Zahl des Tages (04.03.10): 15.000

OK, Griechenland. Was sonst. Und dann noch eine Zahl, an der ich gestern knapp vorbeigegrätscht bin. Auch wenn man bei solchen Zahlen nie ganz genau weiss, ob die denn jetzt stimmt, wirft sie trotzdem Licht auf eine sehr wichtige Tatsache.

Gestern schrieb ich noch, dass ich gelesen habe, dass in Griechenland nur 5.000 Steuerpflichtige ein zu versteuerndes Einkommen von über 100.000 Euro haben. Das kann natürlich nicht sein, denn auch wenn Griechenland ärmer ist als Deutschland und auch wenn die Einkommensstruktur anders sein sollte, passt das bei gut 11 Millionen Einwohner vorne und hinten nicht.

Der griechische Finanzminister Giorgos Papaconstantinou hat in einem Interview mit dem britischen Observer die Zahl der offiziellen Einkommen, die größer sind als 100.000 Euro im Jahr, auf

15.000

beziffert, was nur unwesentlich höher ist als die von mir gelesene Zahl von 5.000 (danke an den anonymen Hinweisgeber)

Das sagt die offizielle Steuererklärung. Inoffiziell wird die Zahl eher auf 20% der Griechen geschätzt. Das wären also über 2 Millionen. Gut, 20% der Gesamtbevölkerung scheint mir dann auch wesentlich zu hoch zu sein. Ich glaube in Deutschland sind es etwas weniger als 10% der Steuerpflichtigen, die mehr als 100.000 Euro verdienen. Es geht aber nicht um die wirklich wahre Zahl, sondern darum, dass der ganz große Teil der Besserverdienenden in Griechenland, sein Einkommen nicht sauber deklariert. Wahrscheinlich deutlich mehr als 90%!

Und jetzt beginnen diese noch, ihr Geld aus Griechenland abzuziehen. Bevorzugtes Ziel: Die Niedrigsteuerinsel Zypern, die für die Griechen scheinbar eine ähnliche Rolle spielt wie die Schweiz für Deutschland. Schon 8 bis 10 Mrd. Euro sollen die Griechen in den letzten 6 Monaten aus der Heimat abgezogen haben ...

Guardian: Super-wealthy investors move billions out of Greece

Wer sich jetzt fragt, wie es die Griechen schaffen, ihre Einkommen so heftig zu verschleiern, dem lieferte der Anti-Korruptions-Verein Transparency International die Begründung: Die Griechen haben 2009 durchschnittlich geschätzte

1.355 Euro

Bestechnungsgelder gezahlt (wäre übrigens auch 'ne schöne Zahl des Tages gewesen). Für die schnellere Genehmigung des Führerscheins, die Baugenehmigung oder eben die optimierte Steuererklärung und/oder Steuerprüfung.

Laut Transparency International sind in diesen Rechnungen die Bestechungsgelder von Firmen nicht einmal enthalten, es geht also wirklich nur um die Bestechungsgelder von Privatleuten.

Welt: Griechenland ächzt auch unter der Korruption
Spiegel: Transparency beklagt Korruptionsboom in Griechenland

Die neue zehnjährige griechische Staatsanleihe wurde mit einem Aufschlag von 300 Basispunkten gegenüber der Bundesanleihe (etwa 6,4%) angeboten und verkaufte sich wie warme Semmeln. Für die Anleihen im Volumen von 5 Milliarden Euro sollen Angebote in Höhe von 16 Milliarden Euro eingegangen sein. Negativ muss man aber anmerken, dass der Zins damit nur wenig unter dem Zins der Anleihe vom Januar liegt, die mit 6,5% rentierte. Übrigens gingen die Anleihen zu 90% ins Ausland. Wahrscheinlich nach Zypern ;-)

FT Alphaville: Greek crisis averted. Markets move on…

Die CDS notierten übrigens heute mit 304 Basispunkten in etwa auf dem Niveau von gestern.

FT Alphaville: CDS report: A turning point?

Kommentare :

  1. Hier ist ein interessantes Video zum Thema:

    http://www.youtube.com/watch?v=crJeuOqKaD4&feature=player_embedded

    Im Video werden 300 Mrd. Euro Staatsschulden hauptsächlich gegenüber dem Ausland genannt. Die Steuereinnahmen betragen nur 50 Mrd. Euro.

    Das Problem:
    Müsste Griechenland derzeit, d.h. in einer absoluten Niedrigzinsphase, seine gesamten Schulden mit 6,5% refinanzieren, dann würde man 39% des gesamten Staatshaushalts nur für Zinszahlungen aufbringen. Das Problem: Die Steuereinnahmen werden aus meiner Sicht nicht steigen, denn:

    1.) Durch die Einsparungen des Staates haben die Menschen weniger zum Ausgeben und die Wirtschaft wird schrumpfen. Wenn die Ehrlichkeit gleich bleiben sollte, dann gibt es weniger MwSt.- und Einkommensteuereinnahmen.
    2.) Menschen, denen man massiv die Leistungen kürzt, werden in einem Korruptionsstaat trotz Steuererhöhungen nicht mehr Steuern zahlen sondern weniger.

