Zahl des Tages (08.04.10): 11.500.000.000

Ich bin ja scheinbar einer der wenigen, die sich noch nicht entschieden haben, ob wir demnächst Wachstum und Inflation oder Krise und Deflation bekommen werden. Immerhin kann ich mich damit trösten, dass sich Robert Shiller ebenfalls sehr unsicher ist (ROBERT SHILLER BLEIBT SKEPTISCH). Stark verkürzt hängt die Zukunft allein davon ab, wie sich der US-Verbraucher verhält. Wird dieser pessimistisch und spart, wird's schwierig. Daher beobachte ich das US-Verbraucherverhalten so intensiv und nicht zuletzt die Sparrate und die Schulden. Stammleser werden sich an einige Postings zu diesen Themen erinnern.

Gestern kam wieder eine der spannenden Zahlen (die auch gut für eine Zahl des Tages gewesen wäre) aus diesem Bereich: Die Verschuldung der Verbraucher. Und hier setzt sich der Trend der letzten Monate fort: Die Sparrate steigt, die Verschuldung sinkt.

Die Verbraucherschulden sind im Februar um

11.500.000.000 (11,5 Milliarden) Dollar

gesunken oder auf's Jahr hochgerechnet mit 5,6%. 9,4 Mrd. gingen auf das Konto von Kreditkartenschulden (Jahresrate -13,1%, etwa 1/4 der gesamten Schulden), der Rest auf Auto-, Studienkredite u.Ä. (Jahresrate -2,1%, etwa 3/4 der gesamten Schulden). Der Rückgang war der 15. in den letzten 17 Monaten. Die Verbraucherschulden liegen jetzt bei nur noch (harhar) 2,45 Billionen Dollar. Die Verbraucherschulden sind im letzten Jahr um 4,0% gesunken. Hypotheken sind übrigens nicht enthalten.

Kurz: Die Verbraucher konsumieren nicht mehr auf Pump. Das ist angesichts der hohen Verschuldung sehr richtig, kurzfristig aber leider keine Hilfe für die Konjunktur.

Calculated Risk: Consumer Credit Declines in February

Marketwatch: Consumer debt falls by $11.5 billion in February

Allerdings sind die Zahlen mit etwas Vorsicht zu genießen. Denn die Höhe der Kredite kann nicht nur sinken, indem die Kredite zurückgezahlt werden, sondern auch weil der Kredit als uneinbringbar abgeschrieben wird.

Aber auch dazu hat der olle egghat noch ne Zahl. Die Anzahl dieser Kredite sinkt nämlich, wenn auch nur sehr leicht. Im vierten Quartal 2009 sank der Anteil der überfälligen Verbraucherkredite (30 Tage Zahlungsverzug) von 3,23% im 3. Quartal auf 3,19%. Das ist ein sehr gutes Zeichen, das man nicht unterschätzen sollte. Im Zusammenhang mit der Zahl des Tages heißt das aber, dass das Volumen der Kredite wahrscheinlich sinkt, weil die Verbraucher die Kredite zurückzahlen.

Marketwatch: ABA: Consumer loan delinquencies drop in eight categories

Und wer einen größeren Blick auf die Lage der Verbraucher haben will, der soll sich die Grafik bei The Big Picture anschauen. Dort kann man sehen, wie die Zinsbelastung der Haushalte sinkt, die Sparrate wieder leicht steigt und vor allem, wie weit der Wert der Assets der Verbraucher die Schulden übersteigt. Es ist immer noch in etwa das Vierfache!

The Big Picture: Consumer Finances

Kommentare :

  1. Mein Favorit für Europa: Stagflation.

    Ein harter Sanierungskurs für die gebeutelten PIIGS und auch nicht ganz harmlose Budgetmaßnahmen im Rest werden einen grandiosen Aufschwung der Wirtschaft nicht zulassen.

    Gleichzeitig wird die wirtschaftliche Erhohlung in China und anderen Schwellenländern die Nachfrage nach Rohstoffen und Energie treiben. Im schlimmsten Fall bleibt der EURO zusätzlich längerfristig schwach. Importierte Inflation wird sich breit machen.

    lg - urriegel

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  2. Bei 4% Sparrate ist für große Konsumorgien kaum Platz, auch bei guter Stimmung.

    Auch im Höhepunkt war die Sparrate kurzfristig nur bei -1%. Damit ist vom Verbraucher nur etwas zu erwarten, wenn der Input stimmt
    -> Jobs, Gehaltserhöhungen. Und wenn es wie zur Zeit über den Stimulus ist.

    Bei "Angstsparern" um die 10-15% wäre mit guter Stimmung viel mehr zu holen, da dann die Möglichkeiten vorhanden wären.

    Zu den Assets von dem Link: Wie verteilen sich die auf die verschiedenen Einkommensklassen? Normalerweise ist "Home" und "Pension Fund" für Ottonormalbürger das größte Asset, in der Grafik sieht es aber anders aus. Ist da das Vermögen von Warren Buffet mit dem von Joe Sixpack vermixt? Die Ungleichverteilung ist ja das Problem - Leute mit hohen Barvermögen werden wohl nicht diesselben sein, die hohe Kreditkartenschulden haben. Ansonsten gäbe es ja keine Kreditproblematik (und 12% vom Einkommen für Schuldenzahlungen).

