Zahl des Tages (29.03.10): 334

So. Die mit Spannung erwartete Versteigerung des ersten Pakets griechischer Staatsanleihen im Gesamtwert von 5 Milliarden ging heute - mehr oder weniger erfolgreich - über die Bühne. Mehr, weil der Verkauf trotz der vergleichsweise langen Laufzeit von 7 Jahren relativ problemlos klappte, weniger, weil der Risikoaufschlag immer noch hoch blieb. Die Rendite lag bei etwa 6,0% und damit 310 Basispunkte über dem Euro-Swap-Satz (verkürzt dem Durchschnittszins von Euro-Anleihen mit entsprechender Laufzeit) oder

334 Basispunkte

über der Rendite einer vergleichbaren Bundesanleihe (aktuell 2,66%).

Unter "weniger erfolgreich" muss man die Nachfrage einordnen. Bei der letzten 10-jährigen Anleihe gab es für das Angebot von 5 Milliarden Euro noch Nachfrage in Höhe von 16 Mrd. Euro, dieses Mal für ein gleich hohes Angebot nur 6 Milliarden Euro Nachfrage (vgl. (ZAHL DES TAGES (04.03.10): 15.000).

Auch der Risikoaufschlag hat sich seitdem vergrößert (von 300 auf 310 Basispunkte). Das ist dann doch einigermaßen ernüchternd, wenn man sich vom Rettungspaket der EU in dieser Hinsicht etwas erhofft hat. Und das muss man eigentlich. Denn eine Staatsverschuldung wie die von Griechenland ist bei einer Zinsbelastung von 6% (und einem Realzins von fast 5%) schlichtweg nicht finanzierbar.

FTD: Griechenland holt sich 5 Mrd. Euro

Gut, die Refinanzierung der in den nächsten 5 Wochen fälligen gut 10 Mrd. Euro scheint damit wohl zu klappen, aber mittelfristig kann Griechenland eine derartige Zinshöhe nicht überleben. Ich hätte mir daher genau an dieser Stelle Hilfe der EU erwünscht, sprich eine Garantie der anderen EU-Staaten für die neuen griechischen Anleihen. Diese Garantie muss an die Sanierungsbedingungen des IWF gekoppelt werden. Hält der IWF die Bedingungen für verletzt, gibt es für die folgenden Anleihen solange keine Garantie mehr, bis Griechenland zurück auf den richtigen Kurs einschwenkt.
Für die Garantie könnte man auch eine Gebühr nehmen, ähnlich wie es die USA und Deutschland für den Bankenhilfen gemacht haben. Um mal eine Idee für eine Zahl zu liefern: 100 Basispunkte als Versicherungsprämie. Damit sparen die Griechen etwa 210 Basispunkte, die EU hat im Gegenzug Einnahmen. Und nicht zuletzt haben die Griechen weiterhin ein Interesse, selber wieder so viel Vertrauen an den Märkten zu gewinnen, dass sie unter die 100 Basispunkte sinken (siehe auch BREAKING: BAILOUT FÜR GRIECHENLAND und die Diskussion dahinter).

Update (16:30):

Dass die aktuellen Finanzierungskosten zu hoch sind ("hard to tackle"), hat der griechische Finanzminister George Papaconstantinou übrigens selber schon zugegeben:

WSJ: 3rd UPDATE: Greek Fin Min Sees Falling Borrowing Costs (leider nur für Abonnenten)

Update (18:13):

Die FAZ meldet übrigens 22,6 Mrd. Anleihen, die bis Ende Mai umgeschuldet werden müssen. Das passt deutlich besser zu den gut 15 Mrd. bis Ende April, die ich im Kopf hatte (und oben im Artikel erwähnt habe) als die angeblich 15 Mrd. bis Ende Mai, wie die FTD geschrieben hat.

FAZ: Verhaltener Erfolg für Griechenland-Anleihe

Update (30.03.10):

Würde man das Fazit heute, also einen Tag später, ziehen, wäre es noch ernüchtender. Die Rendite der siebenjährigen griechischen Staatsanleihe steigt nämlich heute um 19 Basispunkte auf 624.

The Big Picture: Greek debt not trading well the day after

Kommentare :

  1. Erst bürgt die EU für Griechenland und später für die anderen PIIGS Staaten. Später wundert man sich dann wahrscheinlich, dass sich selbst die besten EU-Staaten wie Deutschland nur noch zu 6% refinanzieren können.

    Man kann eigentlich nur von Glück reden, dass Griechenland so hohe Zinsen zahlen muss und Refinanzierungsschwierigkeiten hat. Anderenfalls hätten die sich weiter durchgemogelt.

    Wo wäre denn auch nur ein Problem gelöst, wenn sich Griechenland günstiger refinanzieren könnte? Exportüberschüsse, Bilanzehrlichkeit oder niedrige Korruption sind davon nicht abhängig - stellen aber die größten Probleme von Griechenland dar.

