Zahl des Tages (24.03.10): 39.000.000.000.000

Ich habe etwas Angst, die Zahl zur Zahl des Tages zu machen, weil ich die Zahl nicht bestätigen kann. Aber der Artikel im Handelsblatt ist auch so interessant genug, um im Zweifelsfall eine falsche Zahl des Tages zu haben. Weiss übermorgen eh keiner mehr ;-)

Es geht um ein Interview mit dem Insolvenzverwalter/Abwickler von Lehman Brothers, der größten Pleite ever.

Spannend darin schon allein die Aussage, dass sich nach Meinung vom Marsal eine solche Pleite jederzeit wiederholen könne. Aber nicht genug: Er bezeichnet eine Wiederholung sogar als höchstwahrscheinlich. Schluck. So klar hat das noch niemand gesagt, zumindest niemand, der es von innen beurteilen könnte.

Es wäre noch nichts Entscheidendes bei der Kontrolle passiert und es hätte auch noch niemand von den Aufsichtsbehörden nachgefragt, ob aus der Pleite irgendwelche Erkenntnisse gezogen werden könnten. Die Banken würden weiterhin mit viel zu wenig Eigenkapital ein viel zu großes Rad drehen.

Tjoah.

Auch sonst sind einige interessante Zahlen dabei. So sind die Schulden, die beim Insolvenzverwalter angemeldet wurden, überraschend gering. Sie liegen im Bereich von 200 bis 240 Milliarden Dollar, was bei ursprünglich eingegangenen Forderungen von etwa 1 Billionen Dollar oder der Bilanzsumme von etwa 700 Mrd. Dollar doch vergleichsweise wenig ist. Vieles seien Doppel- und Dreifachanmeldungen gewesen, bei der Hauptgesellschaft und einer oder mehrerer Töchter. Aus Deutschland sollen etwa 20 Mrd. Dollar stammen.

Aber zur Zahl des Tages:

Lehman soll Garantien (also die Haftung für Anleihen und Geschäfte unter anderem von Töchtern) im Gesamtwert von

39.000.000.000.000 (39 Billionen) Dollar

vergeben haben.

Ich glaube, besser kann man den Irrsinn nicht in Worte (oder Zahlen fassen). Mit einem Eigenkapital von  weniger als 20 Milliarden Dollar werden Garantien in Höhe 39 Billionen vergeben, also etwa das Tausendfache. Unfassbar. Immer noch.

Ein Lob übrigens an das Handelsblatt, das einen zusammenfassenden Artikel und das Originalinterview veröffentlicht hat.

Handelsblatt: Lehman-Chef warnt vor weiteren großen Bankpleiten

Kommentare :

  1. Das sieht mir eher wie billions aus, 39 Milliarden reicht aber auch aus. Weil so viele Garantien, die größer wären als sämtliche Marktkapitalisationen der Welt, das wär schon unwahrscheinlich. Streich mal 3 Nullen weg.
    Und die Ansicht, dass andere Banken pleite gehen können, die kann ich nur teilen. Die wären nach HGB-Bilanz schon pleite.

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  2. Als die Pleite seiner eigenen Bank konnte er nicht voraussehen, aber bei der Zukunft der anderen Banken ist er nun plötzlich der wissende Prophet ;-)

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  3. @Rene:

    Das war auch meine Befürchtung (Billions --> Billionen statt Milliarden). Allerdings übersteigt die Summe der Garantien, die die AIG vergeben hat, das Eigenkapital auch um ein Vielfaches, so dass die Zahl doch stimmen kann ...

    @Echnaton:

    Der war damals nicht Chef, er ist eher eine Art Insolvenzverwalter, der erst nach der Pleite angefangen hat.

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  4. Irrsinn. Und das war nach US-Recht tatsächlich zulässig?

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  5. So genau kann ich dir das nicht sagen. Aber es hängt natürlich an der Wahrscheinlichkeit, mit der der Schaden eintritt. Die Allianz hat wahrscheinlich auch Immobilien und Autos im Wert von 1 Billionen oder so versichert. Ganz zu schweigen von den Lebensversicherungen. Wenn die alles (oder auch nur 10%) auf einen Schlag auszahlen müssen, sind die auch Pleite ...
    Von daher: Ganz so unüblich ist das nicht. Die Frage ist nur, wie weit man das Spiel treibt. Lehman hat halt Garantien vergeben und ist davon ausgegangen, dass das Risiko ziemlich nahe bei Null ist. War's dann aber nicht ...

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