Zahl des Tages (19.03.10): 45%

Ich bin heute u.U. den ganzen Tag unterwegs und weiss daher nicht, ob ich noch dazu komme, eine andere Zahl zu suchen. Daher etwas von gestern Abend ...

Thema ist Japan und die Staatsverschuldung. Japan ist direkt aus mehreren Gesichtspunkten interessant: Das Land hatte Anfang der 90er eine riesige kreditfinanzierte Immobilienblase, die dann platzte. In der Folge sanken die Werte der Immobilien (auch auch der Aktien) und die Bilanzen der Banken und Versicherungen wurden immer immer weiter ausgehöhlt. Es kam zu Pleiten und Zwangszusammenschlüssen. Die Notenbank senkte die Zinsen auf Null, der Wirtschaft nutzte das wenig. Es wurde Konjunkturprogramm nach Konjunkturprogramm aufgelegt, aber mit Auslaufen des Programms sackte auch prompt die Wirtschaft wieder weg. Die einzige Folge der ganzen Politik: Das Wirtschaftswachstum eiert immer noch um die Nulllinie, die Staatsschulden sind aber auf mehr als 200% des BIPs explodiert. (Wer jetzt noch keine Parallelen zu den USA und Europa sieht ...). Die hihen Staatsschulden sind in Japan aber noch nicht das ganz große Problem, weil die Schulden nur zu 4% im Ausland liegen. Trotzdem finde ich folgende Zahl schon bemerkenswert.

Im aktuellen Finanzjahr muss Japan 2,4 Billionen Dollar Staatsanleihen neu finanzieren (also Neuverschuldung plus Refinanzierung alter Anleihen). Das entspricht

45%

des japanischen BIPs.

Im Fall von Griechenland und einem höheren Auslandsschuldenanteil (er liegt irgendwo bei 30%, die oft berichteten ca. 100% sind erstens brutto und enthalten zweitens auch die privaten Schulden) wäre ein Refinanzierungsbedarf von 45% des BIPs ziemlich kritisch. Japan ist aber noch ziemlich unabhängig vom ausländischen Geld.

Das könnte sich jetzt aber ändern. Denn die Sparrate der japanischen Haushalte ist von sehr hohen Niveaus über 15% inzwischen auf unter 3% gefallen (vgl. auch ZAHL DES TAGES (30.11.09): 2). Japan hat aber im aktuellen Haushalt ein Defizit in Höhe von 7,8% des BIPs, was bei einer Sparquote von knapp 3% des Haushalte nicht mehr allein aus der inländischen Ersparnis finanzierbar ist. Die Abhängigkeit von Auslandsgeld wird sich in Japan bei anhaltenden Staatsdefiziten also immer weiter erhöhen.

Dummerweise ist Japan eines der Länder, das als erstes die demografischen Effekte einer alternden Gesellschaft spüren wird. Und die spürt Japan schon, denn die Demografie ist einer der Gründe für die sinkende Sparquote. Jedem Beschäftigten, der arbeitet und für's Alter spart, stehen mehr Rentner gegenüber, die ihre Ersparnisse aufbrauchen. Insgesamt sinkt dadurch logischerweise die Sparquote der Gesamtbevölkerung, selbst wenn ein Arbeiter bei Toshiba heute genauso 20% seines Lohns sparen würde wie es die Arbeiter vor 20 Jahren getan haben (was ich nicht weiss, aber es ehrlich gesagt nicht glaube).

Japan werden die oben beschriebenen Effekte wohl im laufende Jahrzehnt eine Abwertung in der Kreditqualität bringen und auch in Deutschland droht - auch wenn die demografischen Effekte hier ein paar Jahre später zuschlagen - wohl Ähnliches.

Economist: Apocalypse, not now

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