsächlich für 12-13 Tage und wird "peak oil" endlos hinausschieben...

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  12. @Tera€:

    Wollte es auch nur noch mal klarstellen. Das war ein Hinweis auf einen brauchbaren TV Beitrag, der in diese Theorie einführt.

    @Matsch:

    So sehe ich es eher auch. Es *mag* eine solche Quelle abiotischen Öls geben (wobei der Prof in dem TV Bericht sagte, dass an dem Öl nichts besonderes sei und außerdem liefert das dauernd zitierte *eine* Ölfeld in Kasachstan auch nur eine ziemlich dünne Beweislage). Das macht die Theorie aber trotzdem nicht weniger spannend.

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  13. Entscheidend ist eher das man Kohle verflüssigen kann, es davon noch jede Menge gibt, und es ausserdem auch noch Teersande gibt. Danach kann man Biomasse nutzen, man muss nur einen sanften Übergang hinbekommen.

    Wachstum forever!

    Die Theorie vom abiotischen Öl halte ich auch für Quatsch und ausserdem ebenfalls für irrelevant.

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  14. Ich glaube wir brauchen einfach nur Solarstrom für 10 cent/KWh (also Drittelung des Preises) UND eine preiswerte Speichermöglichkeit (Akku, auch etwa Drittelung des Preises). OK, bei der Speicherung in Akkus vielleicht auch eher eine Fünftelung.Aber immerhin hatten wir in den letzten 10 Jahren Verbesserungen der Leistungsfähigkeit von Akkus um den Faktor 2 und Preissenkungen in ähnlicher Größe. Das ist schon eine Viertelung. Sooo utopisch ist das alles nicht. Wenn ich höre, dass der Marktanteil von E-Autos auf 10% für 2030 geschätzt wird, glaube ich, dass viele Leute die Verbesserungen bei Solarzellen und Akkus der letzten 2 Jahrzehnte deutlich unterschätzen.

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