Jon Stewart zu Goldman Sachs und Jim Cramer (und Riesenlinkfest)

Jim Cramer als "that guy from the YMCA" und Golman Sachs als "These F@#king Guys"

The Daily Show With Jon StewartMon - Thurs 11p / 10c
These F@#king Guys - Goldman Sachs
www.thedailyshow.com
Daily Show Full EpisodesPolitical HumorTea Party

Die ganze Sendung: Jon Stewart 19.04.10

Nach dem Spaß zum Ernst. Ein kleiner Linkrundumwurf mit Links zu Goldman Sachs und den Betrugsverwürfen.

Zum Start vielleicht nochmal eine ganz gute Zusammenfassung der Klage und der Vorwürfe:
FTD: Die Folgen des Goldman-Debakels

Zum Start vielleicht ein Kommentar in der Frankfurter Rundschau zum Thema:
FR: Neuer Stoff für die Bankendebatte

Wolfgang Münchau gräbt etwas tiefer und kommentiert zum Schattenbanksystem und komplexen Finanzprodukten, für den der Fall Goldman Sachs vs. SEC eigentlich nur der Aufhänger ist. Münchau fragt "Sollen wir das Schattenbankensystem einstampfen? Sollen wir die toxischen Finanzprodukte verbieten?" und wer seine sonstigen Kommentare kennt, wird sich über das doppelte "Ja" nicht sonderlich wundern. Trotzdem lesenswert. Auch wenn der Autor mit dem Begriff "kataklysmisch" prahlt, das ziemlich sicher 99% der Leser nicht kennen und dessen Bedeutung sich nur aus dem Zusammenhang erschließt (und damit beim journalistischen Auftrag, dem Leser die Welt zu erklären, nicht wirklich weiterhilft).
FTD: Münchau - Das Ende von Goldman Sachs

Münchau weist dabei auf ein großes Problem der Produkte hin: Die Intransparenz. Diese führt zwangsläufig immer dazu, dass eine Informationasymmmetrie besteht: Der Emittent weiss immer mehr als der Käufer. Damit sind Konflikte vorprogrammiert.

"Mindestens ebenso große Schuld an der Finanzkrise wie die Investmentbanken tragen die Investoren, die ihnen die zu Wertpapieren gebündelten Immobilienkredite abgekauft haben" schreibt die FTD in einem anderen Kommentar, eine Einschätzung, die ich angesichts der ungleich verteilten Informationen überhaupt nicht teilen kann. Das ist ungefähr so, als wenn ich einem vom Händler betrogenen Gebrauchtwagenkäufer vorwerfen würde, er solle gefälligst keinen Gebrauchtwagen kaufen, wenn er die Karre nicht beurteilen könne. Für sowas gibt es in diesem Markt Garantien. Nur genau das gibt es bei Finanzprodukten nicht. Da kann Goldman Sachs Papiere in einen Fonds packen, von denen nach nur 6 Monaten schon 83% herabgestuft wurden. Und niemand kann denen was ... Schlimmer: Kommentatoren meinen scheinbar sogar, dass die Kunden selbst Schuld seien ...
FTD: Die Mitschuld der Käufer

Die FAZ bringt hingegen ein Porträt von Goldman Sachs Chef Blankfein, das mich einigermaßen ratlos zurücklässt. Lest es am besten selbst:
FAZ: Der Kämpfer aus der Bronx

Der Imageschaden für Goldman Sachs ist auf jeden Fall schon beträchtlich. Die Wellen schlagen bis Europa. Nicht nur werden hier ebenfalls Ermittlungen geplant, auch überdenken scheinbar auch einige Regierungen die Zusammenarbeit mit Goldman Sachs. Insbesondere die deutsche Regierung hofft darauf, dass die mit über 10 Mrd. Euro Staatsgeldern gerettete IKB sich 150 Millionen Verlust aus dem Abacus-Fonds zurückholen kann.
FTD: Koalition zeigt Goldman die gelbe Karte
FAZ: Auch die Briten ermitteln gegen Goldman Sachs
FAZ: Deutsche Aufsicht erwägt Schritte gegen Goldman

Teilweise wird die Klage gegen Goldman Sachs als politisch motiviert dargestellt. Die Befürworter einer neuen Finanzmarktregulierung bräuchten neue Munition im Kampf gegen die Finanzbranche, die sich bekanntlich gegen jede Art von externer Überprüfung/Regulierung wehrt. Ich halte von dieser Theorie vergleichsweise wenig und warum die FTD die neue Regulierung (ganz im Gegensatz zu Münchau) direkt als "Regulierungskeule" abwertet noch weniger ...
FTD: Die Goldman-Regulierungskeule
Rettet der Goldman-Skandal Obamas Reform?
FTD: Emotional ist Goldman schon verurteilt
FTD: Das Kapital: Goldman steht auf schnellen Sex

Und dann noch ein Link zu einem Artikel über den Hedgefondsmanager John Paulson, dessen Verwicklung in den Abacus-Fall von Goldman Sachs zur Zeit noch völlig unklar ist.
FAZ: Wall-Street-Legende im Zwielicht

Nicht ganz überraschend versteht Goldman Sachs die Welt nicht mehr ...
Marketwatch: Goldman 'disappointed' over SEC charges: lawyer

