Zahl des Tages (14.04.10): 61%

Eigentlich hatte ich was anderes geplant, aber dieser Verlust muss einfach zur Zahl des Tages werden. Vor allem wenn es um eines der Themen geht, die hier quasi permanent behandelt werden: Den US-Immobilienmarkt.

Heute hat Morgan Stanley einen Brief an die Besitzer des Immobilienfonds Morgan Stanley Real Estate VI geschrieben, der 8,8 Milliarden Dollar schwer ist. Besser gesagt: Schwer war. Denn der Fonds muss eine Abwertung um 5,4 Milliarden Dollar oder

61%(!!!)

vornehmen. Für einen so großen Fonds ein Verlust von historischem Ausmaß.

Das wirft ein interessantes Licht auf den Markt der Gewerbeimmobilien. Jetzt könnte man sagen, dass das bei der kritischen Lage des US-Gewerbeimmobilienmarkts nicht sonderlich überraschend sei. Die kritische Lage bei vielen Hotelbauten, Einkaufszentren, etc. wurde im Rahmen der Ausfallraten von CMBS (commercial mortgage backed securities) hier einige Male diskutiert.

Aber 61% sind schon ein Wort. Vor allem aber, wenn man weiss, dass der Fonds nicht auf die USA beschränkt ist, sondern auch in Europa und Japan aktiv war. Unter anderem gehört das EZB-Hochhaus im Frankfurt dem Fonds. Wenn man jetzt mal davon ausgeht, dass diese Immobilien relativ preisstabil waren, heisst das, dass die Preise in den USA ziemlich kräftig unter Druck gekommen sind ...

FTD: Morgan-Stanley-Fonds droht Milliardenverlust

Handelsblatt: Immobilienfonds von Morgan Stanley droht Megaverlust

Da bleibt mir nur, den Immobilienfondsbesitzern in Deutschland viel Glück zu wünschen. Ein Verlust in der Größenordnung scheint hierzulande zwar kaum vorstellbar, denn die 61% gehen wahrscheinlich darauf zurück, dass der Fonds stark gehebelt war. Auf jeden Dollar Anlagegelder kam also noch ein ganzer Batzen Fremdkapital. Und wenn man z.B. bei je 3 Dollar Fremdkapital einen Rückgang der Immobilienpreise von 25% hinnehmen muss, ist das Eigenkapital weg. Eine solche starke Hebelung des Eigenkapitals ist in offenen deutschen Immobilienfonds nicht zugelassen. Maximal 50% des Immobilienvermögens dürfen beliehen werden, was einen Hebel von maximal knapp 2 macht (es muss immer mind. 5% Liquidität gehalten werden).

Zu den offenen (ähem) deutschen Immobilienfonds: Suche nach P2

Update (15.04.10):

Die FAZ liefert ein paar sehr interessante Zahlen zum Morgan Stanley Fonds. Dieser war noch viel weniger in den USA investiert als ich vermutet hätte. Der Amerika-Anteil ist verschwindend gering und es kommen jeweils grob ein Drittel aus Europa, Japan und dem Rest Asiens.

Auf den Turm der EZB (Eurotower) in Frankfurt schreibt Morgan Stanley 90%(!) ab. Da wurde wohl viel zu teuer gekauft und sehr stark mit Fremdkapital gearbeitet. Leider fehlt die Zahl, die ich gestern auch schon gesucht habe, im Artikel: Der durchschnittliche Fremdkapitalanteil über den gesamten Fonds. Denn dann könnte man schätzen, ob die durchschnittliche Abwertung der Gewerbeimmobilien von 2,1% für 2009, was ein deutscher Immobilienverband errechnet hat, realistischer ist als der deutlich kräftigere Preisrückgang, der als Ursache hinter der 90%-Abschreibung von Morgan Stanley stecken muss.

FAZ: Anlegern droht Milliardenverlust mit Büroimmobilien

Kommentare :

  1. Naja, es wurde ja lange genug angekündigt, dass die nächste Blase bei den amerikanischen Gewerbeimmobilien platzt. Die Frage wird sein, wie weit der Eiter dieses Mal spritzt.

    Und bei Morgan Stanley überrascht mich ohnehin gar nichts mehr.

    AntwortenLöschen
  2. Ne wirkliche Überraschung ist das wirklich nicht. Die eigentliche Überraschung ist eher, dass das kein rein amerikanisches Phänomen ist.

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore