Zahl des Tages (06.04.10): 8.000.000.000

Ich bin schon lange erstaunt, wie entspannt sich die Kunden angesichts der immer noch laufenden Finanzkrise verhalten. Obwohl die Pleite von Banken drohten, ließen fast alle ihr Geld - zum großen Teil zu Niedrigstzinsen - auf den Konten der Banken. Nur in Großbritannien (Northern Rock , vgl. BRITISCHE HBOS WACKELT ... WACKELT NICHT ... WACKELT ... WACKELT NICHT und den Niederlanden (KUNDEN RÄUMEN KONTEN LEER - HOLLÄNDISCHE DSB-BANK PLEITE (UPDATE!)) gab es zwei nennenswerte Bankruns inklusive der obligatorischen Schlange mit panischen Privatanlegern. Die meisten Kunden konnte sich wohl die Pleite einer Bank schlicht nicht vorstellen und der Rest vertraute offensichtlich darauf, dass der Staat im Notfall wohl einspringen würde. Diese Fallback-Sicherheit muss man aber zumindest im Fall von Griechenland als wacklig bezeichnen.

Und das sehen interessanterweise die Griechen wohl auch so. Nach Zahlen der Bank of Greece (der griechischen Notenbank) sind die Bankeinlagen der griechischen Banken im Januar und Februar um zusammen

8.000.000.000 (8 Milliarden) Euro

gesunken. Das ist für das vergleichsweise kleine Land ein spürbarer Abfluss und entspricht etwa 4% des griechischen BIPs. Zum Vergleich: In Deutschland wären 4% vom BIP knapp 100 Milliarden Euro.

Der Abfluss muss jetzt nicht unbedingt nur mit der Unsicherheit zu tun haben. Es kann auch sein, dass die Griechen an ihr Erspartes gehen und dadurch die Bankeinlagen gesunken sind. Ich würde aber trotzdem darauf tippen, dass ein spürbarer Teil des Abflusses auf die Angst vor einer Banken- und Staatspleite zurückgeht. Beide hängen ja eng zusammen. Auf die Tatsache, dass die griechischen Banken in den vergangenen Monaten zu den mit Abstand größten Abnehmern von griechischen Staatsanleihen gehörten, habe ich ja einige Male hingewiesen. Ohne die griechischen Banken, die sich das Geld übrigens mit einem Zins von 1% bei der EZB geliehen haben, wäre die griechische Staat schon viel früher in Refinanzierungsprobleme gelaufen. Andersherum könnten die griechischen Banken größere Verluste bei griechischen Staatsanleihen nicht verkraften.

Die Unsicherheit über die Solvenz Griechenlands scheint also in den Köpfen der Griechen angekommen zu sein. Die Finanzmärkte sorgen sich ja schon länger. Aktuell ziehen sowohl die Risikoaufschläge griechischer Staatsanleihen wieder genauso an wie die Kreditausfallversicherungen (CDS) teurer werden (354 Basispunkte meldet die FTD).

Zur Verunsicherung trägt auch noch eine weitere Meldung bei: Die Financial Times schreibt, dass sich die europäischen Staaten und Griechenland über den Zins für die Notfallkredite streiten. Griechenland strebt einen Zinssatz in der Höhe von Portugal (gut 4% oder ca. 100 Basispunkte über dem Euro-Durchschnitt) an, die Geberländer wollen jedoch mehr. Dass die Griechen diese Kredite ohne Beteiligung und Kontrolle des IWF bekommen möchten, macht die Einschätzung der Situation auch nicht einfacher.
Wie so häufig ist das, was auf einem Gipfel der Mächtigen als "Einigung" verkauft wird, weit weg von dem, was ein Normalsterblicher als Einigung bezeichnen würde ...

FTD: Griechen holen ihr Geld von der Bank

Update (17:04):

Die FAZ meldet noch wesentlich stärkere Aufschläge. Die CDS sollen auf 400 Basispunkte gesprungen sein. Die Rendite der zweijährigen Anleihen um 136 (!) Basispunkte auf 6,41%, die der zehnjährigen um 56 Basispunkte auf 7,06%.

Aus der Gerüchteküche nennt die FAZ eine Forderung aus Deutschland für die Höhe des Zinssatz für die Notkredite von 6,5%. Das wäre allerdings idiotisch hoch und würde den Griechen keinen Deut weiterhelfen. Bei 6,5% ist das Staatsdefizit schlichtweg unfinanzierbar. Das halte ich für so bescheuert, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das jemand gesagt hat und ernst meint. Entweder wurde das so nie gesagt oder ist einfach eine erste Zahl in den Verhandlungen, von der jeder weiss, dass sie so ernst zu nehmen ist wie die ersten Zahlen in Lohnverhandlungen, die Arbeitgeber und Gewerkschaften in diesem Ritual üblicherweise aufrufen ...

Renditen der Staatsanleihen steigen dramatisch

Update (17:21):

FT Alphaville bestätigt die 400 Basispunkte für die CDS auf Griechenland:
FT Alphaville: CDS report: Greece under scrutiny (again)

Die Risikoaufschläge für die griechischen Staatsanleihen sind die höchsten seit Eintritt der Griechen in die Eurozone:

FT Alphaville: Greek bonds break records, mostly just break

1 Kommentar :

  1. Hallo Egg,
    ich sehe das nicht so dramatisch und bei meiner Interpretation sind diese Kurse absolute Kaufkurse. Griechenland bleibt in der EU, Griechenland wird gestützt von wem auch immer und auch die griechischen Staatsanhleihen sind sicher.

    Die Betrachtun der Situation für uns Anleger fehlt wieder einmal völlig. Soll ich jetzt kaufen ? lohnt es sich oder lohnt es sich nicht ? Was steht denn dazu in der FAZ, Alphaville oder FTD ? Dazu steht dort nichts..... dort stehen nur Schlagzeilen um Aufmerksamkeit zu erhaschen und Leser zu gewinnen.

    Griechenland ist nach wie vor relativ reich. Griechenland wird in Zukunft keine Schwierigkeiten haben die bisher aufgelaufenen Schulden zu zahlen. Griechenland hat im Moment nur ein kleines Liquiditätsproblem und benötigt etwas Geld um die nächsten Monate zu strecken. Es bestehen nach wie vor hohe Beteiligungen an vielen Unternehmen im Bank, Telekommunikations und Versorgersektor und wenn die Daten richtig sind die ich gelesen habe hinsichtlich der Besteuerung dann ist da noch an vielen Ecken und Enden ein Potenzial sprich weitere monetäre und zukünftige Kraft Griechenlands für Schulden und Zinsdienst.

    Sie brauchen wie gesagt nur jetzt etwas Geld, etwas zügig. Und das werden Sie erhalten wenn nicht vom IWF dann von Deutschland oder vielleicht doch von den Chinesen.

    Grüsse Bob

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