Zahl des Tages (26.03.10): 1,8%

OK, die US-BIP Zahlen kamen wirklich überall, aber was Spannenderes finde ich heute nicht mehr, weil der Computer gleich zugeklappt wird ...

Heute gab es die dritte und letzte Veröffentlichung des US-BIPs für das vierte Quartal 2009.

Danach legte die Wirtschaft der USA im 4. Quartal um annualisiert 5,6% zu. Das war etwas schlechter als bei der ersten Veröffentlichung (5,7%) oder der zweiten (5,9%). Weil gleichzeitig auch die Schätzung des Preisanstiegs etwas reduziert wurde (von 2,1 auf 2,0%), war der Rückgang des Plus des Brutto-BIPs sogar etwas größer (+6,4% auf +6,1%).

Das mag jetzt wie ziemliche Detailfrickelei wirken, aber bereits bei den ersten Zahlen habe ich darauf hingewiesen, dass der Beitrag des Lagerbestands zum BIP-Wachstum extrem hoch war. Von den ursprünglich gemeldeten 5,7 blieben nach dem Lagerabzug nur 2,3% übrig (siehe US-BIP Q04/09: +5,7%) und bei 2,3% sind ein paar Promillepunkte weniger schon wichtig.

Aber es kommt noch schlechter: Der Einfluss der Lagerbestandsänderung hat sich sogar noch erhöht. Aus dem Wachstumsbeitrag von 3,38 Prozentpunkte in der ersten Schätzung sind nun sogar 3,79 Prozentpunkte geworden. Das BIP-Wachstum ohne diesen einen Parameter lag also nur bei

1,8%.

Zwar ist Wachstum aus einer Lagerbestandsänderung nicht "schlecht", es ist am Ende halt doch Wachstum. Außerdem ist der Effekt am Anfang eines Aufschwungs normal und war zu erwarten, denn in der Krise zogen die Lagerbestandsänderungen das BIP auch mehrfach kräftig nach unten. Aber es ist trotzdem ein rein zyklischer Effekt und keine Basis für ein nachhaltiges Wachstum. Es wäre also nicht verwunderlich, wenn das Wachstum im Laufe des Jahres wieder deutlich schwächer würde und die 5,x ein einmaliger positiver Ausreißer bliebe.

Edward Harrison hat bei der ersten Veröffentlichung noch optimistisch darauf hingewiesen, dass der stützende Faktor für die Zukunft der wieder steigenden Einkommen der privaten Haushalte (Real disposable income) seien. Das war damals auch sehr richtig, weil ein deutliches Plus von 2,1% ausgewiesen wurde. Davon sind aber jetzt nur noch 1,0% übrig geblieben. Auch in dieser Hinsicht ist die dritte Veröffentlichung "unter der Haube" wesentlich schwächer als die erste. Das unterstützt die Vermutung, dass das Wachstum dieses Jahr nicht mehr mit 5% oder gar mehr gemeldet wird.

BEA.gov: Gross Domestic Product: Fourth Quarter 2009 (Third Estimate) and Corporate Profits, 4th quarter 2009

BEA.gov: Langversion BIP Q04/09 (PDF!)

1 Kommentar :

  1. Eine kurze Anfrage, nicht unbedingt in direktem Zusammenhang mit dem eigentlichen Thema und hoffentlich nicht zu privat:

    Mittlerweile verfolge ich seit vielleicht 2 oder 3 Jahren regelmäßig (mehr oder weniger täglich) die Einträge in diesem Blog. Dazu muß ich auch sagen, daß es mir laufend sympathischer wird. Toll finde ich beispielsweise Ihre offenen Wertigkeiten. So mancher Blog vertritt eine Meinung und bringt ausschließlich all das, was diese Meinung stützt. Hier aber wird ausgewogen gepostet und diskutiert (z. B. Inflation oder Deflation).

    Genau zu diesem Beispiel meine konkrete Frage: Gerade in einer subjektiv ungewissen Prognose-Situation ist es schwierig, die persönlichen Finanzen auszurichten. Könnten Sie einmal kurz Ihre eigenen Assetklassen mit Ca.-Gewichtungen samt eventueller Finanzierungsstruktur umreissen?

    Zumindest aus Sicht des anonymen Bloglesers kennt man sich nach so langer Zeit "irgendwie besser" und es interessiert die Positionierung des Gegenübers. Auch könnte es eine fruchtbare Anregung sein, wenn man so manche Ansicht teilt.

    Herzlichen Dank vorweg.

    lg - urriegel

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