Zahl des Tages (09.04.10): 12

Was soll's sein außer Griechenland?

Ein äußerst hektischer Freitag, der in der ersten Hälfte von einem erneuten kräftigen Plus bei den Risikoaufschlägen gekennzeichnet war. Die CDS stiegen am Morgen deutlich und erreichten mit 470 Punkten ein neues Hoch. Dann kamen Gerüchte auf, dass Griechenland mit Hilfe rechnen könne. Und zwar soll diesmal nicht nur Hilfe versprochen, sondern auch konkrete Bedingungen vereinbart worden sein.
Kurz: Es scheint eine Einigung gegeben zu haben, die auch Zins und Volumen der Hilfskredite festlegen. Eine Einigung, mit der man auch was anfangen kann. Die CDS sanken daraufhin wieder dramatisch unter die 400 Punkte, bis dann die Ratingagentur Fitch das Rating von Griechenland reduzierte: Mit BBB- und einem negativen Ausblick liegt das Rating nun so knapp wie nur eben möglich oberhalb der Junkgrenze ... Die CDS Preise zogen wieder an, wenn auch nur leicht. Der Tagesschluss lag bei 410 bis 420 Punkten.


Marketwatch: Greek bailout reportedly near

Warum hat sich die Situation so dramatisch zugespitzt? Die Refinanzierungssituation Griechenlands war eh schon angespannt. Der Zinsaufschlag stieg diese Woche, aber spätestens nach den Gerüchten über einen Bankrun wurde es kritisch. 8 Mrd. Euro sollen von den Konten der Banken in den ersten zwei Monaten des Jahres abgeflossen sein. Da wird wohl im März noch einiges dazugekommen sein. Die griechischen Banken riefen dann um Hilfe und bettelten um 17 Mrd. Euro vom griechischen Staat. Natürlich diente offiziell alles nur "erhöhten Sicherheitspuffern", aber von einem Bankrun spricht man auch nicht gerne. Damit nach den Klugen, die ihr Geld schon abgeholt haben, nicht auch die dumme Masse auf die gleiche Idee kommt.

Das Verhältnis der griechischen Banken zum griechischen Staat war damit ein schwieriges. Der griechische Staat hat nämlich in letzter Zeit seine Anleihen überwiegend an die griechischen Banken verkauft. Die Banken und der Staat waren also voneinander abhängig. Ähnlich wie es die Chinesen und die Amerikaner sind. Die Chinesen haben so viele amerikanische Staatsanleihen gekauft, dass sie von einer richtigen Schwäche Amerikas nicht haben. Dann würde man nicht nur Verluste auf seine Anlagen einfahren, sondern auch niemanden mehr haben, dem man seine Exporte verkaufen kann. Genauso können die Amerikaner den Chinesen nicht wirklich drohen, denn dann hören diese auf, die amerikanischen Schulden zu finanzieren. Kurz: Die gegenseitigen Abhängigkeiten schaffen eine gewisse Stabilität im System, die dafür sorgt, dass das Spiel (egal wie krank beide das finden mögen) noch lange weiter gehen kann.

Das gilt prinzipiell auch für den Fall griechischer Staat zu griechischen Banken. Nur ist hier eine Sache anders: Ein Motor der Maschine stockt. Der griechische Staat kann den Banken schlicht kein Geld mehr geben. Und dann kommt das ganze System, das solange es funktioniert fast wie ein Perpetuum Mobile aussieht, zum Stocken und bricht in sich zusammen.

An diesem Punkt scheinen die Griechen jetzt angekommen zu sein. Nachdem die griechischen Banken, die sich traditionell fast ausschließlich über Kundeneinlagen refinanzierten, den Anteil ihrer Kredite bei der Notenbank von 1,7% des Bilanzsumme Anfang 2007 auf

12% 

der Bilanzsumme erhöht haben, droht nun dem griechischen Staat und den griechischen Banken der gemeinsame Untergang.

