Zahl des Tages (18.03.10): 632.189.842

Ich hatte es ja gestern schon angedroht ... Die Kombination "große Zahl und Fußball" kann nur durch "große Zahl und Steve Jobs Reality Distortion Field" geschlagen werden. Nur was passiert am Tag danach? "Zahl und Fußball" hängt weiterhin in der Queue. Also schnell weg damit ;-)



Ich war vor ein paar Monaten ziemlich überrascht, dass der Fußballverein, der lange als wirtschaftlich stärkster in Europa galt, nun unter etwa 800 Millionen Euro Schulden leidet. Wohlgemerkt bei Umsätzen von etwa 330 Millionen.

Bei Real Madrid überraschen solche Schulden nicht wirklich. Auch wenn die sich erst vor ein paar Jahren durch den Verkauf ihres alten Vereinsgeländes und Stadions komplett entschuldet haben. Wahrscheinlich war der Käufer die Stadt Madrid, die Real im Gegenzug das neue Gelände (OK, liegt ungünstiger) für n'Apple und n'Ei verkauft hat. Und den gleichen Deal machen die in ein paar Jahren nochmal ...



In Spanien sieht die Lage übrigens allgemein schlimm aus. Denn neben den normalen Schulden haben die spanischen Profivereine noch hohe Schulden bei den Steuer- und Sozialbehörden und zwar zusammen



632.189.842 (632 Millionen) Euro.



Diese werden komischerweise nicht eingetrieben. Die Politik hat wohl Angst vor dem Volksaufstand, wenn die Vereine dann reihenweise Pleitegehen ...






Allerdings habe ich die Zahl nur ausgewählt, weil im Telepolis Artikel steht, dass die spanischen Profivereine allein der Sozialversicherung 5 Milliarden Euro schulden würden. Beim Durchlesen des PDF finde ich aber den Ausschnitt oben und da sehe ich selbst mit meinen nicht vorhandenen Spanisch 4.912.121,35 Euro und Seguridad Social. Das müssten also 5 Millionen, nicht Milliarden Schulden an die Sozialversicherung sein. Dummerweise ist es jetzt zu spät, um noch eine neue Zahl zu suchen. Aber 632 Millionen Euro sind sooo schlecht auch nicht.



Irgendwann wird diese Fußballkreditblase platzen (mit Portsmouth ist in der englischen Premier League der erste Verein Pleite gegangen) und dann werden die wirtschaftlich seriösen Vereine endlich auch sportlich vorne sein. Bayern und Barcelona fallen mir da als erstes ein. In England durchschaue ich die Lage nicht. Arsenal? Liverpool?



Telepolis: Der Pleitegeier kreist über europäischen Fußballstadien



Ich kann mir als Fußballfan eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen, wenn zwei der unseriösesten Vereine (FC Chelsky und Irreal Madrid) auch diese Jahr schon wieder aus der Champions League rausgeflogen sind ...



Update (22:52)



Jetzt habe ich Idiot doch vergessen, den zweiten Grund für die Auswahl zur Zahl des Tages glatt vergessen, hier reinzustellen. Und zwar war das ein Kommentar bei Telepolis, der Vorschläge machte, wie man das Finanzgebaren der Fußballclubs noch verbessern könne:

