Warum kauft die Eurozone nicht einfach Griechenbonds?

Mal angenommen, die Mitglieder der Eurozone wollen retten. Mal angenommen, die Eurozone übernimmt den kompletten Kapitalbedarf der nächsten drei Jahre, den Griechenland hat (so sieht es ja aus, siehe ZAHL DES TAGES (28.04.10): 135.000.000.000). Dann "erbt" Griechenland doch quasi das AAA der Eurozone (das diese im Schnitt haben dürfte, denn D und F als Schwergewichte sind ja AAA). Der Zins der griechischen Anleihen müsste dann deutlich sinken, eigentlich sogar auf das Niveau der Eurozone,  also bei 10 Jahren Laufzeit auf etwa 4%.


Die griechischen Anleihen würden bei einem solchen Zinsrückgang durch die Decke gehen! Warum kaufen Merkel und Sarkozy nicht einfach einen Haufen dieser alten Anleihen auf und verdienen sich dabei eine goldene Nase?

Die aktuelle zehnjährige griechische Anleihe kostet zum Beispiel aktuell etwa 79 Euro und rentiert dabei mit etwas über 9% (gestern noch bei etwa 70 Euro und mehr als 11%). Es waren also schon deutlich über 10% Kursgewinn drin. Und selbst wenn die Rendite der griechischen Anleihen nur auf das Niveau des Notkredits sinken würde, wären noch einmal Kursgewinne in ähnlicher Größenordnung drin.
Und wie weit die Anleihen steigen würden, wenn man ein Sinken der Rendite auf den Euro-Swap (den Durchschnittszins der Eurozone) unterstellt, will ich erst gar nicht ausrechnen. OK, ich mache es doch: Der Kurs wäre 118 Euro (siehe Anleihenrechner der Börse Stuttgart, dann GR0124032666 importieren und in der linken Spalte die Rendite auf 4% einstellen).

Der Staat hätte beim direkten Kauf einer Anleihe ein Kurspotenzial von fast 50%. Kurz: Er könnte sich die Hälfte des Einsatzes für die Griechenlandhilfe auf einen Schlag zurückholen.

Klar die Rechnung verkürzt, weil am kurzen Ende die Kursgewinne viel kleiner sind. Aber sie deutet an, wie wenig die Politiker in der Lage sind, auf die Aktionen am Finanzmarkt adäquat zu reagieren.

Warum wird nicht einfach mal dagegengehalten? Warum wird nicht einfach der alte Griechenbond gekauft und der Gewinn eingesackt, statt den neuen Bond zu garantieren und den Gewinn beim alten den mutigen Anlegern da draussen zu überlassen?

Am Ende wäre ein Kauf der Anleihen ein Haircut, den man nur nicht so nennen müsste. Er würde ja nicht für alle gelten und nie so wirklich offiziell angeboten, sondern nur für die, die auch für 80 verkaufen.

Warum wird nicht ein Teil der Griechenlandschulden über einen CDS abgesichert? Klar, für den gesamten Schuldenberg geht das nicht, weil dann im Fall der Pleite die Gegenseite die Versicherung nicht auszahlen könnte. Aber einen Teil so absichern? Warum nicht?

Wer jetzt meint, dass das alles nicht geht, weil der Staat ja quasi Insider sei, tja, der hat im Prinzip Recht. Aber die Gegenseite spielt ein ähnliches Spiel und es gibt nur eine Sprache, die die Akteure verstehen: Verluste. Fair spielen hilft da nicht.
Und man sollte auch nicht vergessen, dass Interventionen am Devisenmarkt die gleichen moralischen Probleme haben, aber trotzdem gängige Praxis sind (wenn auch nur im Notfall, aber was bitte soll Griechenland denn anderes sein außer ein Notfall?)

Sicherlich ungewöhnliche Maßnahmen. Aber im Rahmen des Quantitative Easings in den USA und in Großbritannien schon im richtig großen Stile durchgeführt. Die 700 Mrd. 1,25 Billionen Dollar MBS, die in den USA angekauft wurden, sind sogar etwa doppelt so viel wie die gesamten Schulden Griechenlands. Sag mir keiner, das würde alles nicht gehen.

