Zahl des Tages (16.03.10): 67.549

Heute eine Zahl, die ich schon länger mal in die Diskussion werfen wollte. Letzte Woche kam die Meldung, dass massiv gegen das britische Pfund spekuliert wird, ähnlich wie die Hedgefondsmanager wohl auch beschlossen haben, gegen den Euro zu spekulieren (ZAHL DES TAGES (26.02.10): 1,00), was aber zumindest bisher ziemlich erfolglos war.

Im Kontrakt Pfund gegen Dollar sind laut CTFC (Commodity Futures Trading Commission , einer Aufsichtsbehörde für den Options- und Futureshandel in den USA)

67.549

Kontrakte offen sein. Das ist so viel wie nie zu vor.

Ich habe mich allerdings schon bei der von den Hedgefonds angeblich angestrebten Spekulation gegen den Euro gefragt, ob eine Spekulation gegen das Pfund nicht viel aussichtsreicher ist. Großbritannien hat ein ähnlich hohes Haushaltsdefizit wie Griechenland, wenngleich der absolute Schuldenstand noch etwas niedriger ist. Der wirklich große Vorteil der Spekulation gegen das Pfund: Der Markt ist viel kleiner. Hier kann ein Hedgefonds etwas erreichen, im Euro-Dollar-Markt (oder Euro-Yen) dürfte jede spekulative Attacke doch nahezu verpuffen.

Aber jetzt zu meiner eigentlichen Frage: Bloomberg meldet, dass die Spekulation mit 67.549 Kontrakten etwa achtmal so groß ist wie 1992, als George Soros mit seiner spekulativen Attacke das Pfund aus dem ECU (bzw. dem Wechselkursmechanismus) getrieben hat. Nur frage ich mich, ob hier nicht Äpfel und Birnen verglichen werden. Soros hat doch damals Pfund gegen Euro (oder ECU oder D-Mark) gehandelt, nicht gegen den Dollar. Dann aber wäre ein Vergleich dieses Kontrakts doch ziemlicher Murks, oder? Macht Bloomberg so einen Quatsch? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Weiss da jemand mehr?

FTD: Anti-Pfund-Wette achtmal so groß wie zu Soros-Zeiten

Update (17.03.10):

Gestern und heute gibt es einen heftigen Shortsqueeze beim Pfund. Auslöser waren Arbeitsmarktzahlen, die deutlich besser als erwartet ausfielen. Die Neuanträge auf Arbeitslosenunterstützung sanken um 32.000 und damit so stark wie seit 13 Jahren nicht mehr.

Marketwatch: U.K. jobless claims post largest drop since Nov. 1997

Marketwatch: 'Short squeeze' lifts pound after strong U.K. labor data

Es zeigt sich sehr schön, dass die Spekulanten durchaus hohes Risiko fahren. Den Markt nach unten treiben kann man nur solange es keine guten Nachrichten gibt und noch neue Anleger auf den Zug aufspringen. Kommt die gute Nachricht aber doch, reichen ein paar Leute auf der Gegenseite aus und die Stop-Loss-Trigger werden gezogen und der Kurs geht massiv in die "falsche" Richtung.

Bereits gestern erholte sich das Pfund gegen den Dollar von etwa 1,50 auf 1,52. Danach stiegen wohl einige Spekulanten aus, weil die 1,50 hielt. Dann kam heute noch die gute Nachricht vom Arbeitsmarkt hinzu und es gab nochmal einen Sprung um gut einen Cent. Das dürfte einige viel Geld gekostet haben ...

