Zahl des Tages (11.04.10): 300

Na gut, dann nochmal Griechenland ... Ich muss das eigentlich bringen, denn die Updates zu meinem Posting von Freitag waren am Ende doch nur halbrichtig/verwirrend, kein Wunder, sie kamen auch aus der Gerüchteküche. Obwohl die bereits am Freitag gemeldeten Zahlen für die Zinsaufschläge, die Griechenland zahlen muss, am Ende eigentlich komplett bestätigt wurden.

Der Zins basiert auf dem jeweiligen Euro-Swap-Satz für die entsprechende Laufzeit. Der Euro-Swap-Satz ist der durchschnittliche Euro-Zins. Dieser liegt über dem Zinsniveau von Bundesanleihen (diese haben ja auch dank der hohen Qualität den niedrigsten Zins), aber unter dem Niveau von z.B. Portugal oder Spanien. Bei einer Laufzeit von drei Monaten sind das aktuell etwa 0,65%, bei 12 Monaten 1,2% und bei drei Jahren etwa 2%. Auf diesen Zins kommt dann ein Strafzins von

300

Basispunkten. Ab einer Laufzeit von 3 Jahren werden nochmal 100 Basispunkte aufgeschlagen. Außerdem gibt es eine einmalige Bearbeitungsgebühr von 50 Basispunkten. Dreimonatige Notkredite lägen also bei etwa 4,1%, dreijährige bei gut 5,1%.

Kredite zu diesen Konditionen werden für drei Jahre gewährt. Das Gesamtvolumen beträgt 45 Milliarden Euro, davon max. 30 Milliarden in diesem Jahr.  Ich habe allerdings keine Zweifel daran, dass die Summe und die Laufzeit im Notfall verlängert werden. Und davon ist zumindest beim Volumen auszugehen. Denn dass die Griechen mit 45 Mrd. Euro auskommen werden, halte ich für unwahrscheinlich. Allein das Refinanzierungsvermögen für dieses Jahr betrug schließlich etwa 50 Mrd. Euro.

Begrenzen könnte die Nutzung der Notkredite vor allem der hohe Strafzins. Bei allen Anleihen mit einer Laufzeit von mehr als 3 Jahren errechnen sich Zinsaufschläge von mehr als 400 Basispunkte. Und das sind Risikoaufschläge, wie sie die Griechen noch nie seit Einführung des Euro bezahlen mussten. Mit einer Ausnahme: In der letzten Woche stieg der Spread zwischen der 10-jährigen Bundesanleihe und der vergleichbaren griechischen Staatsanleihe zum ersten Mal über die 400 Punkte-Marke. Gegenüber dem für die Notkredite maßgeblichen Euro-Swap wird der Spread wohl noch unter den 400 Basispunkten gelegen haben (leider habe ich keine Zahlen, die Swap-Sätze finde ich nirgendwo für lau). Man könnte also gut sagen, dass die Rettung wie von Angela Merkel gefordert, zu marktüblichen Zinsen stattfindet.

Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen, dass die Gebote für neue griechische Anleihen in der letzten Woche nahezu komplett ausblieben. Es errechneten sich Zinssätze von 15 oder 20%. Damit verglichen wäre der Zins von 4 bis 5% ziemlich preiswert.

Aber wir haben noch eine andere Zahl, mit der man vergleichen kann: Den Zins, der die Griechen jetzt aktuell für ihre Schulden zahlen. Und dieser liegt bei etwa 4% (rückwärts abgeleitet aus dem Haushaltszahlen; 300 Mrd. Defizit, etwa 12 Mrd. Zinsen). Damit verglichen wären die 5% wieder relativ hoch und keine große Hilfe.

Ich bin mir sicher, dass die Mainstreampresse und ihre Kommentatoren (und natürlich die Politiker) die ganze Nacht lamentieren werden. Die eine Seite wird behaupten, dass das keine Subvention sei, die andere Seite, dass man den Griechen doch auf keinen Fall über zinsvergünstigte Kredite Geld in der Rachen werden dürfe. Dabei ist, siehe die drei vorstehenden Abschnitte, gar nicht klar, ob der Zins jetzt niedrig oder hoch ist oder zu hoch oder zu niedrig ... Naja, aber Fakten stören beim Argumentieren eh ...

Mir gefallen an der Lösung vier Sachen nicht:

a) Wo ist der IWF? Wo sind die Bedingungen, an die die Kredit gekoppelt sind? Wer überprüft die Einhaltung?
b) Was ist mit der Begrenzung? Warum nur drei Jahre? Warum "nur" 45 Mrd? Vielleicht ist das der Kompromiss, solange für Punkt a) noch keine Antworten gefunden sind?
c) Sind 300 Basispunkte nicht viel zu viel? Hat Griechenland bei einem Durchschnittszins von 5% oder mehr eine Chance? Die Griechen geben jetzt schon über 7% ihres BIPs für Zinszahlungen aus. Bei einem Zinssatz von 5% (oder nach einer Leitzinserhöhung auch schnell 6%) steigen die Zinszahlungen schnell auf 10% des BIPs oder mehr. Damit würden die höheren Zinszahlungen die Hälfte oder mehr der bisherigen Sparbemühungen gleich wieder auffressen. Ich habe daher mal als Idee eine Versicherungsprämie von 100 bis 150 Basispunkten in die Diskussion geworfen, bei allerdings strengster Kontrolle des IWF.
d) Wo ist die Reaktion auf den Bankrun? Sollte nicht auch irgendwie dafür gesorgt werden, dass die Griechen das Vertrauen in ihre Banken zurückgewinnen? Ansonsten besteht doch die Gefahr, dass die griechische Regierung einen Großteil der Notkredite ins Bankensystem stecken muss. Und das kann viel Geld in kurzer Zeit bedeuten (wie wie in den letzten 2 Jahren gelernt haben ...). Griechenland hat bei Fitch ein Rating von BBB- (Ausblick negativ) und das ist so knapp wie eben denkbar am Junk vorbei.

FTD: 45 Milliarden für Athen

Den Originaltext habe ich bei Zerohedge gefunden:

Zerohedge: Full Text Of EMU Statement Of Support For Greece

Haben die Griechen eigentlich inzwischen mal nach Geld gefragt? Und was meint ihr zur Zinshöhe?

Update (23:50):

Die FAZ meldete am frühen Abend noch eine ganz andere Formel für die Zinshöhe. Ich bin verwirrt:

FAZ: Die Politik folgt dem Ruf der Märkte

Update (23:55):

Die FTD mosert über eine intransparente Strafzinsgestaltung und vermutet, dass diese nur gemacht wurde, um die Subvention zu verstecken. Allerdings ist die Gegenforderung ja an Schwachsinn nicht zu überbieten: Zum Marktzins bekommen die Griechen ja auch am Markt Geld ...

FTD: Und sie subventionieren doch

Update (0:00):

Handelsblatt: Rettungsplan für Griechenland steht (die wichtigsten Punkte im Überblick)

Update 4 (12.04.10):

Verlorene Generation hat einen Link ausgegraben, in der ein Offizieller behauptet, dass das Gesamtvolumen des Pakets sogar 80 Mrd. Euro ausmacht.

Reuters: Greek official: 80 bln euros "logical" aid amount for next 3 yrs
gefunden über Griechenland lügt und lügt und lügt und Boersennotizbuch: Griechenlandhilfe Bloglinks

Update 5 (12.04.10):

Robert von Heusinger ist "natürlich" der Meinung, dass der Zins keine Subvention sei

FR: Von wegen Subvention

Kommentare :

  1. Mal was anderes: Gab es keine Bankpleiten am Wochenende?

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  2. Man kann es drehen wie es will, die Griechen sind pleite.

    Natürlich sind sie es nicht, wenn man ihnen beliebig viel Geld zu billigen Zinsen leiht, dann kann man einfach die Zinszahlungen mit Neukrediten leisten, bis in alle Ewigkeit.

    Wenn man das bei FTD&Co liest, geht man international allerdings davon aus, das das Wirtschaftswachtum international auf hohe Werte ansteigen wird und alle Probleme lösen wird.

    Dieses Wirtschaftswachstum ist für alle Länder zur Zeit nötig, sämtliche Finanzplanungen basieren auf Wachstumsraten von 3-5% auch in den Industrieländern. Wo die Ressourcen dafür herkommen sollen, ist noch nicht ganz klar. Schon der chinesische Immobilienboom strapaziert z.B. die Eisenerzpreise bis zur Zerreißgrenze, wenn jedes Land jetzt so wachsen will kann das nicht funktionieren.

    PS: Ganz Spanien ist vollgebaut mit leeren Häusern und Bauruinen. Die stehen alle noch mit vollem Wert in den Büchern, da man offiziell davon ausgeht, alles verkaufen zu können wenn "Das Wachstum" wieder "anspringt". Das sind teilweise ganze Stadtviertel.

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  3. "Und was meint ihr zur Zinshöhe?"

    Griechenland kann sich selbstständig nicht mehr refinanzieren. Das bezeichnet man als insolvent.

    Wie hoch sollte denn deiner Meinung nach der Zins für ein insolventes Land sein?

    Wenn Griechenland keine einschneidenden Maßnahmen unternimmt, um aus diesem Schlamassel zu kommen, zögert jeder gewährte Kredit - egal welcher Zinshöhe - nur die Insolvenz hinaus.

    Wenn Deutschland letztlich Kredite an die PIIGS Länder geben *muss* und die PIIGS Länder diese aber realistischer Weise nicht zurückzahlen können, warum hat dann Deutschland dann überhaupt ein anderes Rating als diese Staaten?

    Wann kommt das Rating downgrade für Deutschland?

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  4. "Was ist mit der Begrenzung? Warum nur drei Jahre?"

    Ich vermute, dass IWF-Chef Strauß-Kahn Griechenland bis nach der Präsidentschaftswahl in Frankreich (bei der er kandidieren wird) am Leben halten will. Er hätte bei der Wahl keine Chance, wenn in Frankreich der Eindruck ensteht, dass er für Griechenlands Pleite verantwortlich ist.

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