Wenn ich das richtig verstehe, nehmen die Clubs Kredite auf, umSpieler zu kaufen, in der Hoffnung, dass durch die Erfolge ihrerMannschaft der Wert des Spielers steigt und sie ihn teuer weiterverkaufen können. Was hat das mit Sport zu tun? Richtig, nichts, der Sport verkommt an dieser Stelle zur reinen Staffage, weil der Vereinals solcher ja eigentlich gar keine sportliche Leistung mehr erbringt, sondern sie sich zukauft, als würde ein Kleintierzüchterverein nicht mehr aus Kleintierzüchtern bestehen, sondern Leuten, die andere Menschen dafür bezahlen, dass sie Kleintiere züchten.
Wie dem auch sei, das ist prinzipiell ausbaufähig, es sollte eineSpielerbörse geben, wo man mit Spielern handeln kann. Dann hat man auch da die Errungenschaften des modernen Kapitalismus verwirklicht:
-Leerverkäufe (man verkauft Spieler, die man gar nicht hat)
-Spekulation (man kauft Spieler, die man gar nicht braucht)
-Insiderhandel (man verkauft Spieler, bevor rauskommt, dass sie zwischenzeitlich gestorben sind)
-Politikerbestechung (man kauft alle schwarzen Spieler am Markt, lässt sich von Politikern ein Gesetz machen, das allen weissen Spielern die Berufsausübung verbietet ('blah blah Sicherheit blah blahGesundheit blah blah Umwelt'), verkauft dann die schwarzen Spieler, beteiligt die Politiker am Gewinn, kauft die wertlos gewordenen weissen Spieler und wartet, bis das Verfassungsgericht das Gesetz aufhebt
-CDOs (man kauft Leute, die gar kein Fußball spielen können, bündelt sie mit ein paar Profifußballern und verkauft sie weiter, und sie werden solange weiterverkauft, bis jemand merkt, dass die Bündel mittlerweile hauptsächlich tote Katzen enthalten)
Etwas gutes hat die Sache zwischendurch aber doch: die Anzahl der Profifußballer wird drastisch ansteigen, bestimmt bis an die 60Milliarden, was angesichts der Gesamtbevölkerung der Erde ein Wunderund ein Zeichen für die Überlegenheit und die Innovationskraft des Kapitalismus ist.

Copyright by Marasek gefunden hier: Das ist noch ausbaufähig

Also ich fand das lustig ...

Update (19.03.10):

Da kommt passend noch ein Erfahrungsbericht von Timo Hildebrand, der mal beim FC Valencia gespielt hat, ein Verein, der heute etwa eine halbe Milliarde Euro Schulden hat. Ob da die inoffiziellen Schulden an den Staat schon drin sind, weiss ich aber nicht.

11Freunde: »Ich habe mentale Narben«

Kommentare :

  1. Real Madrid kann Schulden machen soviel wie sie wollen. Es findet sich immer ein Tycoon, der die Nutte finanziert. Bei anderen namhaften und weniger namhaften Vereinen gilt das abgeschwächt auch, wenngleich es sicher in der Summe mehr Nutten gibt als Financiers.
    In anderen Worten: mit normalen wirtschaftlichen Maßstäben ist der Fußball nicht zu messen. Den BVB dürfte es doch schon längst nicht mehr geben?

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  2. danke - ich glaub ich kauf mir einen verein. vorschläge für die finanzierung?

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  3. Schalke auch nicht. Die Deals der Stadt Gelsenkirchen mit Schalke stinken auch zum Himmel. Und nicht nur der vor ein paar Monaten, sondern bereits zum Bau der Arena. Stadt gibt das Gelände für einen Euro (oder war's noch ne DMark) an Schalke ab und Schalke aktiviert das Gelände am Tag danach mit 30 Millionen (oder so) in der Bilanz.

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  4. @Anonym:

    Du musst kreditwürdig sein. Geld braucht man nicht viel. Das Problem ist die Schuldenübernahme ...

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  5. ich glaube, es war 2004 als Dortmund eine Nahtod-Erfahrung machen durfte. Ich hatte mich kurz aufs Shorten versucht, es aber bald wieder bleiben lassen, weil trotz übelster Nachrichtenlage der Kurs nur marginal nachgab.
    Fußballaktien zu shorten ist nur was für Hartgesottene, die sich ihrer Sache absolut sicher sind.

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  6. Die andere Richtung (also Kaufen) ist ebenfalls nur was für Hartgesottene ... Fußballaktien machen eigentlich keinen Sinn ...

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  7. "-Spekulation (man kauft Spieler, die man gar nicht braucht)"

    Das trifft doch bereits auf ca. 90 % aller Transfers zu.

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