Zahl des Tages (04.04.10): 162.000

Ein Plus ist ein Plus ist ein Plus ... Da soll man auch nix wegdiskutieren ...

Die US-Arbeitsmarktzahlen am Freitag waren überwiegend positiv. Anders kann man das erste vernünftige Plus seit Beginn der Finanzkrise von

162.000

Arbeitsplätzen einfach nicht nennen, auch wenn im Kleingedruckten schon Wasser steckt, das man in den Wein gießen muss.

Die Daten in der üblichen Form:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: +134.000 auf 15,005 Millionen. Anzahl der Arbeitenden: ebenfalls +264.000 auf 138,905 Millionen. ---> Arbeitslosenquote: 9,7% (unv.)

Das große Korrektiv NILF erklärt im März die komische Änderung, bei der sowohl die Zahl der Arbeitenden als auch die Zahl der Arbeitslosen gestiegen ist.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data zeichnen ein ähnliches Bild.

Anzahl der Jobs: plus 162.000 gegenüber dem Vormonat auf 129,750 Millionen.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden stieg von 33,9 auf 44,0 Stunden, die Anzahl der Überstunden ging ebenfalls um 0,1 auf 2,9 Stunden nach oben. Diese "Nebendaten" unterstützen das Bild der Hauptdaten.

Inwieweit man die 162.000 Plus jetzt uneingeschränkt positiv sehen kann, ist schwierig zu beurteilen. Denn zumindest in der Household Survey gab es ja auch einen Anstieg der Arbeitslosenquote um eine ähnliche Größenordnung. Außerdem gingen wie im Vormonat etwa 40.000 der neu geschaffenen Arbeitsplätze auf Zeitarbeitsjobs zurück. Insgesamt sind es jetzt seit Herbst über 300.000 Arbeitsplätze, die aus diesem Bereich stammen. Das ist natürlich nicht schön, allerdings ist es ein normales Phänomen, das am Anfang des Konjunkturzyklus erst einmal temporär Arbeitsplätze geschaffen werden. Ich würde das nicht überbewerten ...

BLS.gov: Employment Situation News Release

FTD: Amerikaner schaffen wieder Jobs

Update (06.04.10):

Eine Einschätzung der Zahlen von Edward Harrison

Creditwritedowns: So were the jobs numbers mediocre?

Und von Calculated Risk:

Calculated Risk: Diffusion Index and Temporary Help

Und von The Big Picture:

The Big Picture: NFP: +162k

Darin auch ein Hinweis auf die Aufwärtskorrekturen der beiden Vormonate, die ich normalerweise auch bringe, dieses Mal aber leider vergessen habe:
Der Februar 2010 wurde um 22.000 von -36.000 auf -14.000 korrigiert, der Januar sogar noch stärker um 40.000 von -26.000 auf +14.000. Das unterstützt meine relativ optimistische Interpretation natürlich deutlich.

Kommentare :

  1. Von den 162.000 neuen Arbeitsplätzen sind:

    - 48.000 (30%) dem Einmaleffekt der Volkszählung zuzuordnen
    - 40.000 in der (tendenziell eher schlecht zahlenden) Zeitarbeitsbranche entstanden sowie
    - 15.000 angeblich (!) im Bausektor entstanden. Und das bei katastrophalen Leerständen.

    EIn "selbsttragender Aufschwung" sieht nach wie vor anders aus.

    Gruß,

    Hardy

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  2. @Hardy:

    a) Zeitarbeit zieht immer als erste Komponente an. Ist normal.
    b) Der Volkszählungseffekt ist schön und gut, aber der Bericht besteht ja immer aus den zwei Komponenten und diese stimmen diesmal ziemlich gut überein.
    c) Irgendwann ist der Boden erreicht. Das Angebot an neuen Häusern ist extrem niedrig. Irgendwann geht es einfach nicht weiter runter. Das ist wie am Automarkt. Da kann man sich auch fragen, warum da die Nachfrage wieder anzieht. Aber wir waren halt bei der Nachfrage auf 50% des mehrjährigen Durchschnitts und irgendwann dreht das halt. Es wurden damals so wenig Autos verkauft, dass die 30 Jahre im Schnitt gefahren werden müssen. Ist natürlich ziemlich utopisch.
    d) Selbsttragend? Schwierig zu beurteilen. Würde ich bei *einem* signifikanten Plus garantiert noch nicht behaupten. Auch muss man bedenken, dass die Bevölkerung in den USA wächst. 200.000 neue Arbeitsplätze pro Monat reichen gerade mal aus, um die Arbeitslosenquote nicht steigen zu lassen.

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  3. @egghat:

    der Wirtschaftsquerschuss schreibt übrigens (gekürzt):

    "48'000 Jobs gingen auf befristete Einstellungen für die Volkszählung zurück, +81'000 auf das Net Birth/Death Model, +40'000 Stellen kamen aus der Zeitarbeit und ca. +100'000 Stellen sind den milderen Temperaturen zuzuordnen. Die offizielle Fehlerquote bei den Daten zum Stellenaufbau/abbau wird von der BLS mit +/- 100'000 Stellen angegeben."

    Das liest sich schon negativer...

    Gruß,

    hardy

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  4. Dagegen kommen aber die Jobs, die im Februar aufgrund der schlechten Witterungsbedingungen weggefallen sind (der März ist zum Teil eine Gegenbewegung, aber das muss man im März genauso relativieren wie im Februar). Und dazu die 62.000 Jobs, die im Januar und Februar über Korrekturen dazukamen.

    Ich habe den Artikel übrigens mit ein paar Links ergänzt. Ich bleibe dabei: Mild positive Zahl. Kein Grund für Euphorie, aber das Tal liegt hinter uns (wenn der Trend nicht wieder dreht).

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