FT Alphaville: Greek-out! 

Ich glaube aber nicht, dass es dazu kommt. Ich schätze, dass am Wochenende der angeblichen Einigung vom vorletzten Wochenende irgendwas Konkreteres hinterhergeschoben wird. Also ein Kredit, der auch einen Zins, eine Laufzeit und ein Volumen hat. Und nicht zuletzt Bedingungen, an die dieser Kredit geknüpft ist.

Merkel hat jetzt lange gepokert. Sarkozy und Berlusconi scheinen schon schwach geworden zu sein (Spiegel: Sarkozy und Berlusconi versprechen Athen Hilfe). Vielleicht hat Merkel damit ihr Ziel erreicht: Nämlich nicht (wie üblich) der einzige Zahlmeister  zu sein. Anders kann ich mir das Zögrn nicht erklären. Ihr etwa?

Update (10.04.10):

Der Zinssatz steht jetzt fest. Zinssatz der Sonderziehungsrechte des IWF + 300 Basispunkte  + 50 Basispunkte Strafzins + 100 weitere Basispunkte bei Laufzeiten von mehr als drei Jahren. Jetzt fragt mich nur nicht, wie hoch der Basiszins beim IWF liegt (hab keine Zeit mehr, nachzuschauen, OK, schaue doch nach: Es sind aktuell 0,26%).

Wir haben also einen Zins von 0,26 + 3,00 +0,50 --> 3,76% für die Griechen bzw. 4,76 bei Laufzeiten von mehr als drei Jahren.

Das Volumen soll angeblich 20 bis 25 Mrd. ausmachen. Dass man das nicht alles auf einen Schlag auszahlt (bis Ende des Jahres brauchen die Griechen etwa 50 Mrd. Euro), ist auch logisch. Schließlich will man als Kreditgeber die Bedingungen, also die Sparbemühungen, Abbau der Korruption, etc. überprüfen und ein Druckmittel in der Hand halten.

FTD: Euro-Länder einigen sich auf Zins für Griechenlandhilfe

Update 2 (10.04.10):

Das Handelsblatt meldet einen Zins von 5,1%. Oh, ich sehe, immer noch vieeeel Verwirrung ...

Handelsblatt: Europa will Griechenland aus der Not helfen

Update 3 (10.04.10):

Aus Griechenland zitieren jetzt alle den Zins von 5,1%. Mal schauen, ob das dann auch so kommen wird. Die Formel, die die FTD gestern Abend gemeldet hat, scheint wohl nicht zu stimmen.

Kommentare :

  1. Bis zur NRW-Wahl wird Merkels Hinhaltetaktik jedenfalls nicht mehr reichen.

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  2. Interessant fand ich, dass das Thema gestern nicht den Weg in die Tagesthemen gefunden hat. Man will wohl niemand in D beunruhigen... erst Recht nicht vor der NRW-Wahl und erst Recht nicht mit so einem Thema. Auch die Geschichte vom griech. "Bankrun" hab ich bei den großen Medien so gut wie nicht wahrgenommen. Ich hoffe mal, dass das Absicht ist und nicht fehlendes Wissen...

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  3. In der WAZ war's interessanterweise drin und so gar ziemlich explizit "Schlange vor den Banken" oder so ähnlich, also der Bankrun wurde direkt in der Überschrift thematisiert.

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  4. Seit einiger Zeit regt mich die Sache mit Griechenland wirklich auf. Weniger die Griechen selbst, das kann man verstehen, dass die in den Euro wollten, eher das Verhalten unserer Politiker. Alles beschwichtigen, nichts entscheiden und uns dumm halten. Was hört man denn von unseren Finanzminister zu der Griechenland Kriese, die den Euro in den Ruin trieb. Nichts, aber auch gar nichts. Den Schäuble kann man nach Hause schicken. Würde eh keiner merken, wenn der nicht da wäre.

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