Ich bin mir sicher, dass die Krise in den USA ganz anders gehandhabt worden wäre ...

Update (23:12):

In den USA wurden sogar 1,25 Billionen MBS am Markt aufgekauft, nicht 700 Mrd. wie ich zuerst geschrieben habe ... Ist im Text oben verbessert.

Update (30.04.10):

Wäre ja auch zu schön, wenn der Staat sich das Geld mal einsteckt. Dann gibt Schäuble lieber den Banken die Zusage, die Griechenbonds zu stützen und überlässt dann das Geldverdienen den Banken.

Spiegel: Deutschland AG plant Griechenland-Hilfe

Irgendwie finde ich das unglaublich!

Kommentare :

  1. nürnberger prozess29 April, 2010 14:14

    weil die NWO,Bilderberger

    die finanzmafia unterstützt

    es ist doch alles so gewollt, Krise,Chaos, und dann kommt die Lösung, bargeldlos oder neue harte gesetzte .-/

    Guck doch mal unsere Justuiz,Politik,Wirtschaft an , alles ist gewollt ,

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  2. keine so schlechte Idee. Alleine die Ankündigung würde die Kurse explodieren lassen.

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  3. egghat,

    ruf deinen Bundestagsabgeordneten an .... oder Christine Scheel von den Grünen (die müssen es dann aber so verkaufen, dass Schäuble denkt, es wäre seine eigene Idee gewesen) ;)

    Ich glaube, man sähe sich sehr bald vor folgendes Problem gestellt:
    Anfangs wird man einige Hundert Millionen bis wenige Milliarden an ausstehendem Nennwert einsammeln können. Bald spricht es sich herum, keiner bedient mehr den Bid zu 80%, weil der Put, zu 80 andienen zu können, nicht wegläuft. Die Gläubiger pokern und lassen die Fälligkeit auf sich zukommen: was dann? Eigentlich wollen die EU-Regierungen ja nicht zu 100% einlösen, können sich aber auch nicht sträuben, weil sonst der Default-Fall eingetreten ist. Nebenbei bliebe den Griechen der Zugang zum Kapitalmarkt weiter verwehrt, keiner würde ihnen mehr Kredit geben. Das liefe nur über die De-facto-Garantiegeber.

    So charmant der Gedanke auch ist, in der Umsetzung sähe man sich wohl gewaltigen Problemen ausgesetzt. Vielleicht kann man ja Goldman Sachs mit der Ausarbeitung einer gangbaren Strategie beauftragen *höhöhö*

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  4. Jede Menge Probleme. Aber auch jede Menge gelöst ... Wenn der Markt weiss, dass ich für 80 kaufen will, kann er darauf natürlich reagieren. Allerdings: Wenn er nicht mehr verkauft, entstehen halt auch keine Kosten mehr für den Steuerzahler.

    Und wenn Griechenland am Ende defaultet, naja, dann kostet es doch eh unser Geld!

    Der einzige Unterschied, den der Ankauf macht, ist die Tatsache, dass der Staat die Anleihen jetzt sofort kauft und damit sofort eine Basis für die Refinanzierung schafft. Und wenn man die Bonds am Ende eh für 100% ablöst (weil's ja ein Bailout ist), naja, was ist dann zu verlieren? Immerhin haben wir die Bonds dann für 80 gekauft und nicht die alten für 100.

    Ich sage auch nicht unbedingt, dass wir eine Lösung bekommen, die im Fall der Fälle billiger würde, sondern eine, die im anderen Fall (es geht gut) billiger sein wird.

    Den Ankauf dürfte man natürlich nicht offen machen. Oder gar ankündigen. So mit den Märkten spielen, wie es bei Aufkäufen auch gemacht wird. So dass es nicht sofort jeder merkt.

    Das hätte sogar den Charme, dass Merkel das Rettungsprogramm bis zum 10.5. hätte verschieben können ...