Kommentare :

  1. geschätzter egghat

    Sehr gut beobachtet,

    für mich sieht das nach der üblichen Phase 2 bei CDS-Aktionen von Goldman Sux, Deutsche Bank (plus die restlichen üblichen Verdächtigen) aus.
    Phase 1 (schon erledigt): Man kaufe die Dinger in einer eher relativ ruhigen Zeit günstig ein (sagen wir zu 60 ? Basispunkten - hab ich jetzt nicht weiter überprüft), natürlich ohne selbst UK-Anleihen im Portfolio zu haben.
    Phase 2: Danach sende man die üblichen Panik-Signale (deine Kontrakte, wobei ja nur erstmal die Zahl, nicht das tatsächliche Volumen kolportiert wird). Die bezahlten Knechte (S&P, Moodys und Konsorten) geben die gewünschten Erwägungen zu möglichen Ratingänderungen raus.(auch erledigt) Die anstehenden Wahlen in UK tragen natürlich zur Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung bei - sagen wir Timing ist alles.
    Phase 3: Die Finanz-MSM fahren voll auf den Hype des Monats ab (fängt praktisch grad an, Thema Griechenland ist vorübergehend durch) und dann verkaufe man die CDS an verschreckte Inhaber englischer Staatsanleihen ( netterweise natürlich zu einem Kurs von - sagen wir - von 150-200 Basispunkten ). Bei hinreichend grossen Wetten/Summen sind die Einnahmen aus der Differenz schon ganz annehmbar und das praktisch leistungslos und ziemlich risikolos; im schlechtesten Fall vertick ich die Dinger zum Ausgangskurs.
    Phase 4: Jackpot. Wenn ich natürlich extremes Glück habe, findet tatsächlich ein Downgrade beim Rating statt (credit event) und die ersten "collateral calls" auf die "versicherte" Summe wird fällig (10-20% der Summe sind kein schlechter Schnitt)

    genauer auseinander genommen (und andere Varianten mit Schwachfug Kohle zu machen) in meinem Blog unter

    CDS for Dummies

    Danach: gehe zum Ausgangspunkt und fange dasselbe beim nächsten Land an, Kandidaten hats ja genug (PIIGS,STUPID usw.)

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  2. vergessen:
    Was ich eigentlich als erstes schreiben wollte:

    Direkte Kursspekulationen gegen das Pfund sind ja irgendwie ziemlich "old-fashioned" / 90-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts halt (Dein Soros-Beispiel).

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  3. Vorallem rechne mal die Positionen der kleinen Spekulanten gegen !

    Evtl. sind wirklich soviel Kontrakte offen lt. CTFC ( wer immer das ist)

    Aber wieviel Longs stehen gegenüber ?

    Seit wann hat die Masse recht ? Siehe Euro ? Da hieß es auch 7 Mrd Short und was passiert ? Schiebezone zwischen 1.35 und 1.38 mit Anlauftendenzen nach oben.

    So Zahlen sind doch nur Schall und Rauch da ich am Tag mehrmals meine Position drehen kann ...

    Vorallem wenn so eine Organisaton plötzlich an die Öffentlichkeit tritt ist doch meistens das Gegenteil erwünscht...

    Pfund ist übrigens bei 1.5326 nun -- gestern noch bei 1.498

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  4. Hallo egghat,

    Dirk Elsner hat heute seinen Beitrag Nr. 2.500 im Blick Log veröffentlicht, von Vielfalt und Qualität ganz zu schweigen. Aus diesem Grunde lautet mein Vorschlag für die morgige Zahl des Tages: 2.500

    Beste Grüße
    Eric Schreyer

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  5. @vlk:

    Die Zahlen gibt es jede Woche. Da kann man nix reininterpretieren.

    Ja, der Shortsqueeze beim Pfund ist heftig heute. Es zeigt aber auch sehr schön, dass die Spekulanten durchaus hohes Risiko fahren. Den Markt nach unten treiben kann man nur, solange es keine guten Nachrichten gibt und noch neue Anleger auf den Zug aufspringen. Kommt die gute Nachricht aber doch, reichen ein paar Leute auf der Gegenseite aus und die Stop-Loss-Trigger werden gezogen und der Kurs geht massiv in die "falsche" Richtung.

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