noa Bank - Der Skandal ist die Presse ...

Keine Ahnung, ob die noa Bank auch zu einem Skandal wird, allerdings ist die Berichterstattung in der Presse IMHO auf jeden Fall schon einer.

Gestern hat der Spiegel die noa Bank wegen angeblich "dubioser" Gründer angegriffen. Wirkliche Argumente kommen dazu allerdings nicht. Hauptangriffspunkt ist eine Factoring Firma, die den Gründern der noa Bank gehört und die jetzt zu einer Tochter der noa Bank werden soll. Das wäre bei der Gründung der noa Bank nicht angekündigt gewesen und implizit wirft man den Gründern vor, die noa Bank nur gegründet zu haben, um die Factoring Tochter zu finanzieren. Außerdem würde die Factoring Tochter zu hohe Gebühren nehmen (wird nicht belegt) und arbeite mit unseriösen Vertrieblern zusammen (als wenn die Struki-Vertriebe, die die Verbraucherberatung immer kritisiert hat, nicht auch mit fast Allem, was in der Hochfinanz Rang und Namen hat, zusammengearbeitet hätten).

Spiegel: "Grüne" Bank mit dubiosen Gründern

Die Antwort des Gründers Jozic ist leider nicht weniger polemisch. Schon in der Subunterschrift wird dem Autoren eine Agenda unterstellt "Versucht er seine Leser hinters Licht zu führen?". Der Journalist wird als wenig kompetent hingestellt, seine Fragen als tendenziös (wobei die Fragen im Vergleich zum Artikel sogar gehen), er bemängelt das Interesse an der positiven Seite der noa Bank (aber darüber will der Journalist nix schreiben, der Whistleblower gegen Madoff hat auch an eventuelle positiven Seiten von Madoff kein Interesse gehabt, zurecht). Auch die Aussage, dass man kein Mitglied im Bankenrettungsverein wäre, weil der eh Pleite sei, greift etwas kurz. Zwar ist der wirklich Pleite, aber dass der Staat diesem Verein hilft ist deutlich wahrscheinlicher als dass der Staat einer kleinen Bank hilft ...

In einem unterscheidet sich die Antwort von Jozic aber: Er hat an seinen Beitrag nämlich alle Fragen und seine Antworten angehängt (was mglw. eine Verletzung des Urheberrechts darstellt, in diesem Fall aber für die dringend notwendige maximale Transparenz sorgt). Damit kann man sich sein eigenes Bild bilden.

dieanderebank: Verteidigt Günter Heismann das Establishment vor der noa bank? 

Komisch nur, dass sich weder die FTD noch die Sueddeutsche die Mühe gemacht haben, irgendwas dieser Replik in ihren Beitrag einzubauen.

Die FTD macht's sogar noch schlimmer. Hier werden die hohen Zinsen, die die noa Bank bezahlt, zum Gefahrenhinweis benutzt. Es weiss ja (fast) jeder, dass zu hohe Zinsen auf unseriöses Geschäftsgebahren hindeutet. Also muss ja was an den 2,2% Zinsen, die die noa Bank für Tagesgeld zahlt, dran sein. Dass mit DAB, DKB, RBOS, ING DiBa und der 1822direkt 5 seriöse Institute am Markt sind, die ebenfalls 2,0 bis 2,3% für Tagesgeld zahlen: Keine Erwähnung, dass solche eigentlich nicht refinanzierbaren Angebote für Neukunden Usus sind.


(Quelle Tagesgeld.org)

Und da scheinbar diese Unterlassung noch nicht ausreicht, um die noa Bank in schlechtem Licht erscheinen zu lassen, wird die FTD noch nebulöser:

Die BaFin schweigt zwar. In Finanzkreisen werden ihr allerdings "ungute Gefühle" nachgesagt.

Belegbarkeit: Null!

Ungute Gefühle. Finanzkreise.