Insbesondere sei man enttäuscht, dass Goldman Sachs die Klage unvorbereitet getroffen habe. Was etwas seltsam erscheint, denn genau das melden andere Quellen (WSJ) gaaaanz anders. Die SEC und Goldman Sachs hätten schon 9 Monate lang hinter den Kulissen verhandelt und die Klage sei jetzt nur eröffnet worden, weil sich Goldman Sachs stur und unkooperativ verhalten habe.
Marketwatch: Goldman warned of SEC suit 9 months ago: report

Die Verteidigungsdokumente von GS: FT Alphaville: [Abacus] The Goldman defence documents

Und zum Abschluss (hat es jemand bis hierhin geschafft?) vielleicht noch der kleine Hinweis darauf, dass die Ermittlungen nicht nur Goldman Sachs laufen. Allerdings hat es nur dort bisher zu einer Anklage gereicht. Dass Politiker Ermittlungen fordern, mag man noch unter Populismus abheften:
Handelsblatt: Ruf nach Ermittlungen gegen deutsche Banken

Aber wenn die SEC selber weitere Ermittlungen angekündigt hat, könnte durchaus noch einiges kommen. Anfragen hat die SEC auf jeden Fall schon an Goldman Sachs, Credit Suisse, Citigroup, Bank of America/Merrill Lynch, Deutsche Bank, UBS, Morgan Stanley und Barclays Capital gerichtet.
Calculated Risk: The SEC and other Banks
WSJ: SEC Probes Other Soured Deals

Die aus deutscher Sicht natürlich besonders interessante Deutsche Bank wird von Marketwatch sogar noch extra herausgehoben (während sie in deutschen Medien eher unter ferner liefen abgehandelt wird ...):
Marketwatch: Deutsche Bank pressured as Goldman case sparks worries

Und gaaanz zum Schluss noch eine kleine Diskussionsrunde zur Frage: Ist Goldman der Anfang einer Kette von Klagen oder nur ein Einzelfall? Eine Antwort hat die Diskussion aber auch nicht ...
Creditwritedowns: Is the Goldman case a one-off or the first of many?

Und wem das alles noch nicht reicht, kann sich die FT Alphaville [Abacus] Postings noch alle reinziehen. Unglaublich viel spannendes Material.

Einen hab ich noch: Die Präsentation des Abacus Fonds: Scribd Spannend!

Kommentare :

  1. Im Englischen wird "cataclysm" durchaus häufiger verwendet. Ich finde daher, dass Kataklysmus etc. in einer Publikation die sich idR. auf eine sowieso angelsächsisch orientierte Kundschaft richtet verständlich genug ist. Ansonsten, vielen Dank für die Zusammenstellung. Mal schauen ob am Ende der ganzen Geschichte auf den Finanzmärkten noch irgendwas anderes übrigbleibt ausser Sparbüchern.

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  2. "Und zum Abschluss (hat es jemand bis hierhin geschafft?)"


    Ich habs bis zum Schluß geschafft!

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  3. @Marco:

    Hast natürlich Recht. Das weniger eine "Minderleistung" von Münchau, sondern des Übersetzers.

    @Anonym:

    Glückwunsch! Gilt aber nur, wenn du auch alle verlinkten Artikel gelesen hast. Für's Auswendiglernen gibt's auch noch Sternchen ;-)

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  4. Kauft eigentlich ausserhalb der Banken jemand dieses Giftzeug oder drehen die sich das nur noch gegenseitig an?

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  5. jaja, klar. Geldmarktfonds, Dachfonds, Absolute Return Fonds, Versicherungen- Fällt nur dank der Streuung (meistens) nicht auf ...

    Da kann man noch schön nach googeln (am Beispiel Geldmarktfonds): "Geldmarktfonds sollen rentabler werden" 2006. Daraus wurde dann "Unruhige Zeiten für Geldmarktfonds" 2007 und "Geldmarktfonds enttäuschen" 2008 (alles bei der faz gefunden).

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  6. Nichts wird passieren, oder man wird sich vielleicht auf eine lächerlich kleine Strafzahlung vergleichen. Warum? Wir reden hier von Goldman. Der heiligen Kuh! Goldmänner sitzen überall, in der Politik, in Aufsichtsräten etc. Siehe auch http://news.muckety.com/2008/10/10/goldman-sachs-alums-oversee-financial-institutions-around-world/5681

    Das ist nur die Spitze des Goldmaneisberges.

    Leg dich nicht mit Goldman an, denn du stirbst wie alle dann.

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  7. den gs fall raffe ich nicht ganz. geht es um mängel im prospekt oder um die durchgeswappten deals im allgemeinen?

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  8. Die *Klage* geht gegen den Prospekt und die falsche Darstellung der Risiken (Prospekt: tolles AAA , Wahrheit: Schrott, kurz vor der Abwertung). Die anderen Aspekte sind (bisher?) nicht relevant. Weder die Verstrickung mit Paulson oder der Firma, die die Papiere ausgewählt hat oder die Ratings oder oder oder.

    Darüber regt sich Stewart ja auch auf: In dem Fall gibt s jede Menge Ansatzpunkte für Ermittlungen, die tief in der Grauzone und mglw. strafrechtlich relevant sind. Die werden aber kaum untersucht ...

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