Zahl des Tages (13.04.10): 4,55

Ich habe ja gestern bereits ziemlich platt geschrieben, dass manchmal die Politik nur klare Aussagen treffen muss, um Handlungen zu vermeiden. Um ein Bild zu gebrauchen: Wenn man neben eine Autobahn Leitplanken baut, sorgt das auch dafür, dass (fast) niemand mehr dagegen fährt. Die Leitplanken müssen nur sichtbar sein und man wissen, wo sie stehen und dass sie halten.

Genauso ist es bei der Hilfe für Griechenland. Kaum ist die Hilfe angekündigt, gehen die Zinssätze zurück und Griechenland schafft es sogar wieder, sich selber zu einem halbwegs vernünftigen Zins zu refinanzieren. Vernünftig bedeutet in diesem Zusammenhang vor allem unterhalb des Zinssatz, den Griechenland im Rahmen des Notkredits bezahlen müsste.

Für die sechsmonatigen Anleihen musste Griechenland heute

4,55%

Rendite bezahlen. Für die Anleihe gab es fast achtmal so viel Nachfrage wie das Angebot (780 Millionen) ausmachte. Gut sieht der Zins aber nur so lange aus wie man nicht mit dem Zins der letzten Versteigerung im Januar vergleicht: Damals lag der Zins bei 1,38%. Trotzdem: Letzte Woche gab es so gut wie keine Nachfrage und daraus errechneten sich Zinsen von 15 oder 20%.

Die einjährige Anleihe, die ebenfalls heute versteigert wurden, mussten die Griechen mit 4,85% verzinsen. Auch diese Anleihe war deutlich überzeichnet (etwa siebenfach, Volumen ebenfalls 780 Mio.). Der letzte Zins lag bei 2,20%.

Die 4,55% sind jetzt nicht unbedingt unter des Zinses für den Notkredit. Der Basiszins für 6 Monate sind das knapp 1%. Dazu kämen 300 Basispunkte Aufschlag und 50 Basispunkte Bearbeitungsgebühr. Der Zins liegt also in der Ecke des Notfallzinses ... Womit meine These von gestern zumindest kein kompletter Schwachsinn ist ... Zumindest bis heute ;-)

FAZ: Anleiheemission gelingt

FTD: Athen muss für Schatzwechsel tief in die Tasche greifen

Kommentare :

  1. Man sollte aber nicht vergessen, dass mit sinkenden griechischen Zinsen für die deutschen Schuldtitel mehr Rendite verlangt wird. Diese Art von Kosten - ganz gleich auf welchem Politikfeld, kann auch eine "Gesundheitsreform", irgendwelche Subventionen oder sonst was sein - wird von der Politik wie den Medien (fast möchte ich sagen: bewußt) unterschlagen.

    Zu den sechsmonatigen Schatzwechseln, die für sagenhafte 4,55% rentieren: versteh ich absolut nicht. Das Risiko, dass Griechenland innerhalb der nächsten sechs Monate insolvent wird, ist nach dem Bailout nur unwesentlich höher als ein deutscher Staatsbankrott. Wenn ich Schäuble mein Geld für sechs Monate überlasse, kriege ich was weiß ich 0,5%? 1%? Wenn ich griechische Schatzwechsel mit deutscher Staatsgarantie kaufe, dann bekomme ich 4,55%. Verrückt.

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  2. Ich verstehe die aktuellen Diskussionen nicht. Da gibt es ein "Rettungspaket" für Griechenland und urplötzlich ist alles wieder in Butter?

    Das Refinanzierungsproblem von Griechenland ist doch nur *EIN* Symptom der Probleme.

    Wie kann es entscheidend sein, ob Griechenland 4% oder 6% Zinsen zahlt, wenn sie es aus eigener Kraft nicht mehr schaffen, ihre Wirtschaft zu sanieren?

    Joachim Starbatty dazu:
    "Wenn die Griechen tun, was sie tun müssten, steuern sie ihre Volkswirtschaft in eine Rezession. Dann bricht die Kreditfähigkeit endgültig weg, weil die Einnahmen für den Schuldendienst ausbleiben."

    Genau das ist doch das Problem:
    Eine expansive Fiskalpolitik kann sich Griechenland aufgrund der Verschuldung nicht leisten und bei einer harten Sanierung bricht die Wirtschaft zusammen, der die Bedienung der Schulden nicht mehr möglich macht.

    Und wir diskutieren hier, wie toll es ist, dass Griechenland jetzt nur noch x% Zinsen zahlt...

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  3. @matsch: Das macht natürlich eigentlich keinen Sinn. Man muss aber sehen, dass es keine Garantie gibt. Es wird keine Haftung übernommen. Es werden 30 Mrd. (+ ca. 15 vom IWF) direkt an Griechenland vergeben. Also etwa 15% der Schulden können die Griechen jetzt ohne Refinanzierungsprobleme abfackeln. Der Rest ist aber wacklig wie vorher auch.

    @Anonym:

    Es ist gar nix in Butter. Aber die Griechen haben etwas Zeit gewonnen. Belgien hatte auch mal ein Haushaltsdefizit von >100% des BIPs und ist heute auf dem Niveau von Deutschland. Das ist nicht einfach, aber immerhin können es die Griechen jetzt versuchen. Ein großer Staat bietet immerhin auch große Chancen zu sparen. Und ein schlechtes Steuersystem bietet ein großes Potenzial für Mehreinnahmen. An allem Negativen ist auch immer eine positive Seite ...

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  4. ich bleib dabei: die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland innerhalb des nächsten halben Jahres insolvent wird und die Schatzwechsel nicht mehr zurückzahlt, ist seit dem Wochenende nur unwesentlich größer als eine deutsche Staatpleite

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