Also ungute Gefühle habe ich bei Finanzkreisen auch immer ;-)

Blicklog: noa bank-Bashing durch Spiegel Online

Ich kann die noa Bank nicht verteidigen, dazu fehlen mir die Fakten. Ich finde aber die Replik von Jozic stimmig, stimmiger auf jeden Fall als der Artikel im Spiegel oder gar der FTD. Ich bitte die Berufsjournalisten inständig darum, Vorwürfe nicht einfach zu wiederholen, die Antworten des Beschuldigten adäquat zu berücksichtigen und nicht noch zusätzliche Nebelbomben zu werfen. Recherchiert und schreibt nicht nur ab.

Zum Schluss kann ich allen, die ihr Geld ökologisch und/oder ethisch anlegen wollen nur raten, sich von dem Wirrwarr um die noa Bank nicht abschrecken zu lassen und zur Konkurrenz zu gehen ;-) Und zwar zur GLS Bank, einem altbewährtem Institut aus Bochum, das zu den Volks- und Raiffeisenbanken gehört und dadurch haftungsmäßig bestens aufgestellt ist. Nein, für die Empfehlung bekomme ich kein Geld. Wie für das ganze Bloggedöns auch nicht ...

Update (15:13):

Lothar Lochmaier vom Social Banking 2.0 Portal/Blog weist auf einen bemerkenswerten Eintrag beim Deutschen Factoring Portal hin, in dem der Artikel des Spiegels ziemlich deftig kritisiert wird. Die negativen Informationen, die angeblich dort gestanden haben sollen, wären nie dort gewesen. Wundert mich nicht, die ganze Argumentation des Spiegels scheint mir ziemlich wacklig zu sein (s.o.).

Den letzten Abschnitt beim Deutsche Factoring Portal ist IMHO nichts hinzuzufügen:
Es ist schade, dass man diese Richtigstellung überhaupt schreiben muss. Anscheinend wird bei Jounalisten einfach mal etwas behauptet ohne darüber nachzudenken was man überhaupt schreibt und welche Folgen dies haben kann. So geschehen in dem veröffentlichten Artikel auf Spiegel-Online. In dem Artikel werden einfach diverse Behauptungen aufgestellt ohne jeglichen direkten Nachweis.
Social Banking 2.0: Noa Bank: Diskussion um (un-)seriöses Geschäftsmodell hält an – Deutsches Factoring-Portal kritisiert Spiegel online wegen irreführender Recherche

Update (15:32)

Und die Frage, warum Wirtschaftsblogs immer noch tief unter der Wahrnehmungsschwelle kriechen, beantwortet der Fall auch nicht. An der Qualität der Inhalte kann es wohl nicht liegen ... Zumindest fühle ich mich von den Blogs mal wieder besser informiert als von den etablierten Medien ... Schade, dass ich keines dieser Blogs kachinglen konnte ...

Pixeloekonom: Die Zahl der Wirtschaftsblogs nimmt stetig zu – Jetzt müssten sie nur noch gelesen werden

Kommentare :

  1. Lieber Egghat,

    guter und differenzierter Kommentar. Mit einem kleinen Makel, ich weiß, dass Sie keine Provision von der GLS Bank bekommen, aber der sicherlich nicht ganz ernst gemeinte Verweis, doch angesichts des Bashings der Noa Bank zu einer anderen Bank zu gehen, ist nun wirklich keine Lösungsstrategie.

    Und zwar unabhängig davon, um welche Alternative es sich dabei handelt. Die Zielgruppen beider Banken (Noa versus GLS) sind übrigens komplett unterschiedlich, die Motivationen zur einen oder anderen Bank zu gehen, auch. Bei den Kunden der Noa Bank handelt es sich um undogmatische moderne Bankkunden. Das Label "Öko" ist ein Kann aber kein Muss. Das Klientel der Ökobanken ist bislang zumindest ein ganz anderes. Das alles beleuchte ich in meinem Weblog Social Banking 2.0 (www.die-bank-sind-wir.de) und dem bald erscheinenden Buch immer wieder. Sorry für die Schleichwerbung, ist aber vielleicht notwendig, um manchen grauen Schleier zu lüften:
    http://www.amazon.de/Die-Bank-sind-wir-Perspektiven/dp/393693164X

    Also, es dauert, bis wir hier in Deutschland unsere "Kästchenwahrnehmung" überwinden, und hier kann man Äpfel in der Kundensegmentierung von Banken, die längst klassische Reaster verlassen hat, nun wirklich nicht mit Birnen in einen Früchtekorb legen.

