Zahl des Tages (15.03.10): 9.547

Die Diskussion über die Steuer-CD wurde vor ein paar Wochen in den Medien sehr breit getreten (und hier auch STEUERDATEN CD KAUF - PRO ODER KONTRA?; weitere Links im Text).

Ich habe dann kurzzeitig begonnen, die Meldungen von den Finanzbehörden der Länder zu sammeln, aber dann auch das Interesse verloren. So wichtig war das ja auch nicht, denn bereits die knapp 3.000 Selbstanzeigen bis Ende Februar haben die These, dass die Diskussion über die Steuer-CD wichtiger ist als die Daten, die sich darauf befinden (oder dass es die CD überhaupt gibt). Der größte Teil des Erfolg tritt bereits vor dem Kauf ein. Und sogar dann, wenn gar nicht gekauft wird. Die Rendite von 16.000% dürfte schon lange eingefahren sein (ZAHL DES TAGES (05.02.2010): 16.000%)

Und das war wahrscheinlich noch zu früh und auch zu konservativ gerechnet. Denn Capital hat nochmal bei den Finanzbehörden nachgefragt und ist auf

9.547

Selbstanzeigen gekommen. Das sind nochmal gut dreimal soviel wie Ende Februar (vgl: ZAHL DES TAGES (16.02.09): 330 (1687) (2.078) (2650) (2832).

Auch die Einnahmen dürften deutlich über den bisher geschätzten liegen. Baden-Württemberg, wo knapp ein Viertel der Selbstanzeigen (2.418) eingegangen sind, schätzt die Mehreinnahmen auf 235 Millionen Euro. Bei etwa 100.000 Euro pro Fall ergibt das grob hochgerechnet fast 1 Milliarde Euro, was etwa eine Verzweieinhalbfachung gegenüber der alten Renditerechung ist. Zu Ende ist das Thema übrigens noch nicht. Es trudeln wohl immer noch 250 neue Selbstanzeigen pro Woche ein.

Die Behörden zeigen sich selbst erstaunt. Im Fall der Liechtenstein-Affäre sind in Baden-Württemberg nur 121 Selbstanzeigen eingegangen, also weniger als ein Zehntel der heutigen Anzahl.
Da hat sich die Taktik wohl ausgezahlt, möglichst viele Banken und Versicherungen als Datenleck in die Diskussion zu bringen, um die Anzahl der Verunsicherten so weit nach oben zu treiben wie eben möglich. Das hat mit einer Bank aus dem kleinen Liechtenstein natürlich nicht so gut funktioniert ...

Capital: Fast 10.000 Selbstanzeigen von Steuerhinterziehern
FTD: Fast 10.000 Selbstanzeigen von Steuerhinterziehern

Kommentare :

  1. Die Schweiz ist halt das Liechtenstein des "kleinen" Mannes. ;-)

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  2. Ich staune auch. Kommt ganz schön was dabei herum.
    Als es 2004 die Steueramnestie gab mit 25% Steuerabgeltung, ist fast niemand darauf eingegangen. Bei der Selbstanzeige, die den 'reuigen Steuersündern' ungefähr dreimal so teuer zu stehen kommt (~ 50% Steuersatz + saftige 6% Zinsen pro Jahr), rennen sie den Finanzämtern die Bude ein.

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  3. Man fühlte sich halt sicher in der Schweiz. Man war der Meinung, dass man doof sei, wenn man erstmal das Geld in die Schweiz geschafft hat, man nur doof sein könne, wenn man das wieder zurück holt. Man hatte viel Vertrauen in das Schweizer Bankgeheimnis. Dass einfach mal jemand Daten abzweigt und auf dem Schwarzmarkt vertickert, war wohl nicht eingeplant ...

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  4. eggi,

    jetzt verrate ich dir mal ein kleines Geheimnis: die Steueramnestie habe ich selber genutzt. Waren allerdings keine Auslandsgelder, sondern ganz gewöhnliche Inlandskonten. Für diese glückliche Fügung bin ich heute noch unendlich froh. Den Gedanken an eine Selbstanzeige habe ich lange hin- und hergewälzt, letztlich aber verworfen, weil der Unterschied zwischen strafloser Selbstanzeige (~50% EST + 6% Zinsen pro Jahr) und Entdeckung (~50 EST + 6% Zinsen + Strafe) nur marginal gewesen wäre. (Beinahe) Ruiniert wäre ich so oder so gewesen.
    Ich hab mich 2004 wirklich schwer gewundert, warum so wenige die Amnestie genutzt haben, habs dann aber letztlich auf dieselben Gründe zurückgeführt wie du sie oben anführst. Wer Gelder in der Schweiz hatte, fühlte sich unendlich sicher.

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