Zahl des Tages (01.04.10): 300.000.000.000

Ein Deal, wie er überraschender nicht sein könnte. Doch bei genauerer Betrachtung der Details ein Win-Win-Win-Win.

Griechenland sourced sein eigenes ineffizientes Steuersystem für die nächsten 10 Jahre an ein Konsortium aus Deutschland und der Ukraine aus. Ursprünglich hatte Griechenland eine Verbriefung der Steuereinnahmen geplant, aber nachdem der internationale Verbriefungsmarkt zum Erliegen gekommen ist, einigten sich die griechische und die deutsche Regierung auf folgenden Deal:

Griechenland erhält von Deutschland umgehend einen Kredit in Höhe von

300.000.000.000 (300 Milliarden) Euro

von Deutschland. Damit lassen sich die griechischen Schulden an den Finanzmärkten vollständig ablösen. Als Sicherheit dienen die Steuereinnahmen Griechenlands des nächsten Jahrzehnts. Deutschland übernimmt die Steuerverwaltung Griechenlands vollständig. Dazu sollen vor allem die in Deutschland nach dem Wegfall der Zollgrenzen überflüssig gewordenen Mitarbeiter der ehemaligen Zollbehörden eingesetzt werden. Im Gegensatz zum damals gescheiterten Wechsel der Zollbeamten zur Polizei werden dieses Mal keine Probleme gesehen, allein schon weil das Wetter in Griechenland viel besser ist.

Unterstützung bekommt Deutschland beim Aufbau eines effizienten Steuersystems von der Ukraine, deren gut geschulte Mitarbeiter sich auch in Deutschland schon beim Eintreiben von Geldern jeglicher Art bewährt haben.

Finanziell stellt sich das Geschäft wie folgt dar:

Griechenland hat aktuell etwa 60 Mrd. Euro Steuereinnahmen und liegt bei einer Steuerquote von 24,5%. Wird diese auf den OECD-Durchschnitt von 32,9% erhöht, ergibt sich ein Mehreinnahmepotenzial von gut 20 Milliarden Euro pro Jahr. Das Haushaltsdefizit von Griechenland von gut 21 Milliarden Euro in 2009 kann also fast komplett gedeckt werden. Die Zinszahlungen Griechenlands von aktuell knapp 12 Mrd. Euro werden auf dem aktuellen Niveau eingefroren und ab sofort nach Deutschland überwiesen. Der Zinssatz beträgt für Griechenland also 4%, stellt also eine deutliche Ersparnis dar.

Durch die Umsetzung des angekündigten Sparprogramms erhält Griechenland Luft zur Tilgung. So kann mit der Senkung der Neuverschuldung von 13 auf unter 9% voraussichtlich schon 2010 die erste Rate von 5 Mrd. Euro zurückgezahlt werden. Sollten Griechenlands Sparbemühungen nicht konsequent genug umgesetzt werden, darf Deutschland die Auszahlung der Steuern an die griechische Regierung zurückhalten. Sollte auch das nicht helfen, seien ukrainische Fachkräfte ja bereits vor Ort, um den Forderungen Nachdruck zu verliehen, zeigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in Hinblick auf die Durchsetzbarkeit optimistisch.

Guido Westerwelle freute sich über die sinnvolle Verwendung der deutschen Gelder. "Endlich gibt es für Investitionen mal eine gute Rendite und ist nicht nur sinnloses Geldverprassen wie bei Hartz IV". Auch die griechische Seite zeigte sich erfreut: "Zinsen zahlen ist nie schön. Aber lieber 4% an die Deutschen als 6% an böse Spekulanten" so der griechische Finanzminister Papaconstantinou. Auch in der Ukraine freute sich die Regierung über neue Arbeitsplätze für die eigenen "gut ausgebildete und schlagkräftige" Jugend.

Aan den Finanzmärkten wurde die Einigung positiv aufgenommen. Bill Gross, Manager des größten Rentenfonds des Welt: "Sehr gute Nachricht. Dass ich für meine griechischen Bonds nochmal den Nennwert zurückerhalte, hätte ich nicht gedacht. Vor allem nicht so schnell. Aber sobald ich in meinen Monatsbriefen vor einer Pleite warne, reisst mich die Politik erfahrungsgemäß raus". Auch Josef Ackermann, der der deutschen Regierung beratend zur Seite stand, zeigte sich begeistert: "Ich bin sicher, dass das Geschäft funktionieren wird. Der Deal ist positiv für alle Seiten". Er hoffe auf weitere Deals dieser Art in Irland und anderen kritischen Staaten. Dort sei jede Menge Geld für seine Bank zu verdienen, Pleitekandidaten gebe es noch jede Menge.

Auch die Ratingagentur Fitch reagierte schon: Das Rating von Griechenland werde eingestellt. Es sei jetzt schließlich überflüssig. Und auf das Triple-A von Deutschland hat die größte Finanztransaktion aller Zeiten wahrscheinlich keinen negativen Einfluss. Erstens sei der Schuldenstand in den USA und Großbritannien höher als in Deutschland und die hätten auch noch AAA. Zweitens verhalte sich ein Staat ökonomisch sinnvoll, wenn er sich Geld für 3% leiht und für 4% wieder anlegt. Die meisten Hedgefonds und Banken würden das gleiche machen und dafür häufig Währungsrisiken wie bei Carry Trades in Kauf nehmen und die würde es im Falle Deutschland <-> Griechenland innerhalb der Eurozone ja nicht geben.

Genervt dagegen der Hedgefondsmanager Einhorn, der Hunderte von Millionen auf eine Pleite Griechenlands gesetzt hat: "Das ist Weltsozialismus pur. Die Nummer kostet mich 1,2 Mrd. Dollar und das sind immerhin 2 Monatseinkünfte!".

The 2008 budget at a glance (November 2007)

Kommentare :

  1. Ein denkwürdiger Tag! Zum Glück kommt diese Nachricht heute noch. Denn morgen erfolgt die Internetumstellung, und wir dürften für einen Tag auf unseren täglichen egghat verzichten müssen:
    http://www.tagesschau.de/ausland/internetabschaltung100.html

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  2. Dass die Ukraine bei diesem Geschäft als Juniorpartner dabei sein soll, scheint mir eher ein Witz zu sein.

    Höre übrigens aus Düsseldorfer Kreisen, dass Rüttgers im Juni als Kabinettsmitglied nach Athen gehen wird.

    Prim

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  3. @Flo: Mist. Da habe ich meine Zahl des Tages für morgen ja ganz vergebens geschrieben ...

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  4. Prima Scherzbeitrag! Da muss man dich nun schon extra loben, für die Mühe die du dir gemacht hast.

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