    Trotzdem - ein guter Kommentar - übrigens bieten einige Institute ja schon wieder bis zu 3,5 % Zinsen fürs Festgeld, von denen einem nun angesichts des einen oder anderen Geschäftsmodells wirklich schwindlig wird, aber auch darüber schreiben die Leitmedien erst dann, wenn wieder mal ein Kind in den Brunnen gefallen ist. Übersicht:
    http://www.focus.de/finanzen/banken/zinsen/zinsen-bis-zu-3-5-prozent-fuer-festgeld_aid_485573.html

    Viele Grüsse
    Lothar Lochmaier

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  2. Schleichwerbung? Nee, wer zum Thema schreibt, ist herzlich willkommen.

    Ich finde im Gegenteil, dass die beiden Banken ziemlich ähnlich sind. Ich kann bei der noa-Bank wählen, wohin mein Geld geht. Das kann ich bei der GLS aber auch. Die noa zahlt mehr Zinsen, aber das verbuche ich dann unter "Neukundengenerierung".

    Und undogmatisch, modern, etc. sind dann Begriffe, die mir viel zu mehr nach hohlem Marketing klingen. Da sind mir eine vernünftige Haftung (Genossenschaftsbank) und jede Menge Geldautomaten wichtiger.

    Ja, die noa Bank hat mit gutem Marketing viel Geld eingeworben, was die etablierten Banken (GLS, etc.) nicht geschafft haben. Daher ist die noa Bank durchaus eine Bereicherung. Allerdings frage ich mich ehrlich gesagt, *warum* die das geschafft hat. *Mir* bietet die Bank nichts, was mich interessieren würde. Das sieht für andere aber offenbar anders aus.

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  3. Lieber Egghat,

    einerseits stimme ich zu - mir geht es nicht darum hier Noa gegen GLS auszuspielen, ich bekomme ebenso wie Sie weder von der einen noch von der anderen Bank eine Verkaufsprovision.

    Fakt ist aber jenseits von Marketinggedöns, die Kundengruppen sind unterschiedlich in der Zusammensetzung. Und genau darin liegt der Erfolg der Noa Bank begründet, ungeachtet der jetzt mit ebenso zweifelhaften Methoden in Zweifel gezogenen Seriösität des Geschäftsmodells - oder was ist Ihre Erklärung, warum es gelungen ist, in so kurzer Zeit so viele Kunden und Geld einzusammeln, wofür eine Ökobank wie die GLS Jahrzehnte gebraucht hat? Irgendwo muss da ja wohl ein Knochen für den Hund vergraben sein, oder?

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  4. Das gewisse Medien diverse Dinge veröffentlichen ohne die niedergeschriebenen Behauptungen überhaupt belegen zu können, ist bei einigen Verlagen etc. scheinbar gängige Praxis. Da ist tatsächlich sehr vieles mehr als nur wackelig.

    Und kurz zur BaFin, diese schweigt mir viel zu oft. Manchmal könnte man gar das Gefühl entwickeln, dass das Schweigen deren Job ist.

    Zum Thema Tagesgeld und Festgeld kann ich nur feststellen, dass die Zinsen schon seit Monaten mal wieder in den Keller gehen. Der Leitzins tut halt nicht gut, wenn man sich hohe Zinsen auf Festgeld- und Tagesgeldkonten wünscht.

    Zu Ihrer Aussage "warum Wirtschaftsblogs immer noch tief unter der Wahrnehmungsschwelle kriechen" brauche ich ja wohl nichts zu schreiben. Da kennen wir wohl beide die traurige Antwort. Stichwort kommerzielle Interessen gewisser Unternehmen. In jedem Fall wünsche ich Ihrer diewunderbareweltderwirtschaft.de noch viele interessierte Leser. Denn freie Blogs, die unabhängig, nicht kommerziell und nicht politisch gesteuert oder zum Teil auch investigativ berichten, sind heute wichtiger denn je.

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