Zahl des Tages (10.04.10): 1%

Whoppah. Wurde diese Firma ausgesaugt! Und zwar sorgfältig bis zum allerletzten Tropfen!

Der Insolvenzverwalter Görg hat ja schonmal in einem Interview gesagt, dass er noch nie einen Fall hatte, in dem Alles, was beim ersten Blick wie eine Sicherheit aussah, sich beim zweiten Blick als schon verpfändet entpuppte.

Joah, und das kann man jetzt auch in eine Zahl fassen. Sollte sich kein Käufer finden und Arcandor zerschlagen werden, soll die Gläubigerquote bei mageren


1%

liegen. Bei angemeldeten Forderungen von ungefähr 2 Milliarden Euro werden also schlappe 20 Millionen ausgezahlt ... Selbst wenn die Firma gerettet werden sollte, wird die Gläubigerquote nur leicht höher bei 3% erwartet.

Der Staat sitzt (natürlich) auch dick im Boot. Er hat Forderungen von gut 670 Millionen Euro, nach der Verrechnung der Gläubigerquote bleiben also über 650 Millionen Euro übrig. Davon stammen etwa 150 Millionen Euro aus den Forderungen der Sozialkassen und etwa 500 Millionen aus Steuerforderungen.
Die 150 Millionen Euro sind unkritisch, sie sind eher wie eine Insolvenzversicherung zu sehen. Die Mitarbeiter von Karstadt und Quelle haben Leistungen bzw. Leistungsansprüche aus den Sozialkassen bekommen, obwohl Arcandor nicht mehr bezahlt hat. Im Ende nichts anderes als die Insolvenzversicherung, nur dass die Versicherung in diesem Fall schon ein paar Wochen oder Monate vor dem Schadensfall mit der Auszahlung begonnen hat.
Die 500 Millionen sind schon kritischer, aber über solche Summen braucht man sich heutzutage nicht mehr aufregen. Spätestens wenn 5 Mrd Euro für das Wegwerfen funktionierender Autos ausgegeben werden, muss man sich über den Sinn und Zweck von Staatsausgaben eh keine Gedanken mehr machen :-(

Fazit der Insolvenz: Karstadt-Pleite kostet Staat 650 Mio. Euro | FTD.de

Spannend an der Affäre Arcandor ist auch immer die Personalie Middelhoff. Und da gab es im Rahmen der Untreuevorwürfe gegen den ehemaligen Chef am Mittwoch weitere Durchsuchungen. Im Mittelpunkt des Interesses der Emittlungsbehörden stehen ein mit 1,5 Millionen Pfund notierter Vertrag mit der Universität Oxford, der auch ganz kurz vor der Insolvenz noch bezahlt wurde und die Reisekosten von Middelhoff, der in einem Jahr 800.000 Euro Reisekosten produziert haben soll (und sich diese zwei Tage vor dem Abtritt hat abzeichnen lassen). Das macht Reisekosten von 2.191 Euro pro Tag. Für jeden der 365 Tage des Jahres. Wow! Ich bin baff, dass man das überhaupt schaffen kann.

Untreue-Verdacht: Staatsanwaltschaft sichtet Akten bei Arcandor - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

Update (16:54):

Ausgegraben hat die Details der Gläubigerliste übrigens die Wirtschaftswoche. Und da ich gerne die wirkliche Quelle verlinke (und die Mainstreammedien das ja scheinbar nicht schaffen), hole ich das hiermit nach:

WiWo: Karstadt-Insolvenz kostet Steuerzahler 650 Millionen Euro

Kommentare :

  1. Die deutschen Eliten: Nichts ist unmöglich.

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  2. Solche Recovery Rates kennt man sonst nur von Banken.

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  3. @40Stunden:

    Interessanter Vergleich. Ich glaube, dass bei Lehman mehr rumkam (zumindest in den CDS wurde mehr als 1% gezahlt).

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  4. Unsere "Elite". Die Stimmung kippt doch nicht etwa? LOL...
    http://www.youtube.com/watch?v=AwGDi-qXWyY

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  5. 300 Mio. Euro Transaktionskosten...Sale und teuer lease back...
    http://www.youtube.com/watch?v=H5ZoRPszcwA&feature=related

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