    Was für Schritte hat Griechenland bisher unternommen? Sie wollen das Budgetdefizit auf Basis einer unrealistischen Planung auf sensationelle 8,7% (= katastrophal) "senken". Für diese "Leistung" soll es nun EU Garantien geben?

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  2. Was ist die Alternative? Kredite zusagen, aber nicht geben und die Griechen weiterhin hohe Zinsen zahlen lassen, damit sie dann doch Pleitegehen?

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  3. Was ist die Alternative?

    Zunächst einmal darf es keine Belohnung (EU-Garantien) geben, wenn die Probleme nicht ausreichend angegangen sind.

    Erstmal muss Griechenland leisten:
    - konkrete Schritte, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken
    - ausgeglichener Haushalt auf Basis eines realistischen Plans in absehbarer Zeit (der derzeitige Plan basiert auf Luftschlössern)
    - Entlassung aller Bediensteten, die am Bilanzbetrug beteiligt waren (Zeichen setzen)
    - massive Bekämpfung der Korruption und Schattenwirtschaft

    Man sieht schon bei der Auflistung, dass das sehr massive Probleme sind, die womöglich nicht zu lösen sind - auch, weil die Kultur der Griechen nicht in die EU passt.

    Daher gibt es im Prinzip nur die Alternative, dass Griechenland wieder die Drachme einführt und dann weiter wurstelt.

    Die EU Garantie Lösung ist jedoch katastrophal: Alibi-Reformen für Bares und mittelfristig gibt es dann einen permanenten EU-Finanzausgleich zu den PIIGS Ländern, weil niemand die Courage hatte, notwendige Reformen zu fordern. Am Ende haben sich dann *ALLE* EU Länder ihre Finanzen kaputt gemacht, weil man immer nur den Weg des geringsten Widerstands gegangen ist.

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  4. Und warum meinst du, dass der IWF das nicht schafft? Deshalb bin ich ja genau dafür, dass der das macht und nicht die EU. Die EU würde unter dem Druck der restlichen PIGS die Bedingungen tendenziell zu weich machen. Beim IWF sehe ich diese Gefahr viel kleiner.

    Einen ausgeglichenen Haushalt (nach Zinsen) schaffen die Griechen in absehbarer Zeit sowieso nicht. Erst dann zu helfen, ist völlig ausgeschlossen. Bei 6% Zinsen verbraten die bis dahin 40% ihres Haushalts für Zinsen und dann haben die Griechen schlicht keine Chance mehr. Egal wie wirksam alle anderen Maßnahmen sind.

    Ganz nebenbei ist die EU nicht ganz unschuldig an der Aufnahme Griechenlands. Das war politischer Wille und dabei wurde mit eineinhalb geschlossenen Augen die Beitrittskriterien überprüft.

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  5. "Und warum meinst du, dass der IWF das nicht schafft?"

    Der IWF ist die falsche Institution, denn die hilft in der Regel nur bei Devisenknappheit. Die USA haben im IWF eine Sperrminorität und werden sich hüten, den Euro zu stärken, weil sie selbst genug Interessenten für Dollaranleihen benötigen.


    "Einen ausgeglichenen Haushalt (nach Zinsen) schaffen die Griechen in absehbarer Zeit sowieso nicht. Erst dann zu helfen, ist völlig ausgeschlossen. Bei 6% Zinsen verbraten die bis dahin 40% ihres Haushalts für Zinsen und dann haben die Griechen schlicht keine Chance mehr. Egal wie wirksam alle anderen Maßnahmen sind."

    Griechenland dürfte in 2010 einen Schuldensaldo von ca. 140% vom BIP haben. Der große Unterschied zu den USA, England und Japan ist, dass sie über keine eigene Währung verfügen. Die anderen Ländern werden sich aus der Krise "herausdrucken". Griechenland ist auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen kurzfristig seine Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. Denn unter diesen völlig anderen Voraussetzungen wird denen - verständlicherweise - bald niemand mehr Geld leihen.

    Logisch, dass unter diesen Voraussetzungen eine Vollbremsung von Griechenland - im Gegensatz zu USA, England und Japan - nötig ist.

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  6. > Einen ausgeglichenen Haushalt (nach Zinsen) schaffen die Griechen in absehbarer Zeit sowieso nicht.

    Also bitte, es war oft genug davon die Rede wie wenige Griechen ihre Steuern zahlen, wie viele Gutverdiener kaum Einnahmen angeben, dass zu ändern dürfte allein schon einige Milliarden im Jahr bringen.

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  7. "in absehbarerer Zeit"

    Natürlich können es die Griechen schaffen. Aber ein nicht funktionales Steuersystem baut man nicht in drei Monaten und die verbreitete Korruption schafft man auch nicht in 6 Wochen ab ...

    Das ist kurz- bis mittelfristig keine Lösung.

    Die Steuereintriebsrechte an die Ukraine verkaufen, wäre vielleicht eine Lösung ;-) Hehe, gute Basis eigentlich für einen Aprilscherz.

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