    Die Grafik ist halt leider zu einfach, um richtige Aussagen zu machen. Sie müsste wenigstens auf 5 Einkommensklassen heruntergebrochen sein.

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  3. @urriegel:

    Ich glaube im Moment eher nicht an die Inflation, auch wenn die gedruckte Menge dafür spricht. Im Moment kommt das Geld halt noch nicht in der Wirtschaft an.

    Nur die Rohstoffe ziehen die Inflation nicht genug. Wir hatten einen Ölpreis von 140 Dollar und der schlug auch nicht richtig durch. Weil dann eine Krise kam, die Anzahl der Arbeitsplätze sank und damit Lohnsteigerungen defakto vom Tisch waren. Und ohne eine Lohnspirale gibt es auch keine Inflation.

    Man darf die Inflation nicht aus dem Auge verlieren. Die Menge gedrucktes Geld und die Höhe der Staatsschulden lassen eine Inflation wahrscheinlich werden. Die Realwirtschaft spielt da aber zumindest im Moment noch nicht mit ...

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  4. @Till:

    Dass die Grafik zu kurz greift: Ack. Man müsste das mit den Grafiken zur Vermögensverteilung kombinieren. Da wird dann wahrscheinlich rauskommen, dass die unteren 50% der Bevölkerung 0% des Vermögens haben, aber trotzdem 30% der Schulden. Und die 10% oben 80% des Vermögens, aber kaum Schulden. Das wirkliche Problem steckt irgendwo in der Mitte: Die Leute, die ein eigentlich gutes Einkommen haben, aber unter den Hypotheken, den sinkenden Immobilienpreisen und den Verbraucherschulden ersticken.

    Mir ging es bei der Grafik vor allem um eins: Mit dem absoluten Niveau der Verbraucherschulden in % des BIPs zu argumentieren macht wenig Sinn, wenn ich die andere Seite der Bilanz (=die Vermögen) nicht auch berücksichtige.

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  5. Es liegt auf der Hand, dass die Billionen und Aberbillionen von Geldvermögen und die zu 0% geliehenen Dollar&Euro nicht den Weg in den Supermarkt und die Kaufhäuser suchen werden. Wer kauft sich aus Angst vor Inflation für 10 Mio USD Konservendosen? Die drängen alle in die Vermögenssupermärkte. An den Konsumentenpreisen wird man als allerletztes die Inflation ablesen können.

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  6. @Egghead

    Wir haben ja Kreditgeld(noch kein gedrucktes...) - da ist es ganz normal, das jeder Schuld ein gleichhohes Vermögen entgegensteht.

    Nur die Verteilung von dem ganzen ist immer das Problem.

    Es gibt in der Bevölkerung ja durchaus auch sich ausnullende Positionen (150K Immobilienkredit, aber 10K Reserve auf dem Tagesgeldkonto und 60K angespart in einer Rentenversicherung z.B.) die auch Sinn machen.

    Oder im Verlauf des Lebens: Ich fange mit Bafög-Schulden an, kaufe irgendwann ein Haus auf Kredit, aber zum Rententermin habe ich das Haus abbezahlt + noch Geld in einer Rentenversicherung angespart (die wiederum das Haus jemand anderen finanziert). Solche Systeme können stabil sein - das jetzige ist es nicht.

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  7. @egghat

    Es kommt meiner Meinung nach (als volkswirtschaftlicher Laie) darauf an, wie man Inflation definiert und auf welche Bevölkerungsteile man sie bezieht. Ich denke da etwa an die gewaltigen Preissteigerungen vor der Krise bei den Lebensmitteln, welche mit dem stetigen Anstieg der Ölnotierungen einhergingen. Betrachtet man dies in Bezug auf Teile der Bevölkerung, welche einen tendenziell höheren Teil des Einkommens dafür aufwenden, so haben diese Teile bereits hier "Inflation" (eigentl. Verbraucherpreiserhöhung) gesehen.

    Auch sehe ich seit etwa einem Jahr eine interessante Entwicklung im ländlichen Immobilienmarkt: Es herrscht eine gewaltige Nachfrage nach nicht bebauten Grundstücken mit mehr als ansprechenden Preisgeboten. Beispielsweise werden plötzlich Wälder, die noch vor zwei Jahren so gut wie unverkäuflich waren, ebenso gut bezahlt wie eben vor zwei Jahren ein Wald mit sehr guter Bodenbonität. Ich selbst habe im Oktober eine Liegenschaft um € 10.500,00 zugekauft und Ende Jänner ein Wiederverkaufsgebot von einem Anleger von € 17.000,00 erhalten.

    Ich bleibe dabei, Inflation wird kommen. Es wird aufgrund der für Kapital offenen Grenzen nur immens schwer, "genauere" Prognosen abzugeben.

    lg - urriegel

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