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  5. Deine Idee funktioniert in meinen Augen nicht.
    Es geht nicht um den Sekundärmarkt, sondern um den Primärmarkt. Der Preis (und damit der Aufschlag der Griechen im Vergleich zu anderen Staaten) wird hauptsächlich bei Neuemissionen bestimmt, der Sekundärmarkt spielt nur zweite Geige.
    Von einem Kauf der alten Anleihen der Griechen haben die Griechen daher selbst kaum was. Die Annahme, dass sich dadurch deren neuen Geldaufnahmen drastisch vergünstigen stimmt nicht.

    Das Problem ist, dass sie bei der Neuemission von Anleihen keine Geldgeber finden. Das brauchen sie aber um ihre Altschulden zu bedienen.

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  6. Na, das würde sich schon durchfressen. Wenn der Bond am Markt ist, würde sofort Arbitrage betrieben. Du zahlst für einen neuen Bond nicht 6%, wenn die bereits börsennotierten 5% kosten ... Dafür sind die Märkte zu effizient ...

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  7. Ich habe darüber in den letzten Tagen auch mal öfter nachgedacht. Aber ich glaube es ist nicht machbar, weil das alles demokratisch legitimiert werden muss. Und damit sind solche Stealth-Aktionen halt ausgeschlossen. Ist halt umständlich, so eine Demokratie. :)

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  8. ACK. Aber das was jetzt gemacht wird, kann man zwar schön durch einen Bundestag/-rat pauken, aber verstößt trotzdem (höchstwahrscheinlich) gegen das Grundgesetzt, den Maastricht-Vertrag, ...

    Also sauber ist das eh alles nicht ...

    Und legitimieren? Wenn die EZB Dollar kauft, stimmt da auch niemand in Berlin vorher zu ...

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  9. Stimmt. Trotzdem scheint gerade ein großer (Pseudo-)Legitimationsbedarf zu bestehen. Vermutlich, weil das alles so unpopulär ist. Weiß auch nicht. :)

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  10. Ganz simpel: 99,9 % der Bevölkerung verstehen nicht, was in solch einem Fall liefe! Ganz gleich ob in Summe ein Gewinn oder ein Verlust mit diesen Anleihekäufen erwirtschaftet wird, die Opposition würde sofort Zeter und Mordio rufen, weil die Kanzlerin mit Steuergeld spekuliert.

    Nein, nein. Da schimpft ein gelernter Politiker lieber auf die Griechen und hofft, daß diese ungute Geschichte dadurch bei den nächsten Wahlen nicht so heftig auf den eigenen Kopf fällt.

    Im übrigen bleibe ich dabei: Ohne Haircut wird nur Zeit gekauft!

    lg - urriegel

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  11. @urriegel:

    Ich gebe dir insofern recht, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass Griechenland im Euro bleibt und ohne Haircut (oder massive Transferzahlungen der EU) die Sanierung schafft. Ich schließe das nicht aus, aber es definitiv unwahrscheinlich.

    Dass die Griechen aus dem Euro austreten und mit der dann wieder erreichten Wettbewerbsfähigkeit ihren Schuldenberg wieder in den Griff bekommen, halte ich schon für viel wahrscheinlicher.

    Richtig wahrscheinlich wird eine Sanierung aber eigentlich nur, wenn die Griechen 50% ihrer Schulden abschneiden UND aus dem Euro austreten ...

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  12. btw: genau das schlägt Schäuble heute vor... nur will er die Bonds nicht selber kaufen, sondern die Banken "bitten". Wär ja auch zu blöd wenn der Staat mal selber Geld verdient ;)

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  13. @theflow77:

    Ich weiss gar nicht, ob ich das noch lustig finden soll ...

    Erst gibt's den Bailout für die Griechen (was schon nicht stimmt, denn das Geld fließt ja zu 70% wieder ins Ausland) und dann sagt man noch genau diesen Banken, hej, kauft doch noch mehr von dem Schrott, wir kaufen das doch ab.

    Ist das jetzt eine neue Form des Bailouts? Der Doppel-Bailout? Der Bailout für die Fehler der Vergangenheit + der möglichkeit risikolos Geld z verdienen? ?!?

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