    Ich wüsste nicht, wie man dieses Problem lösen könnte.

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  2. Das problem kann man lösen, in dem man dafür sorgt, dass Griechenland nicht 6,5% Zinsen zahlen muss ... Genau dahin geht mein Vorschlag mit der Garantie für die Griechenland Schulden.

    Dass die Lage bei 6,5% Zinsen so gut wie aussichtslos ist, sehe ich genauso.

    Dass die Griechen die Schulden hauptsächlich gegenüber dem Ausland haben, habe ich zwar auch schonmal gelesen, allerdings habe ich auch schonmal genau das Gegenteil gelesen. Der größte Käufe für die griechischen Anleihen sind die griechischen Banken. Und die Zahl, die am Ende stand, lag bei 1/3. Was trotzdem noch der höchste Anteil in der EU war.

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  3. "So schuldet die Regierung in Athen nach Schätzungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich allein französischen Banken 75,5 Milliarden Dollar, Schweizer Banken 64,0 Milliarden Dollar und deutschen Banken 43,2 Milliarden Dollar. Insgesamt summiert sich die Auslandsverschuldung der Griechen sogar auf 302,6 Milliarden Dollar."

    Quelle:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,677319,00.html

    Falls es eine Garantie geben sollte, dann bin ich mir sicher, dass Griechenland alle daran geknüpften Auflagen nicht erfüllen können wird.

    Falls die Zinsen irgendwann mal steigen sollten, womit z. B. Warren Buffett rechnet, dann ist selbst mit einer Garantie alles vorbei.

    Und wohlgemerkt, dass Problem, dass die griechische Wirtschaft nicht wettbewerbsfähig ist, wurde damit nicht gelöst. Griechenland braucht über viele Jahre Kapitalimport, den niemand geben möchte. Natürlich *könnte* ein Lohnstopp über x-Jahre etwas bringen. Leider braucht Griechenland kurzfristig eine Lösung und außerdem würde das die Bevölkerung niemals mittragen.

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  4. Die Zahlen des Spiegels weichen so stark von den Zahlen ab, die ich woanders gelesen habe, dass ich schlicht glaube, dass der Spiegel entweder doppelt zählt und/oder Bruttosummen zählt. Was zählt ist aber netto und dort ist KEIN Land der Welt zu 100% im Ausland verschuldet. Es gibt doch immer auch Positionen von deutschen Staatsanleihen bei griechischen Banken. Das muss man doch verrechnen!

    Was die Lohnzurückhaltung angeht: Die Holländer waren in einer VIEL besseren Lage und haben solch drastischen Maßnahmen mitgetragen. Die haben nicht nur die Lohnzurückhaltung gemacht, sondern auch einen Komplettumbau der Altersvorsorge vorgenommen.

    Wenn die Zinsen allgemein und weltweit und stark steigen sollten, ist unser Papiergeldsystem eh am Ende. Und genau deshalb wird ALLES getan werden, um das zu vermeiden. Irgendwann wird es trotzdem knallen, aber wahrscheinlich nicht jetzt ...

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  5. Die Summe von 302,5 Mrd. *DOLLAR* ist wohl das Gesamtrisiko aller Sektoren (Land, Unternehmen, Haushalte):

    http://www.bis.org/publ/qtrpdf/r_qa1003.pdf

    (Seite A64/A65)

    Die öffentlichen Schulden bei Ausländern betragen demnach nur 107 Mrd. Dollar und zusätzlich gibt es 102 Mrd. Dollar "Claims", d.h. scheinbar Forderungen, die zumindest auch zum Teil Staatsschulden sein könnten.

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  6. Die Spiegelzahlen scheinen zu stimmen bzw. in der FAZ standen dieselben Werte:

    http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~E52FF574961AA4A4A9E6E9E1B0C7EE1B2~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    (gruselige FAZ-Links... Quelle dort: BIS)

    also wieder mal HRE retten ( und Credite Suisse, Societe General usw.... sieht fast aus wie die AIG-Auszahlungsliste)

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  7. @Tera€:

    Kann nicht. Die Griechen haben etwas über 300 Mrd. Staatsschulden in Dollar. Daraus können beim besten Willen nicht 300 Mrd. Euro Staatsschulden im Ausland werden. Die 300 Mrd. Euro passen schon nicht zu den 300 Mrd. Dollar. Aber darüber hinaus hat KEIN Land der Welt seine Staatsschulden zu 100% im Ausland. Im Fall Griechenland hat der Anteil der ausländischen Schuldner sogar abgenommen. Die sind nämlich schon länger skeptisch. Der große Käufer sind die griechischen Banken, die sich ihr Geld zu 1% bei der EZB leihen und zu 4% (oder mehr) in griechischen Staatsanleihen wieder anlegen. Der Carry-Trade auf griechisch.

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